„Sokrates“ von Edward Radzinsky, Zusammenfassung
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Dieses Buch ist eine Sammlung zweier dramatischer Werke aus den Jahren 1969 und 1980. Der Text legt die Funktionsweise staatlicher Macht offen und schildert den brutalen Konflikt zwischen freier Vernunft und Tyrannei anhand der Lebensgeschichten antiker Denker. Der Autor interpretiert historische Mythen neu und lässt antike Helden in zeitgenössischer Sprache über die ewigen Probleme moralischer Kompromisse und des Verrats sprechen.
Beide Stücke dieser Sammlung wurden vielfach erfolgreich im Theater aufgeführt. Sie wurden hervorragend für das Fernsehen adaptiert, wobei führende sowjetische Schauspieler die Hauptrollen spielten.
Gespräche mit Sokrates
Die Handlung beginnt in Athen während eines nächtlichen Festmahls im Hause des wohlhabenden Bürgers Prodikos. Der siebzigjährige Sokrates unterhält sich angeregt mit dem jungen Apollodorus und dem ersten Jünger. Die Harmonie des Festmahls wird jäh durch das Eintreffen des einflussreichen Gerbers Anytos gestört. Er überbringt düstere Neuigkeiten: Der Pythische Geist Meletos hat den Philosophen offiziell des Atheismus und der systematischen Verführung der Jugend der Hauptstadt beschuldigt. Sokrates weigert sich entschieden, aus Angst um sein Leben auf öffentliche Reden zu verzichten. Er packt Anytos an der Nase und demonstriert ihm so die logische Widersprüchlichkeit seiner Behauptungen. Der Weise erklärt unverblümt, der Tod des Erleuchters bestärke nur den blinden Glauben an dessen Ideen. Er sieht seine eigene Hinrichtung voraus und erklärt: „Der Tod ist die Schmach nicht wert, besonders nicht für einen alten Mann.“
Noch in derselben Nacht verkauft der ehrgeizige Dichter Meletos seine Argumente gegen den Weisen an die Stadtoberen. Im Gegenzug erhält er das Recht, eine Hymne für die heilige Gesandtschaft in Delphi zu verfassen. Schon bald verrät der junge Mann all seine poetischen Ideale für die schöne Hetäre Harpyie. Der Gerber Anytos nutzt geschickt die Schwächen des Dichters aus. Später wird Meletos auf Anytos’ Befehl mit einem Dolch getötet, und sein Tod wird als Selbstmord getarnt. Im Prozess verweigert der alte Mann seine üblichen, demütigen Bitten um Gnade. In einem Dialog mit Prodikos zeigt der Philosoph eindrücklich, wie Beredsamkeit die völlige Leere verschleiert. Die meisten Richter werfen Steine in die Urne der Verurteilung. Der Verurteilte reagiert auf die Aussicht auf seine Hinrichtung mit Ironie. Statt Reue zu zeigen, fordert er kostenlose Mahlzeiten.
Im Gefängnis erhält der Weise Besuch von seiner streitsüchtigen, aber aufrichtig liebenden Frau Xanthippe. Schmerzlich klagt sie über ihre Einsamkeit mit dem großen Denker. Da betritt der reumütige Prodikos seine Zelle. Der reiche Redner enthüllt dem alten Mann die unangenehme Wahrheit: Er selbst hat die Anklageschrift verfasst. Prodikos gesteht einen lange gehegten, tiefen Neid auf den Ruhm des verarmten Philosophen. Er ist empört darüber, dass Sokrates’ Armut ihm weit mehr öffentliches Ansehen eingebracht hat als all sein Reichtum. Der Redner verflucht den Gefangenen und flieht entsetzt aus dem Gefängnis.
Nach hohem Fieber verspürt der Gefangene plötzlich einen unstillbaren Lebensdurst. Die Jünger planen heimlich die Flucht nach Thessalien, bestechen den Kerkermeister und stellen schnelle Pferde bereit. Doch der Älteste weigert sich, gegen das athenische Gesetz zu verstoßen. Am Morgen der Hinrichtung verabschiedet sich der Weise von der weinenden Xanthippe und trinkt den vergifteten Becher. Kurz vor seinem Tod kommt ein schreckliches Detail ans Licht: Der erste Jünger hatte Anytos absichtlich von der geplanten Flucht erzählt. Der fanatische Anhänger beschloss, seinen Lehrer kaltblütig zu opfern, um einen idealisierten Mythos über den unfehlbaren Sokrates zu erschaffen. Der erste Jünger schickt den jähzornigen Apollodorus, um Anytos zu töten, wohl wissend, dass der junge Mann dabei selbst umkommen wird. Sokrates stirbt mit Worten darüber, wie viel Blut für das Gute vergossen wird.
