Holzarchitektur und ihr Einfluss auf das russische Handwerk
Дерево определяло архитектуру Руси столетиями, но один инструмент — топор — формировал и храмы высотой в десятки метров, и узоры на прялках. От рубки „в обло“ и „в лапу“ до хохломской позолоты без грамма золота: одни приёмы связывают избу, наличник и детскую игрушку в единую систему.
Jahrhundertelang war Holz in der Rus der wichtigste Baustoff. Die ausgedehnten Wälder, die das nördliche, zentrale und östliche Land bedeckten, prägten die gesamte Lebensweise der Bewohner – vom Bau von Wohnhäusern und Kirchen bis hin zur Herstellung von Haushaltsgegenständen und Dekorationsobjekten. Die Tischlerei, die aus der alltäglichen Notwendigkeit entstand, brachte schließlich unverwechselbare künstlerische Traditionen hervor, die von der Architektur über kleine Skulpturen und Malerei bis hin zu Schnitzereien an Alltagsgegenständen reichten.
Holz als Grundlage der materiellen Kultur
Der englische Seefahrer Richard Chancellor, der 1553 Moskau besuchte, und sein Nachfolger Richard Johnson, der 1556 folgte, stellten fest, dass Kirchen, Glockentürme und Häuser in russischen Städten ausnahmslos aus Holz gebaut waren. Diese Beobachtung war keine Übertreibung. Kiefer, Fichte, Lärche, Eiche und Linde lieferten das Material für eine Vielzahl von Bauwerken – von Festungsmauern und Brücken bis hin zu Scheunen und Badehäusern. Schon das Wort „Stroitel“ war im allgemeinen Sprachgebrauch lange Zeit mit der Holzbearbeitung verbunden.
Die geografischen Gegebenheiten bestimmten die Wahl der Holzarten. Im Norden dominierten Nadelhölzer – Kiefer und Fichte. Kiefernstämme zeichneten sich durch ihre geraden Stämme und das Harz aus, das sie vor Fäulnis schützte. Lärche wurde wegen ihrer Härte geschätzt und für die unteren Dachsparren von Blockhäusern verwendet, die den Boden berührten. Linde, weich und biegsam, wurde häufiger für geschnitzte Ornamente, Geschirr und Spielzeug eingesetzt. Eiche fand seltener Verwendung, vor allem für tragende Bauwerke, Brunnen und Kirchenbauteile.
Die Stämme wurden im Spätherbst geschlagen, wenn die letzten Jahresringe ausgehärtet waren. Das gefällte Holz trocknete bis zum Frühjahr an der Luft. Zu Beginn der Bausaison wurde das Material zur Baustelle transportiert, wo die Zimmerleute jeden Stamm bearbeiteten, markierten und anpassten. Dieser jährliche Zyklus aus Holzeinschlag und Bau wiederholte sich über Jahrhunderte und wurde Teil des wirtschaftlichen Rhythmus des Dorfes.
Die Zimmermannsaxt und ihre Fähigkeiten
Die Axt war das wichtigste, oft sogar das einzige Werkzeug des russischen Zimmermanns. Das Sprichwort „Die Axt ist der Kopf von allem“ traf den Nagel auf den Kopf: Mit einer Axt wurden Wände eingeschnitten, Bretter behauen, Nuten gehauen und Verzierungen angefertigt. Anders als eine Säge, die die Holzfasern zerreißt, zerkleinert die Axt sie beim Schlag und verschließt so die Poren des Holzes. Dadurch wurde die Oberfläche weniger anfällig für Feuchtigkeit.
Einer Legende zufolge wurde die 37 Meter hohe Verklärungskirche in Kischi mit einer einzigen Axt gefällt, die der Handwerker anschließend in den Onegasee warf. Die Legende ist natürlich poetisch, verdeutlicht aber treffend die Vielseitigkeit dieses Werkzeugs. Im Laufe der Zeit wurde die Axt durch Meißel, Hohlbeitel und Klöppel ergänzt, doch die grundlegenden Arbeitsschritte – Schneiden, Behauen und Anpassen – blieben bis ins 19. Jahrhundert der Axt vorbehalten.
Die Beherrschung des Umgangs mit der Axt war ein Handwerk, das von Vätern an Söhne weitergegeben wurde. Jeder Bauer wusste, wie man einfache Gebäude errichtet, doch für Kirchen und aufwendige Wohnhäuser heuerte man Zimmerleute an – professionelle Teams, die von Auftrag zu Auftrag zogen. Die Handwerker dieser Teams bewahrten und entwickelten Techniken zum Bauen, Verzieren und Verbinden von Baumstämmen.
Log-Verbindungstechniken
Die Methoden zum Eckenschneiden bei Blockhäusern bilden ein eigenes Gebiet der Zimmerei. Die gebräuchlichste Methode war die Eck- (oder Mulden-) Methode: In jeden Block wurde eine halbkreisförmige Mulde – eine Mulde – geschnitten, in die ein Querbalken eingesetzt wurde. Die über die Wand hinausragenden Enden der Blöcke schützten die Ecke vor Frost und Nässe.
Eine weitere Technik, die Schwalbenschwanzverbindung, ermöglichte eine gerade Ecke ohne überstehende Enden. Diese Methode sparte Material, erforderte aber präzises Passen. Die Verklärungskirche in Kischi veranschaulicht beide Methoden: Die äußeren Ecken des Hauptbaus sind mit Schwalbenschwanzverbindungen versehen, ebenso wie die inneren Ecken des Innenraums und der Apsis.
