„Sein Fan“ von Anna Jane, Zusammenfassung
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Anna Janes Roman „His Fan“ erschien 2020 und ist Teil der Reihe „Musical Love Spell“. Er erzählt die Geschichte von Figuren, deren Lebensgeschichten bisher im Dunkeln lagen. Die Handlung beginnt in St. Petersburg am Silvesterabend. Die zwanzigjährige Nellie Radova sitzt allein in ihrer dunklen Wohnung, trinkt Tee, blickt auf die festliche Stadt und versucht, die Nachricht zu verarbeiten, dass ihr langjähriger Freund Phil, Gitarrist der Band „On the Edge“, angeblich Kristina heiraten will. Nellies Umzug nach St. Petersburg war ein Versuch, sich von ihrer schmerzhaften Vergangenheit zu befreien, doch die neue Stadt konnte weder ihre Einsamkeit noch das Gefühl lindern, dass ihr ganzes Leben noch immer an einen einzigen Mann gebunden ist.
Eine langjährige Bindung
Nelly liebt Phil seit ihrem vierzehnten Lebensjahr: Sie war Fan der Band, kannte seine Bühnenpersönlichkeit und sein Backstage-Leben und hatte für einen Fan eine ungewöhnliche Nähe zu dieser Welt, da ihre ältere Schwester Katya mit Leadsängerin Kay zusammen war und ein Freund der Familie mit einem anderen Bandmitglied liiert war. Deshalb kennt Phil Nelly schon lange persönlich, kümmert sich um sie, schenkt ihr Schokolade und Kuscheltiere und passt auf, dass sie keinen Ärger macht. Trotzdem sieht er sie hartnäckig als Kind, nicht als erwachsene Frau. Für Nelly wird diese Fürsorge fast unerträglich, denn sie gibt ihr Hoffnung und demütigt sie zugleich: Neben ihrem Geliebten bleibt sie ein „kleines Mädchen“, obwohl sie längst erwachsen ist.
Nellys Versuch, ein neues Leben zu beginnen, startet, als sie im Bus den Studenten Zhenya kennenlernt. Er flirtet mit ihr, schenkt ihr eine Rose mit einer Nachricht, schreibt ihr regelmäßig, lädt sie zu Spaziergängen und Verabredungen ein, und eine Zeit lang versucht Nelly aufrichtig, seine Gefühle zu erwidern, in der Hoffnung, dass normale menschliche Nähe ihre alte, fast schmerzhafte Bindung zu dem Musiker verdrängen wird. Doch bei ihrem ersten ernsthaften Versuch, sich ihm anzunähern, erkennt sie deutlich, dass sie sowohl Zhenya als auch sich selbst täuscht: Selbst in der Gegenwart eines netten Mannes kreisen ihre Gedanken nur um Phil, und ihr Körper weigert sich, die Zärtlichkeit eines anderen anzunehmen, weil ihre Seele in der Vergangenheit verharrt.
Familienschmerz
Ihre Gefühle für Phil sind durch ständige Eifersucht ohnehin schon kompliziert, doch bald erleiden sie einen weiteren Schlag: Nellie erfährt, dass Kira, die Frau ihres älteren Bruders, während der ersten Tournee von „Am Rande des Abgrunds“ in Wladiwostok eine kurze Affäre mit Phil hatte. Kira erzählt dies offen und gibt zu, damals jung und leichtsinnig gewesen zu sein. Für Nellie fühlt sich diese Geschichte jedoch wie ein Eingriff in ihre Privatsphäre an, denn das Idol, das sie jahrelang fast idealisiert hat, findet sich plötzlich auf unangenehme Weise in ihrer eigenen Familiengeschichte wieder. Diese Szene zerstört Nellies Liebe nicht, aber sie raubt ihr die letzten Illusionen, Gefühle ließen sich auf sichere Distanz halten.
Gleichzeitig kommt eine weitere, weitaus schwerwiegendere Verwirrung ans Licht. Es stellt sich heraus, dass Phils Beziehung zu Kristina nur eine Scheinbeziehung war: Der Musiker ließ sich aufgrund eines alten Konflikts mit seinem Bruder Igor auf dieses Komplott ein, um ihn zu verletzen und die Affäre mit der „Verlobten“ als Teil seiner persönlichen Rache zu nutzen. Nelly belauscht ein Gespräch über Heirat und Intrigen, zieht die naheliegendste Schlussfolgerung und schreibt Phil daraufhin schockiert, dass sie genug wisse und ihr Leben nicht an einen Mann binden wolle, dessen Vergangenheit und Gegenwart ihr schmutzig und gefährlich erscheinen.
Fehler und Konvergenz
Für Phil markiert Nellies Flucht den Moment, in dem seine bisherigen Ausreden bedeutungslos werden. Er erkennt, dass er sich zu lange hinter der Rolle des Älteren, hinter Witzen und Vorsicht versteckt hat und nun riskiert, die Frau zu verlieren, deren Anwesenheit ihm schon lange wichtiger ist als flüchtige Intrigen, Bühnenerfolge und Familienstreitigkeiten. Phil geht zu Christina und erklärt ihr unmissverständlich, dass er den Vertrag bricht, weil er eine Frau kennengelernt hat, die er wirklich liebt, und keinesfalls eine Beziehung mit Nellie unter dem Deckmantel einer vorgetäuschten Verlobung aufbauen will.
