Sergei Lukjanenkos „Der Tollpatsch“, eine Zusammenfassung
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„Der Tollpatsch“ ist ein Roman für Kinder und Jugendliche von Sergei Lukjanenko, der 2009 bei AST erschien. Es ist der erste Band der „Trix“-Dilogie und erzählt die Abenteuer eines vierzehnjährigen Erben eines Mitherzogtums in einer Welt, in der Magier, Vitaministen und allerlei böse Geister neben den Menschen existieren. Bemerkenswerterweise wurde das Buch von der Künstlerin Jewgenija Sterligowa illustriert, und Lukjanenko selbst schrieb es speziell für ein jüngeres Publikum – ein Genre, das weit entfernt von seinen üblichen düsteren Dystopien liegt. Der Roman wurde ins Deutsche, Tschechische, Italienische und Bulgarische übersetzt.
Putsch und Flucht
Am Vorabend seines vierzehnten Geburtstags verbringt Trix Solier, Alleinerbe von Mitherzog Rath Solier, den Morgen vor dem Spiegel. Missbilligend betrachtet er sein Spiegelbild, das er für „gutmütig“ hält – nicht gerade passend für den Spross einer Kriegerfamilie. Am selben Tag stürmen Wachen von Mitherrscher Sator Griz den Thronsaal: Sie entwaffnen Trix’ Vater und werfen den Jungen in eine Kellerzelle. Sein Vater stirbt in einem kurzen Kampf; seine Mutter, der Familientradition der Balladenheldinnen folgend, nimmt Gift und stürzt sich aus dem Fenster.
Trix überlebt. Hauptmann Sid Kang durchbricht mit einem billig erworbenen, schwachen Zauber einen Gitterrost, führt den Jungen durch das Tor und hinunter zum Fluss. Dort erwartet sie Sator Griz persönlich – ein hagerer, finsterer Mann, der so gar nicht wie ein Schurke aussieht. Er erklärt, dass Trix, lebend, nützlicher sei als tot, da sein „nachlässiger“ Sohn Daric einen persönlichen Feind brauche – jemanden, der ihn auf Trab hält. Griz überreicht dem Jungen einen Beutel mit zehn Goldmünzen, Schmuckstücken mit dem Wappen der Soliers und ein mit Proviant gefülltes Boot. Trix verspricht im Gegenzug, die Familie Griz eines Tages in ihrer Gruft einzuschließen – und sticht in See.
Der Weg nach Dillon
Am Fluss nimmt Trix einen hageren, rothaarigen Waisenjungen namens Ian mit, der vor wütenden Bauern flieht. Wie sich herausstellt, hatte Griz alle 63 Kinder des Waisenhauses Solye-Griz vorsorglich mit Kleidung aus Trix’ Kleiderschrank ausgestattet und sie auf den Weg geschickt – für den Fall, dass der wahre Erbe Ansprüche erheben sollte. Nun konnte sich jeder Junge, dem sie begegneten, „Trix Solye“ nennen, und niemand würde den wahren Erben erkennen.
Trix erhebt Ian feierlich in den Adelsstand, ernennt ihn zum „Ritter des Ruders“ (sein Wappen zeigt ein silbernes Ruder auf blauem Grund) und nimmt ihn als Knappen auf. Sie rudern nach Dillon und erzählen sich die Stammbäume benachbarter Herrscher: Ian hatte sie im Waisenhaus durch Zählreime und Lieder gelernt, Trix hatte sie von Chronisten erfahren und sofort wieder vergessen. An der Flussmündung ankern sie vor der Burg von Baron Thor Galan, der den Beinamen „der Fischerbaron“ trägt. Galan erkennt Trix auf Anhieb, schweigt aber zunächst und empfängt die Flüchtlinge dann mit herzlicher Gastfreundschaft. Zu ihren Ehren gibt er ein bescheidenes Abendessen.
Der Lehrling und der Ritter
In Dillon wird Trix von dem umherziehenden Ritter Paklus, einem kleinen Mann mit deutlich zwergenhaftem Blut, als Knappe angeheuert. Der Plan ist simpel: Durch den Ritter soll er die richtigen Leute erreichen und schließlich eine Armee aufstellen, um das Herzogtum zurückzuerobern. Paklus jedoch verfolgt seinen eigenen, lang gehegten Plan: Er reist zum Magier Radion Shchavel, um seinen alten Freund endlich in einem fairen Duell zu besiegen. Trix begleitet ihn.
