„Ein Tropfen Parfüm in einer offenen Wunde“ von Katya Kachur, Zusammenfassung
Dieses 2020 erschienene Buch erzählt die Geschichte der komplexen Lebenswege zweier begabter Menschen. Der Text entführt den Leser in eine dichte Welt aus Düften und Klängen und erzählt von schmerzhafter Bindung, brutalem kreativem Burnout und unausweichlicher Einsamkeit. Die Autorin verwebt Elemente des schonungslosen Realismus mit subtiler Mystik und erschafft so eine reiche Atmosphäre hinter den Kulissen des Fernsehens und im Untergrund des Parfümmarktes der Hauptstadt.
Kindheit und Trennung
Asya und Slavochka lernten sich in ihrer frühen Kindheit bei langen Musikstunden kennen. Das Mädchen spielte auf einem alten Klavier und begleitete andere Musiker. Der Junge übte fleißig Geige. Die strengen Moskauer Winter hinterließen schmerzhafte Risse an Asyas zarten Händen – rote Pickel, die im eisigen Wind bluteten. Die Kinder kehrten durch Schneestürme nach Hause zurück und stapften kilometerweit durch verschneite Straßen.
Eines Tages erkrankte Slavochka schwer, sein Fieber stieg auf 39,5 Grad Celsius. In seinem fiebrigen Delirium sah der kleine Geiger immer wieder die kalten, verletzten Hände seiner Freundin. Er stellte sich vor, wie jemand in totengrüner Gestalt eisige Luft auf ihre Haut blies. Die Krankheit verband ihre Ängste auf innige Weise. Doch schon damals entstand ein starkes, unsichtbares Band zwischen den Kindern.
Die erwachsenen Protagonisten leben in Paralleluniversen. Der Mann erreicht den Gipfel des musikalischen Erfolgs und füllt weltweit Tausende von Zuschauern. Die Frau stürzt bis ganz nach unten auf der sozialen Leiter und verliert ihren früheren Scharfsinn und ihre beruflichen Fähigkeiten. Sie werden zu krassen Gegensätzen. Der eine sonnt sich im Glanz des Ruhms, die andere verschwindet in der gesichtslosen Masse der Großstadt. Doch ihre Schicksale bleiben untrennbar miteinander verbunden. Die Vergangenheit holt sie immer wieder ein und zwingt sie, alte Wunden erneut zu durchleben.
Der harte Alltag eines Fernsehzentrums
Als Erwachsene verfolgte Asya eine Karriere als Fernsehproduzentin und Journalistin. Sie arbeitete im Ostankino Television Center und war dort täglich dem hektischen Tempo der Live-Sendungen ausgesetzt. Der Jargon der Fernsehprofis wurde zur Sprache ihres stressigen Alltags. Um plötzliche Sendepausen zu füllen, nutzte sie „zeitlose“ Geschichten – vorbereitete, universelle Handlungsstränge.
Asya eilt durch endlose Gänge auf der Suche nach Ersatz für die kranken Zirkustiere der Zapashny-Brüder. Ein Tiger erbricht sich im Auto, und sie muss die Sendung retten. Sie spricht klassische Musiker vor ihren Konzerten an und engagiert sie für Dreharbeiten. Dieser zermürbende Wettlauf verlangt ihr ein enormes Engagement ab. Die Journalistin steht ständig am Rande eines Nervenzusammenbruchs.
Auf einer ihrer Dienstreisen gerät Asya in eine gefährliche Situation. Die Journalistin findet sich in einem luxuriösen Hotelzimmer mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten der Region, Vitaly Arkadyevich, eingeschlossen. Der hochrangige Beamte schreitet in einem Bademantel umher und gibt den Blick auf seine behaarten Beine frei. Er schenkt teuren Champagner ein, rückt einen Eisbehälter näher und deutet Intimität an.
