Ein Kuss unter dem Mistelzweig von Asya Lavrinovich, Zusammenfassung
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Der Roman entstand 2019. Die Handlung spielt im frostigen St. Petersburg am Silvesterabend, wohin die Zehntklässlerin Olya Vorobyova aus einer kleinen Provinzstadt zieht. Das Buch besticht durch seine ungeschönte Darstellung der Schulhierarchie und der authentischen Erfahrungen von Teenagern. Die Autorin thematisiert Mobbing und die Anpassung an eine neue Umgebung und verwebt gesellschaftliche Probleme harmonisch mit der Geschichte einer ersten, strahlenden Liebe.
Erste Schultage
An ihrem ersten Tag in der neuen Schule geht Olya in den Biologieraum. Sie denkt darüber nach, wie Erwachsene Kindern oft die Wahrheit verschweigen und fälschlicherweise glauben, Lügen sei die beste Lösung. Diese traurigen Gedanken deuten auf zukünftige familiäre Umbrüche in ihrem Leben hin.
Im Flur trifft sie auf den stämmigen Ignat, der wegen ihres Nachnamens scherzhaft vom „gefiederten Königreich“ spricht und dabei knallrot anläuft. Bald gesellt sich die aufgeschlossene Rina Sinitsyna zu ihnen. Dank ihres attraktiven Aussehens gewinnt Olya schnell die Zuneigung ihrer Klassenkameraden, darunter auch die des beliebten Vadik. Rina gibt ihr ständig Schminktipps. Sie träumt davon, zu der Elitegruppe der Schüler zu gehören, deren inoffizieller Anführer Gleb Lisin ist.
Abends hat Olya Schwierigkeiten mit Physik. Rina verschlingt Joghurt und versucht beharrlich, ihre Freundin in die Reihen der Schulelite aufzunehmen. Olya fühlt sich in dieser Rolle unwohl.
Eine zufällige Begegnung
Während eines Wolkenbruchs sucht Olya unter dem Dachvorsprung eines Hauses Schutz. Sie leckt sich die Regentropfen von den Lippen. Ein junger Mann mit Sommersprossen und einem Nasenpiercing nähert sich ihr. Er bietet ihr seine Jacke an. Olya lehnt ab, doch die beiden Männer unterhalten sich angeregt. Verlegen gibt Olya einen falschen Namen an – Tsvetolina.
Am nächsten Tag schwänzt Zhenya Potupchik den Unterricht. Olya erwartet ihn schon ungeduldig. Schnell merkt sie, dass ihr neuer Bekannter Zhenya ist, der größte Außenseiter der Klasse. Seine Mitschüler verachten und mobben ihn aus unbekannten Gründen. Aus Angst um ihren Ruf meidet Olya Zhenya. In der Pause sitzt sie allein da und knabbert gelangweilt an ihren verkochten Nudeln. Als Zhenya sein Tablett auf ihren Tisch stellt, gerät Olya in Verlegenheit und bringt kaum ein Wort der Begrüßung heraus.
Bald begegnen sie sich zufällig am schneebedeckten Ufer der Newa, unweit der gewaltigen Granitsphinxen. Ein eisiger Wind weht und peitscht ihr große Schneeflocken ins Gesicht. Olya geht mit ihrem Hund Norton spazieren. Der Hund trottet zügig voraus, die Ohren angelegt. Zhenya erkennt den Namen des Hundes und fragt lächelnd nach dem berühmten Schauspieler Edward Norton aus dem Film „Fight Club“. Olya hat den Film nicht gesehen, doch das Gespräch bereitet ihr große Freude. Endlich erkennt sie, dass Zhenya ein unglaublich kluger und liebenswerter Mann ist.
Enttäuschung und Familiendrama
Olya ist zunehmend von ihren neuen Freunden enttäuscht. In der Schulkantine lehnt sie die Fleischpasteten ab und beteiligt sich nicht an Rinas belanglosem Gerede. Stattdessen setzt sie sich mutig neben Tsveta Konstantinova. Dieses unabhängige Mädchen sitzt ganz allein da, trinkt heißen Tee mit Zitrone und isst ein Croissant.
Später erzählt Tsveta offen ihre schwierige Geschichte. Wegen ihrer Größe wurde sie grausam gehänselt und „Koshchei“ genannt. Tsveta ertrug dieses Mobbing lange Zeit, bis sie lernte, sich heftig zu wehren. Olya bewundert die innere Stärke ihrer Klassenkameradin zutiefst.
