Die Technologie hinter der Herstellung russischer Dymkovo-Spielzeuge
Automatische übersetzen
Dymkowo-Spielzeug zählt zu den ältesten Tonkunsthandwerken Russlands und stammt aus dem Dorf Dymkowo am rechten Ufer der Wjatka, nahe der Stadt Chlynow (heute Kirow). Jahrhundertelang formten, brannten und bemalten die einheimischen Kunsthandwerker farbenfrohe Figuren aus rotem Ton. Dieses Handwerk hat sich von einem Familienbetrieb zu einer anerkannten Volkskunst entwickelt und dabei seinen handwerklichen Charakter und seine charakteristischen Herstellungstechniken bewahrt.
Die Besiedlung von Dymkovo und die Entstehung der Industrie
Man nimmt an, dass die Tonindustrie im 15. und 16. Jahrhundert in der Siedlung Dymkowo am flachen rechten Ufer des Flusses Wjatka ihren Ursprung hatte. Die Siedlung wurde während der Regierungszeit von Iwan III. (1462–1505) gegründet. Der lokale rote Ton und der reichlich vorhandene Flusssand boten ideale Bedingungen für die Töpferei. Generationen von Familien der Siedlung bauten Ton ab, kneteten ihn, stellten Farben her und formten Figuren.
Die Tradition wurde in weiblicher Linie weitergegeben – von der Mutter an die Tochter. Nach und nach entstanden ganze Dynastien von Kunsthandwerkerinnen: die Nikulins, die Penkins, die Koshkins. Jede Familie zeichnete sich durch ihren eigenen Bildhauerstil, die Proportionen der Figuren, die Farbgebung und die Muster aus. Im 19. Jahrhundert arbeiteten zeitweise zwischen 30 und 50 Spielzeugmacherfamilien im Dorf.
Der Arbeitszyklus war an die Jahreszeiten gebunden. Vom Herbst bis zum Frühling formten, trockneten und brannten die Familien Tonfiguren. Kurz vor dem Markt wurden diese mit in Magermilch verdünnter Kreide weiß gestrichen, mit Eigelb bemalt und mit Blattgold verziert. Anschließend wurden die Waren mit dem Boot über den Fluss in die Stadt Wjatka gebracht.
Pfeifen – der Feiertag, der diese Kunstform hervorgebracht hat.
Die Herstellung von Dymkowo-Spielzeug war historisch mit dem Wjatka-Fest in Swistunja (oder Swistopljaska) verbunden. Dieses Fest fand am vierten Samstag nach Ostern statt und dauerte drei Tage. Seine Ursprünge liegen im tragischen Chlynowski-Massaker.
Einer Legende zufolge marschierte Anfang des 15. Jahrhunderts (die Jahre variieren und werden als 1418 oder 1421 angegeben) eine Abteilung von Einwohnern Ustjugs den von Feinden belagerten Bewohnern von Wjatka zu Hilfe. Die Verbündeten näherten sich Chlynow nachts. In der Dunkelheit hielten die Stadtbewohner die Ustjuger irrtümlicherweise für Feinde und griffen sie an. Es entbrannte eine blutige Schlacht, in der der Legende nach über viertausend Menschen auf beiden Seiten starben. Historiker verweisen jedoch auf andere Versionen der Ereignisse – insbesondere darauf, dass der Konflikt zwischen den Nowgorodern Michail Rossochin und Anfal Nikitin, die in Chlynow um die Macht kämpften, ausgelöst wurde.
An der Razderikhinsky-Schlucht wurde eine Kapelle zum Gedenken an die Opfer errichtet. Jedes Jahr begann der Morgen mit einer Gedenkfeier, gefolgt von einem ausgelassenen Fest. Die Einwohner pfiffen mit Tonpfeifen, warfen Tonkugeln in die Schlucht und kauften bunte Figuren.
General Chitrow, der das Fest 1811 besuchte, hinterließ folgende Beschreibung: „Die Einwohner versammelten sich in großer Zahl an der Kapelle, sangen Totenlieder und schlenderten dann umher, pfiffen in kleine Tonpfeifen und kauften bemalte und vergoldete Tonpuppen.“ Der Schriftsteller Wjatka, W. W. Lebedew, erinnerte sich, dass auf dem Platz jeder eine Tonfigur im Wert von drei oder fünf Kopeken vor sein Gesicht hielt – ein zweiköpfiges Tier oder einen Widder mit goldenen Flecken an den Seiten – und dem Widderschwanz nachpfiff.“
Das Svistunya-Festival existierte bis in die 1920er Jahre und geriet dann in Vergessenheit. Jahrhundertelang prägte es jedoch den Arbeitsrhythmus der Dymkovo-Handwerkerinnen und schuf Nachfrage nach ihren Produkten.
