Eine Zusammenfassung von „Die unbesiegbare Sonne“ von Victor Pelevin
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Viktor Pelevins Roman aus dem Jahr 2020 verwebt auf meisterhafte Weise antike Geschichte mit der Suche nach moderner Spiritualität. Das Buch ist eine philosophische Erzählung über die dreißigjährige Moskauerin Sasha Orlova, die unversehens die Macht über die Realität erlangt. Die Heldin begibt sich auf eine Reise, finanziert von ihrem wohlhabenden Vater, und rettet schließlich die Welt vor der totalen Vernichtung, indem sie durch mystischen Tanz die Struktur der Existenz neu schreibt.
Der Beginn der Reise und die ersten Anzeichen
Sasha Orlova feiert ihren dreißigsten Geburtstag. Von ihrem wohlhabenden Geschäftsmann-Vater erhält sie dreißigtausend Euro für eine lange Reise. Das Geld soll sie ausschließlich für die Erkundung der Welt ausgeben. Sasha trennt sich von ihrem kindischen Freund Anton und bereitet sich auf ihre Reise vor. Dabei erinnert sie sich an ihren Besuch des Mount Arunachala in Indien vor langer Zeit.
Dort begegnete sie einem älteren Deutschen namens Hans-Friedrich. Er erzählte ihr von der individuellen Suche nach Wahrheit und der Fähigkeit, Botschaften des Universums zu empfangen. Gott spreche zu den Menschen durch persönliche Symbole, erklärte der Deutsche. Hans-Friedrich weihte Sasha in das Geheimnis ein, diese Zeichen zu erkennen, und führte sie so in ein großes Mysterium ein. Vom Schrei einer Krähe und einem Lied über einen heißen Fluss geleitet, wählt die Heldin ihr erstes Ziel: Sie fliegt nach Istanbul.
Tagungen in Istanbul und Yachtgäste
In Istanbul besucht Sasha die Hagia Sophia. Dort lernt sie eine elegante Frau namens So kennen. Diese neue Bekanntschaft lädt die Moskauerin auf ihre Luxusyacht „Aurora“ ein. Das Schiff ist psychedelisch bemalt, und sein Besitzer Tim begrüßt eine Gruppe junger, politisch engagierter Anarchisten. Diese verdienen ihr Geld damit, Protestideen an globale Marken zu verkaufen und so Unternehmens-Ideologien zu prägen.
Unter den Gästen sticht ein Amerikaner namens Frank hervor. Er ist Historiker und Nekroempath. Er erforscht das Leben des römischen Kaisers Caracalla, indem er dessen Bild auf mystische Weise verkörpert. Frank trägt einen auffälligen purpurnen Umhang und hat eine Frisur, die an eine antike Büste erinnert. Sasha und Frank beginnen eine romantische Beziehung. Bei ihren intimen Momenten benutzen sie zwei antike Masken aus einer Gold-Silber-Legierung – die Sonnen- und die Mondmaske.
Neue Gäste treffen auf der Yacht ein. Die amerikanischen Meditationslehrer Kendra und Vince lehren Sasha die buddhistische Leerheit und die trügerische Natur der Liebe. Der russische Beamte Alexey diskutiert zynisch über Clickbait und die heuchlerische Weltpolitik der globalen Elite. Sasha lauscht ihren Gesprächen aufmerksam, doch ihr eigener Plan führt sie woanders hin.
Römische Träume und Franks Tod
Frank lässt Sasha in die Geschichte Caracallas eintauchen. Die Erzählung entfaltet sich in der Ich-Perspektive. Der antike Herrscher war vom Sonnen- und Mondkult besessen. Er suchte die höchste göttliche Wahrheit im Osten, wohin er mit seinen Legionen reiste. Sein Weg führte ihn in die antike syrische Stadt Carrhae. Frank beschließt, die Route seines historischen Vorbilds buchstäblich nachzuvollziehen. Er reist in die Türkei zu den Ruinen des Mondtempels von Harran.
Sasha wartet im Hotel auf ihn. Kurz darauf wird Frank auf einer einsamen Straße von religiösen Fanatikern ermordet. Vor seinem Tod gelingt es ihm, die Masken in Sashas Gepäck zu verstecken. Der Historiker hinterlässt ihr eine Nachricht mit der Bitte, die Artefakte aufzubewahren und sie Tim und So zurückzugeben. Frank ist zutiefst erschüttert, beschließt aber, den Wunsch ihres ermordeten Geliebten zu erfüllen.
Der schwarze Stein von Elagabalus
Sasha bringt die Masken zur Yacht. Tim enthüllt ihr das wichtigste Geheimnis. In seinem Büro verbirgt sich ein mächtiges Ritualobjekt – ein schwarzer, kegelförmiger Meteorit. Es ist der heilige Baetyl des Gottes Elagabalus. Tim erklärt die Beschaffenheit des Artefakts im Detail. Der Stein ist der zentrale Realitätsprojektor, der unaufhörlich den gesamten sichtbaren Kosmos erzeugt.
