„Nicht alles an Fastnacht ist für die Katze“ von Alexander Ostrovsky, Zusammenfassung
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Alexander Ostrowskis 1871 unter dem Titel „Szenen aus dem Moskauer Leben“ entstandenes Drama „Nicht alles ist Fastnacht für die Katze“ schildert einen alltäglichen Konflikt, in dem die alte Kaufmannsherrschaft mit den persönlichen Entscheidungen und der Würde der Armen kollidiert. Im Zentrum der Handlung steht ein scheinbar einfacher, isolierter Fall von Heiratsvermittlung, doch Ostrowski zeigt anhand dieses Falles, dass Reichtum dem Menschen nicht mehr dieselbe bedingungslose Macht über das Schicksal anderer verleiht.
Die Handlung beginnt im bescheidenen, aber ordentlichen Zimmer der Kaufmannswitwe Darja Fedosejewna Kruglowa, wo sie mit ihrer Tochter Agnia lebt. Schon in den ersten Gesprächen wird deutlich, dass die Familie arm ist, bescheiden lebt und nur wenige Kontakte hat. Daher ist die Frage von Agnias Heirat für ihre Mutter eine ernste Angelegenheit. Agnia ist jung, schön und lebensfroh, doch ihr Bekanntenkreis ist klein, und geeignete Verehrer sind so gut wie nicht vorhanden.
Das Gespräch zwischen Mutter und Tochter gibt dem Stück sofort die moralische Richtung vor. Kruglova denkt pragmatisch und weltgewandt über die Zukunft ihrer Tochter nach, will sie aber nicht mit einem Mann verheiraten, der sie durch sein Verhalten demütigen würde. Agniya hingegen spricht freier und schärfer: Sie findet es schwer, Armut und die Eintönigkeit des Lebens zu akzeptieren, noch schwerer aber, sich eine Ehe ohne Liebe und Respekt vorzustellen.
Nach und nach wird deutlich, dass der wohlhabende Kaufmann Jermil Sotytsch Achow ein Auge auf Agnia geworfen hat. Er ist bereits hochbetagt, überaus selbstsicher und gewohnt, auf andere herabzusehen. Für ihn genügen sein Geld und seine Stellung, um den Gehorsam seiner Mitmenschen zu fordern, und er betrachtet eine zukünftige Ehe als ein Geschäft, bei dem sein Reichtum die Jugend, die Gefühle und die Würde seiner Braut überwiegen muss.
Achows Liebschaft gilt dem Schreiber Ippolit, einem jungen Mann von bescheidenen Verhältnissen und sanftem Gemüt. Zwischen ihm und Agnia besteht eine gegenseitige Anziehung, doch Ippolit ist zu sehr von seinem Herrn abhängig und zu schüchtern, um sofort offen und entschieden zu handeln. Er liebt Agnia, doch zu Beginn des Stücks ist diese Liebe von Furcht, Unentschlossenheit und der Gewohnheit, sich einer stärkeren Person unterzuordnen, überschattet.
Agnia spürt Ippolits Zuneigung, doch sie duldet keine halbherzigen Gesten. Sie braucht keinen Mann, der klagt und zögert, sondern einen, der seine Absichten klar formuliert und verteidigt. Deshalb kann sie in Gesprächen mit Ippolit direkt, ja sogar spöttisch sein. Diese Bemerkungen verletzen ihn, doch dahinter verbirgt sich keine Kälte, sondern der Wunsch nach Ehrlichkeit und innerer Stärke.
Ippolit schwankt zwischen Liebe und Abhängigkeit von Achow. Er weiß, dass seine Armut ihn erniedrigt, und sein Dienst für einen reichen Kaufmann hat ihn längst an Unterwürfigkeit gewöhnt. Er ist gewissenhaft und gütig, doch das genügt nicht: Solange er nicht den Mut hat, seine eigene Stimme zu erheben, hat er kein Recht, um Agnias Hand anzuhalten. Ostrowski führt seinen Helden ohne vordergründiges Pathos durch diese moralische Prüfung, durch Alltagsszenen, kurze Bemerkungen und subtile, aber präzise Tonfallwechsel.
