„Das alles ist deine Schuld“ – Asya Lavrinovich, Zusammenfassung
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Asya Lavrinovichs Roman „Alles wegen dir“ erschien 2023 bei Like Book, einem Mitglied der Eksmo-Gruppe. Er erzählt die Geschichte von Mascha Raeva, deren Sommer auf der Datscha ihrer Großmutter von der Erinnerung an einen alten Groll, einer neuen Romanze und der Rückkehr eines Mannes überschattet wird, an den sie verdrängt hatte. Schon auf den ersten Seiten kehrt die Handlung zur alten Scheune der Datscha zurück, wo einst ein Kuss stattfand, der Mascha mit Gefühlen von Unbehagen und Wut erfüllt. Das Haus ihrer Großmutter steht inmitten neuer, luxuriöser Häuser, der Garten ist seit dem Tod ihres Großvaters verwildert, und die Datscha selbst bleibt für die Familie ein Ort der Erinnerung, trotz wiederholter Versuche, das Grundstück zu kaufen.
Mascha kommt im Sommer dorthin, um ihrer Großmutter zu helfen, obwohl sie die Datscha gerade wegen ihrer langjährigen Beziehung zu ihrem Nachbarn Jovan Garbić nicht mag. Ihr familiärer Kreis prägt sofort ihren Alltag: Sie ist sehr herzlich zu ihrem Vater und ihrer Großmutter, reagiert schmerzlich auf die Kälte und das Getue ihrer Mutter und sucht die Nähe von Menschen, denen sie sich nicht verstellen muss.
Vor diesem Hintergrund beginnt Mascha eine Affäre mit Lenja, einem jungen Schriftsteller, der zunächst intelligent, ungewöhnlich und reif wirkt. Er spricht elegant, schreibt unermüdlich und weiß, wie er Aufmerksamkeit erregt. Mascha fühlt sich von der geheimnisvollen Aura seines Gegenübers geschmeichelt. Selbst ihre Großmutter ist ihm gegenüber sofort misstrauisch und bezeichnet Schriftsteller beinahe scherzhaft als überirdisch, doch Mascha schenkt dem zunächst keine Beachtung.
Der Sommerrhythmus wirkt recht friedlich: die Datscha, der See, Spaziergänge, ab und zu ein Ausflug in die Stadt, Gespräche mit den Freunden Lika und Slava, Hausarbeit und der Versuch, das Grundstück in Ordnung zu bringen. Mitten in diesen gewöhnlichen Tagen taucht plötzlich Jovan auf, derselbe Nachbar, der Mascha so viele Jahre lang davor bewahrt hat, sich an Unnötiges zu erinnern. Er ist erwachsen geworden, sein Aussehen hat sich verändert, er ist selbstbewusster geworden, aber seine bissige Art und seine Neckereien mit Mascha sind geblieben.
Ihre ersten Begegnungen wirken fast wie ein alter, noch nicht beigelegter Streit. Mascha empfindet Jovan als arrogant und unangenehm, Jovan kontert mit Sticheleien, und die alte Spannung bricht in ihren Wortgefechten schnell wieder auf. Doch aus irgendeinem Grund reagiert Mascha in seiner Gegenwart viel emotionaler als in der von Lenya, deren Höflichkeit zunehmend aufgesetzt wirkt.
Nach und nach ist es der Alltag in der Datscha, der Mascha und Jovan einander näherbringt. Sie begegnen sich immer wieder in der Nähe des Hauses und am Strand, streiten, necken sich, schwelgen in Kindheitserinnerungen, und unter ihrer anfänglichen Härte wird eine gegenseitige Zuneigung deutlich, die sie lange verborgen haben. Mascha bemerkt, dass Jovan sie unvoreingenommen beobachtet, ihre Verwirrung und ihren Ärger erkennt, und dass er nicht mehr dem Jungen ähnelt, der einst einfach mit den Gefühlen anderer gespielt hat.