Es gab auch weniger gebräuchliche Techniken. Die „V-Oklop“-Technik (oder „Sibirische Schale“) zeichnete sich dadurch aus, dass die Schale von unten statt von oben geschnitten wurde, wodurch sich kein Wasser in der Rille sammeln konnte. Bei der „Iglu“-Technik wurden Stämme mit unterschiedlichen Durchmessern verwendet – der untere Teil konnte doppelt so groß sein wie der obere. Die „Pogon“-Technik kam zum Einsatz, wenn dicke Stämme knapp waren und dünneres Holz verarbeitet werden musste. Jede dieser Techniken wurde über Jahrhunderte verfeinert und erforderte präzises Urteilsvermögen.
Zum Anzeichnen der Nuten verwendeten die Zimmerleute ein spezielles Werkzeug, den Anreißer (zwei geschärfte Krallen an einem Griff). Die obere Kralle glitt über den oberen Stamm, während die untere Kralle eine Linie in den unteren Stamm ritzte. Dieser Vorgang wurde auf beiden Seiten wiederholt. Anschließend wurde das Holz mit Axt und Meißel bearbeitet. Die Stämme wurden mit Birkendübeln – Holznägeln, die in vorgebohrte Löcher getrieben wurden – miteinander verbunden.
Strukturelle Formen von Holzkirchen
Die hölzerne Kirchenarchitektur in der Rus’ basierte auf dem byzantinischen Kanon, passte ihn aber den Eigenschaften von Holzstämmen an. Da sich die Steinkuppel nicht in Holz nachbilden ließ, entwickelten die Handwerker eigene Lösungen. So entstanden drei Hauptdachformen: das Korbdach (ein einfaches Satteldach), das Walmdach (eine achteckige Pyramide) und das Mehrfachkuppeldach.
Klet-Kirchen waren die einfachsten – ein rechteckiges Gerüst („Klet“) mit einem Satteldach und einer kleinen Kuppel. Zeltdachkirchen beeindruckten durch ihre Höhe: Ein achteckiges Zelt konnte mehrere zehn Meter hoch aufragen. Mehrkuppelige Kirchen – wie die Verklärungskirche in Kischi mit ihren 22 Kuppeln – bildeten durch die gestaffelte Anordnung von „Tonnen“ (gebogenen Dächern) und unterschiedlich großen Kuppeln eine komplexe Silhouette.
Die Dächer der Kuppeln und Fässer bestanden aus Schindeln – kleinen, mit der Axt behauenen Espenholzbrettern. Im Laufe der Zeit nahmen die Espenholzschindeln einen silbrigen Schimmer an und glänzten golden in der Sonne. Dieser natürliche Effekt ersetzte teure Vergoldungen. Die Form der Schindeln – gezackt, spitz oder abgerundet – variierte je nach Region und Epoche.
Das Prinzip des „Achtecks auf Viereck“ (eine achteckige Struktur auf einem tetraedrischen Sockel) fand auch bei Glockentürmen weite Verbreitung. Ein hohes Viereck machte zwei Drittel der Gesamthöhe des Bauwerks aus, und über dem Achteck befand sich ein Glockenturm mit Säulen, die das Zelt trugen. Diese Konstruktion erwies sich als so erfolgreich, dass sie auch im Steinbau übernommen wurde.
Hausschnitzereien sind ein Ornament an der Schnittstelle von Architektur und Handwerk.
Die dekorative Gestaltung von Holzbauten ist eines der sichtbarsten Beispiele für die Verbindung zwischen Architektur und angewandter Kunst. Ornamente wurden an statisch wichtigen Elementen angebracht: Blockbohlen, Dachsparren (Bretter, die die Enden der Dachsparren abdecken), Pfetten (vertikale Bretter an den Verbindungsstellen der Pfetten), Ortgangbretter und Fensterrahmen.
Die Schnitzereien erfüllten mehrere Funktionen. Die Dachrinnen und Traufbretter schützten empfindliche Bereiche des Gebäudes vor Feuchtigkeit. Die Fensterrahmen schützten die Öffnungen vor Zugluft, Regen und Schnee. Gleichzeitig trugen die Muster eine schützende Bedeutung: Die Slawen glaubten, dass die geschnitzten Figuren das Haus vor bösen Mächten bewahrten. Sonnensymbole (Kreise, Rosetten) zierten die Dachrinnen und Giebel, Pflanzenmotive die Traufbretter und zoomorphe sowie anthropomorphe Motive die Fensterrahmen.
Der Okhlupen – ein massiver Baumstamm, der den Dachfirst krönte – war oft mit einem geschnitzten Pferde- oder Vogelkopf verziert. Unterhalb des dekorativen Endes des Okhlupens erstreckte sich ein geschnitztes Handtuch und markierte die Mittelachse der Fassade. Diese Elemente bildeten eine vertikale Komposition, die die Wahrnehmung des gesamten Hauses prägte.
Arten der Schnitzkunst und regionale Schulen
Die Schnitztechniken lassen sich in verschiedene Arten unterteilen. Blindschnitzerei (auch „Schiffsschnitzerei“ genannt) wurde auf dicken Brettern ausgeführt: Der Handwerker wählte den Hintergrund und erzeugte so ein Reliefmuster. Für die Arbeit wurden verschiedene Meißel und ein Klöppel verwendet. Das Muster wurde ohne Schablonen direkt auf das Brett übertragen, und talentierte Schnitzer variierten es sogar innerhalb eines einzigen Gebäudes.
Die durchbrochene Schnitzerei (auch Sägeschnitzerei genannt) entstand später mit der weitverbreiteten Verwendung von Sägen und Stichsägen im 19. Jahrhundert. Dabei wurden Löcher in dünne Bretter geschnitten, wodurch ein an Spitze erinnerndes, durchbrochenes Muster entstand. Diese Schnitzerei war weniger arbeitsintensiv als die verdeckte Schnitzerei und fand weite Verbreitung an den Fassaden von Stadt- und Landhäusern. Sie erzeugte ein eindrucksvolles Spiel von Licht und Schatten.
