„Was kostet das?“ von Dmitri Gluchowski, Zusammenfassung
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Dieses Buch ist eine kurze satirische Geschichte, die erstmals 2008 in der Zeitschrift „Russischer Pionier“ veröffentlicht und später in die Sammlung „Geschichten über das Vaterland“ aufgenommen wurde. Mit schwarzem Humor beschreibt das Werk die brutale Schattenseite der Moskauer Bauprojekte des 19. Jahrhunderts, wo das menschliche Leben einen streng festgelegten Preis hat und Wanderarbeiter buchstäblich zu biologischem Rohmaterial für eine geheime Industrie werden.
Mittagspause und die Alpträume der Arbeiter
Abdurakhim, ein junger Gastarbeiter aus Tadschikistan, isst auf einer Baustelle zu Mittag. Auf seinem Teller liegt ein dünner Pilaw. Er wird aus billigen, mageren Hühnerbeinen zubereitet. Das Fleisch ist völlig fettfrei. In seiner fernen Heimat, dem Dorf Pongoz, wird authentischer Pilaw immer aus fettem Lammfleisch gekocht. Dort isst man ihn traditionell mit den Händen. Man zerkaut den dicken, gelben Reis zu festen Klumpen. Auf der Baustelle hingegen benutzen die Arbeiter zerbrechliche Plastikgabeln.
In Moskau, das von Matsch und Rauch erfüllt ist, ist es für Migranten praktisch unmöglich, gutes Fleisch zu finden. Für Abdurakhim beschränkt sich die riesige Hauptstadt auf einen einzigen Quadratkilometer. Sein Leben spielt sich hinter einem drei Meter hohen Betonzaun ab. Jenseits dieser Grenze beginnt das wahre Moskau. Doch das Verlassen dieser Grenze ist gefährlich. Die Stadt wird von Polizisten patrouilliert. Sie kreisen ständig um die Baustellen des Jahrhunderts. Die Sicherheitskräfte suchen unter den entrechteten Neuankömmlingen nach leichter Beute. Abdurakhim hat Erfahrung im Umgang mit Sicherheitsbeamten. Er saß in seinem Heimatland im Gefängnis. In Moskau reicht sein spärlicher Wortschatz jedoch nicht aus, um sich mit den Patrouillen zu verständigen.
Der Schweißer Farukh aus dem dritten Team versuchte einmal, ein Stück frisches Lammfleisch durch einen Kontrollpunkt zu schmuggeln. Das Sicherheitspersonal beschlagnahmte das Fleisch. Das gesamte Team wurde streng bestraft. Die Bauarbeiter erhielten eine härtere Rüge als für ihren Haschischschmuggelversuch eine Woche zuvor. Auf der Baustelle gelten viele Regeln. Die Bauleitung informiert die Migranten nicht über alle lokalen Gesetze.
Abdurakhims Team wird für den sofortigen Einsatz an einer neuen Baustelle vorbereitet. Zur Feier des Tages haben die Köche Hühner-Pilaw zubereitet. Die Arbeiter werden zum Bau des kolossalen Pamir-Turms abkommandiert. Das Gebäude liegt weit jenseits des Autobahnrings. Seine oberen Stockwerke ragen hoch in die feuchten Wolken. Die Turmspitze ist fast nie zu sehen. Die Bauarbeiter haben Angst vor diesem neuen Standort. Es halten sich hartnäckige Gerüchte über tödliche Unfälle am Pamir-Turm. Arbeiter, die ihre Dienstzeit abgeleistet haben, werden schnell nach Hause geschickt. Die Geschäftsleitung erklärt dies mit Visabestimmungen. Die Gehälter am Pamir-Turm sind jedoch doppelt so hoch wie üblich.
In jener Nacht hat Abdurakhim einen beunruhigenden Albtraum. Er versucht, eine lange Leiter bis zur Spitze eines im Bau befindlichen Turms hinaufzusteigen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Plötzlich sagt ihm eine unsichtbare Stimme, dass sein Vorhaben aussichtslos ist. Der Turm entpuppt sich als lebender Organismus, der unaufhörlich nach oben wächst.
Bedenken des Baustellenbesitzers
Unterdessen erwacht der Inhaber eines Bauunternehmens. Arkady Petrowitsch Krotow sitzt auf dem Rücksitz seines zweifarbigen Maybachs. Der Geschäftsmann ist todmüde. Die vergangene Nacht verbrachte er mit einem Model und feierte seinen Aufstieg zum Reichtum. Krotow muss die Baustelle aufräumen. Ein hochrangiger Inspektor wird heute erwartet. Der Inhaber will Ärger und mögliche Strafen vermeiden. Der Pamir-Turm wird von einem internen Sicherheitsteam verwaltet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem streng. Es handelt sich um eine Baustelle innerhalb einer anderen Baustelle. Nur wenige Auserwählte haben Zutritt.
