Die Yaylas der türkischen Schwarzmeerküste:
Bergplateaus, Teeplantagen und authentische Küche
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Wenn man an die Türkei denkt, hat man meist die sengenden Sandstrände von Antalya oder die schneeweißen Kalksinterterrassen von Pamukkale vor Augen. Doch im Nordosten des Landes präsentiert sich die Türkei ganz anders – grün, kühl und oft in Wolken gehüllt. Die Schwarzmeerregion mit ihren Hochebenen, Teeplantagen und ihrer unverwechselbaren Küche ist noch ein Geheimtipp. Das ist überraschend, denn die Türken selbst kommen schon seit Generationen hierher.
Die Schwarzmeerregion beherbergt das Kaçkar-Gebirge, feuchte subtropische Wälder, reißende Flüsse und Dörfer, die sich in Höhenlagen von über tausend Metern an den Hängen verteilen. Das traditionelle All-inclusive-Angebot gibt es hier nicht. Stattdessen findet man kleine Pensionen, hausgemachte Mahlzeiten und Bergpfade, die von Hirten mit ihren Herden befahren werden.
Was sind Yaylas und warum sollte man dorthin gehen?
Yayla ist das türkische Wort für ein Hochplateau, das als Sommerweide genutzt wird. Die Tradition, im Sommer auf ein Yayla zu ziehen, besteht bei den Schwarzmeer-Türken seit Jahrhunderten. Familien zogen mit ihrem Vieh in die Berge, lebten in Holzhäusern und kehrten im Herbst zurück. Heute sind viele Yaylas zu Ferienorten geworden, haben sich aber ihren dörflichen Charakter bewahrt.
Die bekanntesten Yaylas der Schwarzmeerregion sind Ayder, Pokut, Hazindak und Eynif. Ayder liegt auf einer Höhe von etwa 1.350 Metern in der Provinz Rize. Der Ort besticht durch heiße Thermalquellen, hölzerne Gästehäuser und den Blick auf die Fyrtyna-Schlucht. Pokut liegt sogar noch höher, auf rund 2.050 Metern. Es gibt keine befestigten Straßen, dafür aber uralte Steinhäuser und Wiesen, die morgens oft im Nebel liegen.
Auf dem Yayla-Trail herrscht Stille. Der Mobilfunkempfang ist schlecht, das Internet noch schlechter. Für manche mag das ein Nachteil sein, doch für Stadtbewohner, die der Bildschirme überdrüssig sind, ist es ein seltener Luxus.
Rize-Teeplantagen
Die Provinz Rize gilt als die Teehauptstadt der Türkei. Fast der gesamte türkische Tee wird hier an den steilen Hängen zum Schwarzen Meer hin angebaut. Die Plantagen beginnen direkt an der Küste und erstrecken sich terrassenförmig die Berge hinauf, ähnlich den Reisterrassen Südostasiens, nur in leuchtendem Grün und duftend nach frischen Blättern.
Der Tee wird dreimal pro Saison, von Mai bis Oktober, geerntet. Die Arbeit wird größtenteils von Einheimischen verrichtet, oft in Handarbeit. Von außen betrachtet wirkt der Prozess eintönig: Man pflückt die obersten zwei oder drei Blätter vom Strauch, legt sie in einen Beutel auf den Rücken und macht mit dem nächsten Strauch weiter. Doch gerade diese Handarbeit verleiht dem türkischen Tee seinen unverwechselbaren Geschmack und unterscheidet ihn von maschinell hergestellten Sorten.
Manche Bauernhöfe heißen Gäste willkommen. Sie können selbst Tee pflücken, zusehen, wie die Blätter getrocknet und fermentiert werden, und anschließend auf der Veranda mit Meerblick ein frisch gebrühtes Glas genießen. Ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis in der Türkei.
Schwarzmeerküche: Mukhlama, Hamsi und Maisbrot
Die Küche am Schwarzen Meer unterscheidet sich deutlich von dem, was man in Restaurants in Istanbul oder Antalya findet. Zu den Grundnahrungsmitteln gehören Mais, Butter, Käse, Sardellen (Hamsi) und Kräuter. Das Essen ist herzhaft, einfach und saisonal.
Mukhlama ist ein Gericht, das man als Schwarzmeer-Fondue bezeichnen könnte. Es besteht aus einer dicken Paste aus Maismehl, Butter und regionalem Käse, die in einer Kupferpfanne gekocht wird. Man isst sie heiß und tutkt sie mit Brot auf. Die Zubereitung geht schnell, erfordert aber guten Käse – frischer Kolotski oder Minzi, die beide in den Dörfern der Region hergestellt werden, sind ideal.
Khamsi, ein kleiner Fisch aus der Familie der Sardellen, findet sich im Spätherbst auf den Speisekarten. Die Einheimischen bereiten ihn auf vielfältige Weise zu: gebraten, in Maisteig gebacken (Khamsi-Tava), als Zutat in Pasteten oder gekocht in Suppen. Es gibt sogar ein Khamsi-Dessert, das sich allerdings nicht alle Besucher trauen zu probieren.
