„Das Testament des Kolumbus“ von Arkady und Georgy Vainer, Zusammenfassung
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Dieser 1987 erschienene Kriminalroman erzählt von einem Verbrechen ohne Schusswaffe. Die Ermittlungen zum Tod eines älteren Lehrers werden von seinem ehemaligen Schüler geleitet, der inzwischen selbst Kriminalbeamter bei der Moskauer Kriminalpolizei ist. Der Tod wird durch eine grausame Täuschung herbeigeführt: ein gefälschtes Telegramm. Der Titel spielt auf die Legende von Christoph Kolumbus an. Der große Seefahrer, der Schiffbruch erlitt, vertraute dem Ozean die Nachricht von seiner Entdeckung der Neuen Welt an. Er glaubte fest an den Wert guter Taten zum Wohle anderer.
Ermittler Stanislaw Tichonow wird am frühen Samstagmorgen von einem Anruf seiner Tochter Larisa geweckt. Sie ist die Tochter seines ehemaligen Lehrers Nikolai Iwanowitsch Korostylew. Unter Tränen berichtet Larisa vom Tod ihres Vaters in Rusajjewo – er war an einem Herzinfarkt gestorben. Sie fügt eine beunruhigende Andeutung von Mord hinzu. Tichonow ist zutiefst erschrocken. Er leiht sich das Auto seines alten Schulfreundes Alexei Kormilizyn. Gemeinsam mit seiner Freundin Galja fährt er nach Rusajjewo. Unterwegs erinnert sich Tichonow an Korostylews Unterricht. Der alte Mann ist ihm zu einer Vaterfigur geworden.
Unterwegs versucht Galja, sich in Tichonow hineinzuversetzen. Ständig beteuert sie ihre Bereitschaft, seinen Schmerz zu teilen. Doch der Kommissar ist genervt von ihrer gespielten Beharrlichkeit. Galja versteht die wahren Gefühle des Ermittlers nicht. Er sehnt sich nach Einsamkeit. Er möchte lange schweigend daliegen und sich an seinen alten Freund, seine erstaunliche Weisheit und Ehrlichkeit erinnern. Der Wagen rast durch die grünen Wälder der Moskauer Region Richtung Rusajewo. Tichonow graut es vor dem Gedanken, dem Tod eines geliebten Menschen ins Auge zu sehen.
Ankunft in Ruzayevo und ein seltsames Telegramm
Tikhonov und Galya kommen zu spät zur offiziellen Beerdigung auf dem örtlichen Friedhof an. Die Angehörigen des Lehrers wirken müde und niedergeschlagen. Der Ermittler sieht Larisa, ihren Mann Vladilen und ihre Söhne. Eine junge Nachbarin, Nadya Vorontsova, nimmt Tikhonov beiseite. Sie enthüllt den wahren Grund für seinen plötzlichen Tod: ein zerknittertes Telegramm aus Mamonovo. Der Text teilt dem alten Mann unerbittlich den Tod seiner Tochter, seines Schwiegersohns und seiner Enkelkinder bei einem Autounfall mit.
Das Herz des alten Mannes konnte die schreckliche Nachricht nicht ertragen. Er verlor vor den Augen des Postboten das Bewusstsein und starb kurz darauf. Bei der Beerdigung sitzt Tichonow wie betäubt am Tisch. Der Kommissar beobachtet die Gäste aufmerksam. Er ist sich absolut sicher, dass einer seiner anwesenden Kollegen schuldig ist. Jemand hat ihm aus der Ferne, durch die Hand eines anderen, den tödlichen Schlag versetzt. Der Kommissar ist entschlossen, den Täter zu finden.
Tichonow beginnt eine inoffizielle Untersuchung. Er begibt sich zur Telefonzentrale des Kommunikationshauses. Dort bittet er die Telefonistin Anja Weretennikowa, ihn mit dem diensthabenden Beamten des Moskauer Polizeidienstes (MUR) zu verbinden. Der Ermittler weist seine Moskauer Kollegen an, umgehend das Postamt in Mamonowo zu überprüfen. Sie sollen Zeugen befragen und den Absender des Formulars ermitteln. Anschließend begibt sich der Ermittler zum Polizeipräsidium, um mit dem zuständigen Beamten für Ermittlungsangelegenheiten zu sprechen.
