„Nur mit dir:
Anti-Fan“ von Anna Jane, Zusammenfassung
Anna Janes Roman erschien 2021; die Printausgabe umfasst 512 Seiten, und die Geschichte selbst ist der erste Teil einer Reihe, die mit „Only with You: Antihero“ fortgesetzt wird. Es ist ein Liebesroman mit einer spürbaren psychologischen Bedrohung: Die Gefühle zwischen den Charakteren stehen von Anfang an im Kontrast zu Nataschas vergangenem Trauma und der Gefahr, die am Ende erneut deutlich wird.
Handlung
Die Geschichte beginnt im August, als der weltberühmte Musiker Kezon mit seinem besten Freund Dan und dessen Verlobter Mascha in Moskau ankommt. Abseits der Bühne ist er wieder der alte Kirill, und diese Rückkehr hat nichts mit Tourneen zu tun, sondern mit der Vergangenheit: Er denkt noch immer an Katja, seine erste Liebe, deren Hochzeit ihn zwingt, schmerzhaft zurückzublicken. Schon in den ersten Kapiteln wird deutlich, dass Kirill ein nervliches Wrack ist, eine trotzige Figur, deren Prahlerei einen alten Groll verbirgt, den er nie überwinden konnte.
Gleichzeitig begegnet der Leser Natasha, einem rothaarigen Mädchen mit scharfer Zunge, schnellen Reflexen und der Tendenz, sich sofort zu verteidigen, wenn sie sich bedrängt fühlt. Ihre erste Begegnung mit Kirill ist von gegenseitiger Feindseligkeit geprägt: Sie hält ihn für einen selbstgefälligen Grobian, und er sieht in ihr eine lästige und übermäßig unabhängige Fremde, die sich aus irgendeinem Grund seinen Regeln widersetzt. Ihre frühe Bekanntschaft wird sofort durch eine Lüge verkompliziert: Natasha gibt sich spontan Katya, und Kirill antwortet mit dem Namen Anton. Dieser Austausch falscher Namen prägt ihre gesamte Beziehung.
Später stellt sich heraus, dass Natasha keine gewöhnliche Begleiterin ist, sondern ein Prominenter mit einer schwierigen Persönlichkeit und der Angewohnheit, sich genauso leicht in das Leben anderer einzumischen, wie er auf der Bühne für Aufsehen sorgt. Nach den Ereignissen um Kirill gerät ihr Leben aus den Fugen: Natasha verliert ihr bisheriges soziales Netz und steht plötzlich ohne Job, Geld und Wohnung da. Sein Angebot, seine Freundin zu spielen, erscheint ihr daher nicht mehr so abwegig. Von Anfang an basiert diese Vereinbarung auf Kalkül, Groll und Misstrauen, nicht auf Zuneigung, und genau deshalb wirkt ihre spätere Annäherung besonders angespannt.
Die erzwungene Nähe verändert sie beide allmählich. Natasha und Kirill verbringen viel Zeit miteinander, streiten über Belanglosigkeiten, verletzen einander, werden eifersüchtig und versuchen abwechselnd, die Kontrolle über diese seltsame Beziehung zurückzugewinnen. Hinter Kirills forsch-aggressiver Art erkennt Natasha einen müden, innerlich gebrochenen Mann, der sich gewohnt ist, sich hinter Unverfrorenheit zu verstecken. Kirill wiederum bemerkt an ihr eine Direktheit, eine Lebendigkeit und eine Widerstandsfähigkeit, die er bei Bewunderern und flüchtigen Bekannten schon lange nicht mehr gesehen hat.
Ihre Veränderungen werden besonders in Alltagsszenen deutlich. Ihr Spott weicht zunehmend einer unbeholfenen Zärtlichkeit, und ihre üblichen Streitereien offenbaren plötzlich eine Zuneigung, die keiner von beiden zunächst wahrhaben will. Selbst kleine Momente, wie die Nachtglocke, mit der Kirill Natasha weckt, sind nicht mehr nur ein sinnloser Scherz, sondern dienen dazu, sie in seiner Nähe zu halten und zu testen, ob sie wieder zu ihm zurückkehren wird.