Dreiecksschnitzerei ist eine alte Technik, bei der durch dreieckige Vertiefungen, die mit einem Messer oder Meißel eingeschnitzt werden, ein Muster entsteht. Die geometrischen Formen der Ornamente – Rauten, Dreiecke, Rosetten – reichen bis in vorchristliche Zeiten zurück. Diese Technik wurde nicht nur zur Verzierung von Häusern, sondern auch von Toren, Spinnrädern und Geschirr verwendet.
Die regionalen Besonderheiten waren klar definiert. Im russischen Norden – in Pommern, Saonesch und an den Ufern der Nördlichen Dwina – dominierten schlichte geometrische Ornamente mit Sonnenrosetten. In der Wolgaregion, insbesondere im Gebiet Nischni Nowgorod, blühte üppiger Blindreliefschmuck mit Pflanzenmotiven, Löwen, Meerjungfrauen und Sirenen. Die Twerer Schule der Hausreliefkunst zeichnete sich durch ihre charakteristische Fensterrahmengestaltung aus, in der christliche Motive (Kelche und Weinreben) neben heidnischen Sonnensymbolen existierten.
Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Wolga-Holzschnitzerei Elemente des russischen Kaiserreichs – Rosetten, Akanthusblätter und Orgelornamente – auf und interpretierte sie in Holz neu. Die Verbindung klassischer Formen mit volkstümlicher Ornamentik brachte unverwechselbare Kunstwerke hervor, die sich sowohl dem akademischen Stil als auch archaischen Traditionen entzogen.
Fensterverkleidungen – vom Schutzschild zum dekorativen Kunstwerk
Der Fensterrahmen ist wohl das markanteste Merkmal eines russischen Holzhauses. Er besteht aus Seitenpfosten, einem oberen Paneel (oder einer Fensterbank) und der eigentlichen Fensterbank. Jedes Teil trug seine eigenen Symbole. Auf der Fensterbank befanden sich Sonnenrosetten oder Vogelfiguren. Die Seitenpfosten waren mit floralen Motiven – Trieben, Blättern und Blüten – verziert. Die Fensterbank zeigte oft Darstellungen von Erde und Wasser.
Im 18. und 19. Jahrhundert wich die Symbolik allmählich der Dekorativität. Handwerker übernahmen Motive der Steinarchitektur: Säulen, Giebel und Pilaster. Fensterrahmen im Empirestil mit geschnitzten Draperien und Quasten an Kordeln entstanden und reproduzierten so die Formen des urbanen Klassizismus in Holz. In der eklektischen Periode wurden Fensterrahmen mit barocken Voluten, gotischen Spitzbögen und Jugendstilmotiven verziert.
Das Motiv des „Topfes mit Pflanze“ – eine stilisierte antike Vase mit Zweigen – entwickelte sich zu einem der beliebtesten Motive in der Inneneinrichtung. Dieses Motiv hat seinen Ursprung in der klassischen Tradition, wurde in der Barockkunst neu interpretiert und in der Volksvorstellung als „Lebensbaum“ neu mythologisiert. Der Topf wurde meist im oberen Bereich des Türrahmens angebracht. Das Drachenmotiv erfreute sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert unter dem Einfluss des „norwegischen Stils“, der vom hölzernen Jugendstil adaptiert wurde, großer Beliebtheit.
Der Übergang architektonischer Techniken zu Alltagsgegenständen
Die Handwerker, die Häuser verzierten, besaßen dieselben Werkzeuge und Fertigkeiten wie jene, die Haushaltsgegenstände schnitzten. Spinnräder waren mit dreieckigen und gekerbten Schnitzereien verziert, die dieselben Rosetten, Rauten und Kreise wie die Dachtraufen der Hütten aufwiesen. Skopkari-Schöpfkellen in Form von Wasservögeln spiegelten die Silhouette der Okhlupni wider. Salzstreuer und Truhen ahmten architektonische Formen nach – schräge Deckel, Bogenöffnungen und Säulen.
Dieser Transfer war nicht mechanisch. Die Ornamente der Fassade passten sich Größe und Form des kleinen Objekts an. Das geometrische Muster, das einen meterlangen Dachvorsprung zierte, wurde auf den Boden eines 30–40 Zentimeter großen Spinnrads komprimiert. Das Relief wurde flacher, der Rhythmus dichter, doch die Kompositionslogik blieb erhalten.
Geschnitzte Lebkuchenbretter sind ein weiteres Beispiel für die Verbreitung architektonischer Ornamente. Dieselben Rosetten, Pflanzentriebe und Vogelfiguren wie auf den Hausfassaden und Türrahmen wurden in Eichen- oder Birkenformen für bedruckten Lebkuchen geschnitzt. Die Lebkuchenbretter von Gorodet aus dem 18. und 19. Jahrhundert konnten sich in ihrer kunstvollen Schnitzerei mit den schönsten Beispielen der Inneneinrichtung messen.
Gorodets Malerei: von der Schnitzerei zur Malerei
Das im 12. Jahrhundert gegründete Dorf Gorodez an der Wolga war ein Zentrum der Zimmerei und des Schiffbaus. Hier lebten Handwerker, die sich auf Schnitzerei und Tischlerei spezialisiert hatten. Die ersten Spielzeuge aus Gorodez wurden „Toporschtschina“ (axtförmige Spielzeuge) genannt, da sie mit Werkzeugen von Zimmerleuten gefertigt wurden.
