„Zwei unter Männern“ von Arkadi und Georgi Vainer, Zusammenfassung
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Dieses Buch ist ein 1969 erschienener Dokumentarroman, der auf realen Kriminalfällen basiert. Die Autoren rekonstruieren die Ermittlungen zum Tod eines jungen Taxifahrers mit akribischer Genauigkeit. Der Text zeichnet sorgfältig psychologische Porträts zweier jugendlicher Straftäter und enthüllt deren Gedanken vor und nach der Tat. Die Autoren analysieren detailliert die Kette kleinerer Delikte, die Gleichgültigkeit der Erwachsenen in ihrem Umfeld sowie die Blindheit und Hilflosigkeit ihrer Eltern. Das Zusammenwirken dieser verheerenden sozialen Faktoren führte die beiden Jugendlichen schließlich vor Gericht.
Nachtflug zur Trudovaya-Straße
Zwei junge Männer aus der litauischen Stadt Panevėžys, Vladimir Laks und Albinas Juronis, reißen von zu Hause aus. Sie träumen von einem schönen, aufregenden und unbeschwerten Leben voller Vergnügen. Ihre großen Pläne: Sie wollen nach Odessa oder Suchumi und dort einen Badeurlaub verbringen. In Moskau steigen sie am Taganskaja-Platz in ein Taxi. Am Steuer eines beigen Wolga sitzt Konstantin Popov, ein fröhlicher und gutmütiger 29-Jähriger. Die beiden Teenager haben nur noch wenige Kopeken in der Tasche, und der Taxameter zeigt bereits sechs Rubel an. Sie beschließen, den Fahrer auszurauben, um Geld für den Rest der Fahrt zu haben.
Popov setzt Fahrgäste in der menschenleeren Trudovaya-Straße ab. Die Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Konstantin steigt aus, um die Lage zu prüfen, während die Jugendlichen im Taxi bleiben. Wladimir Laks sitzt vorne und umklammert ein langes Universalmesser im Ärmel. Er zittert nervös und hat panische Angst, den starken, selbstsicheren Taxifahrer anzugreifen. Konstantin schöpft keinen Verdacht. Er ist nach 28 Fahrten in 24 Stunden völlig erschöpft und sehnt sich danach, zu seiner geliebten Frau Sina nach Hause zu kommen. Albinas Juronis bemerkt das Zögern seines Freundes und gerät in Wut. Plötzlich beugt er sich vom Rücksitz vor und sticht Popov mit der linken Hand in den Rücken.
Ein furchtbarer, stechender Schmerz durchfährt Konstantin. Mit einem wilden Schrei stürzt er aus dem Taxi und rennt desorientiert über den dunklen Bürgersteig. Eine Blutspur zieht sich hinter ihm her. Sechsundvierzig Schritte später bricht der junge Taxifahrer an einer Kreuzung zusammen. Er blickt zu den verblassenden Sternen und stirbt. Die jungen Mörder fliehen. Zuerst kehren sie zur Wohnung eines flüchtigen Bekannten zurück, eines trinkfesten Arbeiters namens Baulin. Sie schnappen sich ihre Koffer und waschen das Blut von ihrer Klinge unter dem Küchenhahn. In ihrer Eile vergessen sie ihren schmutzigen Rucksack mit der Kamera. Dann kehren die Verbrecher zu einem verlassenen Taxi zurück, steigen ein, stellen den Taxameter zurück und rasen aus der Hauptstadt davon.
Ermittlungen auf der Spur
Die leitende Ermittlerin Evgeniya Kurbatova von der Bezirksstaatsanwaltschaft trifft spät in der Nacht am Tatort ein. Gemeinsam mit Kriminalbeamten untersucht sie die Leiche, dokumentiert blutige Fußspuren auf dem Gehweg und befragt die wenigen Zeugen. Anwohner hatten einen markerschütternden Schrei gehört. Eine Frau beobachtete aus ihrem Fenster ein leeres Auto und zwei junge Männer, die damit schnell in Richtung Zastava Ilyicha davonfuhren.