Rohstoffe und Aufbereitung von Ton
Das Hauptmaterial für Dymkovo-Spielzeug ist leuchtend roter Lehm aus der Region, vermischt mit feinem braunem Flusssand. Der Sand wurde direkt vor Ort, am Flussufer nahe der Siedlung, gesammelt. Der Lehm wurde mit einer Schaufel zerkleinert, mit Sand vermischt, mehrmals umgewälzt und mit Wasser befeuchtet. Früher wurde die Mischung buchstäblich mit den Füßen geknetet, um die gewünschte Homogenität und Geschmeidigkeit zu erreichen.
Das Mischungsverhältnis von Ton und Sand wurde empirisch ermittelt. Sand reduzierte den Fettgehalt des Tons und verringerte die Rissbildung beim Trocknen und Brennen. Zu fetthaltiger Ton verformte sich, zu magerer Ton zerbröselte. Die Handwerker kannten die richtige Konsistenz durch Berührung, ohne Messinstrumente.
Heute bauen die Kunsthandwerker den Ton nicht mehr selbst ab und kneten ihn auch nicht mehr. Die Rohmaterialaufbereitung erfolgt maschinell in der Keramikfabrik unter der Aufsicht eines Technikers. Der fertige Ton wird in 10-Kilogramm-Polyethylenbriketts verpackt und bearbeitungsfertig in die Werkstätten geliefert. Dadurch werden die Kunsthandwerker von schwerer körperlicher Arbeit befreit und können sich ganz ihrer kreativen Tätigkeit widmen.
Bildhauerei: vom Klumpen Ton zur Figur
Dymkovo-Spielzeuge werden vollständig in Handarbeit gefertigt. Jede Figur wird von einem einzigen Kunsthandwerker von Anfang bis Ende hergestellt. Dies ist ein grundlegender Unterschied zu vielen anderen Handwerkskünsten, bei denen Arbeitsteilung oder Gussverfahren zum Einsatz kommen.
Das konstruktive Prinzip der Modellierung
Die Figur wird Stück für Stück geformt, nicht aus einem einzigen Block. Die Kunsthandwerkerin teilt den vorbereiteten Ton in Stücke der gewünschten Größe und formt sie zu Kugeln, Strängen oder flachen Platten. Aus diesen Stücken werden dann die einzelnen Teile des zukünftigen Spielzeugs geformt – Körper, Kopf, Arme, Beine und Kleidung.
Sie beginnen stets mit dem größten und massivsten Teil. Bei Tierfiguren ist das der Körper. Bei einer Dame ist es der Rock: Ein Tonklumpen wird ausgerollt und zu einem Kegel geformt. So entsteht eine hohle Form mit etwa 4–6 mm dicken Wänden. Die Kegelwände werden durch Drehen in den Händen geglättet.
Anschließend werden die restlichen Teile mithilfe von Wasser am Hauptkörper befestigt – oder „geklebt“. Flüssiger roter Ton dient als Bindemittel, eine Art Klebstoff. Die wurstförmigen Griffe und der kugelförmige Kopf werden an den kegelförmigen Rock angebracht. Alle Verbindungsstellen werden mit einem feuchten Tuch oder einem nassen Finger geglättet, damit die Figur ein einheitliches Erscheinungsbild erhält. Die Gussnähte werden entfernt, um der Oberfläche eine glatte Oberfläche zu verleihen.
Detaillierungs- und Charakterisierungstechniken
Nachdem die Hauptteile zusammengesetzt sind, beginnt die Kunsthandwerkerin, die Figur mit kleinen Details zu verzieren – dem Kokoschnik, dem Muff, der Handtasche, den Zöpfen, dem Hut und dem Hund im Arm der Dame. In dieser Phase tritt der individuelle Stil der Kunsthandwerkerin hervor.
Die Kunsthandwerkerin Anna Afanasjewna Mesrina begann mit der Gestaltung der Dame mit dem „Mörser“ – einem weiten Rock – indem sie einen Pfannkuchen ausrollte und zu einem Kegel faltete. Andere Kunsthandwerkerinnen mögen anders vorgegangen sein, doch das grundlegende Gestaltungsprinzip – das Zusammenfügen von Teilen – blieb für alle gleich.