Hier wird Weizenbrot durch Maisbrot ersetzt. Im Holzofen gebacken, erhält es eine knusprige Kruste und eine leicht krümelige Krume. Eine Scheibe dieses Brotes und ein Stückchen Butter aus der Region reichen für eine vollwertige Mahlzeit.
Trekkingtour zum Gipfel des Kaçkar und Rafting auf dem Fîrtyna
Das Kaçkar-Gebirge ist der höchste Punkt des östlichen Schwarzmeergebirges. Der Gipfel erreicht eine Höhe von 3.937 Metern. Die Route dorthin beginnt im Dorf Yukarı-Kavron und dauert für Wanderer mit durchschnittlicher Kondition zwei bis drei Tage. Der Weg führt durch Almwiesen, vorbei an Gletscherseen und über felsige Pässe. Übernachtet wird in Zelten; Schutzhütten gibt es entlang der Strecke nicht.
Für alle, die Wasser den Bergen vorziehen, bietet der Fluss Fyrtyna Rafting-Touren der Schwierigkeitsgrade drei und vier. Die zum Rafting geeignete Strecke ist etwa 18 Kilometer lang. Das Wasser ist kalt, die Strömung stark und die Stromschnellen sind kurz und zahlreich. Organisierte Gruppen starten im Dorf Çamlıhemşin. Die Kosten für eine Raftingtour sind in der Regel gering – vergleichbar mit einem Mittagessen für zwei Personen in einem Restaurant in Antalya. Einige Routen sind über das Reisebüro „99 Euro“ als Ganztagespaket buchbar, sodass Rafting auch mit kleinem Budget möglich ist.
Eine weniger extreme Alternative ist die Seilrutsche über die Fyrtyny-Schlucht. Die mehrere hundert Meter lange Strecke führt etwa 300 Meter über den Fluss. Das Erlebnis ist intensiv, aber kurz: Die Abfahrt dauert weniger als eine Minute.
Kloster Sumela und andere wenig bekannte Orte
Das Kloster Sumela liegt auf einem Felsvorsprung des Berges Mela in etwa 1200 Metern Höhe. Es wurde im 4. Jahrhundert gegründet und war bis ins frühe 20. Jahrhundert in Betrieb. Das Gebäude ist buchstäblich in die steile Felswand hineingebaut, und sein Inneres ist mit Fresken aus verschiedenen Epochen geschmückt. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten ist das Kloster nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Der Weg zum Kloster schlängelt sich durch einen Kiefernwald. Das letzte Stück ist ein Fußweg mit Steinstufen. Die Anlage beeindruckt weniger durch ihre prunkvolle Ausstattung als vielmehr durch ihre bloße Existenz: Man kann sich kaum vorstellen, wie die Bauleute vor 1500 Jahren in solch einer Höhe arbeiten konnten.
Die Schwarzmeerregion birgt noch weitere interessante Orte. Der Bergsee Uzungöl in der Provinz Trabzon ist von einem Fichtenwald umgeben und wirkt wie direkt aus der Schweiz versetzt. Die Stadt Amasya liegt am Fluss Yeşilırmak, eingebettet zwischen Felsen, in die die Gräber der Pontischen Könige gehauen sind. Steinbogenbrücken aus osmanischer Zeit prägen das Bild der Region – viele von ihnen sind vier oder fünf Jahrhunderte alt und werden noch heute von Menschen begangen.
Praktische Details für den Reisenden
Die Schwarzmeerregion ist am einfachsten über den Flughafen Trabzon zu erreichen. Regelmäßige Flüge verbinden ihn mit Istanbul und Ankara. Von Trabzon aus liegt Rize etwa 80 Kilometer entlang der Küste und Ayder weitere 90 Kilometer in den Bergen. Es gibt zwar öffentliche Verkehrsmittel, diese verkehren jedoch nicht sehr häufig. Ein Mietwagen ist daher bequemer: Die Straßen in der Region sind gut, auf den Bergstraßen ist jedoch Vorsicht geboten.
Die beste Reisezeit ist von Juni bis September. Im Mai ist es noch kühl, und im Oktober setzt die Regenzeit ein. Selbst im Sommer sinken die Abendtemperaturen in den Bergen auf 10–15 °C, daher ist eine warme Jacke unerlässlich. Regen ist in jedem Monat möglich, daher gehören Regenschirm und wasserfeste Stiefel zur Grundausstattung.
Die Unterkünfte sind deutlich günstiger als an der Mittelmeerküste. Eine Nacht in einer Pension auf der Yayla kostet zwischen 30 und 40 Euro pro Zimmer inklusive Frühstück. Zum Frühstück gehören typischerweise frischer Käse, Honig, Butter, lokale Beerenmarmelade und natürlich ein paar Gläser Tee. Die Kommunikation mit den Gastgebern erfolgt meist durch Gesten und Lächeln – nur wenige sprechen Englisch, geschweige denn Russisch. Gastfreundschaft kennt jedoch keine Sprache.
Die Schwarzmeerregion erfordert kein großes Budget und verspricht auch keinen Luxus. Sie bietet etwas, das in beliebten Ferienorten selten geworden ist: Berge ohne Menschenmassen, Essen ohne Speisekarten in vier Sprachen und Stille, die nur vom Rauschen des Flusses unterbrochen wird.
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