Ivan Okhlobystins „Der Müllmann“, eine Zusammenfassung
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Ivan Okhlobystins Erzählung erschien 1996 und diente als literarische Vorlage für ein populäres Drehbuch, das den Konflikt zweier gegensätzlicher Weltanschauungen vor der Kulisse einer verschneiten Provinzstadt schildert. 2001 wurde die Geschichte von Regisseur Georgi Schengelia erfolgreich verfilmt. Der gleichnamige Film mit Alexei Guskow und Olesja Sudsilowskaja in den Hauptrollen wurde vom Publikum hoch gelobt und gilt als Meilenstein der Kinogeschichte.
Ankunft in der Provinz
An einem Wintertag rast ein roter Opel über eine glatte Landstraße in Richtung einer namenlosen Provinzstadt. Am Steuer sitzt eine junge Frau aus Moskau in einem flauschigen Pelzmantel. Während sie telefoniert, äußert sie ihren Unmut über die bevorstehende Fahrt. Ein riskantes Überholmanöver führt beinahe zu einem Zusammenstoß mit einem Lkw. Die Frau wirft das Radio aus dem Fenster und setzt ihre Fahrt fort.
Früh am Morgen begegnet sie dem örtlichen Müllmann. Er trägt einen makellos sauberen blauen Overall und leert methodisch die Mülltonnen in einen Plastiksack. Das Mädchen begegnet ihm mit offener Verachtung und Spott. Der Müllmann reagiert mit unfehlbarer Höflichkeit und Gelassenheit.
Ein Mädchen checkt im einzigen Hotel im Ort ein. Aus Langeweile und dem Wunsch, Streit zu provozieren, schüttet sie nachts den Inhalt der nahegelegenen Mülltonnen auf einen freien Straßenabschnitt. Am Morgen räumt ein Müllmann den verstreuten Müll weg und begegnet den Sticheleien des Mädchens mit philosophischer Würde.
Sich kennenlernen und spielen
Nach Feierabend holt der Müllmann seinen Lohn im Büro der Wohnungsbaugesellschaft ZhEK ab. Sein Chef bittet ihn, ihm beim Tragen eines Sarges aus einer Nachbarwohnung zu helfen und bietet ihm dafür etwas dazu. Er lehnt ab, da er Angst vor Toten habe und sich nur aufs Müllsammeln konzentrieren wolle. Anschließend geht er nach Hause, kauft sich einen teuren Tequila und trinkt ihn mit Salz und Zitrone.
An diesem Abend geht das Mädchen in einem freizügigen Outfit in ein Restaurant. Sie erregt absichtlich die Aufmerksamkeit einer Verbrecherbande und bittet einen von ihnen, den Hausmeister zu verprügeln. Am nächsten Morgen spricht ein kräftiger junger Mann den Müllmann an, erkennt ihn aber plötzlich. Der Mann erschrickt und flieht sofort. Überrascht von dieser Reaktion lädt das Mädchen den Mann auf ihr Zimmer ein.
Der Müllmann erscheint in einem tadellosen Anzug, der an einen Diplomaten oder einen Gangster aus der Prohibitionszeit erinnert. Zwischen ihnen beginnt ein psychologisches Spiel. Abwechselnd erzählen sie die Lebensgeschichte des anderen und streuen dabei persönliche Beobachtungen ein. Der Müllmann beschreibt treffend den zynischen Weg des Mädchens von ihrer Heimatstadt in die Hauptstadt, ihr Schauspielstudium und ihren unbedingten Siegeswillen. Das Mädchen errät seine einsame Kindheit, seine Leidenschaft für Bücher und seinen Dienst bei den Fallschirmjägern. Der Abend endet ohne Zärtlichkeit. Der Müllmann geht, und das Mädchen zerschmettert wütend ein Kristallglas an der Wand.
Empfang im Bürgermeisterhaus
Nach dem Besuch bei dem Mädchen geht der Held ins Casino „Drei Bogatyrs“. Er setzt all seine Chips auf Rot und gewinnt. Dann verdoppelt er seinen Einsatz auf Schwarz und gewinnt erneut. Anschließend setzt er einen riesigen Stapel Chips auf die Null – die Nullstelle des Rouletterads. Die Kugel landet im richtigen Fach. Die Zuschauer und der Croupier am Tisch sind von seinem Glück begeistert. Doch in seinem nächsten Zug setzt er seinen gesamten Gewinn wieder auf Rot. Die Kugel landet erneut auf der Null. Der Müllmann verliert alles, lacht herzlich über sein Schicksal und verlässt das Casino.