Hauptmann Zatsarenny weigert sich kategorisch, ein Strafverfahren einzuleiten. Der Polizist, mit tiefer Bassstimme, verweist auf verfahrenstechnische Feinheiten. Er argumentiert, es sei unmöglich, dem Rowdy böswillige Absicht nachzuweisen. Zatsarenny fürchtet, seine Aufklärungsstatistik durch einen aussichtslosen Fall zu gefährden. Tichonow ist empört über diese Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod eines anständigen Mannes. Der Kriminalbeamte erklärt dem Hauptmann unmissverständlich seine Absicht, eine unabhängige Untersuchung durchzuführen.
Schulintrigen und langjährige Konflikte
Nachdem er die Polizeiwache verlassen hat, trifft der Kriminalbeamte auf der Straße auf die stellvertretende Schulleiterin, Jekaterina Sergejewna Wichot. Sie spricht mit offener Feindseligkeit über Korostylew. Die Lehrerin wirft dem alten Mann vor, zu nachsichtig mit seinen Schülern umzugehen und religiöse Propaganda zu betreiben. Die stellvertretende Schulleiterin trottet schwerfällig umher und weicht direkten Antworten um jeden Preis aus. Tichonow bemerkt ihre extreme Nervosität. Die herrische Frau hat sichtlich Angst, zu viel zu sagen. Geschickt verschleiert sie den wahren Grund ihrer Auseinandersetzungen mit dem verstorbenen Schulleiter.
An diesem Abend besucht Tichonow Nadeschda Woronzowa und ihre Mutter Dusja. Bei einer Tasse starkem Tee erzählt Nadja von einem langjährigen Konflikt. Der Schulleiter hatte die faule und unhöfliche Zehntklässlerin Nastja Saltykowa offen bevorzugt. Die Mutter des Mädchens hatte Wichot geholfen, knappe Güter zu beschaffen. Korostylew hatte kein Verständnis für Heuchelei. Er plante, der Schülerin eine ungenügende Note für das Schuljahr zu geben. Der gerechte Lehrer weigerte sich, das ungebildete Mädchen in die Pädagogische Hochschule aufzunehmen.
Am Morgen kommt Tichonow in eine leere Schule. Die Geografielehrerin Margarita Petrowna und der junge Physiker Aljoscha Suchow klären die Details der Fehde. Korostylew hatte einst öffentlich Nastjas Vater vor Gericht unterstützt. Der Mechaniker Konstantin Saltykow wollte seine Tochter seiner Ex-Frau Klawdia wegnehmen. Er wollte das Kind vor einem schlechten Einfluss bewahren. Klawdia Saltykowa ist Direktorin des Handelshauses und übt in der Provinzstadt enormen inoffiziellen Einfluss aus.
Als Tikhonov zum Haus der Lehrerin zurückkehrt, findet er Galja in einem modischen neuen Outfit vor. Voller Freude verkündet sie, dass sie über den stellvertretenden Schulleiter Vikhot und Klavdiya Saltykova einen schwer erhältlichen importierten Anzug erworben hat. Der wütende Tikhonov erkennt sofort den Sinn dieser großzügigen Geste. Die einflussreiche Schulleiterin hatte versucht, ihn über eine Freundin zu bestechen. Der Ermittler zwingt Galja, den Anzug zurückzubringen, und schickt sie umgehend mit dem Bus nach Moskau.
Treffen mit der allmächtigen Schulleiterin
Tichonow besucht den Mechaniker Konstantin Saltykow, der gerade ein Motorrad im Hof repariert. Der Mann spricht mit unerträglichem Schmerz über seine Tochter. Ihre Mutter verdirbt sie unwiderruflich mit schnellem Geld, modischer Kleidung und ihren Beziehungen. Der Mechaniker bestätigt Klawdijas tiefen Hass auf Korostylew wegen dessen Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit. Nachdem Tichonow diese Details erfahren hat, begibt er sich schnurstracks zu Saltykowas luxuriös eingerichteter Wohnung.
