Transparentes Chassis-System und 540°-Kameras – So sehen Sie durch die Motorhaube
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Unter den zahlreichen elektronischen Assistenzsystemen moderner Crossover sticht eine Funktion besonders hervor: das „transparente Chassis“. Es projiziert ein Bild des Bereichs direkt unter der Fahrzeugfront auf das Display, als wäre die Motorhaube unsichtbar. So kann der Fahrer erkennen, was sonst verborgen bleibt: Bordsteine, Schlaglöcher, Steine und hervorstehende Bewehrungsstäbe. Die Technologie basiert auf mehreren Kameras, deren Daten softwareseitig zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden.
Obwohl diese Lösung ihre Wurzeln in den Entwicklungen britischer SUV-Hersteller hat, ist sie heute in Fahrzeugen eines völlig anderen Preissegments erhältlich.
Woher kam die Idee einer transparenten Motorhaube?
Jaguar Land Rover präsentierte das Konzept der transparenten Motorhaube erstmals im Discovery Vision Concept. In den Kühlergrill integrierte Kameras erfassten Bilder der Straße vor dem Stoßfänger und projizierten diese auf das Head-up-Display. So konnte der Fahrer die Fahrlinie des Fahrzeugs und eventuelle Hindernisse unter der Motorhaube erkennen. Die Technologie stieß weltweit auf großes Interesse bei Ingenieuren.
Die Idee erwies sich als so erfolgreich, dass andere Marken sie übernahmen. Toyota implementierte ein ähnliches System in seinem Multi-Terrain-Monitor für die Land Cruiser SUVs. Allerdings handelte es sich in beiden Fällen um Fahrzeuge mit einem Preis von deutlich über fünf Millionen Rubel. Die Einführung einer vergleichbaren Funktion in kompakten Crossover-SUVs aus China hob die Erschwinglichkeitsschwelle für diese Technologie erheblich an.
So funktioniert das 540°-Rundumsichtsystem
Herkömmliche 360°-Kameras verwenden vier Objektive – je eines in den Front-, Rück- und Seitenspiegeln. Sie erzeugen eine Vogelperspektive. Das 540°-System erweitert diese Perspektive durch das größere Sichtfeld jeder Kamera und einen Softwarealgorithmus, der eine dreidimensionale Projektion der Umgebung erstellt. Das Ergebnis ist ein Bild, das nicht nur den Fahrzeugumfang, sondern auch den sichtbaren Bereich unterhalb des Fahrzeugs abdeckt.
Technisch gesehen gibt es keine Kamera im Motorraum. Die Illusion von Transparenz wird auf andere Weise erzeugt. Die Frontkamera erfasst Aufnahmen der Straße vor dem Stoßfänger. Während das Auto fährt, werden diese Bilder im Pufferspeicher der Verarbeitungseinheit gespeichert. Sobald sich die Straße unter der Motorhaube bewegt, werden die gespeicherten Bilder auf dem Bildschirm angezeigt – präzise verknüpft mit Geschwindigkeit und Position des Fahrzeugs.
Dadurch entsteht eine Art Zeitverschiebung: Der Fahrer sieht, was die Frontkamera nur Sekunden zuvor aufgenommen hat. Die Überlagerungsgenauigkeit ist so hoch, dass die Illusion einer transparenten Karosserie entsteht. Je langsamer die Bewegung, desto geringer die Verzögerung und desto genauer das Bild.
Wo funktioniert das in der Praxis?
Das Parken an einer hohen Bordsteinkante ist ein typisches Beispiel. Der Fahrer kann nicht genau erkennen, wo die Bordsteinkante endet und die Stoßstange beginnt. Parksensoren geben zwar ein akustisches Warnsignal ab, zeigen die Bordsteinkante aber nicht visuell an. Die Funktion „Transparentes Chassis“ visualisiert die Bordsteinkante auf dem Bildschirm, als wäre sie durch Metall sichtbar. Dadurch wird das Risiko einer Beschädigung der unteren Stoßstangenkante oder der Zierleisten verringert.
Ein weiteres Szenario zeigt den EXEED LX FL Crossover auf einer stark ausgefahrenen Schotterpiste. Die Fahrmodi „Ground“ und „4x4“ passen den Allradantrieb und das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (7DCT) an, während die Kameras das Gelände unter dem Fahrzeug anzeigen. Der Fahrer kann die Tiefe der Spurrillen einschätzen und eine geeignete Fahrlinie wählen, ohne das Fahrzeug zu verlassen. Die Bodenfreiheit des Fahrzeugs beträgt in der Allradversion 169 mm, und auf unwegsamem Gelände zählt jeder Millimeter Kopffreiheit.