Die Größe der Figuren variierte. Kleine Pfeifen, 5–7 cm hoch, wurden schnell hergestellt und in großen Mengen verkauft. Große Ausstellungsarrangements konnten Dutzende von Figuren umfassen und beachtliche Ausmaße erreichen. Die Kunsthandwerkerin Zoya Vasilyevna Penkina schuf Sets von 4 bis 80 Teilen, die alle einem gemeinsamen Thema folgten.
Trocknen: Geduld und Beachtung der Wetterlage
Die geformte Figur darf nicht sofort in den Backofen gestellt werden – sie muss vollständig trocknen. Das Trocknen erfolgt an der Luft bei Raumtemperatur. Die Trocknungszeit hängt von der Größe der Figur und der Luftfeuchtigkeit ab.
Kleine Spielzeuge trocknen in zwei bis drei Tagen. Größere Figuren brauchen eine Woche, manchmal sogar länger – bis zu fünfzig Tage. Die älteste Kunsthandwerkerin, El Penkina, erinnerte sich, dass die Spielzeuge üblicherweise auf Polaty getrocknet wurden – speziellen Regalen über dem Ofen, wo es warm und trocken war.
Beim Trocknen des Tons verdunstet die Feuchtigkeit, wodurch die Figur merklich schrumpft. Trocknet sie zu schnell – in direktem Sonnenlicht oder in der Nähe einer starken Wärmequelle – , trocknet die Oberfläche vor dem Kern, was zu Rissen im Spielzeug führt. Daher ließen Kunsthandwerkerinnen die Figuren stets langsam und kontrolliert trocknen.
Brennen: Feuer verwandelt Ton in Keramik.
Nach dem vollständigen Trocknen wird das Spielzeug gebrannt. Beim Brennen wird der Ton auf eine hohe Temperatur erhitzt, wodurch er sintert und aushärtet. Ohne Brennen bliebe die Figur zerbrechlich und würde durch Wasser aufweichen.
Brennen in einem russischen Ofen
Früher wurden die Spielzeuge direkt in einem russischen Ofen gebrannt. Man legte sie auf ein eisernes Backblech, das dann auf ein Holzfeuer gestellt wurde. Der Ofen wurde vorgeheizt und die Hitze allmählich erhöht.
Ein charakteristisches Leuchten signalisierte die Brennfertigkeit: Sobald der Ton sich erhitzte und ein gleichmäßiges rotes Leuchten aufwies, war der Brennvorgang abgeschlossen. Die Spielzeuge durften dann langsam in einem erloschenen Ofen abkühlen. Schnelles Abkühlen war unerwünscht, da es zu Rissen führen würde.
Die Brenntemperatur in einem russischen Brennofen lag bei etwa 600–900 °C. Der Brennvorgang dauerte drei bis vier Stunden. Die Handwerker überwachten den Brennvorgang visuell anhand der Farbe des Glühens des Tons, ohne Messinstrumente zu verwenden.
Modernes Feuer
Heutzutage werden Muffelöfen verwendet, die eine konstante Temperatur gewährleisten. Der Brennvorgang erfolgt bei Temperaturen über 1000 °C, wodurch die Produkte eine noch größere Festigkeit erhalten. Muffelöfen sind recht groß, und die Spielzeuge werden chargenweise hineingegeben.
Der Übergang zu Muffelöfen befreite die Handwerker von der Notwendigkeit, Holz und Hitze über mehrere Stunden zu überwachen. Die Brennergebnisse wurden vorhersehbarer und gleichmäßiger, und die Fehlerquote sank.
Weißwäsche: Ein weißer Hintergrund als Visitenkarte
Nach dem Brennen nimmt die Tonfigur eine bräunlich-rote Farbe an. Dymkovo-Spielzeug zeichnet sich jedoch seit jeher durch seinen strahlend weißen Hintergrund aus, auf den die Bemalung aufgetragen wurde. Dieser weiße Hintergrund ist eines der charakteristischen Merkmale, an dem Dymkovo-Spielzeug sofort von Produkten anderer Handwerkskünste zu erkennen ist.