In der Nähe von Sorrels Turm entbrennt ein regelrechter Kampf – der Magier empfängt die Gäste mit beschworenen Monstern, und im Chaos offenbart sich plötzlich Trix’ magische Gabe. Sorrel schließt Frieden mit Paklus und willigt ein, den Jungen als Lehrling aufzunehmen. Ian bleibt derweil in Dillon im Haus des Magiers.
Die Ausreißerprinzessin
Zurück im Stadthaus des Lehrers entdeckt Trix zwei ungebetene Gäste: die junge Herrscherin von Dillon, Prinzessin Tiana, und ihren Halbbruder Halanberi, einen dunkelhäutigen Jungen mit einer unstillbaren Vorliebe für Hämmer. Wie sich herausstellt, hat Regent Hass, der das Fürstentum regiert, bis Tiana volljährig ist, sich mit den Vitamanten – den Untoten von den Kristallinseln – verschworen und sie bereits per Schiff zu ihrem Herrscher Evikeit als seine zukünftige Gemahlin geschickt. Tiana und ihr Bruder sind geflohen und halten sich nun versteckt.
Trix beschließt, die Sache in die Hand zu nehmen. Er chartert ein heruntergekommenes Schiff mit dem poetischen Namen „Tintenfisch“ und heuert eine Mannschaft aus einer Truppe reisender Komiker an, angeführt vom Schauspieler Michel – zumindest haben sie ein Stück mit maritimen Themen in ihrem Repertoire. Zu ihnen gesellen sich der Ritter Paklus, der axtschwingende Highlander Charage und die kleine Fee Annette, die sich sofort in den jungen Zauberer verliebt.
Verfolgung und Transformation
Die Tintenfisch holt das Schiff der Vitaministen, die Flayer, ein. Während des Kampfes versucht die Trix, Tiana in eine Flöte zu verwandeln, um sie vor ihren Feinden zu verbergen und ihr dann ihre menschliche Gestalt zurückzugeben. Der Zauber misslingt jedoch so sehr, dass sich Tiana statt in eine Flöte in ein Buch mit hellem Ledereinband und dem eingelegten Titel „TIANA“ verwandelt – ein magisches Buch, das ihr gesamtes Leben von der Geburt bis zu diesem Augenblick festhält.
Trix verstaut das Buch vorsichtig unter seinem Umhang und trägt es zurück. An Bord beginnt er natürlich zu lesen: Zuerst erfährt er mit geröteten Wangen, dass die kleine Tiana ihn einmal bemerkt und ihn sogar „etwas unbeholfen, aber süß“ gefunden hat. Dann folgt er Ians Rat und wirft einen Blick auf die geheimnisvollen Seiten 206 und 308 – und entdeckt dort eine Szene mit 47 gestickten Gänseblümchen bzw. die Beschreibung eines Hofballs, bei dem Tiana sich den Knöchel verstauchte und einfach mit einem Fächer am Rand saß.
Der König und die Auflösung
Mit dem Buch Tiana unter dem Arm erreicht Trix die Hauptstadt des Königreichs und erhält eine Audienz bei König Marquel dem Fröhlichen. Marquel leitet eine Untersuchung ein, und die Geheime Kanzlei findet Beweise für Sator Griz’ Verschwörung mit den Vitamants. Doch noch wichtiger ist die Erkenntnis, dass Trix’ Eltern, Rath und Remy Sollier, noch leben. Sator Griz hatte über den Tod seiner Mutter gelogen, und sein Vater war lediglich schwer verletzt.
Die Familie ist wieder vereint. Rath und Remy kehren mit Halanberi in ihr angestammtes Herzogtum zurück. Die Herzogin nimmt den Jungen sofort unter ihre Fittiche, denn er braucht dringend Unterstützung. Tiana kehrt nach Dillon zurück, nun endlich als rechtmäßige Herrscherin. Trix, der alles erreicht hat, wovon er anfangs geträumt hat, denkt nicht daran, nach Hause zurückzukehren: Er studiert weiterhin Magie bei Radion Sorrel. Beim Abschied erwähnt der Magier beiläufig einen gewissen Transparenten Gott – ein Wesen, das in der nächsten Geschichte um Trix Solier zur Hauptbedrohung werden wird.
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