„Der Zauberer des Russischen Reiches“ von Viktor Daschkewitsch, Zusammenfassung
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„Der Zauberer des Russischen Reiches“ ist ein 2024 erschienener Roman und der Auftakt der Graf-Hermes-Averin-Reihe. Die Handlung spielt in einem alternativen Russland des Jahres 1982, in dem die Weißen mit Hilfe der Diws den Bürgerkrieg gewonnen haben und St. Petersburg zwar weiterhin eine Großstadt, aber nicht mehr Hauptstadt ist. Von Beginn an geht die Detektivgeschichte der zentralen Frage des Buches nach: Kann ein Diw mehr sein als ein gefährlicher Diener, wenn die gesamte traditionelle Ordnung auf Angst, Gewalt und Unterwerfung beruht?
Victors Fall
Zu Beginn der Geschichte begibt sich der Privatdetektiv und Kampfmagier Graf Hermes Averin auf die Suche nach dem verschwundenen Viktor – einem jungen Adligen aus einer wohlhabenden Familie, in der äußerliche Anständigkeit längst echte Gefühle verdrängt hat und die Erwachsenen mehr mit ihrem eigenen Komfort und ihren eigenen Sorgen als mit dem Schicksal ihres Sohnes beschäftigt sind. Auf seiner Suche durchstreift Averin die Häuser des Petersburger Adels, Polizeigespräche, Gerüchte auf der Straße, Bordelle und die Geschichten von Wahrsagern und erkennt allmählich, dass Viktors Verschwinden nicht mit einem eleganten Geheimnis zusammenhängt, sondern mit einer schweren Familienlüge, alltäglicher Ausschweifung und der Unterwelt, in die der junge Mann durch Schwäche und Vernachlässigung hineingezogen wurde. Fast zeitgleich kursieren in der Stadt Gerüchte über einen Dämon, der sich seltsam verhält und nicht wie erwartet Menschen tötet. So wird aus Averins gewöhnlicher Ermittlung schnell ein privater Auftrag und eine Konfrontation mit etwas, das so gar nicht zu seinen bisherigen Vorstellungen von Diven passt.
Kuzya
Diese Handlungsstränge laufen zusammen, als in Viktors Fall ein Wesen auftaucht, das auf fast absurde Weise in Averins Haus landet – in einem Pappkarton, erst als Katze, dann als junger Mann mit ungewöhnlich gefärbten Augen, der sich kühn, neugierig und ganz und gar nicht wie eine verängstigte, gefangene Diva verhält. Averin reagiert zunächst wie ein Mann seines Standes und Berufs: Er sorgt für Schutz, sperrt seinen Gefangenen ein, testet dessen Reaktionen und sucht nach einem Weg, die Situation unter Kontrolle zu halten. Doch die Gespräche mit Kuzya, seine Manierismen, sein scharfer Verstand und seine unerwartete Zuneigung durchbrechen das übliche Muster, nach dem eine Diva lediglich ein Mittel zum Zweck oder eine potenzielle Katastrophe ist. So tritt Kuzya in Averins Leben, und mit ihm ändert sich der Ton des Buches grundlegend: Der trockene, ironische und misstrauische Detektiv gewinnt einen Partner, der ihn gleichzeitig amüsiert, irritiert, in einer gefährlichen Situation rettet und ihn allmählich dazu zwingt, die gesamte Beziehung zwischen Mann und Diva jenseits der alten, bequemen Formeln zu überdenken.
Familienknoten
Der zweite Hauptstrang der Handlung führt Averin in den Kreis seiner eigenen Familie, als ihn die Nachricht von der Krankheit seiner Großmutter, die Äbtissin der Skete Zaladozhsky geworden ist, zwingt, seinen Bruder Vasil zu besuchen. Dort trifft er auf Maria, den kleinen Misha, die Familiendiva Anonymous und die vertraute Mischung aus Höflichkeit, Autorität und lange gehüteten Geheimnissen der Averyins. Die Ermittlungen drehen sich um einen Ehering, Gespräche über Marina, lang gehegte Entscheidungen der Ältesten, der Mädchen aus dem Dorf und der Schwestern der Skete. Averin entdeckt nach und nach, dass hinter Frömmigkeit und familiärer Disziplin Zwang, Angst, verdrängte Schuldgefühle und eine ganze Kette von Ereignissen stecken, die Menschen, die still und unterwürfig schienen, dazu gebracht haben, sich nun heftig und verzweifelt zu verteidigen. Dieser Teil ist für den Helden besonders wichtig, denn es geht nicht mehr um die Klienten anderer Leute, sondern um seine eigene Familie: Er ist gezwungen, seinen Bruder, seine Großmutter, Mishas Kindheitstraumata und den tadellos erzogenen Anonymous ohne die bisherigen Zugeständnisse zu betrachten, und er gelangt zum Schluss mit dem klaren Gefühl, dass die Familienerinnerung oft genauso geschickt lügt wie ein professioneller Verbrecher.