Die Vermieterin der Wohnung empfängt den Kommissar mit gespielter Gleichgültigkeit. Klavdiya gibt sich hochnäsig. Zynisch spricht sie über ihre Fähigkeiten und versucht, Tikhonov mit Beschwerden bei Vorgesetzten einzuschüchtern. Sie ist von ihrer absoluten Unangreifbarkeit überzeugt. Der Kommissar weist die anmaßende Vermieterin scharf zurecht. Er verspricht ihr formelle Vernehmungen bei der Staatsanwaltschaft. Saltykova erbleicht vor Wut und bestreitet jegliche Beteiligung am Tod des alten Lehrers.
Der Ermittler beginnt, sich ein klares Bild vom Verbrechen zu machen. Es fehlen nur noch Beweise, die Ruzajew mit Mamonow in Verbindung bringen. Tichonow und Nadja kehren zur Telefonzentrale zurück. Sie überprüfen die Quittungen der Ferngespräche. Dabei kommt ein verblüffendes Detail ans Licht: In den Tagen vor dem Versand des gefälschten Telegramms wurden zwei Anrufe direkt vom Sekretariat der Schule in die Stadt Uryupino in der Region Wolgograd getätigt. Die Kette der Ereignisse schließt sich.
Im Haus der Woronzows trifft der Kommissar auf Pjotr Esakow. Er ist Klawdijas junger Partner und ehemaliger Sportlehrer an einer High School. Vor einigen Jahren hatte Korostylew ihn wegen brutaler Misshandlung eines Schülers schändlich entlassen. Esakow gibt sich dreist und stellt seine körperliche Stärke und seine Straflosigkeit offen zur Schau. Der ehemalige Sportlehrer spottet über die Verdächtigungen des Ermittlers und ist überzeugt, dass es keine berechtigten Anschuldigungen gibt.
Der Ausgang und ein bitteres Geständnis
Plötzlich trifft der örtliche Polizeichef, Oberstleutnant Worobjow, am Haus ein. Er informiert Tichonow über neue Erkenntnisse aus Moskau. Das verhängnisvolle Telegramm stammt von einem alten Freund Jesakows namens Pelech. Dieser lebt in Uryupin. Worobjow weist den unverschämten Mann streng zurecht. Der erfahrene Polizist droht dem Sportlehrer mit Anklage wegen mittelbaren Mordes. Er führt einen alten Brandstiftungsfall als Beispiel an.
Der verängstigte Yesakov verliert augenblicklich die Fassung. Der Feigling bricht unter der Last der Beweise zusammen und enthüllt Klavdia Saltykovas Plan. Die allmächtige Kauffrau hatte ein furchterregendes Telegramm verschicken lassen. Sie wollte Korostylev dringend für einige Tage aus der Stadt locken. Ohne seine entscheidende Anwesenheit konnte Klavdia ihre Tochter problemlos durch die letzte Sitzung des Lehrerrats bringen. Niemand hatte damit gerechnet, dass der kranke alte Lehrer einen Herzinfarkt erleiden würde.
Tichonow besucht Nastja Saltykowa. Er erzählt dem weinenden und verwirrten Mädchen eine alte Legende über Kolumbus’ letzten Willen. Der Detektiv drängt sie, zu ihrem Vater zu ziehen. Das Mädchen dürfe nicht so werden wie ihre skrupellose und grausame Mutter. Vizedirektorin Wichot ist von Schuldgefühlen geplagt. Unter Tränen gesteht sie dem Ermittler alles. Wichot wusste schon lange von Klawdijas Plan, die Lehrerkonferenz zu stören. Die feige Frau hatte sich nicht getraut, ihre Freundin aufzuhalten.
Die Schuldigen sind entlarvt und werden hart bestraft. Am nächsten Morgen packt Korostylevs Schwiegersohn sein Auto. Er bereitet sich auf eine lange Geschäftsreise ins Ausland vor. Der elegante und wohlgenährte Vladilen spricht mit gleichgültiger Ruhe über die Sinnlosigkeit der Wahrheitssuche. Tikhonov nimmt den zotteligen Hund namens Bars wieder mit, den seine Verwandten ausgesetzt hatten. Er nimmt Kolumbus’ altes Pergament als Andenken und verlässt Ruzayevo für immer. Seine Pflicht gegenüber seinem Lehrer hat er ehrenvoll erfüllt.
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