Theater zur Zeit Neros und Senecas
Die Ereignisse spielen sich in einer schwülen Nacht in der Arena eines riesigen, leeren Zirkus in Rom ab. Kaiser Nero befiehlt seinen Wachen, seinen alten Lehrer Seneca zu holen. Der Herrscher inszeniert für seinen Mentor eine finstere und absurde Vorstellung. Zu seinem Gefolge gehören der verweichlichte Knabe Sporus, der Amor spielt, und eine Prostituierte, die sich als nackte Venus ausgibt. Nero führt dem alten Mann seine wahnwitzigen „Metamorphosen“ vor. Der ehemalige Senator Antonius Flavus verwandelt sich in ein Pferd, das vor einen Streitwagen gespannt ist und gehorsam Hafer frisst. Der gedemütigte Patrizier ruft gehorsam falsche Lobreden zu Ehren des Herrschers.
In den düsteren Verliesen des Zirkus trinken die Schlächter, die dem Tode geweiht sind. Der Tyrann verspottet die Moralisierungen des Philosophen und offenbart so die Urangst des Volkes vor der drohenden Folter. Der Kaiser zwingt Seneca, abgefangene Briefe an Lucilius vorzulesen. Jede Nachricht wird schnell zu einer moralischen Offenbarung. Der Text der Briefe beweist, dass der edle Denker die blutigsten Verbrechen seines wahnsinnigen Schützlings konsequent rechtfertigte. Seneca drückte ein Auge zu, als der junge Britannicus vergiftet und die brutale Vergeltung an der Mutter des Kaisers, Agrippina, verübt wurde.
Der Herrscher reißt dem Mentor gnadenlos die Maske der Tugendhaftigkeit vom Gesicht. Nero zwingt Venus, den Tod ihrer Verwandten nachzustellen, und ersticht die Hure dann kaltblütig in der Arena. Der Kaiser teilt dem alten Mann mit, dass die Verschwörung der römischen Senatoren vollständig aufgedeckt wurde. Alle treuen Gefährten des Denkers – Piso, Lateran und der Dichter Lucan – haben sich aus Angst bereits freiwillig die Pulsadern aufgeschnitten. Sie vermachten ihr Vermögen dem Mörder. Der Kaiser enthüllt dem Mentor ein schreckliches Geheimnis: Der finstere Chef der Geheimpolizei, Tigellinus, wurde vor vielen Jahren erdrosselt. Nero hatte den lebenden Tigellinus eigenhändig erfunden. Der imaginäre Schurke diente beiden als bequeme Tarnung.
In der Arena steht ein riesiges goldenes Fass, in dem der verkrüppelte alte Diogenes liegt. Der Kaiser befiehlt den Legionären, ihn wie Prometheus an einem goldenen Kreuz zu kreuzigen. Der gedemütigte Senator, ein Pferd, nimmt einen Speer und stößt ihn in den wehrlosen Körper des Märtyrers. Diogenes stirbt langsam am Kreuz, vergibt seinen grausamen Henkern und bewahrt sich eine aufrichtige Liebe zu den Verlorenen. Seneca beobachtet still diesen Akt wahrer Demut.
Der Philosoph erkennt das völlige Scheitern seiner Lehren und die Vergeblichkeit seines eigenen langen Lebens. Während der Tyrann pathetisch Aischylos’ Verse zur Kithara-Begleitung singt, trifft der alte Mann die einzig richtige Entscheidung. Heimlich steigt er in Diogenes’ leeres Holzfass. Der Kaiser, völlig ahnungslos, lässt kaltblütig das Haus des Kynikers in Brand setzen. Seneca verbrennt still und leise, akzeptiert einen qualvollen Tod und sühnt seine Schuld. Die Komödie des Lebens endet mit dem leisen Lachen Neros und seines Gefolges über dem brennenden Fass.
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