Das verängstigte Mädchen beweist Klugheit. Sie lügt über eine unheilbare Immunerkrankung und behauptet, sie könne im Bett keine Lust empfinden. Der verblüffte Politiker lacht überrascht, verliert aber jegliches Interesse an Gewalt. Asya trinkt den Sekt. Sie isst die angebotenen Kartoffeln und das gebratene Fleisch und verlässt den unheilvollen Raum.
Die Welt des Untergrunds und der Aromen
Die zermürbende Arbeit beim Fernsehen führt zu einer schweren kreativen Krise. Der Chefregisseur macht Asya unverblümt klar, dass sie für den Job völlig ungeeignet ist. Er überwältigt die Journalistin brutal mit dem Geruch von billigem Parfüm und Alkohol. Der ehemalige Fernsehstar verliert ihren geliebten Job, ihr sicheres Einkommen und ihren Status.
Das Mädchen verfällt in Armut. In dieser dunklen Zeit wird ihr ausgeprägter Geruchssinn zu ihrem einzigen Halt. Asya sammelt seltene Düfte. Trost findet sie in einer geheimen Gemeinschaft großstädtischer Parfümliebhaber. Düfte ersetzen für sie das wirkliche Leben. Sie bringen ihr kurze Erinnerungen an früheres Glück zurück.
Spät abends steigt Asya in die hallende U-Bahn hinab, um eine lang erwartete Transaktion abzuwickeln. Ein riesiger, rosiger Mann, über hundert Kilogramm schwer, überreicht ihr einen schweren Karton. Darin befindet sich eine schwarz lackierte Schachtel, die an einen Sarg erinnert. In diesem Sarg, gebettet auf drapierter Seide, liegt ein Flakon des seltenen Parfums „De la nuit 2 Roja“. Der Deckel ist mit großen schwarzen Kristallen verziert.
Die Journalistin entfernt den Kristallverschluss. Sie tupft einen Tropfen Parfüm auf ihr schlankes Handgelenk. Der Duft versetzt sie in eine völlig andere Welt. Die kraftvollen Akkorde von Rachmaninows Präludium in g-Moll umspülen sie. Die Musik übertönt das Dröhnen der einfahrenden Züge, das Stimmengewirr der Menschen und das dämonische Heulen der U-Bahn-Zugluft.
Der Preis des Genies
Slavochkas Leben nimmt eine andere Wendung. Der talentierte Geiger erreicht unglaubliche Höhen und wird zu einer Weltberühmtheit. Er verdient enorme Tantiemen. Das Genie zieht in eine luxuriöse Wohnung in der Starokonyushenny-Gasse. Die Wohnung besticht durch ihren opulenten Stil. Kostbare Seidenteppiche bedecken den Boden, und grafische Leuchtkästen schmücken die Wände.
Die Bauarbeiter schlossen sich dem alten Abstellraum und dem Badezimmer an. Sie schufen ein luxuriöses türkisches Bad mit einer gusseisernen Badewanne, die auf massiven Löwenpranken ruht. Ohne das geringste Bedauern überlässt er seine frühere Wohnung im Stadtteil Krylatskoje Freunden. Das strenge Gesicht des Maestros blickt von riesigen Werbetafeln auf die Moskauer herab.
Trotz seines öffentlichen Erfolgs bleibt Slavochka ein unglücklicher Mann. Eine innere Leere verzehrt ihn. Der Musiker kann seine Jugendliebe nicht vergessen. Jede der seltenen Begegnungen mit der verlorenen Asya endet in qualvollen körperlichen Qualen.
Seine Finger, die meisterhaft brillante Musik komponierten, schmerzten entsetzlich. Seine Fingerglieder verkrampften sich in unerträglichen Krämpfen. Dieser körperliche Schmerz war eine grausame Vergeltung für vergangene Fehler und menschlichen Verrat. Zwei unendlich einsame Menschen wurden immer wieder voneinander getrennt. Sie begegneten sich nur, um einander weiteres Leid zuzufügen.
