„Schuldig ohne Schuld“ von Alexander Ostrovsky, Zusammenfassung
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Dieses 1883 entstandene Stück ist ein tiefgründiges Drama über Verlust, Verrat und Mutterliebe. Seine Kraft liegt in seinem Paradoxon: Die Hauptfigur trägt jahrelang die Schuld am Tod ihres Sohnes, obwohl sie Opfer einer grausamen Täuschung wurde. Alexander Ostrovsky enthüllt die Schattenseiten des Theaters und der High Society, wo aufrichtige Gefühle neben kalter Berechnung existieren.
Das Theaterstück wurde mehrfach verfilmt. Die bekannteste Adaption erschien 1945 unter der Regie von Wladimir Petrow und war ein überwältigender Erfolg an den sowjetischen Kinokassen. Später, im Jahr 2008, schuf Gleb Panfilow eine Fernsehfassung, die mit dem Goldenen Adler ausgezeichnet wurde.
Murovs Verrat
Die Geschichte beginnt in einer bescheidenen Wohnung in einer Provinzstadt. Die junge, adlige Ljubow Iwanowna Otradina näht einen Kragen. Ihr Dienstmädchen Annuschka arbeitet in der Nähe. Die beiden Frauen unterhalten sich angeregt über Otradinas ehemalige Freundin Taisa Iljinischna Schelavina. Diese hat unerwartet ein großes Vermögen geerbt und heiratet. Annuschka erzählt, dass Schelavina heimlich in einem Dorf 53 Kilometer entfernt (mit dem Zug) und anschließend weitere 21 Kilometer heiratet. Ljubow Iwanowna ermahnt ihr Dienstmädchen, nicht vorschnell über andere zu urteilen.
Bald darauf taucht Grigori Lwowitsch Murow auf. Er ist Otradinas heimlicher Geliebter und der Vater ihres kleinen Sohnes Grischa. Murow ist kühl und distanziert. Er behauptet, seine herrschsüchtige Mutter verlange eine Heirat mit einer reichen Braut. Murow beklagt seine erbärmliche Lage, da er völlig von ihrem Geld abhängig sei. Ljubow Iwanowna ist von seiner Schwäche schockiert. Sie erinnert ihn an ihren Sohn. Der Junge wurde der habgierigen Stadtbewohnerin Arina Archipowna Galtschicha zur Erziehung anvertraut. Murow weigert sich, Verantwortung zu übernehmen. Er ängstigt Ljubow Iwanowna lediglich mit der Vorstellung, er könne auf der Reise sterben.
Murow kündigt seine sofortige Abreise nach St. Petersburg an. Ljubow Iwanowna gibt ihm ihre gesamten Ersparnisse. Sie legt ihm ein Erinnerungsmedaillon um den Hals. Darin befindet sich ein blondes Medaillon mit einem Haar des kleinen Grischa. Otradina glaubt, das Amulett werde ihn auf seiner Reise beschützen. Unerwartet hält Schelawinas Kutsche vor dem Haus. Der verängstigte Murow versteckt sich im Nebenzimmer.
Taisa Iljinischna betritt die Wohnung mit einem Karton. Sie bringt ein Brautkleid mit, das sie zeigen will. Schelavina spricht offen über ihren Verlobten. Er entpuppt sich als armer Beamter, der ihre Angelegenheiten und ihr Vermögen verwalten soll. Taisa zieht ein Foto ihres zukünftigen Ehemanns aus der Tasche und reicht es Ljubow Iwanowna. Otradina betrachtet das Foto und wird beinahe ohnmächtig. Murow starrt sie aus dem Bild an. Schelavina geht. Grigori Lwowitsch taucht aus seinem Versteck auf. Otradina weist den Verräter energisch der Tür zu.
In diesem Moment stürmt Galtschicha ins Zimmer. Sie überbringt eine schreckliche Nachricht: Der kleine Grischa ist schwer an Diphtherie erkrankt. Der Bezirksarzt glaubt, der Junge werde keine Stunde mehr leben. Otradina greift nach einem Taschentuch und eilt zusammen mit Murow zu dem sterbenden Kind.
