Anna Starobinets’ "Bestiengeschichten", eine Zusammenfassung
Dieses Buch ist eine Sammlung lokaler Mythen, Volkssagen und Wiegenlieder aus einem fiktiven Universum, das im Jahr 2020 erschaffen wurde. Das Werk erweitert die Welt der berühmten Detektivserie und konzentriert sich auf die einzigartige Folklore von Tieren aus verschiedenen Lebensräumen, wobei jede Art ihre eigenen Legenden, Aberglauben und Ängste hat.
Mythen und Legenden des Dorfes Okhotki
Das Dorf Okhotki liegt nahe dem Fernen Wald. Hunde, Katzen, Schweine und Nutztiere leben dort dauerhaft. Die Besitzerin des Bauernhofs, Nina Palna, veranstaltet regelmäßig Schönheitswettbewerbe für ihre Tiere. Der Alltag der Tiere ist streng durch ungeschriebene Regeln geregelt.
Ein kräftiger Jagdhund namens Polkan kümmert sich um einen neu angekommenen Boxerwelpen. Der Kleine winselt nachts unaufhörlich und stört damit die Hühner und den Hahn Petunya. Polkan gibt dem namenlosen Welpen den Namen Mukhtar. Der alte Wolfshund erzählt dem Kleinen beruhigende Geschichten. Als Kind schlief Polkan selbst zu den Erzählungen eines alten englischen Setters namens Lord ein.
Die schneeweiße Perserkatze Marquise interessiert sich sehr für die Ursachen des Hundehasses. Ihre reinrassige Mutter Persea erzählt ihrem Kätzchen einen alten Mythos über den Fluch der schwarzen Katze. Diese Legende erklärt detailliert die jahrhundertealte Feindschaft zwischen Hunden und Katzen.
Im benachbarten Hühnerstall schlüpft ein Küken namens Pyts sicher aus dem Ei. Die Henne beginnt sofort, ihm die feierliche Hymne des Hühnerhofs beizubringen. Haushühner glauben fest an ihre große historische Bestimmung. Sie besingen regelmäßig die Eierschalen und preisen die militärischen Heldentaten ihrer Vorfahren.
Mündliche Überlieferungen des Fernen Waldes
Der Ferne Wald liegt in einer gemäßigten Klimazone. Seine Bewohner halten sich strikt an das örtliche Vegetariergesetz. Der rechtliche Status der Tiere schließt die traditionelle Nahrungskette vollständig aus – Fleischfresser dürfen ihre pflanzenfressenden Nachbarn nicht fressen.
Waldtiere erklären furchterregende Naturphänomene traditionell durch uralte Sagen. Sie glauben, laute Donnerschläge seien ein Zeichen des Zorns der Himmelsbären. Ein plötzliches Gewitter versetzt alle Bewohner in Panik und lässt sie sich in tiefen Höhlen verstecken.
Das ungewöhnliche Verhalten mancher Tiere wird von den Einheimischen als „Sternenfieber“ bezeichnet. Dachs und Eule sind regelmäßig zentrale Figuren in Volkssagen. In einer dramatischen Geschichte leidet ein verzweifelter Hamster sehr unter unerwiderter Liebe. Ein junges Hamsterweibchen weist seine Annäherungsversuche in der Syrnokhlebny-Gasse barsch zurück. Sie nennt den buckligen Verehrer beleidigend einen alten Mann. Das verzweifelte Nagetier verfasst daraufhin eine düstere Ballade über seine gebrochenen Gefühle.
Folklore des nahen Waldes und des Unterholzes
Die Bewohner des benachbarten Nahen Waldes erzählen sich ihre eigenen Schauergeschichten. Die Jagd nach dem geheimnisvollen Geflügelten nimmt einen zentralen Platz in der lokalen Mythologie ein. Das Eulenlied wird von Generation zu Generation von den Vögeln weitergegeben.
Die Bewohner des Unterwaldes bewahren sorgsam das Andenken an ihre herausragenden Vorfahren. Die Geschichte des ersten Dachses auf dem Mond erzählt von der unglaublichen Reise eines gewöhnlichen Waldtieres durch den Weltraum. Diese fantastische Erzählung inspiriert die jüngere Generation zu mutigen Taten.
