Vladimir Nabokovs „Camera Obscura“, eine Zusammenfassung
Dieses Buch zählt zu den frühen russischen Romanen des Autors und erschien 1933. Einige Jahre später übersetzte der Autor den Text selbst ins Englische und überarbeitete die ursprüngliche Handlung grundlegend. In der Übersetzung änderte er die Namen der Hauptfiguren, verlagerte den Fokus auf ihre Charaktere und gab dem Werk den neuen Titel „Lachen in der Dunkelheit“.
Der Roman wurde 1969 für die Leinwand adaptiert. Regisseur Tony Richardson drehte den Film „Laughter in the Dark“ basierend auf der englischen Fassung des Textes.
Ein ruhiges Leben und plötzliche Leidenschaft
Die Handlung dreht sich um den Berliner Kunsthistoriker Bruno Kretschmar, der ein ruhiges und erfolgreiches Leben führt. Er ist mit der stillen Anneliese verheiratet, und das Paar hat eine achtjährige Tochter namens Irma. Kretschmars Familienleben verläuft friedlich und harmonisch, trotz seiner früheren Liebesniederlagen während seiner Studienzeit. Annelieses gutmütiger Bruder Max besucht sie oft. Das Leben verläuft reibungslos, doch in Bruno wächst heimlich die Sehnsucht nach der jungen Frau.
Ein zufälliger Besuch in einem kleinen Kino verändert Brunos Leben. In der Dunkelheit des Kinosaals erblickt er die junge Platzanweiserin Magda Peters. Das Mädchen ist sechzehn Jahre alt. Sie wuchs als Tochter eines groben Portiers auf, verließ früh ihr Elternhaus und lebte fortan bei einer Kupplerin. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich als Model. Vor Kurzem hatte sie eine leidenschaftliche Affäre mit einem gewissen Müller. Dieser verschwand plötzlich spurlos und ließ sie mit nichts als Erinnerungen zurück.
Kretschmar beginnt, Magda den Hof zu machen. Sie gibt sich zunächst kühl, erkennt aber schnell den Vorteil ihrer Situation. Ein wohlhabender Verehrer kann ihre Unterkunft bezahlen und ihr zum Durchbruch im Filmgeschäft verhelfen. Bruno mietet eine Wohnung für sie. Sie werden ein Paar.
Familienzerfall
Kretschmar versucht, sein Doppelleben zu verbergen. Magda treibt es bewusst voran. Sie schickt einen Brief an die Adresse ihres Geliebten. Anneliese liest die Nachricht, und ihre vertraute Welt bricht zusammen. Bruno verlässt seine Familie. Er zieht zu Magda, verliert sich in sinnlichen Genüssen und ergibt sich den Launen seiner jungen Partnerin.
Magda träumt davon, Schauspielerin zu werden. Bruno finanziert den Film und sichert ihr die Mitwirkung. Er lädt den amerikanischen Cartoonisten Robert Horn zu einem Abendessen ein, um den Drehbeginn zu feiern. Der Künstler wurde berühmt für seine Zeichnungen über das Meerschweinchen Chipi.
Horn entpuppt sich als Müller, Magdas erste Liebe. Die beiden jungen Leute setzen ihre heimliche Affäre sofort vor den Augen des gutgläubigen Hausherrn fort. Horn verspottet den Kunsthistoriker zynisch. Magda beteiligt sich begeistert an der Täuschung.
Irmas Tod und die Reise nach Süden
Anneliese hat große Schwierigkeiten, die Trennung zu verkraften. Die kleine Irma erkrankt an Grippe, die schnell Komplikationen entwickelt. Max eilt zu Bruno, in der Hoffnung, ihn ans Sterbebett seines Kindes zu rufen. Magda hat einen Wutanfall und verzögert Kretschmars Ankunft. Bruno kommt zu spät – Irma ist tot. Nachdem er sich von seiner trauernden Frau distanziert hat, kehrt er zu seiner Geliebten zurück.
Magdas Film kommt in die Kinos, doch sie wirkt vor der Kamera unbeholfen und talentlos. Das Publikum lacht. Zuhause sorgt Magda für einen Skandal. Um seine Geliebte zu trösten, kauft Bruno ein Auto und fährt mit ihr nach Südfrankreich.
Horn bittet darum, ihr Chauffeur zu sein. Eine ungewöhnliche Reise beginnt. Horn fährt hervorragend, und nachts teilt er sich im Hotel das Bett mit Magda. Bruno schläft im Nebenzimmer.
Eine unerwartete Erkenntnis
In der französischen Stadt Rouginard trifft Kretschmar zufällig seinen alten Freund, den Schriftsteller Dietrich von Segelcrantz. Dieser lädt Bruno zu einem Spaziergang in den Bergen ein und liest ihm einen Auszug aus seinem neuen Roman vor.