Im 18. Jahrhundert begann Gorodets, die Unterseiten von Spinnrädern mit Intarsien zu verzieren – er setzte Stücke aus Mooreiche in das helle Holz ein. Mit der Zeit wurde die Intarsienarbeit durch Untermalung ergänzt, und schließlich wurde sie vollständig durch Malerei ersetzt. So wandelte sich die architektonische Schnitzkunst zur Holzmalerei. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Gorodets Malerei ein einheitliches Thema: Szenen mit Reiten, Festen, Volksfesten und Blumenarrangements.
Der Bezug zur Architektur zeigt sich auch in der Komposition der Gorodez-Tafeln: Architektonische Elemente – Bögen, Säulen, geschnitzte Fensterläden – dienten oft als Rahmen für narrative Szenen. Die Künstler schufen das Erscheinungsbild eleganter Holzhäuser mit reich verzierten Fassaden, die ihnen aus eigener Bauerfahrung vertraut waren.
Khokhloma-Malerei und ihre Technologie
Das Chochloma-Handwerk entstand im 17. Jahrhundert in den Dörfern am linken Wolgaufer – Bolschije und Malje Bezdelja, Mokuschino, Schabaschi und Chrjaschtschi. Die Technik des Vergoldens ohne Gold hat ihre Wurzeln in der Ikonenmalerei: Altgläubige, die in die Wälder jenseits der Wolga flohen, brachten Techniken zur Behandlung von Holzgefäßen mit Zinn und Trockenöl mit.
Die Khokhloma-Herstellung erfolgt in mehreren Schritten. Ein Rohling aus Linden- oder Birkenholz wird auf einer Drehbank bearbeitet. Der unbemalte Rohling, auch „Leinen“ genannt, wird getrocknet und anschließend mit einer Ton-Kreide-Lösung namens Vapa grundiert. Nach mehreren Grundierungs- und Trocknungszyklen wird die Oberfläche mit Trockenöl bestrichen und anschließend mit Zinnpulver (heutzutage Aluminiumpulver) und einem Schafslederstäbchen eingerieben. Nach dem Verzinnen erhält das Objekt einen silbrigen, spiegelähnlichen Glanz und ist bereit zum Bemalen.
Die Malerei erfolgt von Hand mit Eichhörnchenhaarpinseln. Die Künstler halten den Pinsel mit einer speziellen Technik, die die ganze Hand und nicht nur die Finger einbezieht und so lange, flexible Pinselstriche auf sphärischen und zylindrischen Oberflächen ermöglicht. Jedes Stück wird individuell bemalt, ohne dass sich das Motiv wiederholt. Es gibt zwei Maltechniken: „Überkopfmalerei“ (das Motiv wird auf einen metallischen Hintergrund gemalt) und „Hintergrundmalerei“ (der Hintergrund ist schwarz oder rot, während das Ornament golden bleibt).
Nach dem Bemalen wird das Stück vier- bis fünfmal mit Leinölfirnis überzogen, wobei die einzelnen Schichten dazwischen trocknen. Im letzten Schritt erfolgt die Brennofenhärtung bei 150–160 °C für drei bis vier Stunden. Unter der Hitze nimmt der Firnis einen honigfarbenen Ton an, der in Verbindung mit der Zinnrückseite einen charakteristischen goldenen Schimmer erzeugt. Khokhlomas Verbindung zur Architektur zeigt sich deutlich in der Ornamentik. Florale Muster – „Gras“, „Kräuselung“ und „blattähnlich“ – erinnern an die gleichen Motive, die einst die Frontbretter und Architrave der Häuser in der Wolgaregion zierten. Der rhythmische Wechsel von Trieben und Blättern, charakteristisch für Blindstiche, nahm in Khokhlomas Malerei eine andere Form an – fließend, geschwungen und der Form des Gefäßes untergeordnet.
Bogorodsker Schnitzerei: vom architektonischen Detail zum skulpturalen Spielzeug
Das Dorf Bogorodskoje bei Sergijew Possad war im 15. und 16. Jahrhundert ein Zentrum der dreidimensionalen Holzschnitzerei. Die Leibeigenen des Dreifaltigkeitsklosters St. Sergius schnitzten im Herbst und Winter, wenn die Feldarbeit ruhte, Spielzeug und kleine Skulpturen. Als Materialien dienten Linden-, Erlen- und Espenholz.
Lange Zeit lieferten die Schnitzer aus Bogorodsk unbemalte Rohlinge – die sogenannten „Grauwaren“ – nach Sergijew Possad, wo die Stücke bemalt wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts erlangte das Handwerk schließlich seine Unabhängigkeit. Die Jahre von 1840 bis 1870 gelten als die Blütezeit der Bogorodsker Schnitzkunst. Die Meister Andrei Zinin und später der Berufskünstler Pjotr Ustratow prägten die Entwicklung des unverwechselbaren Bogorodsker Stils maßgeblich.
1913 wurde im Dorf eine Kooperative gegründet, die es den Schnitzern ermöglichte, sich von der Abhängigkeit von den Abnehmern aus Sergijewsk zu befreien. Die Initiatoren der Kooperative waren die Handwerker A. Ja. Tschuschkin und F. S. Balajew.
Die Bildhauerkunst Bogorodsks ist eng mit der architektonischen Bildhauerkunst verwandt. Techniken der Bearbeitung von Weichholz mit Messer und Meißel finden sich häufig in der Inneneinrichtung und bei kleinen Skulpturen wieder. Bewegliche Figuren – „Schmiede“ und „Hühner“ – nutzen das Prinzip verschiebbarer Lamellen, ähnlich den Scharnierkonstruktionen der Tischlerei. Die Textur des „Fells“ eines Bären oder der „Federn“ eines Vogels wird in den Bogorodsker Schnitzereien durch dieselben Techniken erzeugt, die auch zur Gestaltung der Pflanzentriebe auf Fassadenbrettern verwendet werden.
