„Brisbane“ von Evgeny Vodolazkin, Zusammenfassung
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Dieses Buch erzählt die Geschichte des weltberühmten Gitarristen Gleb Yanovsky, der aufgrund einer schweren Krankheit seine Fähigkeit zu spielen verliert. Der Roman wurde 2018 geschrieben. Die Erzählung wechselt zwischen der Gegenwart des erfolgreichen Künstlers und Erinnerungen an seine Suche nach seinem eigenen Weg. Die musikalische Karriere des Protagonisten findet auf dem Höhepunkt seines Ruhms ein jähes Ende, was ihn dazu zwingt, durch die Hilfe für einen todkranken Teenager einen neuen Sinn im Leben zu finden.
Der Roman gewann 2019 den nationalen Literaturpreis „Bolshaya Kniga“ (Großes Buch) und belegte den zweiten Platz. Er wurde außerdem als Buch des Jahres in der Kategorie „Prosa des Jahres“ ausgezeichnet.
Kindheit in Kiew
Auf einem Flug von Paris nach St. Petersburg begegnet der berühmte Gitarrist Gleb Janowski dem Schriftsteller Nestor. Dieser bietet ihm an, eine Biografie über den Musiker zu schreiben. Gleb willigt ein und beginnt, seine Erinnerungen zu teilen. Er wuchs in den 1970er-Jahren in Kiew auf. Seine Eltern sind geschieden. Seine Mutter Irina arbeitet in einem Flugzeugkonstruktionsbüro und träumt davon, eines Tages in die ferne australische Stadt Brisbane zu ziehen. Sein Vater Fjodor ist Geigenlehrer, trinkt häufig und leidet unter einer inneren Unzufriedenheit.
Gleb schreibt sich an einer Musikschule ein, um die viersaitige Domra zu lernen. Er hat ein schlechtes Gehör, aber ein außergewöhnliches Rhythmusgefühl. Seine Großmutter, Antonina Pawlowna, kümmert sich hauptsächlich um seine Erziehung. Sie nimmt ihn mit in Cafés, wo Gleb eines Tages versehentlich einen Plastiklöffel in die Hand nimmt und daraufhin panische Angst vor einer Verhaftung bekommt. Das Leben in einer Wohngemeinschaft mit Nachbarn wie dem aggressiven Onkel Kolja lehrt den Jungen, Menschen genau zu beobachten. Mit der Zeit meistert Gleb das Gitarrenspiel, und seine musikalischen Fähigkeiten entwickeln sich rasant.
Teenagerjahre und erste Verluste
Glebs Jugend ist von Liebesaffären geprägt. Zunächst schwärmt er für seine Musiklehrerinnen – die Solfège-Lehrerin Klavdiya Vasilyevna und die Musikliteraturlehrerin Elena Markovna. Später verspürt der junge Mann eine starke körperliche Anziehung zu der jungen Cellistin Anna Lebed. Ihre kurze, stürmische Romanze endet mit Annas Abreise nach Moskau. Sie lässt Gleb mit gebrochenem Herzen zurück.
Der Tod dringt früh in Glebs Bewusstsein ein. Er wird Zeuge des Todes eines ihm unbekannten Mädchens namens Arina an einem Strand am Dnepr. Dieses Ereignis versetzt den jungen Mann in panische Todesangst. Großvater Methodius hilft seinem Enkel, diese Krise zu überwinden und führt ihn zum Glauben. Gleb wird heimlich von Pater Peter getauft. Antonina Pawlowna stirbt nach schwerer Krankheit. Gleb ringt mit diesem Verlust. Bald darauf heiratet Fjodor Galina und bekommt einen Sohn namens Oles, während Glebs Halbbruder Jegor beinahe den Säugling mit Gas tötet.
Studenten in St. Petersburg
Nach seinem Schulabschluss 1981 zog Gleb nach Leningrad. Er schrieb sich an der Universität für Philologie ein. Im Studentenwohnheim lernte er viele verschiedene Menschen kennen, darunter den extrovertierten Bulgaren Krasimir Duychev, genannt Dunya. Eines Tages zerbrach Dunya bei einem intimen Treffen im Lenin-Zimmer versehentlich eine Gipsbüste Lenins. Am Silvesterabend begegnete Gleb der deutschen Studentin Katarina. Die beiden verbrachten die Nacht zusammen im verlassenen Wohnheim, tranken Champagner aus Emaillebechern und verliebten sich. Katarina bat ihn, sie Katya zu nennen.
Gleb verteidigt seine Dissertation über Michail Bachtins Polyphonietheorie. Ihm wird eine Promotionsstelle angeboten, die er jedoch ablehnt. Er beginnt als Russischlehrer an einer Schule auf der Petrograder Seite zu arbeiten. Auch Katja findet an derselben Schule eine Anstellung als Deutschlehrerin. Nach einem Streit mit einem Jugendlichen namens Krjutschkow verliert Gleb die Lust am Lehrerberuf. In ihrer Ratlosigkeit sucht das Paar nach neuen Wegen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Musikalische Abenteuer und Umzug
Glebs Schulfreund Kleshchuk überredet ihn, nach Kiew zu ziehen und in der Band des Geschäftsmanns Ivasik mitzuspielen. Die Gruppe spielt Lieder mit kriminellem Inhalt, und Ivasik erhält den Spitznamen „Bergamotte“. Um künstliche Aufmerksamkeit zu erregen, werden die Konzerte von Lebensmittelpaketen für Rentner begleitet. Der Betrug fliegt auf, als Ivasik verhaftet wird und sich als der flüchtige Drahtzieher eines Finanzpyramidensystems aus Wladiwostok entpuppt. Gleb und Katya werden obdachlos.
