„Die Tür zur Dunkelheit“ von Sergei Lukyanenko, Zusammenfassung
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Dieses Buch ist eine Sammlung früher Fantasy-Erzählungen, deren Mittelpunkt ein 1994 erschienener Debütroman für junge Erwachsene bildet. Darin werden die komplexen Grenzen zwischen wahrer Freundschaft, Pflicht und Verrat eingehend erforscht. Unter einem Band vereint dieses Hauptwerk mehrere eigenständige Kurzgeschichten. Jede Geschichte konfrontiert junge Protagonisten mit einer unglaublich schwierigen moralischen Entscheidung. Die Erzählungen spielen in unterschiedlichen Welten, doch in allen Fällen sind die Figuren gezwungen, das Wertvollste zu opfern, um ihre Liebsten zu retten.
Die in dieser Sammlung enthaltene Geschichte „Der Diener“ wurde 1996 auf der Interpresscon mit dem Genrepreis für die beste Kurzgeschichte ausgezeichnet.
Der Junge und die Dunkelheit
Danka, ein ganz normaler Teenager mit einer Erkältung, liegt zu Hause und sieht einen Sonnenstrahl ins Zimmer fallen. Im Spiegel eines antiken Wandspiegels nimmt das Licht eine flauschige Gestalt an. Danka begegnet dem Sonnenkätzchen – einem intelligenten, fröhlichen Wesen aus reinem, wahrem Licht. Das Kätzchen findet mühelos die verborgenen Türen in der Wand einer Stadtwohnung, und gemeinsam betreten sie eine andere, unbekannte Welt. Plötzlich schlägt die Tür hinter ihm zu. Es stellt sich heraus, dass die Einheimischen vor langer Zeit ihre helle Sonne an interstellare Händler verkauft haben, die von weit her kamen, um irdischen Komfort und ständige Sättigung zu erlangen. Danka findet sich in einem Universum wieder, in dem ewige, tiefe Nacht herrscht und der Himmel in einen undurchdringlichen grauen Dunst gehüllt ist.
Nun beherrschen die Flieger – strenge Diener der Finsternis, gehüllt in wallende schwarze Gewänder – ungehindert den Himmel. Ihnen stellen sich die Geflügelten entgegen – tapfere Jugendliche, die mit besonderen, symbiotischen Flügeln menschliche Siedlungen vor nächtlichen Überfällen schützen. Erwachsene nehmen aus Prinzip nicht an den Kämpfen teil. Danka entkommt den Fliegern in einem felsigen Tal nur knapp und trifft dort auf Len, einen Einheimischen, mit dem er eine Kampfpartnerschaft eingeht. Während eines seiner Patrouillenflüge gerät Danka mit einem Flieger aneinander, weigert sich aber entschieden, den gefallenen Feind zu töten. Der Feind scheint ein ganz normaler Mensch zu sein, der jämmerlich um Gnade fleht.
Wegen seines eklatanten Verstoßes gegen das Militärrecht bestrafen die Ältesten der Geflügelten Danka grausam. Sie blenden den Jungen kaltblütig mit einem Dolch mitten auf dem Marktplatz. Sunny Kitten gibt dem Kind mithilfe des auf wundersame Weise erhaltenen uralten Sonnensteins, einem Geschenk des alten Gert, sein Augenlicht zurück. Danka erlangt die Wahre Sicht – eine einzigartige magische Fähigkeit, das wahre Wesen der Dinge um ihn herum und die verborgensten menschlichen Absichten zu erkennen. Zusammen mit Len und Kitten wird Danka als bewaffneter Leibwächter für den reichen Kaufmann Gabor angeheuert.
Auf einer langen Fußreise wird die Karawane von Fliegern angegriffen, die Len gewaltsam entführen. Danka dringt heimlich in den düsteren, hohen Turm der Feinde ein. Dort findet er seinen gequälten, treuen Freund, dem die Peiniger bereits rauchendes Schwarzes Feuer übergeschüttet haben, um ihn in ein Monster zu verwandeln. Danka rettet seinen Kameraden und bringt dabei ein massives Steingebäude zum Einsturz. Mit großer Mühe gelingt es Len, die Dunkelheit in seinem Körper zu bändigen. In einer hell erleuchteten Hafenstadt voller Händler angekommen, steigt Danka in das mystische Labyrinth des Alten Schwertschmieds hinab. Dort unterzieht sich der Junge einer schweren psychologischen Prüfung seiner Ängste und erhält das Wahre Schwert – eine absolut unzerstörbare Waffe, die nur einmal gegen einen wahren Feind eingesetzt werden kann.