Als Achow bei den Kruglows auftaucht, offenbart sein Verhalten endlich den Kern des Konflikts. Er gibt sich selbstsicher, da er seine Zustimmung bereits erkauft hat, und verbirgt kaum seine Verachtung für die Armut seiner Geliebten und deren Tochter. Seine Worte lassen die Überzeugung durchscheinen, dass ein junges Mädchen für die bloße Aufmerksamkeit eines reichen Mannes dankbar sein sollte und dass eine Mutter sich dem Geld und den familiären Bindungen beugen sollte.
Darja Fedosejewna antwortet Achow ruhig, aber bestimmt. Sie weiß, dass ihr Haushalt arm ist und die Ablehnung eines reichen Mannes teuer werden könnte, doch die Zustimmung zu einer entwürdigenden Ehe würde ihre Tochter für immer ruinieren. Ihre moralische Haltung ist einfach: Lieber Armut und ein ehrliches Leben als Genuss um den Preis der Schande. In dieser zurückhaltenden Entschlossenheit erweist sich Kruglowa dem selbstgefälligen Kaufmann als moralisch überlegen.
Agniya ist noch mutiger. Sie verbirgt ihren Ekel vor der berechnenden Heiratsvermittlung nicht und macht deutlich, dass sie Akhov nicht als potenziellen Bräutigam sieht. Sie empfindet die Art und Weise, wie er seine Braut abholt, als demütigend, als sei er sich der Zustimmung aller bereits sicher. Das Mädchen weigert sich, Reichtum als ausreichende Grundlage für eine Heirat zu akzeptieren und bricht damit Akhovs gewohnte Ordnung, in der der Ältere und Reichere stets Recht hat.
Vor diesem Hintergrund durchläuft Ippolit eine innere Wandlung. Die Demütigung, die Akhov Kruglova und Agnia zufügt, trifft ihn tiefer als jedes vorherige Gespräch. Er beginnt zu erkennen, dass ihn sein Schweigen zum Komplizen der Unhöflichkeit anderer macht und dass seine Liebe zu Agnia Handeln verlangt, nicht Klagen. Er beschließt, die Fesseln zu sprengen, die ihn in Angst gehalten und ihm den Selbstrespekt geraubt haben.
Die Schlussszene gipfelt in einer Konfrontation zwischen Ippolit und Achow. Zum ersten Mal spricht der junge Angestellte entschieden mit seinem Herrn, fordert sein Recht ein und hört auf, sich wie ein Mann zu verhalten, der endlose Demütigungen ertragen muss. Dies ist nicht wegen seiner äußeren Wirkung, sondern wegen seiner inneren Bedeutung bedeutsam: Ippolit erlangt das Recht, mit Agnija zusammen zu sein, genau in dem Moment, als er aufhört, vor Geld und Macht zu zittern.
Achow kann Ablehnung und Niederlage nicht ertragen. Er ist empört darüber, dass die Armen sich nicht länger vor ihm verbeugen wollen, weder aus Verwandtschaft noch aus Geldgier, und sieht darin den Zusammenbruch der alten Ordnung. Seine lange, zornige Rede offenbart einen Mann, der gewohnt war, seinen eigenen Willen als Naturgesetz für alle anderen zu betrachten. Nun verliert dieses Gesetz seine Gültigkeit, und Achow ist der Würde anderer hilflos ausgeliefert.
Das Stück endet mit Kruglovas Weigerung, ihre Tochter mit einem reichen Kaufmann zu verheiraten, und der Heirat von Agnia und Ippolit. Darja Fedosejewnas letzte Worte – „Nicht alles ist Fastnacht für die Katze, es gibt auch die Fastenzeit“ – sind an Achow gerichtet und fassen die gesamte Handlung zusammen. Die Bedeutung dieses Schlusses ist klar: Macht, die auf Geld, Unhöflichkeit und Unterwürfigkeit beruht, ist nicht ewig, aber ein armer Mann, der Mut findet, kann sowohl die Liebe als auch die menschliche Ehre verteidigen.
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