Vietnam abseits der Touristenpfade:
Geheime Inseln, Bergrefugien und eine wilde, menschenleere Küste
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Die typischen Ferienorte im Süden und Zentrum des Landes verharren seit Langem in ihrer eigenen Trägheit – die Küsten sind gesäumt von Hochhaushotels, die breiten Strände empfangen täglich Zehntausende Besucher, und der Tourismus gleicht immer mehr einem Fließband. Erfahrene Reisende reagieren erwartungsgemäß: Sie verlassen die ausgetretenen Pfade und suchen Orte auf, an denen die Natur noch nicht zur Kulisse geworden ist.
Die Hotelbranche passt sich allmählich dieser Nachfrage an. Kleine, abgelegene Öko-Resorts entstehen mit minimalen Umweltauswirkungen – Bambus und lokaler Stein statt Beton, autarke Solaranlagen statt Dieselgeneratoren, unberührte Natur statt gepflegter Rasenflächen. Touristen empfinden die zusätzlichen Reisestunden als lohnenswert: Was sich am Ende der kurvenreichen Straße erwartet, ist mit keiner Pauschalreise vergleichbar.
Die asiatische Region vollzieht langsam, aber sicher den Wandel hin zu einem nachhaltigen Tourismusmodell. Behörden schränken die Genehmigungen für großflächige Bauprojekte in geschützten Wald- und Küstengebieten ein. Die Wasserqualität in Süßwasserkörpern verbessert sich, und die Lärmbelastung nimmt ab. Die Natur erhält nach jahrzehntelanger kommerzieller Ausbeutung endlich die Chance, sich zu erholen.
Lan-Ha-Bucht: Eine ruhige Alternative zu Ha Long
Die Halong-Bucht ist eines der bekanntesten Naturwunder Vietnams und gleichzeitig eines der verkehrsreichsten. Hunderte von dieselbetriebenen Ausflugsbooten befahren täglich ihre Gewässer und bilden eine schwimmende Metropole am Horizont. Weiter südlich bietet die Lan-Ha-Bucht dieselben steil aufragenden Kalksteininseln, jedoch ohne den Schiffsverkehr – sie ist ruhig, fast menschenleer und besticht ganzjährig durch außergewöhnlich klares Wasser.
Für eine Übernachtung mietet man hier ein Holzboot mit geräumigem, offenem Deck. Manchmal helfen kleine, themenorientierte Agenturen bei der Suche nach einem passenden Boot – beispielsweise bieten solche, die sich auf Vietnam spezialisiert haben und 99 Euro verlangen, neben Standardpaketen oft auch einzigartige Optionen an. Die schwimmende Basis liegt in einer geschützten Bucht vor Anker, und für die nächsten Stunden besteht der Horizont nur aus Wasser, Felsen und Himmel.
Touristen mieten leichte Fiberglasboote und fahren durch enge Steintunnel zu verborgenen Lagunen. In den Höhlen herrscht vollkommene Stille – kein Windhauch dringt ein. Sonnenlicht fällt durch senkrechte Spalten in den Gesteinsgewölben und beleuchtet die Stalaktiten darunter. Entlang der Küste erstrecken sich schmale, naturbelassene Strände von wenigen Dutzend Metern Breite, die nur vom Meer aus erreichbar sind. Wenige Kilometer östlich liegen die schwimmenden Holzhäuser von Fischern, die seit Generationen Muscheln in Unterwasserfarmen züchten.
Pu Luong Naturreservat: Reisterrassen ohne den ganzen Aufwand
In der allgemeinen Vorstellung beschränkt sich die nördliche Bergregion auf Sapa. Das Problem ist, dass Sapa selbst längst kein Bergdorf mehr ist – Souvenirstände, mehrstöckige Betonbauten und endlose Reisegruppen haben das verdrängt, was die Menschen ursprünglich suchten. Der Pu-Luong-Nationalpark südwestlich von Hanoi bietet eine ähnliche Landschaft – steile Hänge, terrassenförmige Reisfelder, dichte Kiefernwälder – aber ohne den touristischen Trubel.
Das Schwerkraftbewässerungssystem in Pu Luong wird von Bambus-Wasserrädern mit bis zu 5 Metern Durchmesser angetrieben, die kontinuierlich Wasser aus den Flüssen zu den höher gelegenen landwirtschaftlichen Flächen befördern. Dieses jahrhundertealte System funktioniert noch immer ohne Strom.
Die Fahrt von Hanoi dauert etwa viereinhalb Stunden und führt über eine kurvenreiche Bergstraße. Einige Gästehäuser auf Stelzen fügen sich harmonisch in die sanft abfallende Landschaft ein. Manche verfügen über Infinity-Pools mit direktem Blick auf das Flusstal, die ganz ohne elektrische Heizung von der Sonne erwärmt werden. Die Abendtemperaturen sinken auf etwa 18 Grad Celsius – das Bergklima unterscheidet sich deutlich vom Küstenklima. Die Wanderwege zu den Wasserfällen sind gut markiert und weisen Höhenunterschiede von 100 bis 800 Metern auf. Das dichte Blätterdach spendet fast den ganzen Tag Schatten.