Am nächsten Tag beobachtet der Held, wie das Mädchen den örtlichen Banker Oleg interviewt. Der Banker und der Müllmann tauschen höfliche, aber angespannte Blicke. Der Held lädt das Mädchen in ein Restaurant ein. Dort führt er mit der übergewichtigen Einheimischen Galya einen virtuosen Parodietanz auf. Das Mädchen tanzt mit und beweist dabei ihr brillantes choreografisches Talent.
Später gelangen sie zu einem im Flusseis eingefrorenen Schiff. Dort hat der örtliche Bürgermeister, Pjotr Iwanowitsch, einen rauschenden Empfang gegeben. Der Bürgermeister behandelt den Müllmann mit großem Respekt. Wie sich herausstellt, singt der Sohn des Bürgermeisters, Kirill, ein ergreifendes Lied, dessen Text der Held selbst verfasst hat.
Das Geheimnis wird enthüllt
Auf der Rückfahrt in der gepanzerten Limousine setzt das Mädchen das Spiel fort, das sie zuvor begonnen hatten. Sie enthüllt die wahre Vergangenheit des Müllmanns. In seiner Jugend diente er in der Sturmbrigade – einer Kampfeinheit der Fallschirmjäger in Angola. Später wurde seine geliebte Frau brutal ermordet. Daraufhin begann der Held systematisch, die Verantwortlichen aufzuspüren und zu eliminieren.
Mit der Zeit wurde er zum professionellen Auftragsmörder, der Verbrecherbosse und Gangster ausschaltete. Seine Opfer nannte er „menschlichen Abschaum“. Später erkannte er die Sinnlosigkeit der Gewalt. Die Eliminierung von Kriminellen schuf nur Platz für neue. Daraufhin beschloss er, den Waffen gänzlich abzuschwören, seine Seele zu reinigen und auf seinem kleinen Stück Land für Ordnung zu sorgen, indem er Straßenreiniger wurde.
Der Müllmann bestätigt ihre Geschichte. Sie erreichen sein geheimes Domizil. Es ist ein riesiger Keller, luxuriös mit antiken Möbeln eingerichtet – ein geheimer Raum, versteckt hinter der Tür eines unscheinbaren Wandschranks in der Semjonowskaja-Straße.
Ablehnung und Abschied
Das Mädchen legt dem Helden fünfzigtausend Dollar vor die Füße. Es ist eine Vorauszahlung von Klienten aus der Hauptstadt, die ihn für einen weiteren Mordauftrag engagieren wollen. Sie bietet ihm das Geld und einen dauerhaften Rückzug ans Meer an. Der Müllmann lehnt entschieden ab. Er beschließt, in seiner Stadt zu bleiben und weiterhin die Straßen vom Dreck zu befreien.
Als das Mädchen merkt, dass die Mission gescheitert ist, holt sie eine vernickelte Pistole aus ihrer Handtasche. Wutentbrannt schießt sie im Keller auf Flaschen, Teller und Spiegel. Der Müllmann beobachtet das Ganze interessiert. Nachdem sie die Patronen verschossen hat, wirft sie die Pistole auf den Boden und verlässt den Keller. Der Held nimmt einen Besen und fegt die Glasscherben samt Pistole vorsichtig in den Müll.
Am Morgen ruft das Mädchen ihre Arbeitgeber an und lügt: „Er hat das Geld genommen.“ Sie verlässt die Stadt und hält unterwegs neben einem Müllmann an. Sie führen ein letztes Gespräch. Das Mädchen beteuert, sie werde Reichtum und absolutes Glück erlangen. Der Müllmann bemerkt, dass sie nach ihrem Tod sofort vergessen sein wird. Das Mädchen verspottet seine Versuche, die Welt zu verändern, und verspricht, dass sie ihm ein Denkmal in der Semi-Semenov-Straße errichten werden, aber dann würden auch sie vergessen sein. Auf die Frage nach ihrem Namen antwortet sie: „Helen. Oder vielleicht Isabelle. Ich weiß es noch nicht.“
Der Wagen rast davon. Der Müllmann setzt sich neben einen schmutzigen, zerlumpten Landstreicher auf den Bordstein und bietet ihm eine Zigarette an. Der Landstreicher hebt sein geschwollenes Gesicht und antwortet mit tiefer, wohlklingender Stimme: „Danke, ich rauche nicht.“
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