Zusammenfassung von „Durch das Netz des Hutes“ von Dina Rubina
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Dieses Buch ist eine Sammlung von Reiseessays und Kurzgeschichten. Die Haupttexte entstanden 2004 und 2005. Die Autorin dokumentiert das Leben in europäischen und israelischen Städten anhand kleiner, alltäglicher Details, lebendiger Dialoge und Begegnungen mit zufälligen Passanten. Sie meidet bewusst die ausgetretenen Touristenpfade und beobachtet stattdessen das authentische Leben der Einheimischen. In ihren Texten reflektiert sie über das Handwerk des Schreibens, die Ursprünge der Kreativität und die Wendungen des menschlichen Lebens.
Jerusalem-Skizzen
Im Vorwort spricht die Autorin von der Suche nach der Seele der Stadt. Sie sammelt schwerelose Trophäen: das Rascheln der Bäume, den Morgengesang der Vögel, die ungewöhnliche Anordnung der Steine.
Die Erzählung „Jerusalemer“ dokumentiert akribisch das bunte Leben der israelischen Hauptstadt. Die Erzählerin sitzt abends in einem Straßencafé in der Yoel-Solomon-Straße und beobachtet die Passanten. Sie notiert Gesprächsfetzen und Telefonate mit Lesern und Schriftstellerkollegen. Der Dichter Igor Guberman ruft an und berichtet empört von einem Strafzettel. Der Humorist Yulian Bezrodny meldet sich, weil er eine große Romanhandlung liefern möchte. Der Leser wird mit den skurrilen Geschichten gewöhnlicher Menschen konfrontiert.
Polizeibeamter Misha ermittelt in einem Familienstreit zwischen Rückkehrern. Eine Tochter stach auf ihren Vater ein, weil er sie mit dem Kabel eines Tonbandgeräts würgte, da die Musik zu laut war. Reservisten im Urlaub erschrecken russische Pilger mit Witzen über zionistische Kannibalen. Eine ältere, nichtjüdische Frau aus Russland strebt ein Diplom in jüdischer Identität an, um bei der Hochzeit ihrer Tochter stolz unter der Chuppa stehen zu können. Mir kommt die Erinnerung an die ältere Nanny Nyusha in den Sinn, die in den 1990er-Jahren mit ihrer jüdischen Familie aus Moskau kam und auf einem christlichen Friedhof auf dem Berg Zion begraben wurde.
Haustiere und Morgenspaziergänge
Der Text „Du und ich unter Pfirsichwolken“ ist einem zotteligen Tibet-Terrier namens Kondrat gewidmet. Der Hund kam zufällig in die Familie, als die Autorin in einem Asbest-Wohnwagen in Samaria lebte. Später zog die Familie in eine Wohnung in einem Hochhaus in einem Jerusalemer Vorort. Der Hund bellt am liebsten die Nachbarn von seinem „Kapitänssteg“ aus an – einem Stuhl am großen Fenster. Die Autorin beschreibt die Gewohnheiten des Hundes mit Humor. Er ist furchtlos, bewacht eifersüchtig alte Socken, hat panische Angst vor Feuerwerk und schläft am liebsten im Bett seiner Besitzer.
Der Hund besitzt zwei Stoffhasen, die er wie ein Sultan in seinem Harem verehrt. Die Erzählerin bekennt ihre grenzenlose Zuneigung zu dem Tier, während sie gemeinsam die Hügel Jerusalems betrachten. Der Essay „Die Zeit der Nachtigall“ schildert Spaziergänge am frühen Morgen mit dem Hund. Um vier Uhr morgens ruft der Muezzin im arabischen Dorf Al-Azaria die Gläubigen zum Gebet. Beduinenfrauen suchen in Mülltonnen nach Brauchbarem.