Der Text beschreibt ein Liebespaar mit fotografischer Präzision. Der Autor hatte sie vor Kurzem in einem Zugabteil beobachtet und ihre Bilder zu Papier gebracht. Anhand ihres Aussehens, ihrer Tonlage und belauschter Gespräche erkennt Bruno Horn und Magda sofort.
Der Kunsthistoriker kehrt ins Hotel zurück, holt seine Browning hervor und wartet auf Magda. Geschickt lügt sie. Sie überzeugt Bruno, dass Horn Frauen gegenüber gleichgültig sei und ihr Flirt nur ein Scherz gewesen sei. Bruno willigt ein, die Waffe wegzustecken, verlangt aber, dass sie die Stadt sofort verlassen.
Er setzt sich selbst ans Steuer, obwohl er von der Technik keine Ahnung hat und sehr schlecht fährt. Auf einer Bergstraße verliert Bruno die Kontrolle über den Wagen. Er prallt mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Telegrafenmast.
Blindheit und das Schweizer Chalet
Magda erleidet bei dem Unfall lediglich Prellungen. Kretschmar erleidet eine schwere Kopfverletzung. Er überlebt, erblindet aber vollständig. Die Ärzte raten ihm zu Ruhe und Erholung.
Magda und Horn bringen den blinden Mann in ein abgelegenes Schweizer Chalet. Ein grausames psychologisches Spiel beginnt. Horn wohnt heimlich im selben Haus, und der Köchin ist strengstens verboten, seine Anwesenheit zu erwähnen. Der Kunstkritiker ahnt nichts, während die Liebenden sich nur wenige Schritte voneinander entfernt vergnügen.
Horn wandert nackt durch die Zimmer, schneidet Grimassen und kitzelt den Blinden mit einem Grashalm. Bruno leidet unter der Dunkelheit. Unter absoluter, pechschwarzer Dunkelheit. Er versucht, sich auf seine Ohren zu verlassen. Manchmal hört er seltsame Geräusche – Husten, knarrende Dielen, Atem – und beginnt, die Anwesenheit anderer zu vermuten. Magda tut es als akustische Illusionen ab.
Eines Nachts beschließt Bruno, zu Magdas Zimmer hinaufzuklettern. Er stürzt ab und verletzt sich, schafft es aber dennoch, ihr Schlafzimmer zu erreichen. Sie ist gezwungen, ihn zu akzeptieren, da sie befürchtet, er könnte ihre Illusion von Einsamkeit zerstören.
Bruno retten
Segelcrantz, von seinem Gewissen wegen der gelesenen Passage geplagt, kommt in Berlin an. Er erzählt Max von Magdas Verrat und dem schrecklichen Autounfall. Max reist daraufhin sofort in die Schweiz.
Als Max das Wohnzimmer des Chalets betritt, bietet sich ihm ein widerlicher Anblick. Der blinde Bruno sitzt auf einem Stuhl, und der nackte Horn verspottet ihn, indem er ihm mit einem Grashalm übers Gesicht streicht. Max schlägt den Karikaturisten mit seinem Stock.
Als Bruno die vertraute Stimme seines Schwagers hört, erkennt er das ganze Ausmaß des Betrugs. Max bringt den gebrochenen Kunsthistoriker zurück nach Berlin. Anneliese nimmt ihren Mann auf und richtet ihn in seinem ehemaligen Kinderzimmer ein.
Das letzte Treffen
Bruno lebt im Haus seiner Frau, umgeben von Stille. In seiner Hosentasche verbirgt er eine Browning-Pistole, die er aus der Schweiz mitgebracht hat. Ihn treibt nur ein Wunsch an: Magda für ihre Demütigungen und Lügen zu bestrafen.
Eines Morgens ist er allein. Das Telefon klingelt: Der Portier teilt mit, dass Fräulein Peters in seiner alten Wohnung eingetroffen ist, um seine Sachen abzuholen. Bruno schleicht sich auf die Straße. Er sucht nach einem Taxi und fährt zu einer vertrauten Adresse.
Bruno fährt mit dem Aufzug nach oben, schließt die Tür mit seinem Schlüssel auf und hört Magdas Stimme. Der Blinde zieht eine Pistole, verriegelt die Tür hinter sich und umzingelt das Mädchen langsam. Er folgt dem Rascheln ihres Kleides und dem Duft ihres Parfums.
Bruno schießt in Richtung des Geräusches, verfehlt ihn aber. Magda stürzt sich auf ihn, und es kommt zu einem Kampf. Sie greift nach der Waffe und schießt. Bruno bricht zusammen und stirbt. Magda flieht und lässt die Tür offen. Ein weggeworfener Handschuh liegt auf dem Boden, und ein Koffer wird daneben achtlos weggeworfen.
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