„Die Hunde von Lilith“ von Christina Stark, Zusammenfassung
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„Die Hunde Liliths“ ist der Debütroman der russischen Autorin Christina Stark, ein düsterer romantischer Thriller. Erschienen 2016, erzählt er die Geschichte der zwanzigjährigen Skye Polanski aus Dublin, einer jungen Frau, die sich kaum Illusionen über sich selbst und die Welt um sie herum macht und allmählich in ein Netz der Manipulation gerät. Der in der Ich-Perspektive geschriebene Roman ist lebendig, von bitterer Selbstironie durchzogen und besticht durch eine in diesem Genre seltene psychologische Präzision.
Dublin: Das Leben davor
Der Prolog entführt die Leserin/den Leser auf einen Dubliner Schulhof, wo Skye von ihren Mitschülerinnen, angeführt von der schönen Liz, brutal zusammengeschlagen wird. Der Grund dafür ist Jamie, ein Junge, dem Liz nachstellte. Er hatte nur einmal in der Cafeteria neben ihr gesessen, doch das reichte aus, um das Mobbing in etwas Erbarmungsloses eskalieren zu lassen. Als Skye im Dunkeln erwacht, mit getrocknetem Blut im Hinterkopf, beschließt sie, sich zu rächen: Sie schreibt Jamie eine SMS und verabredet sich mit ihm. Die Rache gelingt, doch sie hinterlässt Spuren, die sie, wie sie selbst zugibt, nicht vollständig von sich tilgen kann.
Skyes einzige Familie war ihre Mutter, die an schwerer klinischer Depression litt. Eines Tages nahm sie alle Tabletten im Haus und kehrte nie zurück. Skye fand sie auf dem Dach, auf dem Rücken liegend, den Blick leer in den Himmel gerichtet. Nach der Beerdigung kein Studium, sondern nur ein Kellnerjob im Pub „Turk’s Head“ für ein bescheidenes Gehalt, fünfzig Stunden die Woche.
Ihr engster Freundeskreis besteht aus Hugo, dem Barkeeper und dem Mann, dem Sky am meisten vertraut, und Kate, einer Freundin aus der Steakbar gegenüber. Terry Turtle, ein Absolvent des Royal College of Surgeons mit medizinischen Anekdoten und einem ansteckenden Lachen, taucht kurz in ihrem Leben auf. Sky verliebt sich, beginnt ihretwegen abzunehmen, grübelt über seinen Nachnamen nach und glaubt fast, dass sich etwas verändert. Kate ist skeptisch: Ihrer Beobachtung nach schenkt ein Mann, der an einer Frau interessiert ist, ihr nicht drei Monate lang Stoffhunde und zieht die Sache nicht unnötig in die Länge.
Lilith
In diesem Moment taucht Lilith im Café auf – eine Brünette mit schwarzroten Augen und der Ausstrahlung einer Frau, die es gewohnt ist, ihren Willen zu bekommen. Sie kommt fast täglich, gibt großzügiges Trinkgeld und führt Gespräche, die man kaum ignorieren kann. Sie beschreibt Skys Zukunft: ein Mercedes-Cabrio auf der Autobahn am Meer entlang, ein Bündel dicker Geldscheine, ein Mann, der an ihrer Gesellschaft interessiert ist.
Lilith ist die Inhaberin einer Frauenklinik in Boston. In ihrer Freizeit geht sie auf Großwildjagd: Wölfe, Bären, Bisons. Sie erklärt, dass Schießen nicht nötig sei – der wahre Reiz liege darin, Spuren zu lesen, Fallen zu stellen und die Beute mit Köpfchen zu überlisten. Der Umschlag, den sie auf den Tisch legt, enthält einen Betrag in Höhe von Skyes Monatsgehalt: Geld für Haarverlängerungen. „Genetik ist nur für diejenigen, die sich nicht trauen, ihr ins Gesicht zu spucken“, sagt Lilith. Skye nimmt den Umschlag.