Kristina nimmt die Nachricht äußerlich gelassen und sogar freundlich auf, doch ihre Freundlichkeit ist nur Fassade. Für sie ist eine Beziehung mit einem berühmten Musiker ein Weg zu Popularität, und nach der Trennung beginnt sie, die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie versucht, sich als die Benachteiligte darzustellen und aus einer privaten Angelegenheit eine gewinnbringende Medienstory zu machen. Vor diesem Hintergrund sucht Phil nach Nelly, kontaktiert ihren Vater Thomas und versucht, sie in St. Petersburg zu erreichen. Dabei wirkt er nicht mehr so unbeschwert wie zuvor: Seine Handlungen sind von nervöser Anspannung, Angst und dem unbedingten Wunsch geprägt, den Mann, den er nun endlich klar erkannt hat, um jeden Preis festzuhalten.
Als Phil und Nellie wieder zusammenfinden, verändert sich ihre Beziehung schnell und dramatisch. Er behandelt sie nicht länger wie eine fremde kleine Schwester, und zum ersten Mal hat sie das Recht, neben ihrem Geliebten zu leben, nicht nur aus der Ferne zu träumen, sondern mit ihm zu streiten, eifersüchtig zu sein, sich gekränkt zu fühlen, zu lachen, ihn zu küssen und die Stärke nicht nur der Fantasie, sondern echter Gegenseitigkeit zu erproben. In diesen Kapiteln wandelt sich der Roman von einer lang gehegten, fanatischen Liebe hin zur alltäglichen Vertrautheit zweier Menschen, die zu viel Ungesagtes, zu viele alte Grollgefühle und zu viel ungelöste Zärtlichkeit angesammelt haben.
Skandal und Reaktion
Der von Christina ausgelöste Skandal zwingt Phil zum offenen Gespräch. Er gibt ein ausführliches Interview und vermeidet Aggressionen oder pauschale Anschuldigungen: Er schildert die Ereignisse ruhig, zeigt private Aufnahmen, räumt seine Fehler ein und wirkt nicht wie ein Prominenter, der seinen Ruf aufpolieren will, sondern wie ein Mensch, der sich für einige seiner vergangenen Entscheidungen schämt und das schätzt, was er jetzt hat. Diese Herangehensweise erweist sich als wirkungsvoller als jede PR-Attacke, denn die Zuschauer erkennen seine Aufrichtigkeit, und Christina, die das Interview verfolgt, merkt, dass sie die Kontrolle über die Geschichte verliert, die sie nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten wollte.
Danach rückt die äußere Intrige nicht mehr in den Vordergrund. Nellie und Phil verbringen Zeit miteinander, reden viel, kommen sich körperlich und emotional näher, fliegen gemeinsam, entfliehen kurz neugierigen Blicken und entwickeln sich allmählich von der schmerzhaften, fast kindischen „Idol-Fan“-Beziehung zu einer Partnerschaft, in der jeder für seine Worte und Gefühle Verantwortung übernimmt. Für Nellie ist dies besonders schwierig und gleichzeitig besonders wertvoll, denn sie muss das alte, bequeme Leid loslassen und etwas Komplexeres akzeptieren: Ihr Geliebter ist da, aber er ist nicht perfekt, nicht sündenlos und wird sie nicht allein durch seine Liebe von ihrer inneren Unsicherheit befreien.
Das Finale auf der Bühne
Der Höhepunkt findet bei einem großen „On the Edge“-Konzert in St. Petersburg statt, wo die Band vor Tausenden von Zuschauern spielt. Nach einem mitreißenden Song und seinem Solo bittet Phil um das Mikrofon, unterbricht den gewohnten Ablauf der Show und ruft Nelly vor allen Anwesenden aus der Fanzone auf die Bühne. Der Kameramann schwenkt sofort auf ihr Gesicht, sodass ihre intimen Gefühle kein Geheimnis mehr sind und vor dem gesamten Stadion enthüllt werden. Nelly steht fassungslos auf, noch unfähig zu begreifen, was geschieht, und sieht den Mann, den sie seit so vielen Jahren liebt, fast hoffnungslos vor ihr auf die Knie sinken und ihr einen Heiratsantrag machen.
Sie nimmt an, und diese Antwort beendet eine lange Reihe von Erwartungen, Eifersucht, Demütigung, Illusionen und Treue. Phil steckt ihr einen Ring an, die Bandmitglieder gratulieren ihnen, die Menge jubelt, und für Nellie wird die Bühne, die sie einst als Fan bewundert hat, zum Ort des endgültigen Übergangs in ein anderes Leben – nicht länger nur eine Einbildung, sondern gelebt neben dem, nach dem sie sich so sehr gesehnt hat. Die letzten Zeilen bekräftigen diesen Gedanken unmissverständlich: Nellies Gefühle sind nicht verschwunden, nicht verblasst, haben sich nicht als Irrtum erwiesen, sondern haben nach Jahren des Schmerzes und der Geduld ihre Antwort gefunden.
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