Die alte Methode des Weißelns
Traditionell wurde Kreide, verdünnt in Magermilch, zum Weißeln verwendet. Das Spielzeug wurde vollständig in diese Lösung getaucht. Die Milch an der Oberfläche säuerte und bildete einen festen Kaseinfilm. Die mit Kasein fixierte Kreide ergab eine glatte, matte, weiße Beschichtung, die gut auf dem Ton haftete.
Die Kalkfarbe wurde in zwei oder drei Schichten aufgetragen, wobei jede Schicht trocknen musste. Die gekalkte Oberfläche fühlte sich leicht samtig an und nahm die Farbe für den nachfolgenden Anstrich gut auf.
Modernes Weißwaschen
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Zusammensetzung von Kalkfarbe verändert. Heute wird Temperakalkfarbe verwendet, die mit dem Pinsel aufgetragen wird. Ihre chemische Zusammensetzung ist komplexer geworden, das Prinzip bleibt jedoch dasselbe: einen glatten, weißen Hintergrund zu schaffen, vor dem das Gemälde besonders leuchtend wirkt.
Malerei: Farbe, Muster, Symbol
Die Bemalung ist der spektakulärste und bekannteste Schritt in der Spielzeugproduktion von Dymkovo. Es sind die leuchtenden Farben und die unverwechselbaren geometrischen Muster, die diese Figuren so einprägsam machen.
Farben und Werkzeuge
Früher wurden Farben von Hand hergestellt. Trockene Pigmente wurden mit Eigelb verrieben und mit fermentiertem Kwas oder Essig versetzt. Die Farbpalette war einfach: Ruß ergab Schwarz, Magenta Karmesinrot und Chrom Grün und Gelb. Anstelle von Pinseln verwendete man oft gespaltene Stöcke und Federn.
Diese selbstgemachten Farben hatten einen gedämpften Ton, als ob sie dem Ton nur einen Teil ihrer Farbe verliehen. Mit der Zeit stiegen die Kunsthandwerkerinnen auf handelsübliche Farben um – zunächst Kasein-Öl-Tempera, dann PVA-Tempera und Gouache. Traditionell wurde der Mischung Ei beigemischt. Heute verwenden viele Kunsthandwerkerinnen Acrylfarben – sie sind leuchtend, haltbar und benötigen keine zusätzlichen Bindemittel.
Es werden weiche Pinsel in verschiedenen Größen verwendet. Dünne Pinsel ermöglichen feinste Details – Punkte, Striche und feinste Linien. Dies ist jedoch nicht immer von Vorteil: Zu viele Details können mitunter zu einem überladenen Design führen.
Farbpalette und Prinzipien der Farbgestaltung
Die traditionelle Farbpalette der Dymkovo-Malerei basiert auf leuchtenden, satten Tönen: Rot, Karmesinrot, Blau, Gelb, Orange, Grün und Braun. Die Farben werden nach den Prinzipien von Kontrast und Komplementarität kombiniert. Die Vielfarbigkeit wird durch den weißen Hintergrund und die schwarze Farbe betont, mit der kleine Details wie Augen, Augenbrauen und Zierelemente hervorgehoben werden.
Jede Künstlerin wählt Farben anders. So zeichneten sich beispielsweise die Werke von Jewdokja Sacharowna Koschkina durch eine ruhige, leicht verwaschene Farbpalette aus. Zoja Wassiljewna Penkina hingegen bevorzugte kontrastreichere und lebendigere Farbkombinationen. Das Gemälde stammt von Penkinas Tochter Valentina Wassiljewna Kiselewa, die die Farben so auswählte, dass sie die Essenz des Themas und der Handlung hervorhob.
Keine zwei Dymkovo-Spielzeuge sind gleich. Selbst bei der Wiederholung desselben Motivs – einer Dame, eines Truthahns, eines Pferdes – fügt jede Kunsthandwerkerin ihre eigenen Nuancen, ihre eigene Musteranordnung, ihren eigenen Linienrhythmus hinzu.
Geometrisches Ornament und seine Elemente
Die Bemalung der Dymkovo-Spielzeuge basiert auf geometrischen Mustern. Die Hauptelemente sind Kreise, Punkte, gerade und geschwungene Linien, Karos, Streifen und Zickzacklinien. Diese einfachen Formen werden zu einer Vielzahl von Mustern kombiniert, wodurch eine unendliche Vielfalt an Designs entsteht.