Die Helden kehren zu den Geflügelten zurück. Um die friedlichen Stadtbewohner zu einem Generalangriff auf den zentralen Turm des Herrn der Fliegenden zu zwingen, schmieden Danka und Kitten einen skrupellosen Militärplan. Len wirft Glasflaschen mit dem Schwarzen Feuer auf seine Heimatstadt. Der alte Gert stirbt tragischerweise in dem darauf folgenden Feuer. Vom Feuer provoziert, vergessen die Geflügelten augenblicklich ihre ewige Furcht und beginnen einen blutigen Krieg.
Im Hauptspiegelturm begegnet Danka dem wiedergeborenen Fliegenden Kert, Lans ehemaligem Partner. In einem erbitterten Kampf tötet Kert Lan kaltblütig mit einem Hieb seiner Schattenklinge. Danka weigert sich, das Wahre Schwert zu benutzen und stößt Kert gewaltsam durch die Verborgene Tür zur Erde, wo die direkten Sonnenstrahlen das Monster augenblicklich verbrennen. Das Sonnenkätzchen opfert sich freiwillig und absorbiert die gewaltige Energie aus den tiefen Schichten des Sonnensteins.
Das Kätzchen erhebt sich gen Himmel und verwandelt sich in eine neue, strahlende Sonne für die gerettete Welt. Die Fliegenden erstarren und sterben massenhaft. Danka nutzt ihr neu gefundenes Wahres Licht, um Lan vollständig zu heilen und wiederzubeleben. Die wiedererweckten Helden finden eine neue Verborgene Tür inmitten unzähliger Welten und kehren gemeinsam zur Erde zurück.
Diener
Eilar Vaas, die Tochter eines mächtigen und herrischen Herrschers, kehrt von einer langen Jagd in ihre angestammte Burg zurück. Ihr Vater, Rand Vaas, besitzt ein uraltes silbernes Diadem, das Portale zu anderen Welten öffnet. Er bringt einen jungen Gefangenen namens Alexander von einer anderen Expedition mit und erklärt ihn sogleich zum Sklaven. Die Gesetze ihrer strengen Gesellschaft sind unerbittlich: Unter keinen Umständen darf ein freier Mann versklavt werden – die Strafe dafür ist der sofortige Tod. Eilar beschließt, den Fremden genauer zu untersuchen.
Nachdem sie Zeit mit Alexander in einem prächtigen Garten verbracht hat, bittet sie ihn, ihr ausführlich von seiner Heimatwelt zu erzählen. Ihr wird sofort klar, dass der junge Mann frei geboren wurde. Eilar verliebt sich Hals über Kopf in ihn, doch es ist unmöglich, einen Sklaven körperlich oder seelisch zu lieben. Streng den unumstößlichen Regeln folgend, bringt sie ihrem Vater das Familienschwert. Rand Vaas ersticht sich freiwillig und gesteht so seinen fatalen Fehler ein. Eilar lässt Alexander zurück zur Erde reisen, zerstört das silberne Diadem für immer und erklärt ihren eintreffenden Verwandten, dass ihre Handlungen von den unumstößlichen Gesetzen ihrer alten Welt bestimmt sind.
Der Weg nach Wellesberg
Die Teenager Mikhail und Igor bezeichnen sich selbstbewusst als Roaders – ewige Wanderer und Vagabunden, die die Ruhe des Lebens in einer hochtechnisierten, wohlhabenden Gesellschaft ablehnen. Zu ihnen gesellt sich Dave, ein Ausreißer. Auf der Flucht vor der Kälte findet das Trio für die Nacht Unterschlupf im gemütlichen Haus des Linguisten Evans. Mikhail ist ein künstlicher Mutant, ein sogenannter „Schnüffler“, der die Realität mit erstaunlicher Genauigkeit in einzelne Gerüche zerlegen kann. Er entdeckt schnell, dass Evans’ gastfreundlicher Sohn Timmy über eine seltene Gabe der Psychokinese verfügt. Timmy führt heimlich schwierige Fernoperationen durch und rettet so unheilbar Kranken das Leben.