Con-Dao-Archipel: Ein widerwilliges Naturschutzgebiet
Die Inselgruppe Con Dao, weit draußen im Südchinesischen Meer, verdankt ihren Erhalt nicht der Umweltpolitik – zumindest nicht ursprünglich. Vielmehr verdankt sie ihn ihrer jahrhundertelangen Abgeschiedenheit vom Schiffsverkehr und einer ungewöhnlichen Vergangenheit: Im 20. Jahrhundert beherbergte sie staatliche Gefängnisse. Heute ist der Archipel ein streng geschützter Nationalpark. Kommerzielle Fischerei in der Küstenzone ist ebenso verboten wie die Erteilung von Baugenehmigungen.
Das Ergebnis sind unberührte Riffsysteme in Tiefen von 5 bis 30 Metern, die Hunderten von tropischen Fischarten und bodenlebenden Wirbellosen ein Zuhause bieten. Das Wasser ist klar: Es gibt keine Zuflüsse, keine trüben Sedimente, und die Sichtweite unter Wasser beträgt 20 bis 25 Meter. Grüne Meeresschildkröten legen regelmäßig ihre Eier an den langen Stränden des Archipels ab – der gesamte Prozess wird von Biologen des Nationalparks überwacht. Touristen können eine einmalige Genehmigung erwerben und die schlüpfenden Jungtiere unter Aufsicht von Sicherheitskräften beobachten.
Das Hotelangebot der Insel ist bewusst begrenzt. Die verfügbaren Unterkünfte sind flache Villen aus Teakholz und Naturstein, die am Waldrand und direkt am Meer liegen. Die Zimmer werden nicht durch Klimaanlagen, sondern durch die abendliche Meeresbrise gekühlt. Dies ist keine Marketingstrategie, sondern schlicht eine architektonische Lösung, die in diesem Klima funktioniert.
| Standort | Hauptmerkmal | Die beste Jahreszeit | Transport |
|---|---|---|---|
| Lanha-Bucht | Karstinseln ohne Touristenverkehr | April - Juni | Boot von Haiphong |
| Pu Luong | Reisterrassen, Öko-Lodges, Trekking | September - November | Mit dem Auto von Hanoi, ca. 4,5 Stunden |
| Con Dao Archipel | Korallenriffe, Schildkröten, keine Bebauung | Februar - Mai | Inlandsflug |
| Provinz Phu Yen | Basaltklippen, wilde Küste | März - Juli | Zug oder Flugzeug nach Tuy Hoa |
Basaltklippen der Provinz Phu Yen
Phu Yen ist ein Küstenabschnitt im zentralen Osten Neuseelands, der in englischsprachigen Reiseführern so gut wie gar nicht vorkommt. Ausländische Touristen verirren sich nur selten hierher: Es gibt keine direkten internationalen Flüge, und die Region selbst betreibt kein aggressives Tourismusmarketing. Der Inlandstourismus entwickelt sich hier ganz natürlich, ohne auf ausländische Märkte abzuzielen – und das merkt man an den Preisen, der Atmosphäre und der Art und Weise, wie die Einheimischen auf Besucher reagieren.
Die Hauptattraktion der Küste sind die Gan-Da-Dia-Klippen, entstanden durch die rasche Abkühlung von Lavaströmen durch Meerwasser. Das geschmolzene Gestein ist zu perfekten, sechseckigen, schwarzen Säulen zerbrochen, die sich in breiten Stufen senkrecht absenken. Unaufhörlich brechen sich die Wellen mit einem charakteristischen Getöse an ihnen. Professionelle Fotografen kommen im Morgengrauen hierher – in den frühen Morgenstunden ist die Küste fast menschenleer, und das Licht ist einfach perfekt.
Die Fischer der Provinz fahren noch immer mit runden, mit Baumharz imprägnierten Weidenkorbbooten aufs Meer hinaus. Der morgendliche Fang geht direkt an familiengeführte Cafés – ohne Zwischenhändler oder Touristenaufschläge.
Die Küstenlinie der Provinz erstreckt sich über fast 200 Kilometer – größtenteils bestehen sie aus menschenleeren Stränden, an denen kein einziges Gebäude zu sehen ist. Die Preise für frischen Fisch und Meeresfrüchte sind hier deutlich niedriger als in Nha Trang oder Da Nang, eben weil die touristische Infrastruktur die lokale Wirtschaft nicht belastet.
Wie man eine unkonventionelle Route plant
Die Logistik von Reisen in abgelegene Gebiete erfordert eine sorgfältige Planung – dies ist der Hauptunterschied zu einer herkömmlichen Pauschalreise. Inlandsflüge verbinden Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt mit Provinzflughäfen, während kleine Turboprop-Maschinen mit 70 Sitzplätzen abgelegene Inseln anfliegen. Das Wetter spielt eine wichtige Rolle – in der Sturmsaison ändert sich der Flugplan regelmäßig.
Für die Anreise auf dem Landweg empfiehlt sich ein Mietwagen mit Fahrer. Öffentliche Verkehrsmittel erreichen die abgelegenen Öko-Lodges in den Bergen nicht, und die Qualität der Bergstraßen ist nach den Monsunregen unberechenbar. Der beste Reisemonat hängt stark von der Region ab: Im gebirgigen Norden ist es von September bis November angenehm, da dann der Reis reift, die Temperaturen sinken und es wenig regnet. Die südlichen Inseln bereist man am besten von Februar bis Mai, wenn das Meer ruhig und klar ist.
Hochwertige, abgelegene Öko-Lodges bieten in der Regel mehrere Dutzend Zimmer. Einzelne Villen und Bootskabinen sind fünf bis sechs Monate im Voraus ausgebucht – spontane Reisen zu solchen Orten sind selten möglich, da sie schlichtweg ausgebucht sind.
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