Schnitzereien und Gebrauchsgegenstände aus dem Norden
Der russische Norden – die Gouvernements Archangelsk, Wologda und Olonez – bewahrte archaische Bauformen länger als andere Regionen. Hier bauten die Bauern weiterhin mit Holz, während man in Zentralrussland bereits auf Stein und Ziegel umgestiegen war. Handwerker aus der Region Pomor, vom Ufer der Nördlichen Dwina und vom Onegasee schufen eine große Anzahl geschnitzter und bemalter Gebrauchsgegenstände.
Die Spinnräder des Nordens – sowohl einfache als auch zusammengesetzte – waren mit geometrischen Schnitzereien verziert. Sonnenrosetten in Kreisen, Rauten und Mäandern spiegelten die Gestaltung der Dachtraufen nordischer Hütten wider. Die Unterseiten der Spinnräder aus Mesen waren mit roter und schwarzer Farbe auf unbemaltem Holz bemalt – die Mesener Malerei, eine der archaischsten Malformen im russischen Norden, reproduzierte dieselben Sonnen- und Tiersymbole, die sich auch auf geschnitzten Hausdetails fanden.
Bratinas (Trinkgefäße), Endovas (Trinkschalen), Schöpfkellen und Teller wurden aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt oder gemeißelt. Die Form der Bratina – eine abgestumpfte Kugel auf einem Sockel – erinnerte an das apfelförmige Dekor, das die Kuppel einer Holzkirche krönte. Die Deckel der Truhen hatten oft die Form eines Giebeldachs oder eines Fasses – ein direkter Bezug zur Kirchenarchitektur.
Knochenschnitzereien aus der oberen Wolga und ihre Verbindung zur Holzdekoration
Die Knochenschnitzerei von Kholmogory, die im 17. Jahrhundert am Ufer der Nördlichen Dwina entstand, weist eine interessante Verbindung zur Holzschnitzerei auf. Knochenschnitzer verwendeten dieselben Motive – Flechtwerk, Rosetten und Pflanzentriebe – wie auch die Holzschnitzer. Ihre Werkzeuge (Messer, Stichel und Bohrer) waren teilweise identisch. Viele Meister der Knochenschnitzerei hatten in ihrer Jugend das Tischlerhandwerk erlernt und übertrugen ihre Fertigkeiten später auf kostbarere und miniaturisierte Materialien wie Walross- und Mammutelfenbein.
Eine ähnliche Logik wirkte auch in umgekehrter Richtung. Geschnitzte Knochenkästchen mit durchbrochenen floralen Mustern inspirierten Kunsttischler, dieselben Motive in Holz nachzubilden. Die gegenseitige Beeinflussung der beiden Materialien bereicherte das ornamentale Repertoire beider Handwerke.
Tischlerwerkstätten und Wissenstransfer
Die Zimmerei in Rus war im Artelsystem organisiert. Ein Artel umfasste einige bis mehrere Dutzend Handwerker unter der Leitung eines Vorarbeiters. Jedes Mitglied des Artels hatte ein Spezialgebiet: Manche schnitten Wände, andere behauen Dachbretter, und wieder andere widmeten sich der dekorativen Schnitzerei. Die Meister des Schiffsschnitzens – oft die Vorarbeiter selbst – verwendeten verschiedene Meißel und einen Klöppel.
Die Ausbildung erfolgte durch praktische Übung: Ein Lehrling beobachtete einen Meister mehrere Jahre lang bei der Arbeit, verrichtete kleinere Aufgaben und übernahm nach und nach selbstständige Tätigkeiten. Schriftliche Anleitungen gab es nicht. Alle Gestaltungs- und Dekorationstechniken wurden auswendig gelernt und mündlich weitergegeben. Diese mündliche Überlieferung erklärt auch regionale Unterschiede: Jede Werkstatt entwickelte ihren eigenen Stil, der in der örtlichen Schule weiter vertieft wurde.
Die Arbeitsorganisation in den Artels beeinflusste auch das Handwerk. Die Färber von Chochloma, die Maler von Gorodez und die Schnitzer von Bogorodsk arbeiteten nach einem ähnlichen Prinzip: gemeinsame Werkstatt, Arbeitsteilung und Ausbildung durch Mentoren. Das Schreiner-Artel wurde zum Vorbild für die Handwerksvereinigungen des 19. Jahrhunderts und später für die sowjetischen Artels der industriellen Zusammenarbeit.
Die rituelle Seite des Bauens
Die Holzarchitektur war eng mit der Ritualkultur verbunden. Die Wahl des Bauplatzes, das Legen des ersten Dachstuhls, das Einsetzen des zentralen Deckenbalkens und der Einzug wurden von Ritualen begleitet. Nicht jeder Baum eignete sich zum Bauen: Bäume an Wegkreuzungen und verlassenen Straßen waren verboten. Tote Bäume galten als „tot“ und brachten Unglück.
Zimmerleute galten als mit übernatürlichen Kräften verbunden. Wer Häuser baute, wurde mit „unheiligem“ Wissen in Verbindung gebracht, wer Tempel errichtete, mit „göttlichem“ Wissen. Diese Dualität spiegelte eine ambivalente Haltung gegenüber dem Handwerk wider: Die Fähigkeit, Holz in ein Wohnhaus oder einen Tempel zu verwandeln, wurde als übernatürliche Gabe angesehen.