Für einen jungen Organismus führt Telekinese zu unerträglichen, stechenden Schmerzen und langsamer Zerstörung. Michail selbst entkam vor langer Zeit dem Wellesberg-Genzentrum, unfähig, die furchtbare Qual der Synthese des Medikaments PKF zu ertragen, welches die gerichtete Telekinese erweckt. Schockiert von Timmys täglichem, kindlich unermüdlichem Einsatz, verlässt Michail heimlich seine schlafenden Freunde und kehrt entschlossen nach Wellesberg zurück. Er will das gefährliche Experiment vollenden und der Menschheit ein fertiges synthetisches Heilmittel geben, um den kleinen Jungen für immer von dieser einsamen, schrecklichen Last zu befreien.
Mein Vater ist ein Antibiotikum
Alik, ein Junge, lebt dauerhaft bei seinem Vater, einem strengen Offizier des Marine Corps. Seine Mutter verließ sie vor langer Zeit und warf ihrem Mann vor, sich in eine willenlose Maschine verwandelt zu haben, die rebellische menschliche Kolonien niederbrannte. Nach der brutalen Niederschlagung eines Aufstands auf dem Planeten Tuan schenkt sein Vater Alik ein Metallarmband als Trophäe eines gefallenen Rebellen. Stolz legt Alik den engen Ring an sein Handgelenk. Bald erfährt der Junge aus offiziellen Nachrichten und einem Videoanruf von der Mutter des toten Teenagers, dass sein bester Freund Arnis auf Tuan einen ruhmlosen Tod fand, nachdem er zu den Rebellen übergelaufen war.
Arnis trug ein identisches Armband, das sich als raffinierte Zeitbombe entpuppte. Die Rebellenführer hatten den Jugendlichen absichtlich eine Waffe gegeben, die unweigerlich genau 24 Stunden nach dem Tod des Trägers explodieren würde. Als Alik erkannte, dass der tödliche Mechanismus an seinem Arm kurz vor der Detonation stand, ging er zu seinem schlafenden Vater. Der erfahrene Fallschirmjäger lud seinen Sohn blitzschnell in einen Hochgeschwindigkeitsflieger, stieg hoch über den See und trennte dem Jungen mit einem gezielten Schuss aus einem Kampflaser die Hand ab. Er warf den Arm, an dem noch das Armband hing, kurz vor einer gewaltigen Plasmaexplosion über Bord. Alik, geschockt, lachte hysterisch die tröstenden Ärzte an und wiederholte unter Tränen verzweifelt das abfällige Wort „Antibiotikum“.
Es ist fast Frühling
Der achtzehnjährige Mikhail Kobrin, der über einen einzigartigen, überempfindlichen Geruchssinn verfügt, erhält von einem regionalen Genetikzentrum eine niederschmetternde Diagnose. Er und seine Freundin Katya gelten als biologisch inkompatibel und können daher niemals legal Kinder miteinander bekommen. In seiner Verzweiflung nimmt Mikhail ein illegales, geheimes Angebot des Wissenschaftlers Edgar vom Temporalen Institut an. Edgar bittet ihn eindringlich, mithilfe von Mikhails außergewöhnlichem Geruchssinn seinen leiblichen Sohn unter Tausenden von Teenagern zu finden. Im Gegenzug verspricht der verzweifelte Wissenschaftler, heimlich mit einer Zeitsonde die Vergangenheit von Katyas Vorfahren am Ende des 20. Jahrhunderts leicht zu verändern und ihren Genotyp zu korrigieren.
Michail findet den richtigen Jungen und reist gehorsam zurück ins Jahr 1992. In einem dunklen Herbstpark vernichtet er Katjas lästige Rivalin mit einem präzisen, lähmenden Schlag und verändert so den Lauf der Geschichte. Zurück in der Welt erhält Michail das begehrte grüne Siegel der biologischen Kompatibilität. Doch der verzweifelte Edgar berichtet ihm im Stillen, dass die Realität durch diesen brutalen Eingriff in die Zeit völlig umgestaltet wurde: Sein eigener Sohn wurde nie geboren. Der Turm aus Bauklötzen ist eingestürzt. Michail macht sich für immer auf den Weg zu der wartenden Katja, im vollen Bewusstsein, dass sie für ihr eigenes, kurzzeitiges Glück gnadenlos das Leben eines anderen zerstört haben.
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