Krotows mit Saphiren besetztes Handy klingelt. Das Gerät verfügt über eine spezielle Taste, die normalerweise wohlhabende Besitzer mit Concierges verbindet. Krotow hat die Taste auf die Nummer des Sicherheitschefs umprogrammiert. Am Telefon diskutiert Arkady Petrowitsch gereizt Logistikfragen. Er weigert sich, seinen privaten Bombardier-Jet für eine weitere Lieferung heikler Fracht einzusetzen. Krotow bestellt stattdessen eine einfache Il-76. Der Geschäftsmann rät, die beschädigte Ware ohne Zertifikate zu einem reduzierten Preis an Inder zu verkaufen.
Dann wechselt Krotov zum zweiten Gesprächsthema. Er spricht über den kürzlich erfolgten Kauf einer großen Restaurantkette. Der Geschäftsmann bereitet ein Geschenk für Lyalyas Geburtstag vor. Krotov schlägt vor, die Kette in „Organika“ umzubenennen und sie komplett vegetarisch zu gestalten. Fleischkonsum sei ohnehin rückläufig. Anschließend gibt er klare Anweisungen, einen bestimmten Professor zu bestechen. Krotov ist bereit, dem Wissenschaftler 20.000 Rubel im Monat zu zahlen. Im Gegenzug soll der Professor seine jungen Studenten in das Unternehmen vermitteln.
Unfall in großer Höhe
Am nächsten Tag wird Abdurakhims Team auf verschiedene Etagen des gigantischen „Pamir“ verteilt. Der tadschikische Arbeiter landet im 62. Stock. Drinnen wirkt der Wolkenkratzer verwildert und halb verlassen. Stellenweise ist der Sichtbeton bereits mit glatten Gipskartonplatten verkleidet. Steckdosen hängen verstreut an den Wänden. In der Nähe sieht man vom Boden bis zur Decke bedeckte Betonplatten, die mit Graffiti besprüht sind. Der stechende Geruch von muffigem Urin durchdringt alles. Abdurakhims Kollegen ziehen sich zurück. Der Arbeiter beschließt, dass seine Landsleute Pakete aus dem Tschüi-Tal missbrauchen.
Fünf Stunden lang hockt der Wanderarbeiter vor einem riesigen Panoramafenster. Es bietet einen herrlichen Blick über Moskau. Dann geht er zum Vorarbeiter. Dieser ist gedankenverloren mit Kreuzworträtseln beschäftigt. Das zerkratzte Handy des Vorarbeiters klingelt und Fergana-Melodien dröhnen. Der Vorarbeiter hört sich einen kurzen Auftrag an und schickt Abdurakhim an die Arbeit. Der Bauarbeiter soll die Spalten zwischen den Gipskartonplatten und der Decke füllen.
Ein Arbeiter steigt eine wackelige Leiter hinauf. Die Leiter steht in einer Pfütze zwischen freiliegenden Drähten. Sobald Abdurakhim die Decke erreicht, durchfährt ihn ein Stromschlag. Der Strom fließt von seinem linken Fuß zu seinem rechten. Die Karriere des jungen Bauarbeiters endet damit.
Gäste aus hohen Ämtern
Teure Autos parken in der Nähe des Turms. Ein auffälliger Mercedes mit Regierungskennzeichen kühlt auf dem Parkplatz ab. Zwei Mercedes-Transporter mit blinkenden Lichtern stehen daneben. Im 78. Stock empfängt Krotov drei hochrangige Gäste. Ein älterer Herr im blauen Anzug sticht unter ihnen hervor. Goldene Manschettenknöpfe mit Generalsternen glänzen an seinen Ärmeln. In der Nähe sitzen ein korpulenter, bebrillter Beamter mit englischer Krawatte und ein großer, kahlköpfiger Mann mit schmalem Schädel.
Der General trinkt teuren schottischen Whisky. Er beginnt über die zunehmenden Unfälle auf der Baustelle zu sprechen. Krotow rechtfertigt die seltenen Fehlzündungen. Der General erinnert sie an die festgelegten Gebühren für das Schweigen der Presse. Jede verhinderte Veröffentlichung kostet 190.000 Rubel. Für veröffentlichtes Material wird eine Strafe von drei Prozent fällig. Der korpulente Beamte ist über diese Vorgehensweise überrascht. Er fragt, warum Krotow angesichts solch enormer Budgets Tadschiken anstelle gewissenhafter deutscher Arbeiter einstellt.
Arkady Petrowitsch erläutert seinen Standpunkt. Die Deutschen trinken viel Bier und schädigen ihre Leber. Tadschikische Arbeiter trinken keinen Alkohol. Auf den Baustellen durchlaufen Migranten einen dreimonatigen Rehabilitationskurs. Ihre Körper werden von Schadstoffen befreit. Die Migranten werden wieder fit. Der kahlköpfige Beamte bewundert die moderne Herangehensweise des sparsamen Bauherrn.
Operationssaal unter dem Dach
Abdurakhim kommt wieder zu Bewusstsein. Sein Kopf platzt. Der Arbeiter liegt nackt auf einer Trage. Sein Körper ist mit einem blutbefleckten, verlassenen Laken bedeckt. Ein säuerlicher Geruch steigt ihm in die Nase. Der Migrant jubelt über sein wundersames Überleben. Die russische Medizin konnte ihn nach dem Stromschlag wiederbeleben. In seiner Heimat wäre er längst begraben.