Ständig sind andere Personen um die Hauptfiguren herum, und ihre Anwesenheit trägt zur Spannung im Roman bei. Dan und Mascha erleben Kirill jenseits seiner Bühnenfigur und verstehen daher besser als alle anderen, wie sehr ihn die Begegnung mit Natasha verunsichert. Mischa aus dem Blumenladen hingegen taucht genau dann auf, als Natasha sich nach menschlicher Nähe sehnt, und seine Freundlichkeit wird schnell zum Auslöser von Eifersucht und Irritation bei Kirill.
Kirill bleibt lange Zeit ein Gefangener der Vergangenheit. Er betrachtet Katya als eine alte Wunde, plant, sie vor ihrer Hochzeit zu treffen, und lässt die Geschichte seiner ersten Liebe, die einst seine Beziehungsfähigkeit beeinträchtigte, immer wieder Revue passieren. Seine inneren Monologe machen deutlich, dass sein Angriffsverhalten zu einer Verteidigung geworden ist: Indem er den anderen zuerst demütigt, kann er zumindest vorübergehend seine eigene Demütigung vergessen.
Natashas Vergangenheit ist jedoch noch viel schwieriger. Nach und nach kommt ihre Geschichte in Galaz ans Licht, wo sie eine Beziehung mit Albert Alshevsky hatte – dem Sohn eines einflussreichen Staatsanwalts, einem grausamen und verkommenen Mann, der sich zu allem fähig fühlte. Natasha hütet ein Andenken, das ihn belasten könnte, lebt mit der Erinnerung an die erlittene Gewalt und versteckt sich nicht nur aus Stolz: Für sie war die Flucht ein Mittel zum Überleben.
Vor diesem Hintergrund werden Nataschas Gefühle für Kirill schmerzhaft und ambivalent. Er verletzt sie mit seiner Unhöflichkeit, seinen Wutausbrüchen und seiner ungelösten Angelegenheit mit Katja, doch zum ersten Mal seit Langem fühlt sie sich bei ihm nicht mehr wie ein einsames Opfer der Entscheidungen anderer. Auch Kirill selbst verändert sich: Sein Egoismus und seine Härte bleiben bestehen, aber in Nataschas Gegenwart verhält er sich zunehmend wie ein Mann, der panische Angst hat, eine bestimmte Frau zu verlieren, anstatt wie ein Rockstar, der es gewohnt ist, mühelos zu bekommen, was er will.
Der tiefste Riss zwischen ihnen entsteht, als Natasha erkennt, dass ihre Gefühle zu weit gegangen sind und Kirill die Verstrickungen der Vergangenheit noch immer nicht vollständig gelöst hat. Ihr Schmerz äußert sich in dem Wunsch nach Distanz, im Gespräch mit Misha und im Versuch, sich aus dem Griff dieser quälenden Beziehung zu befreien, und sei es nur für kurze Zeit. Kirill reagiert mit seiner üblichen Methode – Eifersucht, Sarkasmus und dem Wunsch, die Kontrolle um jeden Preis zurückzugewinnen – , doch der frühere Schlagabtausch ist nicht mehr möglich: Jedes ihrer Worte ist nun von der Angst durchdrungen, einander zu verlieren.
Am Ende hört Natasha auf, ihre Gefühle zu verdrängen. Sie gesteht offen, dass sie Kirill liebt, und für sie ist das keine nette Geste, sondern ein schmerzhaftes Eingeständnis der Wahrheit: Die Liebe hat den Mann erreicht, den sie lange für die Ursache ihres Unglücks gehalten hat. Kirill seinerseits geht einen Schritt weiter und bestätigt durch sein Handeln, dass Natasha für ihn nicht länger nur eine flüchtige Bekannte oder eine bequeme Figur in seinem persönlichen Drama ist.
Doch der Roman endet nicht mit einer Liebeserklärung. In den letzten Kapiteln verlagert sich die Erzählung auf Albert, der sich an Nataschas Vergangenheit erinnert, versteht, warum sie verschwunden ist, und erfährt, dass ihre Spur in Moskau wiedergefunden wurde. Er befiehlt seinen Männern, vorsichtig vorzugehen, und plant, das Mädchen mit Gewalt zurückzuholen. So endet das Buch mit einer offenen Drohung: Natascha und Kirill haben gerade erst den Punkt erreicht, an dem sie sich ihre Gefühle gestanden haben, und die Jagd nach Natascha beginnt von neuem – der Weg für eine Fortsetzung ist geebnet.
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