Die Caracalla-Masken dienen als Steuermechanismus für diesen Projektor. Eine besondere Person ist nötig, um mit dem Stein zu interagieren. In der Antike nannte man diese Person „Soltator“, Sonnentänzer. Der junge römische Kaiser Elagabalus besaß diese Gabe. Tim und So hoffen, dass Sasha helfen wird, einen neuen Tänzer zu finden. Die Mondmaske wird die Sonnenmaske auf natürliche Weise anziehen.
Suchanfragen in Kuba
Nach Hinweisen aus Träumen über römische Herrscher fliegt Sasha in den kubanischen Badeort Varadero. Auf den Straßen fällt ihr eine wunderschöne Kubanerin namens Naomi auf. Ihr Gesicht erinnert stark an das Profil des Kaisers Elagabalus auf antiken Münzen. Sasha folgt ihr und findet heraus, dass Naomi ihren Lebensunterhalt als Escort verdient.
Die Mädchen freunden sich schnell an und werden ein Paar. Sasha erzählt ihrer neuen Freundin vom Stein und den Masken. Naomi setzt die Sonnenmaske auf und schläft ein. Sie hat einen erschreckend realistischen Traum vom letzten Tanz des Kaisers. Sie sieht deutlich, wie der uralte Herrscher im Begriff ist, die Scheinwelt zu beenden, aber von den Prätorianern erstochen wird. Naomi willigt ein, mit Sasha zu den Kanarischen Inseln zu fliegen, um den Stein persönlich zu treffen.
Teneriffa und das Ende der Alten Welt
Die Yacht steuert auf die spanische Küste zu. Die Mädchen erreichen eine private Inselvilla. In einem geräumigen Saal mit schwarz-weißem Boden sehen sie den Stein. So und Tim erscheinen vor ihnen als zwei kolossale, uralte Wesen – die Äonen. Sophia und der Schöpfer beobachten teilnahmslos, wie ein Mensch über das Schicksal des Universums entscheidet. Naomi setzt selbstbewusst ihre Maske auf und beginnt den Tanz der Zerstörung.
Die Materie beginnt sich zusammenzuziehen und zu kollabieren. Die Welt steuert rasch ihrem Ende entgegen. Das Ritual wird von dem türkischen Professor Ahmet Gökçen und seinen bewaffneten Komplizen unterbrochen. Gökçen glaubt fanatisch, dass die Zerstörung des Steins die Realität vor der Tyrannei der Wahnsinnigen retten wird. Die Terroristen sprengen sich und das Artefakt in die Luft. Naomi stirbt in einer gewaltigen Explosion.
Tanz des Ersatzschmetterlings
Der Stein ist gespalten, doch der Prozess der Faltung des Universums hat bereits begonnen. Der Raum kollabiert. Sasha begreift die Unausweichlichkeit der Entscheidung, die nun vor ihr liegt. Sie hebt die wie durch ein Wunder unversehrte Sonnenmaske auf. Das Mädchen beschließt, die Existenz zu retten. Verzweifelt führt sie ihre alte Theaternummer auf – den Tanz von Zhuangzis übriggebliebenem Schmetterling.
Sasha stürzt in die urzeitliche, absolute Leere. Äon Sophia erklärt ihr geduldig das Wesen der Schöpfung. Jede Seele singt ihr eigenes, einzigartiges Lied des Daseins. Sasha bekundet aufrichtig ihren Willen, die Illusion aufrechtzuerhalten. Mit konzentrierter Absicht und Aufmerksamkeit setzt sie das Universum wieder zusammen. Sorgfältig erschafft sie ihren eigenen Körper, Raum und Zeit und führt den Kosmos in seinen vertrauten, stabilen Zustand zurück.
Zurück in der Realität
Sasha erwacht während eines Vipassana-Meditationsretreats in Thailand. Zwei Erinnerungen existieren paradoxerweise nebeneinander in ihrem Kopf. In der einen Realität reiste sie mit Frank und Naomi. In der anderen flog sie einfach nach Asien, um spirituelle Übungen zu machen. Sie akzeptiert beide Versionen und erkennt die extreme Zerbrechlichkeit und Wandelbarkeit der menschlichen Wahrnehmung.
Sie verlässt das Meditationszentrum und begegnet zufällig dem gealterten Hans-Friedrich. Draußen herrscht Panik angesichts der Coronavirus-Pandemie. Die weltweite Quarantäne bringt den gewohnten Lebensrhythmus abrupt zum Erliegen. Sasha nimmt diese neuen Umstände gelassen hin. Sie ist fest davon überzeugt, die Realität mit all ihren gegenwärtigen Fehlern und Übeln wiederhergestellt zu haben. Die Protagonistin gewinnt Vertrauen in die schöpferische Kraft der Weiblichkeit, die das Universum vor dem zerstörerischen Willen der Männer schützen kann.
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