Bald entdeckt der Migrant einen großen Operationstisch. Drei Chirurgen in grünen OP-Kitteln kümmern sich um einen Patienten. Die Ärzte sind mit frischem Blut bedeckt. Abdurakhim erkennt einen Fliesenleger namens Fakhraddin, den er kennt. Der Patient atmet durch eine Plastikmaske mit einem Schlauch.
Die Sanitäter arbeiten schnell und zynisch. Einer der Chirurgen befiehlt, den Patienten umzudrehen. Der Arzt macht einen Schnitt und entfernt eine Niere. Das Organ wird in einen tragbaren Plastikkühlschrank gelegt. Dann beginnt eine medizinische Säge zu surren. Die Chirurgen öffnen den Brustkorb des Fliesenlegers. Knochen knacken. Der Herzmonitor gibt einen monotonen, dünnen Piepton von sich. Der Arzt entfernt das zuckende Herz und wirft es in einen Behälter. Der Chirurg erklärt die restlichen Organe für unbrauchbar. Er befiehlt, den Körper in einen Kühlschrank zu legen und den nächsten Arbeiter vorzubereiten. Abdurakhim erkennt den wahren Grund seiner Anwesenheit im Turm.
Verschmelzung von Kapital und Sicherheitskräften
In Krotows Büro gehen zwei Beamte auf die Toilette. Der General bleibt allein mit dem Geschäftsmann zurück. Der Sicherheitsbeamte holt einen Notizblock hervor und kommt schnell zum Kern des Gesprächs. Er lobt Arkady Petrowitschs geheime Geschäfte. Der General zitiert präzise demografische Daten aus einem Bericht. Tadschikistans Bevölkerung wächst stetig. Die Geburtenrate übersteigt die Sterberate um fast das Vierfache. Dies sei eine ideale und unerschöpfliche Ressource.
Der General nennt die aktuellen Preise für Organtransplantationen auf dem Schwarzmarkt. Eine einzelne menschliche Niere kostet einhunderttausend Dollar. Zwei Nieren sind zweihundertfünfzigtausend wert. Eine Leber erzielt Preise zwischen einhundertfünfzig und dreihunderttausend Dollar. Ein Herz kostet bis zu dreihundertfünfzigtausend Dollar. Ein gesunder Migrant bringt seinem Besitzer einen Nettogewinn von rund sechshunderttausend Dollar ein. Bei einer täglichen Rate von zwanzig Transplantationen sind die Gewinne astronomisch. Der General nennt dieses System eine geniale Neuerung. Krotow erbleicht vor Angst. Er tritt an das offene Fenster heran und will springen.
Ein Deal und ein plötzliches Ende
Im selben Moment springt der nackte Abdurakhim von der Trage. Er rennt den Klinikflur entlang. Verchromte Maschinen sausen an ihm vorbei. Die Leichen seiner toten Landsleute liegen in den Tanks. Ein Arbeiter rennt an Reihen von Kühlkammern vorbei. Namensschilder mit den Namen der Bauarbeiter hängen an den Türen. Abdurakhim drängt sich an den Wachen vorbei. Vor ihm taucht ein hell erleuchteter Aussichtsbalkon auf. Der Arbeiter rennt hinaus in die frische Luft. Hoch oben ziehen Wolken weit unten. Abdurakhim hofft, einen Notausgang zu finden, doch es gibt keinen. Bewaffnete Wachen und Ärzte versperren ihm den Rückweg. Der in die Enge getriebene Migrant klettert auf die Brüstung.
Im 78. Stockwerk hält der General Krotov an einem Fenster an. Der Sicherheitsbeamte unterbreitet ihm ein lukratives Angebot: Die Regierungsbehörden erhalten die Hälfte des Umsatzes. Zusätzlich muss Krotov freiwillig Organe an einen Fonds für Veteranen von Spezialeinheiten spenden. Der General erkundigt sich nach den Methoden zur Bestattung der sterblichen Überreste der Arbeiter. Krotov erwähnt eine Kette von Schawarma-Imbissständen. Der General kritisiert diese Methode. Er rät dem Geschäftsmann, einen Vertrag mit dem großen Fleischverarbeitungsbetrieb Mikojan abzuschließen. Die Sicherheitsbeamten haben die vollständige Kontrolle über dieses Unternehmen und schützen es vor Inspektionen.
Arkady Petrowitsch akzeptiert die Bedingungen. Er wischt sich die Hände an der Hose ab und kehrt zum Tisch zurück. Lebhafte Beamte kommen aus der Toilette. Sie bewundern die berührungsempfindlichen Armaturen und laden Krotow zur Feier ein. Der Geschäftsmann will gerade antworten, als eine dunkle Gestalt am Fenster vorbeihuscht. Ein kurzer, erstickter Schrei ertönt. Krotow zuckt zusammen. Der General zückt einen Bleistift. Der Sicherheitsbeamte macht sich eine Notiz in seinem Notizbuch. Er sagt zu Krotow: „Das ist der Standardpreis.“ Der Gast rät ihm, sich zu entspannen, und fügt hinzu: „Das war’s, Happy End!“
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