Abschied auf dem Podium
Am Ende des Buches befindet sich Asya auf einer seltsamen, erhöhten Plattform, die an ein Podest erinnert. Ihr ist das unausweichliche Ende ihres irdischen Lebens klar. Eine Menge weinender Menschen versammelt sich schweigend um sie. Unter ihnen sind ihre ehemaligen Kollegen, berühmte Schauspieler und Tiere. Nika schreit leise vor überwältigender Trauer auf. Nekhoroshev wischt sich bittere Tränen aus dem Gesicht.
Schauspieler Ralph Fiennes erstarrt in Zeitlupe. Katzen blicken mit verwirrten Augen in seine Seele. Jedes Wort des Journalisten scheint eine unumstößliche Wahrheit zu sein, in schweres Gold gegossen.
Slavochka steht an der Spitze der Trauernden. Der erschöpfte Geiger presst seine deformierten Finger an die Schläfen. Der Maestro bittet Asya, Rachmaninows Part ab dem zweiten Stück zu spielen. Der Musiker möchte ihre alte Abschlussprüfung wiederholen. Er fasst sich ein Herz und beteuert seine unsterbliche Liebe.
Der Mann erzählt, sein Freund Kostik habe ihm geraten, sich bis zum Schluss zu öffnen. Asya erwidert den Rat mit einem Anflug von Traurigkeit. Die Journalistin gibt zu, dass auch sie ihn immer geliebt hat. Tiefsitzender, alter Groll hatte sie jedoch daran gehindert, länger zusammen zu sein.
Ein Schritt in die Ewigkeit
Der geheimnisvolle Zauberer Yura nähert sich Asya durch die sich teilende Menge. Sein Gesicht strahlt absolute Ruhe und herzliche Freundlichkeit aus. Eine dreifarbige Katze namens Dulcinea schwebt neben ihm in der Luft. Yura verbietet dem Mädchen strengstens, von ihrem hohen Podest herabzusteigen.
Der Mann fordert sie auf, tief in sich hineinzusehen. Asya senkt gehorsam den Blick. Unter ihren Rippen entdeckt sie ein elegantes Gebilde – einen kleinen silbernen Haken. Er strahlt ein angenehmes, kühles Licht aus. An diesem leuchtenden Haken, ordentlich zusammengefaltet wie ein riesiger, dichter Fallschirm, hängt ihre menschliche Seele.
Der Zauberer drängt Asya, ihre Ängste zu überwinden. Er bittet sie, den Fallschirm vom silbernen Haken zu lösen. Yura erklärt selbstsicher, dass Menschen, die weinen, ihre Probleme unweigerlich selbst lösen werden. Gierig atmet das Mädchen den neuen, ungewohnten Duft ein. Ihm fehlt jede vertraute, irdische Note.
Sie sieht das knarrende Tor der alten Datscha vor sich aufgehen. Die grünen Wipfel des Eichenhains rauschen einladend hinter der Tür. Stasiks ewig jung gebliebener Vater winkt ihr zu, immer noch rauchend. Asya atmet tief die frische Luft ein und legt ihren Fallschirm ab.
Die weiße Kuppel öffnet sich mit einem klingenden Geräusch. Die Seele beginnt sich in einer weiten Spirale zu drehen. Sie hinterlässt eine schimmernde Spur. Dann werden die weißen Flügel von einem starken Luftstrom erfasst. Die Seele löst sich für immer im Blau auf.
- „Zeit der Stille“. Maxim Malillo
- „Jitterbug Parfüm“ von Tom Robbins
- PERFUMERY MASTER CLASS "ERSTELLE DEIN EIGENES AROMA"
- „Auf der Suche nach dem Schatz“ von Asya Lavrinovich, Zusammenfassung
- „Verlieben in 90 Sekunden“ von Asya Lavrinovich, Zusammenfassung
- „Das alles ist deine Schuld“ – Asya Lavrinovich, Zusammenfassung
Adblock bitte ausschalten!
Sie können nicht kommentieren Warum?