„Albtraumträume, meine Liebe“ von Anna Jane, Zusammenfassung
Anna Janes Roman „Nightmare My Love“ entstand 2016 und erschien erstmals 2017. Es ist ein mystischer Thriller, in dem eine Liebesgeschichte mit einem Erinnerungstrauma, einer Mordserie und dem Eindringen eines Albtraums in den Alltag verknüpft ist. Die größte Stärke des Buches liegt in der ständigen Verflechtung zweier Erzählstränge: einer aktuellen Polizeiarbeit und eines langjährigen persönlichen Horrors, den Jessica Malone lange Zeit nicht benennen konnte.
Der Prolog zeigt einen Mann mit von Wahnsinn entstelltem Gesicht, der ein gefesseltes Mädchen quält und abwechselnd zärtlich und grausam mit ihr spricht. Die gesamte Szene ist von der Atmosphäre des Absinths, einer Spieluhr und eines schmerzhaften Traums durchdrungen. Diese Szene gibt sofort den Ton des Romans vor: Die Angst ist hier körperlich, obsessiv, beinahe greifbar, und die Liebe wird als schmerzhaft und zerstörerisch angedeutet.
Die Handlung springt einige Monate in die Zukunft. Jessica Malone lebt glücklich, bereitet ihre Hochzeit mit Eric vor, steht in Kontakt mit ihren Eltern und versucht, ihre Zukunft als klar und ruhig zu sehen, obwohl sie innerlich bereits eine unerklärliche Anspannung spürt. Ihr Leben gerät aus den Fugen, nachdem eine Reihe seltsamer Ereignisse, beunruhigender Anrufe und Begegnungen die gewöhnliche Stadt in kürzester Zeit in ein Jagdrevier verwandeln.
In den Straßen von New Palmer tauchen ermordete Mädchen mit erstarrten Lächeln auf, und der Fall führt zu einem Serienmörder mit dem Spitznamen „Kill Cold“. Jess kannte eines der Opfer und gerät so ins Visier der Polizei. Immer wieder schildert sie die Ereignisse der vergangenen Nacht und bemerkt dabei nach und nach ein erschreckendes Detail: Die toten Mädchen ähneln ihr verblüffend. Der Roman wandelt sich rasch von einer externen Ermittlung zu einer persönlichen Bedrohung, denn jeder neue Todesfall scheint Jess näher zu bringen.
Nach dem ersten heftigen Schlag landet Jess im Krankenhaus, und ihr Zustand lässt sich nicht mehr allein durch Angstzustände erklären. Sie träumt von Labyrinthen, Glaskuppeln, kalten Hallen, Blut, Schatten und einem Mann, dessen Grausamkeit sich mit schmerzhafter Zärtlichkeit verbindet; für Jess ist der Schlaf keine Erholung mehr, sondern ein Ort der Verfolgung. Auch die Realität ist instabil: Die Zeit verschwimmt, Erinnerungen schwinden, und unerklärliche Menschen und Zeichen tauchen um sie herum auf.
Fast unmittelbar nach ihrem Tod gerät ihr Privatleben aus den Fugen. Eric, dem Jess einst vertraute, entpuppt sich als Quelle von Lügen, Druck und Demütigungen. Dann kommen seine Verbindungen zu anderen Frauen, insbesondere zu Diane, ans Licht und zerstören endgültig das letzte bisschen Vertrauen. Doch diese Geschichte ist mehr als nur ein Familiendrama: Jess erkennt, wie lange das Böse schon um sie herum lauert, sich hinter einer respektablen Fassade verbirgt und ihre Verwirrung ausnutzt.
Gleichzeitig beleuchtet der Roman auch Jess’ bruchstückhafte, weit zurückliegende Vergangenheit. Einst lebte sie in einer anderen Stadt, ging dort zur Schule und war mit Brent Elmer liiert – einem stillen, unaufdringlichen jungen Mann aus dem Schulorchester, zu dem sie eine tiefe Verbindung aufbaute. Ihre Beziehung endete nach einer schrecklichen Nacht auf dem Feld, in der Alice starb, James an ihrer Seite war und Brent spurlos verschwand. Zurück blieben eine Leere, Schuldgefühle und eine Lücke in Jess’ Erinnerung.
