"DPP (NN) (Sammlung)" von Victor Pelevin, Zusammenfassung
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Eine Sammlung von Kurzgeschichten und Novellen eines russischen Schriftstellers fängt die Absurdität des Geschäfts- und Glaubenslebens im Frühkapitalismus ein. Das 2003 erschienene Buch beschreibt im Titel die Magie der Zahlen, die die Finanzströme eines riesigen Landes bestimmt. Diese Magie wirkt durch die Neurosen von Führungskräften, die ihren Aberglauben in Geschäftsstrategien umsetzen. Die Sammlung erfasst die Geisteshaltung der Elite, gefangen zwischen kriminellen Vorstellungen und westlichem Konsumdenken.
Das Werk wurde von der Literaturszene hoch gelobt. 2003 erhielt der Autor den Apollon-Grigoriev-Preis. Ein Jahr später gewann die Kurzgeschichtensammlung den renommierten Nationalen Bestsellerpreis.
Elegie und Zahlen
Der Text beginnt mit dem Gedicht „Elegie 2“. Der lyrische Held sinniert kühl über die Leere des Daseins und die Bedeutungslosigkeit wechselnder historischer Szenen. Es folgt dem zentralen Roman der Sammlung mit dem Titel „Zahlen“.
Der Protagonist des Romans, Styopa Michailow, ist seit seiner Kindheit von Zahlen fasziniert. Er wählt die Zahl 34 zu seiner Schutzzahl. Diese Zahlenkombination bringt ihm Glück. Styopas Feind ist die Zahl 43, die Unglück bringt. Diese Zahlenwahl beeinflusst das gesamte Leben des Helden. Styopa wird Bankier und eröffnet eine Geschäftsbank namens „Sonnenbank“. Seine Geschäftspläne basieren auf dem Auftreten heiliger Zahlen in Verträgen, Daten und Angeboten. Dieser Glaube schützt ihn vor Stress.
Styopa steht unter dem Schutz der tschetschenischen Brüder Isa und Musa. Die Brüder sind radikale Muslime. Bei einem Treffen im japanischen Restaurant „Yakitoriya“ werden die Brüder von den Kugeln des Staatssicherheitshauptmanns Lebedkin getötet. Lebedkin übernimmt daraufhin die Bank unter seine strenge Aufsicht. Später lernt Styopa die britische Volkskundlerin Myus kennen. Myus wird seine Geliebte und arbeitet als Bankangestellte. Sie ist fasziniert von Pokémon-Spielzeug und verehrt heimlich die Zahl 66. Styopas und Myus’ Romanze ist von seltsamen Ritualen geprägt.
Styopa erfährt von einem mächtigen Konkurrenten: Georgi Srakandajew, dem Chef von Delta Credit. Srakandajews Leben dreht sich um die Zahl 43. Styopa beschließt, dass Srakandajew sein mystischer Feind ist. Er plant, ihn zu töten. Seine Waffe der Wahl ist ein orientalisches Souvenir – ein zu einer Schusswaffe umgebauter Plastik-Lingam. Styopa spürt Srakandajew im Nachtclub Perekrestok auf und bricht in dessen Büro ein.
In seinem Büro konsumiert Srakandaev Drogen. Er zwingt Styopa, es ihm gleichzutun. Aufgrund des Drogenrausches verliert Styopa die Kontrolle. Srakandaev vergewaltigt Styopa und imaginiert sich dabei als Tier. Nach diesem Vorfall erfährt Styopa vom Diebstahl ihres Geldes – 35 Millionen Dollar sind spurlos verschwunden. Die Überweisung wurde heimlich von Myus veranlasst. Sie hinterlässt einen verletzenden Abschiedsbrief und beendet die Beziehung. Das gestohlene Geld landet auf Srakandaevs Offshore-Konten.