Forscher bringen einige Designelemente mit antiker Symbolik in Verbindung. Ein Kreis mit einem Punkt oder Stern darin könnte die Sonne symbolisieren. Wellenlinien wurden mit Wasser und himmlischer Feuchtigkeit assoziiert. Rauten standen für Fruchtbarkeit. Im 20. Jahrhundert betrachteten die meisten Kunsthandwerkerinnen diese Muster jedoch eher als dekorative Elemente denn als Symbole mit spezifischer Bedeutung.
Das Ornament besteht aus einer Vielzahl von Kompositionsmustern. Karos, Streifen und Kreise werden in verschiedenen Kombinationen verwendet. Die Kunsthandwerkerin arrangiert die Elemente auf der Figur nach ihrer Vorstellung und berücksichtigt dabei die Form des Objekts – die runde Flanke des Pferdes, den glockenförmigen Rock der Dame, den fächerförmigen Schwanz des Truthahns.
Vergoldung: der letzte Schliff
Das Gemälde wird durch Aufkleben von Blattgoldstücken oder Blattgold (einer Kupfer-Zink-Legierung, die Gold imitiert) vollendet. Kleine Quadrate aus glänzendem Metall werden auf Damenhüten, Kragen, Schulterstücken, Truthahnschwänzen und Widderhörnern angebracht.
Blattgold und Blattgold wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrmals abwechselnd verwendet. Heute werden beide Materialien von Kunsthandwerkerinnen eingesetzt. Das Schimmern der Goldflocken, kombiniert mit leuchtenden Farben und einem weißen Hintergrund, verleiht der Figur ein festliches und elegantes Aussehen.
Traditionelle Bilder und Diagramme
Über die Jahrhunderte hinweg haben die Spielzeuge von Dymkovo eine bestimmte Reihe von Bildern reproduziert und diese ständig erweitert und aktualisiert.
Pfeifen
Die älteste Spielzeugart aus Dymkovo ist die Pfeife. Figuren von Vögeln, Widdern, Pferden und zweiköpfigen Tieren haben ein Pfeifenloch im Schwanz oder am Sockel. Diese Pfeifen wurden auf dem Svistunya-Jahrmarkt verkauft und gaben dem Fest seinen Namen. Die Pfeife war ein Gebrauchsgegenstand: Kinder pfiffen hinein und spielten damit.
Damen, Ammen, Wasserträgerinnen
Weibliche Figuren in glockenförmigen Röcken und hohen Kokoschniks gehören zu den bekanntesten Darstellungen. Damen, Kindermädchen, Ammen und Wasserträgerinnen sind an ihren Details zu erkennen: Eine trägt ein Kind, eine andere ein Joch mit Eimern, eine dritte einen Regenschirm oder einen Hund. Der glockenförmige Rock bildet die strukturelle Grundlage der Figur und prägt ihre unverwechselbare Silhouette.
Die Kunsthandwerkerin ZV Penkina schuf das Bildnis der „Mutter vieler Kinder“ (1961) – eine Amme in einem hohen Kokoschnik, an deren Rock Kinderfiguren befestigt sind und die zwei gewickelte Säuglinge im Arm hält. Dieses Werk zählt zu den anerkannten Meisterwerken dieser Kunstform.
Reiter, Kavaliere, Militärmänner
Männliche Figuren werden meist zu Pferd dargestellt. Reiter mit Schirmmützen, Hüten oder Zylindern sind seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Motiv. Zu den männlichen Darstellungen gehören auch Bauern mit Akkordeons, Jäger und Offiziere mit Epauletten.
Tiere und Vögel
Das Apfelschimmelpferd mit den großen blauen Kreisen an den Flanken ist eines der bekanntesten Motive Dymkowos. Ein Truthahn mit üppigem, fächerförmigem Schwanz, ein Hahn mit leuchtendem Kamm, ein Widder mit vergoldeten Hörnern, eine Kuh und ein Reh – all diese Tiere und Vögel sind wiederkehrende Figuren. Sie werden sowohl realistisch als auch fantasievoll dargestellt, oft mit übertrieben geschwungenen Formen.
Kompositionen mit mehreren Figuren
Seit den 1920er und 1930er Jahren entwickelten sich in der Dymkowo-Kunst Kompositionen mit mehreren Figuren auf einem gemeinsamen Untergrund – die sogenannten „Pfannkuchen“. Mehrere, inhaltlich verwandte Figuren wurden zu einer einzigen Szene kombiniert. Diese Technik ermöglichte die Darstellung von Genreszenen wie Bootsfahrten, Hochzeiten, Teegesellschaften und Jahrmärkten.