Von diesem Punkt an entwickelt sich der Roman zu einer Geschichte erzwungener Erinnerungsverzerrung. Jess hat zunehmend das Gefühl, dass in ihren Erinnerungen etwas verfälscht wird: Manche Bilder scheinen ihr aufgezwungen, manche Gefühle nicht ihre eigenen, und in ihren Träumen und Visionen begegnet sie einer scheinbar anderen Version ihrer selbst, die sie daran hindert, die Wahrheit zu erkennen. Die Angst fungiert im Buch als Kontrollmechanismus: Sie ängstigt die Heldin nicht nur, sondern lenkt ihre Gedanken, untergräbt ihre Logik und lässt sie sogar an ihren eigenen Augen zweifeln.
Um die Zusammenhänge zu verstehen, verfolgt Jess verschiedene Spuren. Sie spricht mit der Polizei, engagiert einen Privatdetektiv, nimmt an Sitzungen bei Dr. Firth teil, wendet sich an Menschen, die mehr über die dunklen Seiten der Geschehnisse wissen, als sie zugeben wollen, und beginnt langsam, ein Bild der Verbindungen zwischen den Morden, der Vergangenheit und den Kreaturen zu zeichnen, die neben der menschlichen Angst leben. Figuren wie Brooke Worker und Dr. Singleton tauchen in ihrem Umfeld auf, und die vertraute Stadtwelt driftet immer mehr in Richtung Albtraum ab.
Einige der schwierigsten Szenen zeigen direkte Angriffe. Jess wird verwundet, erwacht im Krankenhaus und erlebt Schmerzattacken, Bewusstseinslücken und Begegnungen mit etwas, das weder rein halluziniert noch völlig real ist. In einer dieser Szenen ergießt sich buchstäblich Blut über den Raum, und die Heldin stürzt zum dritten Mal auf einen vertrauten Steinboden, was verdeutlicht, dass ihr Weg nicht geradlinig verläuft; sie kehrt immer wieder zum Knotenpunkt eines alten Traumas zurück.
Robert Walshs Gestalt tritt allmählich in den Vordergrund. Nach seinem Tod wird der Fall so schnell wie möglich offiziell abgeschlossen; die Behörden akzeptieren bereitwillig die bequeme Lösung, und Walshs Schuld am Mord an sieben jungen Frauen gilt als erwiesen, obwohl noch zu viele Ungereimtheiten bestehen. Für Jess ist dies kein Abschluss, sondern ein weiterer Schlag, denn die offizielle Antwort klärt nicht das Wichtigste: Warum führen alle Spuren zu ihr? Wer steckt wirklich hinter den Ereignissen von vor zehn Jahren? Und wo ist Brent?
Die Sitzungen zur Erinnerungsabfrage enthüllen Jess nur einen Teil der Wahrheit. Sie sieht immer mehr Bruchstücke der Schulgeschichte, durchlebt den Schrecken und die Schuldgefühle erneut, bemerkt aber ein entscheidendes Detail, das ihr bisheriges Bild durcheinanderbringt: In einer der ursprünglichen Erinnerungen war kein Mond auf dem Feld, während er in den implantierten Erinnerungen viel zu hell leuchtet. Dieser Fehler überzeugt sie davon, dass ein Teil der Vergangenheit künstlich umgeschrieben wurde. Das bedeutet, dass sie immer noch nicht weiß, wer Alice getötet hat, warum James dort war oder was mit Brent geschah.
Am Ende hat sich Jess innerlich verändert. Zu Beginn des Romans lebt sie wie jemand, der unbewusst versucht, alten Schmerz zu verdrängen, doch am Ende weigert sie sich, sich als Opfer zu sehen, gibt sich nicht länger mit bequemen Erklärungen zufrieden und beschließt, die Wahrheit selbst herauszufinden. Die Suche nach Brent wird zu ihrem Hauptanliegen, denn durch ihn laufen Liebe, Angst, Verschwinden und die gesamte düstere Logik dieser Geschichte zusammen.
Der Epilog enthüllt, dass Brent noch lebt. Er versteckt sich, trinkt Absinth, sieht die Abendnachrichten, erinnert sich an Jess als „Candy“ und ist weiterhin mit seiner monströsen Seite verbunden. Neben ihm steht eine blonde Frau mit einer Narbe, die ihn Vogelscheuche nennt und ihn daran erinnert, dass er seinen Schatten bereits verbraucht hat, um Jess zu treffen. Im selben Moment wird im Fernsehen ein neuer Mord gemeldet, der unverkennbar die Handschrift von „Killing Cold“ trägt. Der Roman endet nicht mit einer Auflösung, sondern mit einer neuen, bedrohlichen Wendung: Der Fall ist offiziell abgeschlossen, doch das Böse ist weiterhin am Werk.
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