Lebedkin weigert sich, Styopa zu helfen. Der Kapitän fordert die sofortige Rückzahlung der Firmenschulden. Styopa ruft Srakandajew an, in der Hoffnung, einen hohen Zinssatz für die Rückzahlung auszuhandeln. Srakandajew willigt ein, ihm zu helfen, doch noch am selben Tag erschießt er sich in seinem Büro. Styopa ist nun völlig bankrott und von Gläubigern und Feinden umgeben. Der Held wirft sein Handy in den Schnee und geht zur Autobahn. Er fährt zum Flughafen Scheremetjewo-2.
Mazedonische Kritik am französischen Denken
Der nächste Text ist die Novelle „Mazedonische Kritik des französischen Denkens“. Der Protagonist, Nasyh Nafikov, genannt Kika, erbt nach dem Tod seines Vaters, eines Ölarbeiters, ein beträchtliches Vermögen. Kika absolviert ein Philosophiestudium an der europäischen Sorbonne. Er verfasst eine Abhandlung, in der er französische Denker auf grausame Weise verspottet. Jean Baudrillard und Jacques Derrida geraten ins Visier. Kika verabscheut ihre philosophischen Ideen und hält das französische Denken für intellektuell hohl.
Später entwickelte Kika die Theorie des „menschlichen Öls“. Seiner Logik zufolge floss die Lebensenergie der sowjetischen Bürger nach dem Zusammenbruch des Landes in den Westen. Sie nahm die Form von exportiertem Kapital an. Um Europa vor der höllischen Vergeltung der toten Seelen zu bewahren, organisierte Kika einen umgekehrten Prozess. Er mietete eine verlassene Fabrik in der Nähe von Paris an. Dort richtete er eine geheime Werkstatt ein, in der er angeheuerte Freiwillige folterte.
Menschen werden an den Boden gefesselt und gezwungen, französische Philosophie zu lesen. Ein Computer versetzt ihnen schmerzhafte Stockschläge. Das Programm synchronisiert die Schläge mit Banktransaktionen. Für jeden Schlag werden 368 Euro nach Russland überwiesen. Interpol entdeckt die Fabrik schnell. Die Polizei befreit die Gefangenen. Kika gelingt die Flucht in unbekannte Richtung. Der Text endet mit den Reflexionen des Verbrechers über das Wesen des westlichen Kapitals und des menschlichen Leidens.
Ein Wog und Akiko
Die Geschichte „One Vogue“ spielt in der Damentoilette eines Nobelrestaurants. Zwei junge Frauen vergleichen ihre Designerkleidung. Sie messen ihren persönlichen Erfolg am Luxus der Mode. Das Auftauchen einer prestigeträchtigeren Konkurrentin, Myus, erschüttert ihr Selbstvertrauen. Der ganze Glamour des Konsums verblasst angesichts der harten Realität der Elite. Dort wird der Status durch die teure Marke des Autos eines wohlhabenden Sponsors bestimmt.
Die Geschichte „Akiko“ ist in Form von Monologen verfasst, die auf der Benutzeroberfläche einer Pornowebsite angezeigt werden. Ein Nutzer namens „QWERTY“ greift auf eine Website mit japanischem Thema zu. Eine virtuelle Geisha namens Akiko verlangt eine Gebühr für den Erstzugang. Der Nutzer gibt vertrauliche Kreditkarteninformationen ein. Nach und nach eskaliert das harmlose Online-Spiel zu brutaler finanzieller Erpressung.
Die Website drängt dem Nutzer teure automatische Abonnements auf. Als QWERTY protestiert, schlägt Akikos Tonfall abrupt um. Aus einem unterwürfigen Mädchen wird eine Ermittlerin des Staatssicherheitsdienstes, die gegen Cyberkriminalität kämpft. Akiko enthüllt die genaue IP-Adresse des Nutzers und wirft ihm Extremismus vor: „Glaubst du, wir wissen nicht, was für ein QWERTY du bist?“ Die virtuelle Falle schnappt zu. Der Held ist gezwungen, den absurden Befehlen der Polizei stillschweigend Folge zu leisten.