Das Befahren einer Brücke oder eines Aufzugs ist eine weitere typische Situation. Schmale Führungsschienen erfordern eine präzise Ausrichtung der Räder. Die Rundumkamera im Modus „Transparentes Chassis“ zeigt die Fahrspur des Fahrzeugs relativ zu den Schienen an und erleichtert so das Fahren selbst für unerfahrene Fahrer. Dies ist besonders hilfreich in beengten Raststätten in der Stadt, wo der Rangierraum minimal ist.
Fahrmodi und Interaktion mit Kameras
Die Allradversionen des Fahrzeugs verfügen über sechs Fahrmodi: Eco, Normal, Sport, Schnee, Gelände und 4x4. Diese Modi werden über einen Drehregler in der Mittelkonsole gesteuert. Die Modi Schnee, Gelände und 4x4 verändern die Drehmomentverteilung zwischen den Achsen, die Gaspedalstellung und den Eingriffsgrad des elektronischen Stabilitätsprogramms.
Die 540°-Kameras funktionieren unabhängig vom gewählten Modus, sind aber besonders nützlich in Kombination mit den Modi „Ground“ und „4x4“. Wenn die Elektronik den Allradantrieb für maximale Traktion neu konfiguriert, liefern die Kameras gleichzeitig ein Bild des Geländes. Diese Kombination ermöglicht schnellere Entscheidungen: Sobald Sie ein Hindernis erkennen, korrigieren Sie die Lenkung, und die Elektronik passt die Traktion automatisch an.
Der Schneemodus aktiviert eine sanftere Gasannahme und verteilt das Drehmoment, um durchdrehende Räder zu minimieren. Die Kameras in diesem Modus helfen, Eisflächen oder unebene Oberflächen unter dem Schnee zu erkennen. Wichtig ist jedoch, dass die Funktion „Transparentes Chassis“ eine saubere Linse voraussetzt. Schnee oder Schmutz an der Kamera beeinträchtigen die Bildqualität und machen das Bild unbrauchbar.
Was das System sieht und was es nicht sieht
Die Technologie hat ihre Grenzen, und diese sollten offen angesprochen werden. Das Bild, das „unter der Haube“ gespeichert wird, ist kein Livestream, sondern eine zwischengespeicherte Aufzeichnung mit einer Verzögerung von einigen Sekunden. Bewegt sich ein Objekt auf der Straße – eine Katze, ein Ball, ein Kind – , zeigt die Kamera es nur an, wenn es vor dem Zwischenspeichern ins Bild gekommen ist. Sich auf ein „transparentes Gehäuse“ als Ersatz für Aufmerksamkeit zu verlassen, ist kein adäquater Ersatz.
Das System schaltet sich bei Überschreitung einer bestimmten Geschwindigkeit – üblicherweise etwa 20–30 km/h – ab. Dies ist logisch: Bei höheren Geschwindigkeiten wird die Verzögerung zwischen dem Echtzeitbild und dem zwischengespeicherten Bild zu groß, und das Bild wird ungenau. Die Funktion ist für Manöver bei niedrigen Geschwindigkeiten konzipiert, wie z. B. Einparken, Überfahren von Hindernissen und Einfahren in enge Bereiche.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Auflösung. Kameras liefern ausreichend Details, um größere Hindernisse zu erkennen, doch kleine Objekte wie Nägel und Glassplitter bleiben möglicherweise unbemerkt. Parksensoren und Ultraschallsensoren ergänzen das Bild, aber keines der bestehenden Systeme bietet einen perfekten Schutz vor kleineren Beschädigungen.
Die Rolle der Softwareverarbeitung
Ein im Multimediasystem integrierter Prozessor fügt die Bilder zusammen. Er empfängt Datenströme von jeder Kamera, korrigiert Verzerrungen durch Weitwinkelobjektive und kombiniert die Bilder unter Berücksichtigung der Fahrzeuggeometrie. Das Ergebnis ist ein nahtloses Panorama, das der Fahrer als ein einziges Bild wahrnimmt.
Die Qualität der Bildzusammenfügung hängt von der Kalibrierung ab: Wenn sich die Kamera durch einen Stoß oder eine unsanfte Hochdruckreinigung verschoben hat, können Lücken an den Bildübergängen entstehen. In der Praxis kommt dies selten vor – die Module sind fest montiert und vibrationsfest konstruiert. Beim Kauf eines Gebrauchtwagens empfiehlt es sich jedoch, die Funktion aller vier Kameras zu überprüfen und dabei besonders auf die Übergänge des Panoramabildes zu achten.
Der Prozessor ist außerdem für die Einblendung von Zusatzgrafiken zuständig: Seitenmarkierungen, die prognostizierte Fahrspur beim Lenken und farbige Markierungen, die die Entfernung zu Hindernissen anzeigen. All dies wird mit minimaler Latenz – etwa 100–150 Millisekunden – über den Videostream gelegt, was bei schnellen Einparkmanövern praktisch nicht wahrnehmbar ist.