Rana Kuzi
Auf dem Anwesen und in der Nähe der Familiengruft wird die Familiengeschichte enthüllt. Dort fügen sich aufgestaute Verdächtigungen zu einem stimmigen Bild zusammen und zeigen, wer was geopfert, wer wen gedeckt hat und warum alte Grollgefühle nicht verschwunden, sondern nur in anderer Form entstanden sind. Hier bezahlt Averin nicht nur mit seinen Nerven und seiner Zeit: Kuzya wird schwer verletzt, und die Szene, in der der Besitzer ihn aufhebt und ins Haus trägt, macht deutlich, was er zuvor verbergen konnte: Die Diva ist für ihn längst kein nützlicher Fund mehr, sondern ein Wesen, für das er nun tatsächlich Verantwortung trägt. Von diesem Zeitpunkt an kann Averins Haltung gegenüber Kuzya nicht mehr normalisiert werden, denn die Angst vor Verlust erweist sich als stärker als Standesregeln, akademische Dogmen und all die Worte, mit denen die Gesellschaft jahrhundertelang den bequemen Missbrauch von Diven gerechtfertigt hat.
Anarchisten
Der dritte Hauptstrang der Handlung beginnt damit, dass der zuvor gerettete Victor in Averins Haus landet. Plötzlich ist der Alltag des Kommissars von einer fast familiären Sorge um den jungen Mann geprägt, der zu viel Leid und zu wenig Liebe erfahren hat und sich deshalb leicht zum Verbotenen, Lauten und Gefährlichen hingezogen fühlt. Von hier aus verlagert sich der Fokus des Romans auf den Anarchistenfall: Victor gerät in den Bann von Menschen, für die Rebellion ein Ausweg zu sein scheint, Averin versucht, kindische Prahlerei von echtem Verbrechen zu unterscheiden, und eine neue Bedrohung wächst in der Nähe heran – eine Diva, die sich nicht länger in der Geschichte eines anderen versteckt, sondern den Kommissar und sein Zuhause selbst ins Visier nimmt. In diesem Teil wird besonders deutlich, wie die etablierten Figuren zusammenzuarbeiten beginnen: Kuzya agiert als vollwertiger Partner, Margarita kümmert sich um das Haus und gibt ihm seinen gewohnten Rhythmus zurück, Victor selbst reift schmerzhaft, und die Begegnungen mit Vladimir zeigen, dass Polizei, öffentlicher Dienst und persönliche Ehre in dieser Welt alles andere als immer deckungsgleich sind.
Das Finale
Am Ende deckt Averin die Verbindungen zwischen der Unterwelt, persönlichen Grollgefühlen, magischen Kräften und jenen auf, die den Glauben anderer als Deckmantel missbrauchen. Der Fall wandelt sich von einer einfachen Tätersuche zu einer Bewährungsprobe für Averins Verantwortung gegenüber seinen Angehörigen. Die Schlussszene hinterlässt ein Gefühl der Unruhe: Wladimir gibt Averin die Uhr mit dem Amulett des Anonymen zurück, warnt ihn kühl und verschwindet. Dies verdeutlicht, dass Kuzyas Geschichte, die Familiengeheimnisse und die jüngsten Ermittlungen längst die Grenzen eines Privathauses und der Arbeit eines Privatdetektivs überschritten haben. Der Roman endet nicht mit einem lauten Fest, sondern mit einer stillen, häuslichen Geste: Margarita bringt Tee. Averin betrachtet das Geschehene mit neuen Augen und akzeptiert einen einfachen Gedanken, den er zuvor kaum zugelassen hätte: Mit Kuzya ist sein Leben gefährlicher, komplizierter und gleichzeitig unvergleichlich lebendiger geworden.
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