Gleichzeitig beginnt die Romanze mit Lenya zu zerbrechen. Seine Unpünktlichkeit, sein unerklärliches Verschwinden, seine Stimmungsschwankungen und sein Kontrollzwang gegenüber Mascha verwandeln die Beziehung in eine schwere Belastung, und Angst ersetzt die Entspannung. Die Verlagsbeschreibung weist ausdrücklich darauf hin, dass die Handlung Themen wie Stalking und schmerzhafte Beziehungen berührt, und in Lenyas Geschichte wird dies zum Kern der Geschichte, nicht zu einem nebensächlichen Detail.
Mit der Zeit wird Mascha immer deutlicher, dass Lenya das Wort „Nein“ nicht akzeptiert und die Grenzen anderer als Hindernis empfindet. Begegnungen mit ihm beginnen ihr Angst zu machen, seine Gesten wirken nicht mehr romantisch, und seine Versuche, aus Höflichkeit den Kontakt aufrechtzuerhalten, verschlimmern die Situation nur noch. Mascha versucht selbst herauszufinden, was mit ihm los ist, und sucht sogar nach Lenyas Schwester, denn sie weiß, dass er ernsthafte Probleme hat und eine einfache Trennung nicht mehr das Ende der Geschichte ist.
In dieser Phase wird die Rolle von Freunden und Familie besonders deutlich. Lika und Slava scherzen und streiten anfangs und benehmen sich wie ausgelassene Schüler, doch in Gefahrensituationen sind sie für sie da, und Maschas Großmutter und Vater bleiben die Menschen, bei denen sie aufatmen kann. Auch Jovan verliert seinen Groll und wird zu jemandem, der Mascha nicht im Stich lässt, wenn sie wirklich Angst hat.
Jovan hat derweil seine eigene komplizierte Beziehung zu Arina, und Mascha kann lange Zeit nicht einschätzen, wie frei er wirklich ist und wie sehr sie ihm vertrauen kann. Ihre Annäherung verläuft stockend: mal durch Eifersucht und Zurückhaltung, mal durch plötzliche, offene Gespräche, mal durch eine fast kindliche Zärtlichkeit, die ihre gegenseitige Sturheit durchbricht. Je mehr sich die Situation mit Lenya zuspitzt, desto deutlicher wird, dass Maschas Verbindung zu Jovan nicht auf schönen Worten, sondern auf echter Sorge und ehrlicher Präsenz beruht.
Die entscheidenden Szenen drehen sich nicht mehr um die Wahl zwischen zwei Männern, sondern darum, ob Mascha sich aus der ihr aufgezwungenen, schmerzhaften Beziehung befreien und das abnorme Verhalten anderer nicht länger rechtfertigen kann. Sie verwechselt Beharrlichkeit nicht länger mit Liebe und klammert sich nicht länger an das Bild von Lenja als einer „interessanten“ Person, der man vieles verzeihen kann. In Szenen mit angespanntem Stadtverkehr, Streitereien, Verfolgungsjagden und schwierigen Gesprächen erlebt die Heldin Angst, Wut und Scham und beginnt schließlich, ihre Stimme zu erheben.
Danach finden Mascha und Jowan zueinander und hören auf, sich gegenseitig zu necken. In den letzten Kapiteln kehrt die Handlung zur Datscha zurück, wo alles begann, und dort findet die persönliche Geschichte der Figuren endlich eine klare Antwort. Mascha schenkt Jowan einen selbstgemachten Drahtring, den sie seit ihrer Kindheit für ihren „Prinzen“ aufbewahrt hat, und er gesteht, dass er ihretwegen zur Datscha gekommen ist.
Die letzten Seiten lösen die Spannung und verbinden Maschas Liebe wieder mit dem Haus ihrer Großeltern. In Träumen und Erinnerungen bleibt die Datscha unverändert: mit geblümter Tapete, einem Apfelbaum, Johannisbeersträuchern, Minze am Zaun, einer Hängematte und einer alten Scheune mit der Inschrift „Mascha + Wanja = Liebe“. Der Roman endet nicht mit abstrakten Überlegungen, sondern mit einem Gefühl der Erleichterung nach langer Angst, als Maschas Gefühle für Jovan keine Qual mehr sind, sondern eine ruhige und klare Vertrautheit.
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