Die schützende Symbolik der Hausverzierungen entstammt denselben Ritualen. Der Sonnenkreis am Dachvorsprung schützte das Haus von oben, die Erdmotive auf der Fensterbank von unten und die Pflanzenmotive an den Seitenpfosten von außen. So bildete die Dekoration ein geschlossenes Schutzsystem für den Wohnraum, in dem jedes Element einen genau definierten Platz einnahm.
Der Einfluss der Steinarchitektur auf die Holzdekoration
Die Wechselwirkung zwischen Holz und Stein in der russischen Architektur war wechselseitig. Anfänglich übernahmen Steinkirchen Elemente von Holzkirchen – Zeltdächer, Tonnendächer und gestaffelte Dachkonstruktionen. Später, im 17. und 18. Jahrhundert, verstärkte sich der umgekehrte Prozess: Holzbauten begannen, dekorative Steinelemente nachzuahmen.
Die Gestaltungselemente – Pilaster, Gesimse, Schlusssteine – wurden in Holzschnitzereien umgesetzt. In der Wolgaregion Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Fassaden von Holzhäusern mit geschnitzten Rosetten, Akanthusfriesen und Voluten verziert, die dem Klassizismus und dem Empirestil entlehnt waren. Professionelle Steinarchitekten veröffentlichten Entwurfsalben, die von den Volkshandwerkern frei interpretiert wurden.
Dieser Motivaustausch bereicherte auch die angewandte Kunst. Draperien im Empirestil, die zunächst Fensterrahmen schmückten, fanden später Eingang in geschnitzte Schatullen und Spiegelrahmen. Säulen und Bögen der Fassaden wurden zu typischen Elementen von Anrichten und Schränken – Möbelstücken der Bauern. Steindekor, das an der Fassade in Holz neu interpretiert worden war, wurde für den Alltag umfunktioniert.
Holzskulpturen und permische Götter
Ein eigenständiger Zweig der russischen Holzbildhauerei ist die Kirchenbildhauerei. Im russischen Norden und in der Region Perm entstanden vom 17. bis zum 19. Jahrhundert hölzerne Skulpturen von Christus, Engeln und Heiligen. Die Permer Holzbildhauerei wurde aus Kiefer und Linde geschnitzt, mit Gesso (Grundierung) grundiert und mit Tempera bemalt. Hinsichtlich der Holzbearbeitungstechniken und der Grundierung ähnelt sie der Chochloma-Kunst – beide verwendeten Lehm als Grundierung, trocknendes Öl und Temperafarben.
Stilistisch verband die Permer Bildhauerkunst kanonische Ikonografie mit Volkskunst. Gesichter und Figuren spiegelten die Merkmale der lokalen Bevölkerung wider – der Komi-Permjaken und der russischen Siedler. Die Schnitzer der Kirchenfiguren waren oft dieselben Handwerker, die auch die Hütten verzierten und Haushaltsgegenstände herstellten. Der Übergang von Architraven zu Ikonostaserahmen, von Frontaltafeln zu geschnitzten Kruzifixen, wurde nicht durch die Spezialisierung des Handwerkers, sondern durch die Art des Auftrags bestimmt.
Kunsthandwerk und architektonisches Erbe des 19. Jahrhunderts
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Holzverarbeitung in den Gouvernements Nischni Nowgorod, Wladimir, Kostroma, Wologda und Archangelsk eine bedeutende Blütezeit erlebt. Laut Statistik der Semstwo-Organisationen waren Zehntausende Bauern mit Schnitzerei, Drechseln, Malen und Küferei beschäftigt. Die Rajons Semjonowski und Makarjewski im Gouvernement Nischni Nowgorod entwickelten sich zu den größten Zentren der Holzverarbeitung.
Das Geschirr aus Chochloma wurde über die Messe in Nischni Nowgorod im ganzen Land vertrieben und nach Asien und Westeuropa exportiert. Bemalte Gegenstände aus Gorodez, Spielzeug aus Bogorodsk, Matrjoschka-Puppen aus Wjatka und Vögel aus Holzspänen aus Archangelsk – all diese Handwerkskünste basierten auf den Fertigkeiten, die Generationen von Schreinern und Heimschnitzern entwickelt hatten.
Die Arbeitsteilung innerhalb des Handwerks spiegelte die Struktur eines Tischlerteams wider. Bei der Khokhloma-Produktion schärften einige Handwerker die Rohlinge, andere grundierten und verzinnten sie, wieder andere bemalten sie und manche lackierten und brannten sie. Jeder Arbeitsschritt erforderte spezifische Fertigkeiten, und die Beherrschung des Handwerks dauerte Jahre.
Werkzeuge und Holzarten in der angewandten Kunst
Die Holzauswahl für Haushaltsgegenstände folgte denselben Prinzipien wie beim Bauen, jedoch angepasst an Größe und Verwendungszweck. Lindenholz – das Hauptmaterial für Chochloma-Keramik und Bogorodsker Spielzeug – wurde wegen seiner gleichmäßigen Maserung und leichten Bearbeitbarkeit geschätzt. Birke diente als Material für Spinnräder, Spindeln und Schachteln. Espe wurde für Geschirr und Pflugscharen verwendet. Eiche fand Verwendung für Lebkuchenbretter, Mörser und Möbelteile.
Die Werkzeugausstattung eines Kunsthandwerkers ähnelte der eines Schreiners: Messer, Meißel, Beil und Ziehmesser. Die Drehbank, die in der Rus seit dem 14. und 15. Jahrhundert bekannt war, ermöglichte die Herstellung revolutionärer Objekte – Schalen, Teller, Salzstreuer und Matrjoschka-Puppen. In geübten Händen ermöglichte die Drehbank dünnwandige Werkstücke: Die Wandstärke der Chochloma-Schalen betrug bis zu 3–4 Millimeter.