Die Ermittler erreichen schnell Baulins schmutzige, unordentliche Wohnung. Der Besitzer hatte eine Affäre mit Verwandten, und seine letzten Mieter sind spurlos verschwunden. Bei der Durchsuchung finden die Beamten einen herrenlosen Rucksack. Forensiker entwickeln umgehend den restlichen Film in der Kamera. Die unscharfen Fotos zeigen deutlich die Gesichter von Wladimir und Albinas während einer kürzlich stattgefundenen Trinkrunde mit Baulins Nachbarn. Die Polizei veröffentlicht sofort einen Fahndungsaufruf. Die Fotos werden per Fototelegrafie an alle Polizeistationen im ganzen Land verschickt.
Verfolgungsjagd auf der Gorki-Autobahn
Währenddessen rast der gestohlene Wolga gen Osten. Die Jugendlichen fahren auf der leeren Autobahn Richtung Gorki. Sie sind entsetzt über ihre Tat, ihre Pläne zerbröckeln vor ihren Augen. Albinas drückt nervös aufs Gaspedal, und Wladimir erkennt mit Schrecken die Ausweglosigkeit ihrer Lage. Sie beschließen, den Wagen vor der Stadt stehen zu lassen, schwarz in einen Zug zu steigen und sich bei Freunden in Leningrad zu verstecken.
Früh am Morgen nahe Dserschinsk bleibt der Motor stehen – der Tank ist fast leer. Die Flüchtigen bitten einen vorbeifahrenden Lkw-Fahrer um Benzin. Er schüttet es in einen Eimer. In diesem Moment hält der Wagen von Inspektor Iwan Turin neben ihnen. Dem Beamten fällt ein verbeultes Taxi mit Moskauer Kennzeichen auf. Beim Anblick der Polizeiuniformen rennen die Jugendlichen über ein Feld davon. Rufe und zwei Warnschüsse hallen durch die Luft. Das Pfeifen der Kugeln lässt die Flüchtenden sofort innehalten. Sie bleiben stehen, heben die Hände und ergeben sich den Behörden. Sie werden in Handschellen gelegt und zurück in die Hauptstadt gebracht.
Verhöre und zerbrochene Schicksale
Die Verdächtigen werden in die Untersuchungshaftanstalt in der Petrovka-Straße 38 gebracht. Jewgenija Kurbatowa beginnt eine Reihe langer, emotional aufreibender Verhöre. Sie versucht, die wahren Motive der jungen Männer zu ergründen. Die Ermittlerin sieht verängstigte, bemitleidenswerte Kinder vor sich. Sie weinen, gestehen bereitwillig ihre Schuld und schildern die Ereignisse der tragischen Nacht Schritt für Schritt. Ermittlerin Kurbatowa fragt den Teenager direkt: „Tut dir Kostja Popow leid?“ Er zuckt nur gleichgültig mit den Achseln: „Na ja, schon. Vielleicht war er ja ein guter Kerl. Aber so ist es nun mal gekommen …“
Die Jugendlichen sind zutiefst betroffen von dem Geschehenen. Sie betrauern ihre verlorene Jugend und fürchten sich vor drohenden Gefängnisstrafen und der Todesstrafe. Doch sie empfinden kein Mitleid mit dem Opfer. Für sie ist der Ermordete lediglich ein abstraktes Hindernis, ein unglücklicher Zufall auf dem Weg zum Reichtum. Kurbatova ist erschüttert von dieser unheimlichen inneren Leere, der völligen Unfähigkeit der jugendlichen Mörder, den Wert eines anderen Lebens zu erkennen.
Die Ermittlerin reist nach Panevėžys, um Beweise zu sammeln. Sie führt ein langes Gespräch mit Laks’ Vater. Er ist ein langjähriger Soldat, Witwer, stets mit seinen Pflichten beschäftigt und hat den Kontakt zu seinem Sohn schon lange verloren. Anschließend besucht sie Juronis’ Mutter, eine schwerkranke, verarmte Putzfrau. Ihr Sohn verachtet sie offen und hört ihr nicht mehr zu. Dabei kommt eine ganze Reihe systemischer Fehler ans Licht. Die Jungen waren schon lange bei der Jugendpolizei registriert. Albinas hatte zuvor einen Lkw und Fahrräder gestohlen und war obdachlos gewesen.