Fokusgruppe
In der Geschichte „Fokusgruppe“ gelangen sieben Seelen Verstorbener ins Jenseits. Sie sitzen vor einem Wesen namens „Leuchtendes Wesen“. Dieses fordert sie auf, sich ihr ideales persönliches Paradies zu gestalten. Die Seelen unterhalten sich über ihre irdischen, körperlichen Bedürfnisse. Eine Frau möchte ständig Vorhänge bügeln, während ein Mann von Donuts mit Puderzucker träumt. Später erkennen die Seelen die Grenzen ihrer Fantasien. Jedes menschliche Vergnügen wird in der Ewigkeit schnell langweilig werden.
Das Leuchtende Wesen zeigt ihnen eine Illusionsmaschine namens „Globotron“. Das Gerät soll angeblich durch direkte Gehirnstimulation unendliches Glück erzeugen können. Die Seelen nähern sich dem Gerät nacheinander. Sobald sie die Metallkontakte berühren, wird ihre Persönlichkeit augenblicklich ausgelöscht. Zynisch verabschiedet sich das Leuchtende Wesen von den Seelen: „Ihr werdet euch von selbst auflösen, ohne jede Hilfe.“ Der letzte verbliebene junge Mann erkennt den monströsen Betrug. Von unerträglichen Schmerzen in seinem illusorischen Körper gequält, stürzt er sich auf das Gerät zu. Das Wesen löst sich in einer endlosen Wüste auf, die von ähnlichen höllischen Maschinen bevölkert ist.
Das Leben bemerkenswerter Menschen und ein Bericht über die Suche nach dem Wind
Der Text „Gast beim Bon-Fest“ beschreibt die letzten Augenblicke eines japanischen Kriegers. Der Held verbrachte sein ganzes Leben auf der Suche nach vollkommener Schönheit. Er fand sie in den Seiten des alten Hagakure. Der Samurai zieht daraus eine ernüchternde Schlussfolgerung über die menschliche Natur: Höchste Schönheit ist gleichbedeutend mit dem physischen Tod. Er begeht ruhig rituellen Selbstmord mit seinem Schwert.
Während er sich den Bauch aufschneidet, erinnert sich der Held an seine ferne Kindheit. Er versteht eines: Die Menschen sind wie Uhrwerkpuppen, manipuliert von einem unsichtbaren, gnadenlosen Puppenspieler. Der Samurai erkennt die Sinnlosigkeit seiner Rebellion. Man kann eine Puppe nicht töten. Man kann nur aufhören, mit einer Puppe zu spielen. Der letzte Gedanke des sterbenden Helden verschmilzt sanft mit der absoluten Leere, als ein weiteres Schwert seinen Kopf abtrennt.
Die Sammlung schließt mit einer Parodie auf eine alte chinesische Abhandlung, „Aufzeichnungen über die Suche nach dem Wind“. Ein ungenannter Autor schreibt einen respektvollen Brief an den Philosophen Jiang Zi-ya. Er erinnert sich an ihr längst vergangenes Gespräch im Gelben Gebirge, das unter dem Einfluss von Rauschmitteln stattfand. Damals versuchte er, eine literarische Erzählung über die Große Reise zu verfassen.
Im Schreibprozess erleidet der Autor eine vernichtende Niederlage. Er erkennt die absolute Ohnmacht der Sprache. Worte sind bloße Fingerschatten an einer leeren Wand. Die höchste Wahrheit ist formlos. Der Versuch, den Pfad in Worten zu beschreiben, zerstört augenblicklich sein Wesen. Der Autor gesteht sich der Unendlichkeit geschlagen. Der wahre Text über den Pfad ist ein Stapel unbeschriebenen Papiers. Die gesamte materielle Welt ist eine Illusion. Das menschliche Bewusstsein ist wie ein schwacher Grashalm, der sich unter den Böen eines unsichtbaren Windes biegt.
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