Die Schnitzkunst von Tavlinsky ist ein Beispiel für eine lebendige Tradition.
Das Dorf Podlesnaja Tavla in Mordwinien ist ein modernes Zentrum der Holzschnitzkunst, das aus lokalen ethnischen Traditionen hervorgegangen ist. Die Schule von Tavla entstand in den 1970er Jahren, als der Künstler N. I. Mastin an der Dorfschule einen Holzbildhauerclub gründete. Die Schüler schnitzten Menschen- und Tierfiguren aus Linden- und Erlenholz und griffen dabei auf die ornamentalen Motive der mordwinischen Volkskunst zurück.
Die Schnitzereien von Tavlinsky zeigen, wie die architektonische Tradition der Holzbearbeitung auch im 20. und 21. Jahrhundert neue Formen angewandter Kunst hervorbringen kann. In den Händen der Tavlinsky-Handwerker verwandeln sich die aus dem Bauwesen stammenden Fertigkeiten mit Messer und Meißel in ausdrucksstarke, kleinformatige Skulpturen.
Museen für Holzarchitektur und die Bewahrung von Traditionen
Freilichtmuseen, in denen authentische Holzkonstruktionen untergebracht sind, haben sich zu wichtigen Bewahrern architektonischen und handwerklichen Wissens entwickelt. Das Museumsreservat Kischi in Karelien, Witoslawlizy bei Weliki Nowgorod, Malje Korely bei Archangelsk und Talzy am Baikalsee beherbergen Dutzende von Denkmälern – Kirchen, Kapellen, Wohnhäuser und Nebengebäude.
Witoslavlizy bewahrt Gebäude aus dem 14. bis 19. Jahrhundert, die aus verschiedenen Teilen der Region Nowgorod hierher transportiert wurden. Das Kischi-Ensemble gehört seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auf dem Gelände dieser Museen befinden sich Restaurierungswerkstätten, die verlorene Bau- und Dekorationselemente mithilfe historischer Techniken rekonstruieren.
Die Sammlung architektonischer Schnitzereien des Schtschusew-Museums für Architektur in Moskau entstand Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre. In den 1960er Jahren wurde die Sammlung um Beispiele der Wolga-Blindschnitzerei des 18. und 19. Jahrhunderts erweitert – darunter Frontplatten, Bordüren und Architrave. Diese Exponate verdeutlichen den Zusammenhang zwischen architektonischer Dekoration und Schnitzereien an Alltagsgegenständen.
Der Bau der Hütte und der Raum für das Handwerk
Die Bauernhütte diente nicht nur als Wohnstätte, sondern auch als Werkstatt. Im Winter wurde dort gesponnen, gewebt, Holz geschnitzt und Keramik bemalt. Der Innenraum war um den Ofen herum angeordnet, der bis zu einem Viertel des Raumes einnahm. In der roten Ecke (der vorderen Ecke) standen Ikonen und der Festtisch. Die Frauenecke befand sich in der Nähe des Ofens, wo Küchenutensilien aufbewahrt wurden. Die Männerecke lag neben der Tür und beherbergte eine Werkbank oder aufgehängte Werkzeuge.
Die Einrichtung der Hütte folgte denselben Prinzipien wie das Gebäude selbst. Bänke wurden mit Kerben an den Wänden befestigt – dieselbe Methode, die auch für die Deckenbalken verwendet wurde. Regale (Polavochniki) – schmale Regale unter der Decke – wurden von Konsolen mit geschnitzten Verzierungen getragen, die die Motive des äußeren Dachgesimses aufgriffen. Sogar die Türrahmen im Inneren des Hauses waren mit Schnitzereien verziert, die die Ornamente der äußeren Türrahmen widerspiegelten.
Das Haus wurde somit zu einem einheitlichen künstlerischen Umfeld, in dem Architektur und Einrichtung eine harmonische Einheit bildeten. Ein Handwerker, der eine Blockhütte errichtete, konnte unmittelbar danach Bänke, Tischplatten und einen Esstisch schnitzen und so seine ornamentalen Entwürfe von der Fassade ins Innere und von dort auf einzelne Gegenstände übertragen.
Demontagefähigkeit von Holzbauten
Ein Kennzeichen russischer Holzkonstruktionen war die Möglichkeit, Blockbauweisen zu demontieren und zu transportieren. Jeder Stamm war mit Kerben markiert, die seine Position innerhalb der Konstruktion kennzeichneten. Am neuen Standort wurde die Konstruktion unter Überprüfung der Markierungen wieder aufgebaut. Demontierbare Konstruktionen wurden für Festungsmauern, Brücken und sogar Kirchen verwendet.
Dasselbe Prinzip – die einfache Montage und Demontage – fand auch bei der Konstruktion großer Haushaltsgegenstände Anwendung. Webstühle, Spinnräder und klappbare Tische und Bänke wurden ohne Klebstoff oder Nägel, mithilfe von Zapfen und Zapfenlöchern, zusammengebaut. Ein Handwerker konnte ein Spinnrad für den Transport zerlegen und an einem neuen Standort wieder aufbauen – genau wie Zimmerleute eine Blockhütte.
Holz und andere Materialien sind gegenseitige Entlehnungen.
Holzformen beeinflussten Keramik, Metallverarbeitung und Textilien. Töpfer im russischen Norden verzierten Töpfe und Krüge mit Stempelmotiven, die geometrische Holzschnitzereien nachempfanden. Schmiede fertigten Türangeln und Schlossbeschläge mit denselben Ranken und Rosetten, die auch in Türrahmen geschnitzt waren. Stickerinnen übertrugen rauten- und kreuzförmige Muster, die von der Spinnradschnitzerei bekannt waren, auf Handtücher und Gardinen.