Arab Ibrahim und seine Söhne fegen die Straßen und diskutieren darüber, dass der Kauf einer neuen Frau billiger sei als der eines Autos. Ein Zeitungsbote wirft im Vorbeigehen Zeitungen auf die Balkone. Die Hitze wird drückend, und die Straßen hallen wider vom Geschrei eines Schrotthändlers, der alte Computer und Waschmaschinen verlangt.
Reisen in Europa
Die Geschichte „Schule des Lichts“ spielt in den Niederlanden. Die Protagonistin fliegt nach einem Vortrag in Leiden nach Amsterdam. Gemeinsam mit ihrem Mann Boris besucht sie Den Haag und besichtigt im Mauritshuis Gemälde von Jan Vermeer und Carel Fabritius. Die Künstlerin bewundert die präzisen mathematischen Berechnungen des Helldunkels bei den alten niederländischen Meistern. Das Paar wohnt in Delft in einem kleinen Gasthaus in einem alten Gebäude. Eine verblasste Kopie von Vermeers „Ansicht von Delft“ hängt an der Wand ihres Zimmers.
Die dramatische Geschichte dieses Gemäldes kommt bald ans Licht. In den 1940er Jahren versteckte die Mutter des Wirts, Mrs. Van Lowe, Juden im Keller. Einer von ihnen, der kränkliche junge Künstler Samuel, malte diese Kopie kurz vor seinem Tod bei Kerzenlicht. Der betagte Besitzer lehnt den Titel „Gerechter unter den Völkern“ trocken ab und erklärt unverblümt: „Ich will keine Belohnung für mein Schicksal.“
Die Geschichte „Villa Consolation“ führt uns nach Italien. Ein Schriftsteller und ein Freund reisen in den Süden nach Sorrent. Sie wohnen in einem alten Haus auf einer Klippe über dem Golf von Neapel. Der Freund erzählt die tragische Familiengeschichte der Villenbesitzerin Maria. Marias Großvater, ein wohlhabender Kaufmann aus Odessa, floh 1917 aus dem Land. Seine Frau starb bei der Geburt ihres Kindes auf einem Schiff. Das Kind wurde von einem Mädchen aus der Gegend, Lucia, gestillt, die selbst eine Tochter mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte hatte.
Lucias Großvater lebte 20 Jahre lang bei ihr. Als er starb, hinterließ er ihr kein Erbe. Untröstlich erhängte sich Lucia in der Küche und verfluchte alle zukünftigen Töchter ihrer Familie. Nun hat Maria das verlassene Haus restauriert. Hier trifft sie sich heimlich mit ihrem israelischen Geliebten Shimon. Shimons Ehefrau ist seit Langem schwer krank und bettlägerig.
Deutschland und die Rückkehr zum Meer
Der Essay „Coccinelle“ beschreibt einen Besuch der Frankfurter Buchmesse. Die Autorin fühlt sich von der deutschen Realität bedrückt. Überall sieht sie die Schatten der Katastrophe des letzten Jahrhunderts. In München sonnen sich Nudisten und spielen Karten auf einer grünen Wiese im Englischen Garten. Dieser Anblick löst bei der Erzählerin ein starkes Unbehagen aus. In Leipzig beobachtet sie marschierende Jugendliche und ist beunruhigt über deren bedächtigen Schritt.
In einem Touristenort am Rhein beobachtet die Heldin einen Drehorgelspieler mit einem weißen Hund. Kurz darauf kommt ein älterer Mann in grünem Gewand die Straße entlang. Es ist ein Marienkäfer namens Roberta. Wie sich herausstellt, arbeitete er früher als Masseur in einem orthopädischen Sanatorium. An diesem Abend massiert Roberta gekonnt die steifen Schultern der Erzählerin und löst so Muskelverspannungen und seelische Anspannung.