Rückkehr in meine Heimatstadt
Siebzehn lange Jahre vergehen. Ljubow Iwanowna kehrt unter ihrem neuen Namen Elena Iwanowna Krutschinina in ihre Heimatstadt zurück. Sie ist berühmt geworden und eine angesehene Provinzschauspielerin. Der ortsansässige Wohltäter und wohlhabende Adlige Nil Stratonytsch Dudukin besucht sie in ihrem Hotelzimmer. Er überschüttet Krutschinina mit Komplimenten und Geschenken. Die Schauspielerin wird von schmerzhaften Erinnerungen überwältigt. Genau vor 17 Jahren eilte sie nach Galtschicha und sah dort den blauen Leichnam ihres Sohnes. Otradina fiel in Ohnmacht und erkrankte schwer. Verwandte brachten sie in eine andere Stadt. Später erhielt sie einen Brief aus Murow über den Tod und die Beerdigung des Jungen. Elena Iwanowna weinte bitterlich. Ständig halluzinierte sie das tote Kind vor ihrem inneren Auge.
Unterdessen schmiedet die einheimische Schauspielerin Nina Pawlowna Korinkina Intrigen gegen Krutschinina. Korinkina verachtet ihre talentierte Rivalin. Sie beschwert sich bei Dudukin über den jungen Schauspieler Grigori Nesnamow. Am Vortag hatte Nesnamow in einer Cafeteria einen wohlhabenden Einheimischen namens Muchobojew verprügelt. Der Gouverneur wollte den Schauspieler ausweisen, doch Krutschinina setzte sich für den jungen Mann ein.
Neznamov und sein ständiger Begleiter, der Komiker Schmaga, kommen in Kruchininas Zimmer an. Neznamov ist unhöflich und trotzig. Er erzählt die Geschichte seines verpfuschten Lebens. Er wuchs ohne Eltern auf. Als Kind wurde er von gemeinen Leuten beschimpft: „He, du Bastard!“ Das hat ihn für immer traumatisiert. Er lebt ohne Pass und reist mit Wandertruppen. Kruchinina hört sich die Geschichte mit Tränen in den Augen an. Neznamov verlangt, in Ruhe gelassen zu werden und keine Sonderbehandlung zu erfahren. Elena Ivanovna begleicht die Schulden der Schauspieler am Buffet. Sie gibt Schmaga Geld für einen neuen Mantel. Kruchinina küsst Neznamov zärtlich auf den Kopf. Der junge Mann, verlegen, geht.
Eine Bettlerin schleicht sich in das Gasthaus. Kruchinina erkennt sie als Arina Arkhipowna Galtschicha. Die Schauspielerin befragt die alte Frau verzweifelt nach dem Grab ihres Sohnes. Geblendet vom angebotenen Geld gesteht Galtschicha ihr altes Verbrechen. Es stellt sich heraus, dass der kleine Grischa überlebt hat. Als der Junge von seiner Krankheit genesen war, verkaufte Galtschicha ihn an ein wohlhabendes, kinderloses Paar. Murow billigte diese unmenschliche Tat und gab der alten Frau Geld für ihr Schweigen. Kruchinina, entsetzt, erkennt das ganze Ausmaß des Verbrechens. Ihr Kind lebt, und sie hat so viele Jahre um ihn getrauert.
Korinkinas Neid
Korinkina ist wütend über Kruchininas enormen Erfolg beim Publikum. Sie plant eine grausame Rache. In der Theatergarderobe überredet sie den Schauspieler Pjotr Milowsorow zur Hilfe. Gemeinsam wollen sie Nesnamow betrunken machen und ihn gegen Kruchinina aufhetzen. Korinkina bittet Dudukin, einen Empfang für die Schauspieler zu organisieren. Sie will eine illustre Runde versammeln und einen Skandal auslösen.
Kruchinina sitzt nach der Probe in der Garderobe. Herr Murov tritt ein. Er erkennt seine ehemalige Geliebte. Murov versucht, ein Gespräch anzufangen, doch Kruchinina verlangt die Wahrheit über ihren Sohn. Murov gesteht seine Täuschung. Er behauptet, den Jungen einer Kaufmannsfamilie übergeben und ihm Otradinas Goldmedaillon um den Hals gelegt zu haben. Die Kaufleute seien längst nach Taganrog gezogen. Grigori Lwowitsch versucht, Elena Iwanownas Liebe zurückzugewinnen. Er verspricht ihr Reichtum und eine rechtmäßige Heirat. Kruchinina weist seine Worte angewidert zurück. Sie erklärt, es werde keinen Kontakt zwischen ihnen geben, bis sie ihren Sohn kennengelernt habe.