Dann bietet Lilith ihr einen Job an. Die Bedingungen sind vage, aber im Grunde klar: Skye soll eine „Spionin“ werden – ein Mädchen, das auf die Spur eines Ziels geschickt wird. Lilith weiß, den richtigen Moment abzuwarten: Als sie Skye in ein kleines Abenteuer mit einem Börsenmakler in einem Café verwickelt – Skye ergattert seine Telefonnummer, indem sie für hundert Euro wie ein Kaninchen herumhüpft – gibt Skye selbst zu, dass es ihr gefallen hat.
Boston
Ihre Beziehung zu Terry endet mit Verrat, den Skye zunächst nicht erklären kann. Später stellt sich heraus: Selena, eine andere Hündin, war dahinterstecken – Lilith hatte ihre Romanze absichtlich zerstört, um das Hindernis aus dem Weg zu räumen. Nun heimatlos, findet sich Skye in Boston wieder, wo sie beginnt, Liliths Aufgaben zu erfüllen: ihre Haarfarbe zu ändern, sich zu verwandeln und den richtigen Leuten nahezukommen.
Dort trifft sie auf Bones – Sam Ocean. Ein Mann mit einem düsteren Ruf: Die Presse zeichnete ihn als Monster, Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift „Tod den Kindermördern“ hoch, und er saß bereits in Haft. Lange Zeit kann Skye nicht herausfinden, was dahinter steckt. Dann findet sie online ein Foto, das alles ins rechte Licht rückt: Bones steht an einem frischen Grab, und auf dem Grabstein steht: „Olivia Ocean, 13. Dezember 2005 – 13. Dezember 2005“. Das Kind lebte genau einen Tag. Er ist kein Monster – er ist ein Vater, der seine Tochter verloren hat und offenbar eines Verbrechens beschuldigt wurde, das er nicht begangen hat.
Fangen
Skye verliebt sich in Bones – nicht aus freier Entscheidung, sondern als unerwartete Erkenntnis. Bones erwidert ihre Gefühle, doch Lilith denkt nicht daran, ihren Liebling loszulassen. Sie gibt Skye eine neue Aufgabe: Sie soll jemanden aus Bones’ Umfeld verführen, ein weiteres Paar zerstören, und dann erhält sie ein kostbares Reagenzglas mit etwas, das Skye dringend braucht.
Skye befindet sich in einem Dilemma: Die Mission zu erfüllen hieße, Bones zu verraten und ihr genau das anzutun, was ihr einst angetan wurde. Sich zu weigern, hieße, Liliths Versprechen zu verlieren. Der Brief, den sie im Bus erneut liest, ist in einem absolut sachlichen Ton verfasst: „Im Grunde brauchen wir einen neuen Hund, bringen den Freund ins Bett und schicken seiner Freundin eine SMS von seinem Handy aus.“ Skye erkennt, dass genau so ihr eigenes Leben vor einem Jahr zerstört wurde.
Auswahl
Bones schickt unaufhörlich Nachrichten: „Antworte mir“, „Wo bist du?“, „Ein Wort von dir genügt – und du hast diese Probleme nicht mehr.“ Skye sitzt auf dem Bahnsteig und blickt auf den Polizeiwagen gegenüber. Sie schreibt ihm: „Ich komme nicht, tut mir leid. Das ist alles.“ – und erkennt, wie falsch diese Worte sind.
Liliths Falle funktionierte genau wie geplant: Je tiefer Skye vordrang, desto schwieriger wurde die Flucht. Der Angelhaken, wie sie es selbst ausdrückte, saß zu tief – sie konnte ihn entweder herausreißen und langsam sterben oder ihn weiter verschlucken.
Der Roman endet nicht mit einem moralischen Sieg im herkömmlichen Sinne: Skye ist weder ein unfreiwilliges Opfer noch eine furchtlose Heldin. Sie begibt sich auf eine Mission, wohl wissend, dass sie Spuren hinterlässt, die sich nicht auslöschen lassen. Und genau das – nicht eine pompöse Entscheidung zwischen Gut und Böse, sondern der qualvolle Kampf einer in die Enge getriebenen Person – macht „Die Hunde von Lilith“ zu einem Buch, das man nur schwer gleichgültig aus der Hand legen kann.
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