Im Flugzeug begegnet die Heldin dem israelischen Architekten Yona. Er erzählt ihr von seiner Kindheit in Berlin. Sein Nachbar, der Hausmeister Krügge, nahm den Feuerwehrwagen, den sein Vater ihm einst vom kleinen Yona geschenkt hatte, und gab ihn seinem Sohn. Yonas Familie floh mit dem letzten Schiff nach Palästina. Im Hafen von Jaffa warf sein Vater den Jungen über die Reling in die Arme eines Bootsmanns. In dem kurzen Flug über dem Meer verschwand Yonas Kindheitsangst für immer.
Der Text „Ende August“ schildert die Rückkehr der Autorin nach Israel nach drei Jahren zermürbender Büroarbeit in Moskau. Die Schriftstellerin erkrankt schwer vor Erschöpfung. Ein älterer Homöopath rät ihr, all ihre aufgestaute Bitterkeit niederzuschreiben und barfuß am Strand zu laufen. In einer Tel Aviver Apotheke kauft die Erzählerin beruhigende Tropfen von einem kriegsversehrten Mann namens Gabi.
Dann isst sie in einem ruhigen Café Truthahn-Shawarma. Im Radio werden Eilmeldungen über einen Busanschlag in Jerusalem verbreitet. Menschen sterben. Die Protagonistin geht zum Mittelmeer, zieht ihre Sandalen aus und watet ins Salzwasser. Schwärme kleiner Fische picken an ihren Füßen. Bei Sonnenuntergang empfindet sie eine tiefe Liebe zum Leben.
Auf den Spuren von Van Gogh und Kafka
In der Erzählung „Kalter Frühling in der Provence“ reisen die Protagonistin und ihr Mann durch Südfrankreich. Es regnet unaufhörlich in einem kalten Frühling. In Antibes kauft die Schriftstellerin auf einem Flohmarkt ein altes Buch mit Briefen Vincent van Goghs in russischer Sprache. Die Lektüre dieser Briefe wird zum Hauptthema der Reise. Das Paar besucht Arles und Saint-Rémy, wo der große Künstler lebte und behandelt wurde.
Sie suchen Zuflucht vor den Regengüssen in engen Bars, die an jene erinnern, die der Künstler gemalt hat. Der Ehemann versucht vergeblich, echten Absinth zu bestellen, erhält aber nur Anislikör. Van Goghs Briefe an seinen Bruder Theo offenbaren einen Abgrund der Einsamkeit, der Lebensangst und der Besessenheit von der Arbeit. In Aix-en-Provence besichtigt das Paar das Atelier von Paul Cézanne. Sie wandern die nassen Straßen entlang und beobachten die Umgebung durch die Bäche.
Die Geschichte endet mit einer düsteren und zugleich glücklichen Enthüllung. Der Autor liest auf dem Boden eines Zuges eine schreckliche Nachricht in einer alten englischen Zeitung. In Amsterdam hat ein islamischer Fanatiker den Regisseur Theo van Gogh, den Großneffen des Künstlers, erschossen. Der Täter hinterließ am Tatort eine Nachricht mit Koranversen.
Die Sammlung schließt mit der Erzählung „Jazzband auf der Karlsbrücke“. Ein Ehepaar kommt in Prag an und reist anschließend nach Karlsbad. In den hölzernen Säulengängen sprudeln unaufhörlich heiße Quellen. Scharen älterer Kurgäste trinken Wasser aus flachen Bechern. Der Autor liest zwei Bücher über Franz Kafka und sinniert über seine tragische Affäre mit der Schriftstellerin Milena Jesenská.
Die Briefe zeugen von der unstillbaren Angst des Verfassers vor dem Fleischlichen, vor Autoritäten und der banalen Welt. An diesem Abend spielt eine Jazzband auf der Karlsbrücke. Einer der Musiker spielt meisterhaft Waschbrett mit Fingerhüten an den Fingern. Die Musik hallt wider von fröhlichen Rhythmen. Das Leben geht weiter, trotz historischer Katastrophen und der persönlichen Tragödien von Genies des 20. Jahrhunderts.
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