Die Erwachsenen beschränkten sich auf förmliche Antworten und langweilige Gespräche. Niemand versuchte, die Jugendlichen für Technologie zu begeistern oder ihnen zu helfen, ihre jugendliche Energie sinnvoll zu nutzen. Ein älterer, ortsansässiger Wiederholungstäter, Ivan Morozov, erwies sich als der Einzige im ganzen Ort, der ihnen vertraute. Er war es, der ihre unreifen Gemüter mit der falschen Romantik des Gefängnisses vergiftete.
Geheimnisvolle Adresse in einem Notizbuch
Der Kriminalfall wird laufend mit neuen Informationen aktualisiert. In Moskau findet eine Massentrauerfeier für den Ermordeten statt. Konstantin Popows Sarg wird in den Hof eines Wohnhauses getragen. Dutzende Taxis versammeln sich auf der Zagorodnoje-Autobahn. Die Fahrer hupen im Gleichklang. Ein schriller, klagender Laut verabschiedet sich von ihrem Kameraden. Konstantins Frau, eine junge Witwe nach vierhundert Tagen einer glücklichen Ehe, bleibt mit ihrer unermesslichen Trauer allein zurück. Die Mutter des Taxifahrers steht wie erstarrt neben dem Sarg, in stiller, versteinerter Verzweiflung.
Kurbatowa untersucht Konstantins Notizbuch eingehend. Auf einer Seite findet sie die Adresse eines gewissen Worotnikow, der in Dserschinsk wohnt. Die Ermittlerin ist von dem Zufall verblüfft. Die Mörder wurden in der Nähe von Dserschinsk festgenommen. Kurbatowa vermutet daher einen direkten Zusammenhang zwischen dem unbekannten Worotnikow, den Jugendlichen und dem Taxifahrer. Die Staatsanwaltschaft findet Worotnikows Ex-Frau. Die Lösung erweist sich als ebenso unglaublich einfach wie unglaublich ergreifend.
Am Tag vor der Tragödie fuhr Popov eine ältere Dame mit ihrer kleinen Enkelin. Die Frau klagte dem gesprächigen Taxifahrer ihr Leid: Ihr Ex-Schwiegersohn lebte in Dserschinsk und war dem Alkohol verfallen, was die Familie völlig zerstörte. Der freundliche und tatkräftige Konstantin fragte nach der genauen Adresse des Alkoholikers. Er wollte ihm einen strengen, eindringlichen Brief schreiben, versuchen, ihm Vernunft einzureden und so verhindern, dass ein anderes Kind zur Waise wird. Dass die beiden Städte zusammen lagen, erwies sich als blinder, höhnischer Zufall. Diese Tatsache unterstreicht nur das Ausmaß des menschlichen Verlustes – die Welt hat einen selbstlosen, mitfühlenden Mann verloren.
Warten auf das Gerichtsurteil
Die Ermittlungen nähern sich ihrem logischen Ende. Eine ambulante psychiatrische Untersuchung bescheinigt Albinas Juronis volle geistige Gesundheit. Er heuchelt aufrichtige Reue, spricht auswendig gelernte Formeln und wendet den Blick ab. Erfahrene Ärzte erkennen solche primitiven Lügen sofort. Wladimir Laks in der Nachbarzelle verliert vor Angst und Verzweiflung allmählich den Verstand. Mit urtümlichem Entsetzen malt er sich aus, wie er seinem alternden Vater bei der Gerichtsverhandlung begegnen wird.
Die kindlichen Illusionen der Jugendlichen vom glamourösen Leben als Diebe zerbrechen. Sie sehen echte Gefangene, kalte, graue Wände, eiserne Türen und das dämmrige Licht im Gefängnis. Albinas Juronis unterzeichnet persönlich ein Geständnis. Er liest alte Zeitungen und versucht, die Gedanken an eine düstere Zukunft zu verdrängen. Die völlige Isolation von der Außenwelt bedrückt ihn. Nachts plagen ihn furchtbare Träume von unausweichlicher Vergeltung, in denen ihn Menschen aus der Antike mit Speeren durchbohren.
Früh am Januarmorgen knallt ein schweres Schloss laut im Flur. Der Gefängnisdirektor ruft den Befehl, sich für die Verhandlung bereitzumachen. Ein Jugendlicher trinkt hastig einen Becher kochendes Wasser und steckt sich eine Portion Schwarzbrot ein. Er verlässt die enge Zelle, um sein Urteil anzutreten.
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