Kunsthandwerkerinnen wandten sich literarischen und märchenhaften Themen zu. ZV Penkina schuf Kompositionen nach Puschkins Märchen – „Das Märchen vom Zaren Saltan“, „Ruslan und Ljudmila“ und „Das Märchen vom Priester und seinem Diener Balda“. Zu diesen Werken gehört eine Stadt mit goldenen Kuppeln, die an die Basilius-Kathedrale mit ihren Kuppeln erinnert und zur Umrundung einlädt. 2003 vollendete LD Vereschtschagina die Komposition „Das Fest der Verklärung“ mit 120 Figuren, die das Leben im Verklärungskloster Wjatka nachbildet.
Rettung der Fischerei: Mezrina und Denshin
Ende des 19. Jahrhunderts stand das Dymkovo-Handwerk kurz vor dem Aussterben. Die Verbreitung von Gipsfiguren, Holzspielzeug und Pappmaché verringerte die Nachfrage nach den zerbrechlichen Tonfiguren. Viele Kunsthandwerkerinnen gaben ihr Handwerk auf – es bot ihnen nicht mehr den Lebensunterhalt. Einige Spielzeugmacherinnen stellten auf das Bemalen von Gipsabgüssen um. Nur eine einzige Kunsthandwerkerin formte weiterhin Tonfiguren in traditioneller Weise.
Anna Afanasjewna Mesrina (1853–1938) war die letzte Bewahrerin der lebendigen Dymkowo-Tradition der Bildhauerei. Sie arbeitete ihr ganzes Leben lang und gab ihr Können an ihre beiden Töchter, Alexandra Iwanowna Mesrina (1874–1934) und Olga Iwanowna Konowalowa (1886–1979), weiter. Durch sie wurde die Dymkowo-Tradition bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt.
Der zweite Retter dieses Handwerks war der Landschaftsmaler Alexei Iwanowitsch Denschin (1893–1948) aus Wjatka. Schon mit fünfzehn Jahren war er fasziniert von der Arbeit der Kunsthandwerkerinnen aus Dymkowo – er skizzierte ihr Spielzeug und studierte die Formgebungs- und Maltechniken. Er erkannte die wahre Kunst in den Werken dieser Analphabetinnen.
Nach der Revolution von 1917 schuf Denshin drei Alben: „Wjatkaer Tonspielzeug in Zeichnungen“ (1917), „Wjatkaer Tonspielzeug. Elegante Puppen“ (1919) und „Wjatkaer Antikes Tonspielzeug“ (1926). Die Skizzen wurden auf Lithografiesteinen angefertigt und mit Eigelb handkoloriert, getreu den Originalen nachempfunden. Diese Ausgaben erschienen in kleinen Auflagen und wurden schnell zu bibliografischen Raritäten. Denshin trug zudem Spielzeugsammlungen zusammen und schenkte sie Museen in Moskau und St. Petersburg. Dank ihm wurde die breite Öffentlichkeit auf das Wjatkaer Kunsthandwerk aufmerksam.
Denshins Bemühungen trugen Früchte. 1934 erhielt Mezrina eine private Pension. In den 1930er Jahren wurden Dymkovo-Spielzeuge auf den Weltausstellungen in Paris und New York präsentiert. Denshin holte erfahrene Kunsthandwerkerinnen – Elizaveta Alexandrovna Koshkina (1871–1953) und Elizaveta Ivanovna Penkina (1882–1948) – zurück ins Handwerk und gewann junge Talente dafür.
Generationen von Kunsthandwerkerinnen: Von den Artels bis zur Künstlervereinigung
In den 1920er und 1930er Jahren blieb das Kunsthandwerk in Dymkowo ein Heimbetrieb. Es gab keine Kooperativen wie in anderen Handwerksberufen. Ab 1934 gaben die Kunsthandwerkerinnen ihre Werke als Heimarbeiterinnen ab – zunächst an eine Gipsfabrik im Dorf, dann an die Künstlerkooperative „Kirov“. Wenig später versetzte der Große Vaterländische Krieg dem Handwerk einen schweren Schlag – die Kunsthandwerkerinnen verloren ihre Aufträge. Doch 1942 wurde die Produktion wieder aufgenommen.
Adblock bitte ausschalten!