Dunkle Geschichten aus der wilden Waldsteppe
Die wilde Waldsteppe versetzt ihre Bewohner mit unheilvollen Gerüchten über eine mächtige Hexe in Angst und Schrecken. Die Erwachsenen flüstern Koyas Geschichte. Ein Erdhörnchen namens Schwachpfote bringt ihren Sohn zärtlich ins Bett. Der kleine Zitterschwänzchen fürchtet ein seltsames Amulett über seinem Kinderbett.
Ein schützender Talisman aus Federn, Spinnweben und spitzen Dornen soll böse Mächte abwehren. Die Einheimischen glauben, dass der Geist der Hexe Koya in die Träume anderer eindringt. Das heimtückische Wesen raubt schlafenden Tieren ihre Lebensfreude. Die Beraubten verlieren für immer die Fähigkeit zu lachen. Koya nährt sich von dem gestohlenen Lachen und füllt so ihre magischen Reserven wieder auf.
Die harten Realitäten des fernen spärlichen Waldes
Der Ferne Spärliche Wald liegt in einer heißen, trockenen Savanne. Schwäche wird in diesem unwirtlichen Ort nicht verziehen. Die einheimische Bevölkerung führt ständig blutige Kriege um Trinkwasser, frisches Obst und begehrte Gebiete. Schamanen vollziehen regelmäßig furchterregende Rituale. Hier herrscht nur rohe Gewalt.
Während einer schweren Dürre gibt die Giraffe Rafaella ihrem jungen Sohn Kokosmilch zu trinken. Rafik, das Giraffenbaby, klagt über unerträglichen Durst. Seine Mutter erzählt ihm eine alte Legende über Knochen und Fleisch. Dieser philosophische Mythos hilft den Jungtieren, die harten Gesetze des Überlebens in der Savanne zu akzeptieren.
Mütter singen ihren Kindern traurige Wiegenlieder vor. Die Texte erzählen von gefährlichen Löwen und schnellen Geparden. Antilopen-, Strauß- und Erdferkelbabys schlafen in ständiger Angst vor anderen Tieren ein. Eltern warnen ihre Kleinen eindringlich vor der drohenden Gefahr durch große Raubtiere.
Geheimnisse des Unterwasserwaldes
Der Unterwasserwald gilt als der am dichtesten besiedelte Ort im beschriebenen Universum. Der Meeresboden ist von tiefen Gräben, hohen Bergen und aktiven Vulkanen geprägt. Meereslebewesen bewegen sich in der Wassersäule wie Landvögel.
Bei Pinguinen gelten strenge Regeln für die Kindererziehung. Die strenge Frau King-Ping schimpft lautstark mit dem kleinen Pinguin, weil er unvorsichtig ist. Der Kleine rutscht ohne Erlaubnis den glatten Hang eines riesigen Gletschers hinunter. Nach einem heftigen Sturz auf das harte Eis folgt eine Standpauke über die harte Strafe, die ihn für seinen Ungehorsam erwartet.
Kalte Mythen der fernen Hügel
Die Fernen Hügel liegen im Nordosten, an der Grenze zwischen Taiga und Waldtundra. Der Permafrost lässt nur Moose, Flechten und niedrige Sträucher überleben. Im Sommer reifen in den kalten Sümpfen die medizinisch genutzten Moltebeeren.
Die liebevolle Nanny Lemma kümmert sich um einen kleinen Polarfuchs. Ein gewöhnlicher Lemming bürstet das Fell der jungen Pyosa mit einer pinkfarbenen, mit Strasssteinen besetzten Bürste. Nanny erzählt ihrem Schützling die Geschichte vom Eisdämon. Das Mädchen stellt Fragen über Magie und Wunder.
Lemma leugnet ihre magischen Kräfte. Sie führt den saisonalen Fellwechsel auf die mächtige Göttin Undra zurück. Dieses mythische Wesen wechselt zweimal im Jahr die Farbe seines Fells. Alle Polarfüchse der Tundra tun es ihr gleich. Das ausgekämmte weiße Fell kündigt die lang ersehnte Ankunft des kurzen Sommers im Norden an.
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