Das Paar ist gezwungen, nach Berlin zu Katjas Eltern zu ziehen. Die Beziehungen zu ihren deutschen Verwandten sind durch familiäre Streitigkeiten angespannt. Onkel Kurt hilft dem jungen Paar und unterstützt sie beim Umzug nach München. Gleb findet eine Anstellung als Tutor am katholischen College St. Thomas und unterrichtet Russisch und Gitarre. Zu seinen Schülern gehört die exzentrische Beate, und zu seinen Bekannten zählt der psychisch kranke Franz-Peter, der Fernsehmoderatoren imitiert.
Senkrechtstart
Auf einer Soirée in einer Kunstgalerie wird Gleb zufällig vom Musikproduzenten Stefan Meier entdeckt. Der deutsche Experte lobt die Energie des Künstlers. Der Spielstil des Gitarristen wird durch ein charakteristisches Summen ergänzt – eine Gesangsbegleitung mit geschlossenem Mund, die perfekt mit dem Klang der Saiten harmoniert. Nach intensiver Vorbereitung geht Gleb mit einem klassischen Repertoire auf Tournee. Die Verschmelzung von virtuosem Spiel und mystischem Gesang bringt dem Künstler weltweiten Ruhm.
Gleb feierte viele Jahre lang große Erfolge. Er füllte weltweit ein riesiges Publikum mit Werken von Bach, Chopin und Volksliedern. Auf einer Tournee in London erlitt der Musiker einen Nervenzusammenbruch und verbrachte die Nacht mit der Femen-Aktivistin Hanna. Kurz darauf traf Hannas temperamentvolle Mutter Ljudmila aus Melitopol ein, um die Janowskis zu besuchen und die Schwangerschaft ihrer Tochter zu verkünden. Der Konflikt legte sich, als Hanna ihre Lüge zugab und die Frauen in ihre Heimatländer zurückkehrten.
Krankheit und neue Hoffnung
Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs erhält der fünfzigjährige Gleb die Diagnose Parkinson. Seine rechte Hand ist gelähmt, und er sagt seine Tournee ab. Professor Wentz konfrontiert ihn mit der Unumkehrbarkeit der Hirnschädigung. In diesem schweren Moment meldet sich seine Ex-Freundin Anna Lebed bei ihm. Ihre dreizehnjährige Tochter Vera leidet an einer schweren Form von Leberkrebs. Anna wurden aufgrund einer psychischen Erkrankung die elterlichen Rechte entzogen. Gleb und Katya nehmen Vera in ihre Familie auf.
Das Mädchen entpuppt sich als begabte Pianistin. Um ihren Lebenswillen zu stärken, beschließt Gleb, mit Vera auf der Bühne zu singen. Meyer organisiert ein großes Konzert in der Münchner Olympiahalle. Krankheitsbedingt kann Gleb zwar nicht mehr spielen, doch seine Stimme gehorcht ihm noch. Der Auftritt wird ein durchschlagender Erfolg. Das Mädchen spielt meisterhaft Klavier, und Gleb singt Albinonis „Adagio“ und Bachs „Toccata“ mit dem Sinfonieorchester.
Tragisches Ende
Gleb fliegt zur Beerdigung seines Vaters Fjodor nach Kiew. In der von Unruhen erschütterten Stadt entgeht er nur knapp dem Tod durch eine Kugel des revolutionären Polizisten Mykola. Der Musiker wird von seinem Halbbruder Jegor gerettet, der kurz darauf selbst in den Rücken geschossen wird. Gleb kehrt nach Deutschland zurück, um bei seiner Frau und seiner Adoptivtochter zu sein.
Kurz nach dem Konzert verschlechtert sich Veras Zustand rapide. Ein Spenderorgan aus Augsburg steht zur Verfügung, und die Ärzte der Klinik führen eine Notfall-Lebertransplantation durch. Die Transplantation verläuft erfolgreich, doch Veras Herz hält der Belastung nicht stand. Sie stirbt auf dem Operationstisch. Von Trauer überwältigt, reisen Gleb und Katya in die italienische Stadt Scalea, um ihren Verlust zu verarbeiten. Dort begegnen sie dem russischen Priester Nektari, der sie mit Gedanken an die Ewigkeit tröstet.
Im Herbst 2014 trat Gleb in der Londoner Royal Albert Hall für ein Benefizkonzert auf. Das Orchester begann Veras Lied über Enten zu spielen, doch aufgrund eines Krampfes konnte die Musikerin keinen Ton von sich geben. Gleb weinte vor Tausenden von Zuschauern. Dirigent Santorini und die Presse nannten es eine Darbietung von vollkommener Stille.
Jahre später bringt eine kriminalpolizeiliche Untersuchung das Schicksal von Glebs Mutter ans Licht. Irina erreichte Brisbane nie, um bei ihrem Verlobten zu sein. Auf dem Weg zum Flughafen Kiew wurde sie von skrupellosen Taxifahrern in den Wald gefahren. Als der Fahrer fragte, warum niemand sie verabschiedete, antwortete Irina: „Sie zu verabschieden, ist, als würde man Feuchtigkeit nähren.“ Das Buch endet mit einer frühen Kindheitserinnerung der Protagonistin. Vorsichtig trägt Irina den kleinen Gleb einen steilen Hang oberhalb einer Klippe hinunter, bedeckt den Abgrund mit ihrer Hand und gleitet hinab, begleitet von der tragischen Musik ihrer Seele.
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