Eine Zusammenfassung von „SNUFF“ von Victor Pelevin
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Dieses 2011 erschienene Buch ist eine satirische Dystopie über die Konfrontation zweier künstlich getrennter Welten: der technologisch hochentwickelten, schwimmenden Offshore-Welt Byzanz und der rückständigen, fest verankerten Ukraine. Das Leben in beiden Gesellschaften wird von Medientechnologien dominiert: Informationskonzerne konstruieren zynisch die Realität und entfesseln brutale bewaffnete Konflikte, um unterhaltsame und religiöse Videoinhalte zu produzieren.
Provozierter Krieg
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Demian-Landulf Damilola Karpov erzählt. Er steuert die getarnte Kampfkamera „Hennelor“ und dreht Videos für die unabhängige Firma CINEWS INC. Damilola kreiert Kultfilme – sogenannte Snafs – , die Szenen realer Orkmorde mit Pornografie abwechseln. Damilolas Partner, der Provokateur Bernard-Henri Montaigne Montesquieu, sucht nach einem geeigneten Vorwand, um einen neuen Konflikt zu entfachen. Dem Piloten gelingt es, die jungen Orks Grim und Chloe direkt vor den Konvoi des Schlägers Rvan Durex auf die Straße zu steuern.
Bernard-Henri inszeniert die Rettung eines unschuldigen Mädchens vor laufenden Kameras. Damilola eröffnet das Feuer mit den Kamerakanonen und tötet zahlreiche Orksoldaten. Die gerettete Chloe verlässt den Ort mit dem Philosophen, während Grim flieht. Zurück zu Hause spricht Grim mit dem Prokurator. Dieser zwingt den Teenager, ein Rauschmittel zu rauchen, und teilt ihm mit, dass er als Ordonnanz des Herrschers in die Armee eingezogen wird. Kurz darauf wird Grim in die Kaserne gebracht. Während einer rituellen Weissagung mithilfe des Buches „Tao Pesdyn“ erhält er eine seltene Prophezeiung über eine Begegnung mit dem Biest und dem Licht von Manitou.
Die alljährliche Schlacht findet in einem gigantischen kreisrunden Amphitheater statt, das im Volksmund als „Zirkus“ bekannt ist. Damilola filmt die Schlacht aus der Luft und verdient Millionen von Manitou für eine gelungene Aufnahme, auf der die Ork-Armee einem schwarzen Oktopus ähnelt. Grim saust auf einem Moped über das Schlachtfeld und beobachtet, wie die berühmten Ork-Krieger mechanischen Mammuts und stahlgepanzerten Rittern zum Opfer fallen. Die Menschen setzen fliegende Wände ein und zersplittern so die feindliche Armee in isolierte Gruppen.
Die besiegten orkischen Selbstmordattentäter zünden antike Gasbomben. Die giftige Wolke tötet mehrere berühmte byzantinische Helden. Daraufhin werfen die Menschen ein mächtiges Geschoss auf Rvan Durex’ Hauptquartier. Das luxuriöse Langschiff der Urkaganer explodiert. Grim erleidet eine Gehirnerschütterung und verliert für lange Zeit das Bewusstsein. Er bleibt inmitten von Leichenbergen auf dem Schlachtfeld liegen.
Leben auf Byzanz
Nach einer blutigen Schlacht erwacht Grim eines Nachts und kehrt zu Fuß in die Orkhauptstadt zurück. Dort findet er Chloe im geheimen Versteck des Philosophen. Die schreckliche Wahrheit kommt ans Licht: Der Philosoph ist ein Serienmörder, der auf brutale Weise Orkmädchen umbringt. Chloe entdeckt in einem versteckten Vorrat die Skalps vergangener Opfer, fesselt Bernard-Henri und nimmt ihn als Geisel. Die Jugendlichen beschließen, mit dem Auto des Philosophen in ein sicheres Versteck zu fliehen.
Orkpolizisten umstellen das Haus und bereiten den Sturm vor. Damilola erhält von der Priesterin Alena-Libertina den direkten Befehl, das Orkpaar zu retten und ihren Partner zu opfern. Der Pilot vernichtet die Verfolger mit schweren Raketen und bringt Grim und Chloe an Bord eines schwebenden Raumschiffs vor der Küste. Das Haus des Wahnsinnigen brennt bis auf die Grundmauern nieder. Die byzantinischen Behörden inszenieren eine große Fernsehshow. Grim und Chloe werden als Flüchtlinge vor einer skrupellosen Tyrannei präsentiert. Bernard-Henri wird insgeheim als gefallener Held gefeiert, seine blutigen Verbrechen werden vertuscht.