Die umgekehrte Entwicklung ist ebenfalls erkennbar. Der Druck – das Aufbringen von Mustern auf Stoff mithilfe von Holzblöcken – verband Textilkunst und Schnitzkunst. Die Druckblöcke wurden mit einem erhabenen Muster versehen, das anschließend auf die Leinwand übertragen wurde. Die gedruckten Muster griffen dieselben „Gras“-Motive auf, die später in der Khokhloma-Malerei weiterentwickelt wurden.
Typologie hölzerner Haushaltsprodukte
Die Vielfalt an Holzgegenständen, die in russischen Dörfern üblich sind, ist groß. Essgeschirr: Löffel, Schöpfkellen, Trinkbecher, Schüsseln, Teller, Salzstreuer und Schälchen. Haushaltsgegenstände: Tröge, Wannen, Fässer, Waschwalzen und geriffelte Bügelbretter. Werkzeuge: Spinnräder, Spindeln, Spulen und Garnrollen. Möbel: Bänke, Tische, Truhen, Regale und Wiegen. Spielzeug: Rollschuhe, Vögel und Puppen.
Jede dieser Kategorien enthielt Elemente architektonischen Denkens. Die Truhe war nach dem Prinzip eines Blockhauses konstruiert – vier Wände, die durch Zapfen verbunden waren, mit einem dachartigen Deckel. Ein thron- oder vogelförmiger Salzstreuer griff die skulpturalen Motive des Okhlupni auf. Eine Kinderwiege, die an einem Deckenbalken hing, war statisch von der tragenden Konstruktion des Hauses selbst abhängig.
Russische Holzarchitektur im Kontext der Weltarchitektur
Viele Völker – in Skandinavien, Japan, Südostasien und den Karpaten – pflegten eine lange Tradition im Holzbau. Die russische Tradition zeichnete sich durch ihren Umfang aus: Ganze Städte, einschließlich Stadtmauern, Marktplätze und Kathedralen, wurden aus Holz errichtet. Ein weiteres charakteristisches Merkmal war die Vorherrschaft des Blockbaus (horizontale Verlegung von Stämmen), während in Westeuropa das Fachwerk (Rahmenbauweise mit Ausfachung) dominierte.
Skandinavische Stabkirchen (Fachwerkkirchen) und russische Zeltkirchen entwickelten sich parallel, unterschieden sich jedoch in ihrer Konstruktion. Das Drachenmotiv in russischen Hausschnitzereien des späten 19. Jahrhunderts wurde über den Jugendstil aus der norwegischen Tradition übernommen. Dieses Beispiel zeigt, dass die russische Holzarchitektur kein isoliertes Phänomen war – sie tauschte Motive mit benachbarten Kulturen aus und bewahrte dabei ihre eigenen Struktur- und Ornamentsysteme.
Brände und Wiederherstellungsraten
Holz brennt leicht, und Brände stellten eine ständige Bedrohung dar. Chroniken berichten von wiederholten Bränden in Moskau, Nowgorod, Pskow und anderen Städten. Doch gerade diese Brennbarkeit erwies sich als Vorteil: Eine Holzstadt konnte innerhalb weniger Monate wiederaufgebaut werden. Die hohe Baugeschwindigkeit von Holzbauten in der Rus zeugt von der fortgeschrittenen Organisation des Zimmererhandwerks.
Es ist bekannt, dass Moskau einen Markt für vorgefertigte Blockhäuser hatte: Ein Käufer wählte ein Gebäude in der gewünschten Größe, und Zimmerleute montierten es innerhalb weniger Tage am vorgesehenen Ort. Diese einzigartige „Fließbandfertigung“ wurde durch die Standardisierung der Bautechniken ermöglicht. Dieselbe Standardisierung erleichterte die Massenproduktion von Haushaltswaren aus Holz: Ein Drechsler, der die Form einer Schale oder eines Löffels beherrschte, konnte diese dutzend- oder hundertfach herstellen.
Holzarchitektur und die Herausbildung ästhetischer Vorlieben
Jahrhundertelanges Leben in einer holzbewachsenen Umgebung prägte ein einzigartiges Form- und Ornamentbewusstsein. Die Form eines Baumstamms – seine Rundung, die Struktur seiner Jahresringe, seine warme Haptik – definierte taktile und visuelle Erwartungen. Die glatte, „gefrorene“ Oberfläche von Stein oder Metall wurde als fremd empfunden. Daher rührte der Wunsch, sowohl Stein- als auch Metallgegenstände mit Mustern zu verzieren, die Holzschnitzereien imitierten.
Die weißen Steinreliefs der Wladimir-Susdal-Kirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert mit ihren Pflanzentrieben, Tieren und Vögeln weisen eine stilistische Verwandtschaft zur Holzschnitzerei auf. Forscher gehen davon aus, dass die Steinreliefs der Demetrius-Kathedrale in Wladimir von Handwerkern geschaffen wurden, die mit Holzschnitztechniken vertraut waren. Der Stein wurde wie Holz bearbeitet – in Flachrelieftechnik mit feinen Details.
Dieselbe „hölzerne“ Ästhetik lässt sich in der russischen Backsteinarchitektur des 17. Jahrhunderts nachweisen: Die Architrave der Moskauer und Jaroslawler Kirchen mit ihren Säulen, Kokoschniks und Spitzbogenkronen reproduzieren in Backstein und Ziegel die Formen des Holzes. Das architektonische Detail wanderte vom Holz zum Stein, vom Stein zur Fayence und von der Fayence zurück zum bemalten Holz.
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