Währenddessen spielt sich in Oljas Familie eine Tragödie ab. Als Olja mit Rina in einem Café sitzt, bemerkt sie plötzlich einen ihr bekannten, grauhaarigen Mann im Anzug. Es ist ihr leiblicher Vater, der sich – offiziell – auf einer längeren Geschäftsreise befindet. Er speist in aller Ruhe mit einer anderen Frau. Zutiefst erschüttert von dem Verrat ihres Vaters, entschuldigt sich Olja hastig bei Rina und rennt unter bitteren Tränen auf die kalte Straße. Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter wird durch dieses schreckliche, unausgesprochene Geheimnis unerträglich belastet. Der Kontakt zu ihrer alten Freundin Katja bricht vollständig ab.
Das neue Jahr naht.
Zhenya Potupchik liegt eine ganze Woche im Krankenhaus. Olya macht sich große Sorgen um ihn; sie schreiben sich täglich. Sie ist fest entschlossen, ihn nach seiner Entlassung zu überraschen. Während sie in einem leeren Oberleitungsbus hinter einem Schneepflug sitzt, betrachtet Olya die Schaufenster mit dem lustigen, blinkenden Weihnachtsmann.
Während ihrer Aufsichtspflicht gießt Olya geduldig die Pflanzen auf dem Blechfensterbrett. Rina versucht beharrlich, Olya davon abzuhalten, sich mit dem Außenseiter abzugeben. Ihre Freundin warnt sie, dass die Hälfte der Klasse Glebs Party ignorieren wird, wenn sie mit Potupchik auftaucht. Olya verteidigt ihre Entscheidung entschieden.
Nach dem Sportunterricht herrscht wie immer reges Treiben in der Mädchenumkleide. Die Mädchen unterhalten sich aufgeregt über die bevorstehende große Party bei Lisin. Yana Puchkova schminkt sich Lippenstift und freut sich, dass nur „normale Kinder“ als Gäste da sein werden. Rina zuckt unsicher mit den Achseln und zögert feige, Olya offen zu verteidigen. Olya wirft sich ihren schweren Rucksack über die Schulter und geht in den Schulflur, wo sie zufällig Gleb entdeckt.
Unterdessen entwickelt sich die Dynamik zwischen Tsveta und Gleb rasant. Gleb schikaniert die unabhängige Konstantinova ständig. Eines Tages kneift er Tsveta in einem engen Türrahmen versehentlich in den Finger und pustet ihr mit einem höhnischen Lächeln dunkle Haarsträhnen aus dem Gesicht. Tsveta macht eine obszöne Geste und äußert offen ihre Empörung. Ihre angespannte Beziehung ist von ständigen, bissigen Sticheleien geprägt. Olya beobachtet dieses ungewöhnliche Paar mit großem Interesse und erkennt, dass hinter der Unhöflichkeit eine starke gegenseitige Anziehungskraft steckt.
Der lang ersehnte Tag der Neujahrsfeier ist endlich da. Am Morgen sitzen Olya und Zhenya friedlich in ihrem Zimmer, trinken starken Tee und naschen genüsslich Vogelmilchbonbons. Der junge Mann hatte ihnen diese Leckereien mitgebracht und sich dabei perfekt an Olyas alte Geschichte erinnert. Gebannt schauen sie die Serie, und Olya verrät lachend Details über den Gedächtnisverlust der Hauptfigur. Zhenya äußert amüsiert Eifersucht auf Gleb, doch Olya beruhigt ihn freundlich. Am Abend brechen sie gemeinsam voller Elan zu der ausgelassenen Feier auf.
Der Höhepunkt der Geschichte spielt sich direkt vor Lisins Wohnung ab. Tsveta steht allein auf der dunklen Straße im dichten, fallenden Schnee. Plötzlich lässt Gleb weiße Blätter Papier aus einem hell erleuchteten Fenster fallen. In großer Schrift stehen darauf herzzerreißende Liebeserklärungen. Gleb schreibt, dass ihn die intensive Liebe wie eine schwere Granitplatte erdrückt. Tsveta fängt die Blätter geschickt auf und blickt mutig zu dem ungewöhnlich ernsten Mann auf. Gleb fordert eindringlich ein gegenseitiges Liebesgeständnis, doch sie weigert sich entschieden, diese wichtigen Worte auszusprechen. Fröhlich rufen Klassenkameraden vom Fenster herüber, dass Tsveta in die Wohnung kommen soll. Sie drückt die Blätter an ihre Brust und lächelt Gleb warmherzig an. Der junge Mann lacht laut auf.
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