Die geretteten Jugendlichen werden in einer Offshore-Firma untergebracht. Chloe findet sich schnell in ihrer neuen Umgebung zurecht. Sie knüpft nützliche Kontakte in der Künstlerszene, besucht gesellschaftliche Veranstaltungen und wird Schauspielerin. Grim hingegen hat mit dem Bruch mit seiner gewohnten Realität zu kämpfen. Der junge Mann fühlt sich wie ein Außenseiter unter den hochmütigen Angehörigen der Oberschicht.
Die Illusion der Freiheit
Damilola lebt mit Kaya zusammen, einer extrem teuren künstlichen Sura. Der Pilot passt Kayas mentale Parameter manuell an. Indem er seine Spiritualität und Boshaftigkeit auf Maximum stellt, ist er ständig dem psychischen Druck der Maschine ausgesetzt. Kaya beginnt, übertriebenes Interesse an Grim zu zeigen, um ihren Meister eifersüchtig zu machen. Damilola leidet, willigt aber ein, die Sura dem Ork vorzustellen, im Austausch für einen beispiellosen körperlichen Rausch – einen Dopaminrausch.
Grim eignet sich nach und nach den Beruf des Content-Sommeliers an. Der junge Mann nutzt ein Computerprogramm, ein kreatives Bearbeitungswerkzeug, um seine bruchstückhaften Gedanken in zynische Dialoge für neue Snuff-Filme zu verwandeln. Bald begegnet er der Priesterin Alena-Libertina, die ihm die religiöse Lehre der Oberwelt offenbart.
Die Priesterin erklärt, dass die Zeit im Universum rückwärts fließt – von der Zerstörung zum Moment der Schöpfung. Schnupftabak gilt als Samen der zukünftigen Realität, und das in der Arena vergossene Blut ist notwendig, um die Gottheit Manitou zu nähren. Grim ist von dieser Philosophie schockiert, arbeitet aber weiterhin für die byzantinische Informationsmaschine. Bald bringen ihm seine düsteren Texte kein Einkommen mehr ein. Grim verfällt in tiefe Depression und beschließt, in die Ukraine zurückzukehren, um Geld zu verdienen, indem er Babys für kinderlose Byzantiner kauft.
Flucht und Finale
Kaya spielt weiterhin ein perfides Spiel. Das künstliche Mädchen stiehlt virtuelles Geld von Damilolas Konto und bestellt heimlich Material für einen Heißluftballon. Inspiriert von den Ideen der alten Sekte der „Filmverbrenner“, reist sie, als gewöhnliche Touristin getarnt, in die Ukraine. Schon bald gibt Grim sein komfortables Leben in der Offshore-Welt auf und macht sich auf die Suche nach ihr. Der Teenager findet das künstliche Mädchen in einem verlassenen Steinbruch. Gemeinsam fliegen sie gen Süden, in der Hoffnung, in den Wäldern unabhängiger Stämme Zuflucht zu finden.
Verzweifelt vor Trauer verfolgt Damilola die Flüchtlinge in einer Kampfkamera. Mitten in der Nacht holt er sie im Wald ein. Der Pilot schwebt über einer Lichtung und zielt auf die beiden, um Grim zu erschießen und Kaya kaltblütig zu töten. Das Fluggerät eröffnet das Feuer, doch statt tödlicher Raketen erstrahlt der Nachthimmel in einem Feuerwerk. Damilola hatte nach einem missglückten Auftrag vergessen, die Pyrotechnik durch scharfe Munition zu ersetzen. Der Akku ist leer, und das nutzlose Fluggerät stürzt in den dichten Wald. Grim und Kaya überleben.
Ohne seine Geliebte und seine wertvolle Ausrüstung steht Damilola vor einer neuen globalen Katastrophe. Der ehrgeizige Rvan Contex reißt die Macht in der Ukraine an sich. Auf Rache an den Bewohnern der Himmelsstadt sinnend, platziert der neue Herrscher eine Gasbombe unter dem Stützmagneten von Byzantium und zündet so den Schwerkraftanker der schwimmenden Stadt. Die Stadt verliert ihre Stabilität und ist dem unausweichlichen Untergang geweiht.
Die Bewohner von Byzantium flüchten hastig zu Boden und tragen ihre letzten Habseligkeiten. Damilola weigert sich standhaft, die sterbende Welt zu verlassen. Er bleibt in seiner leeren Wohnung zurück, um seine aufschlussreichen Memoiren zu vollenden. Der Pilot tröstet sich düster mit dem Gedanken, dass Grim für immer unter Kayas unerträglicher, boshafter Art leiden wird, deren Algorithmen niemand deaktivieren kann. In den letzten Augenblicken vor dem Untergang der Stadt wendet sich Damilola in Gedanken an seinen Schöpfer: „Manitou, ich hoffe, ich habe meine Aufgabe gut erfüllt.“
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