Schmaga und Nesnamow unterhalten sich mit Korinkina. Plötzlich ändert Korinkina ihren Tonfall und beginnt mit Grigori zu flirten. Sie küsst ihn zärtlich und bittet ihn, sie am Abend zu Dudukin zu begleiten. Nesnamow ist überrascht, willigt aber ein. Milowsorow bleibt allein mit Grigori zurück. Er setzt Korinkinas Plan in die Tat um. Milowsorow erzählt Nesnamow widerliche Gerüchte. Er behauptet, Kruchinina habe ihr Kind in jungen Jahren für einen Adligen verlassen und sei ins Ausland gegangen. Grigori ist schockiert über diese Lüge. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er die Wärme mütterlicher Zuneigung durch Kruchinina gespürt, und nun wird sie als herzlose Verrückte beschimpft. Der junge Mann beschließt, die Schauspielerin für ihre Heuchelei schwer zu bestrafen.
Treffen im Garten
Der Abend spielt sich in Nil Stratonich Dudukins wunderschönem Garten ab. Die Gäste trinken Tee und flanieren zwischen den Bäumen. Neznamov und Shmaga halten sich zurück. Shmaga beklagt den Mangel an Snacks und Wodka. Neznamov ist niedergeschlagen. Korinkina gießt Öl ins Feuer. Sie bittet die Schauspieler an den Tisch und bestellt Wein. Korinkina und Dudukin bitten die Schauspieler, vor Kruchinina nichts von den verlassenen Kindern zu erwähnen. Dieses seltsame Verbot überzeugt Neznamov schließlich von der Wahrheit der Gerüchte.
Murov wendet sich erneut an Elena Ivanovna. Er erzählt ihr neue, erfundene Geschichten. Der Kaufmann Prostokwashin, der den Jungen adoptiert hatte, sei angeblich nach Astrachan gereist. Dort seien Adoptivvater und Kind plötzlich erkrankt und gestorben. Murov rät der Schauspielerin, die Vergangenheit ruhen zu lassen und die Stadt zu verlassen. Der Klatsch vor Ort könne ihrer Karriere schaden. Murov plant, für ein wichtiges Amt zu kandidieren. Kruchinina verspricht, ihre Auftritte zu beenden und dann zu gehen, wann es ihr passt. Sie fürchtet die Drohungen des einflussreichen Beamten nicht.
Den Gästen wird Champagner serviert. Dudukin spricht einen herzlichen Toast auf Elena Ivanovnas Talent und ihre Seelenreinheit aus. Die Schauspielerin dankt dem Publikum und erhebt ihr Glas auf alle, die sich für die Theaterkunst engagieren. In diesem Moment ergreift Neznamov das Wort und zieht die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich.
Grigori erhebt lautstark sein Glas auf die Mütter, die ihre Kinder ihrem Schicksal überlassen. Die Menge verstummt. Kruchinina ist schockiert, bittet den jungen Mann aber, fortzufahren. Neznamov beschreibt mit wachsender Bitterkeit das Schicksal der Findelkinder. Er spricht von Müttern, die ihren Säuglingen ein goldenes Schmuckstück hinterlassen. Grigori schildert, wie das unglückliche Waisenkind, geschlagen und gedemütigt, über dieses mütterliche Geschenk weint. Um seine Aussage zu unterstreichen, schlägt er sich an die Brust.
Kruchinina eilt zu dem jungen Mann. Sie zieht ein altes Medaillon unter seinem Hemd hervor. Elena Ivanovna erkennt eine ihrer Haarsträhnen von Grisha wieder. Die Schauspielerin verliert das Bewusstsein und bricht auf dem Sofa zusammen. Dudukin beschuldigt Neznamov, seine eigene Mutter ermordet zu haben. Grigory ist schockiert. Ihm wird klar, dass er die ganze Zeit nach seiner leiblichen Mutter gesucht hat.
Kruchinina kommt wieder zu Sinnen. Sie erkennt den unverschämten Jüngling als ihren unglücklichen Sohn. Neznamov fällt vor ihr auf die Knie. Zum ersten Mal in seinem Leben spricht er sie direkt an: „Mama!“ Elena Ivanovna streichelt ihm über den Kopf. Leise fragt Neznamov nach seinem Vater. Kruchinina blickt Murov verächtlich an, der beschämt den Blick abwendet. Sie sagt ihrem Sohn, dass es sich nicht lohne, nach seinem Vater zu suchen. Elena Ivanovna beschließt, Grigori ihren Mädchennamen Otradinych zu geben und nimmt ihn mit.
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