Vergleich der Verkaufszahlen verschiedener Marken
Land Rover integrierte eine „transparente Motorhaube“ mit einem auf die Windschutzscheibe projizierten Head-up-Display. Dadurch muss der Fahrer den Blick nicht mehr von der Straße abwenden – ein deutlicher Vorteil. Allerdings ist der Betrachtungswinkel des HUDs begrenzt und es ist abhängig von der Umgebungsbeleuchtung: Bei hellem Sonnenlicht verblasst das Bild und ist schlechter lesbar.
Der Toyota Multi-Terrain-Monitor nutzt Kameras, die unter dem Fahrzeugunterboden auf Schutzabdeckungen montiert sind. Dadurch wird ein Live-Bild anstelle eines gepufferten Bildes geliefert. Aufgrund ihrer niedrigen Position sind die Kameras jedoch anfällig für mechanische Beschädigungen bei Kontakt mit dem Boden oder Steinen.
Der EXEED Compact Crossover verfügt über ein zentrales 12,3-Zoll-Touchscreen-Display. Ein Head-up-Display (HUD) ist nicht vorhanden, die hohe Auflösung des Bildschirms und seine Position im direkten Sichtfeld des Fahrers kompensieren dies jedoch teilweise. Kameras sind an Standardpositionen – Kühlergrill, Außenspiegelkappen und Heckklappe – installiert, was die Wartung vereinfacht und das Risiko von mechanischen Beschädigungen reduziert.
| Parameter | Land Rover ClearSight | Toyota Multi-Terrain-Monitor | EXEED 540° |
|---|---|---|---|
| Auszahlungsmethode | Head-up-Display, Windschutzscheibe | Zentralanzeige | Zentraldisplay 12,3" |
| Bildtyp | Gepufferte Projektion | Live-Übertragung | Gepufferte Projektion |
| Standort der Kameras | Kühlergrill, Spiegel | Grill, unten | Kühlergrill, Spiegel, Hecktür |
| Kamera-Schwachstelle | Niedrig | Hoch | Niedrig |
| Preissegment | Prämie | Prämie | Durchschnitt |
Aktivierung und Einrichtung
Die Funktion „Transparentes Chassis“ ist in Ausstattungsvarianten mit 540°-Rundumsichtsystem verfügbar. Die Basisausstattung umfasst eine Rückfahrkamera mit dynamischen Markierungen und eine vereinfachte Chassis-Visualisierung, die vollständige 360°-Rundumsicht mit Transparenzeffekt ist jedoch nur in den höheren Ausstattungsvarianten Prestige Plus und Premium erhältlich.
Die Aktivierung erfolgt automatisch, sobald die Geschwindigkeit einen festgelegten Schwellenwert unterschreitet. Der Fahrer kann das Bild manuell über eine Taste in der Mittelkonsole oder über den Touchscreen des Multimediasystems aktivieren. Der Wechsel zwischen den Ansichten – Vogelperspektive, Frontkamera und transparente Karosserie – erfolgt durch Antippen des entsprechenden Symbols auf dem Display.
Die Kamerakalibrierung erfordert in der Regel keinen Eingriff: Das System ist werkseitig voreingestellt und behält seine Einstellungen über die gesamte Lebensdauer bei. Die Wartung beschränkt sich auf die regelmäßige Reinigung der Linsen. Bei starker Verschmutzung der Linsen zeigt das System eine Warnung auf dem Bildschirm an. Sollte eine Kamera ausfallen, kann sie in der Vertragswerkstatt ausgetauscht werden, ohne dass die gesamte Stoßstange demontiert werden muss – jedes Modul ist an einer separaten Halterung befestigt.
Praktischer Nutzen unter städtischen Bedingungen
Parkplätze in Einkaufszentren und Wohnhäusern sind die häufigsten Einsatzgebiete des „transparenten Chassis“. Niedrige Leitplanken, Betonhalbkugeln und Ketten zwischen den Leitplanken – all dies befindet sich außerhalb des normalen Sichtfelds. Das System zeigt diese Objekte auf dem Bildschirm an und verschafft dem Fahrer so einige Sekunden mehr Reaktionszeit.
Im Winter, wenn Bordsteine unter einer Schneedecke verborgen sind, erweist sich diese Funktion als besonders nützlich. Der Fahrer kann die Umrisse von Hindernissen anhand von Zwischenbildern erkennen, die die Frontkamera aufgenommen hat, bevor der Schnee die Sicht beeinträchtigte. Ist die gesamte Fahrzeugfront bereits vereist und die Linse blockiert, funktioniert das System natürlich nicht – etwas, das man beim längeren Parken bei Minustemperaturen beachten sollte.
Der 1.598 cm³ große Turbomotor leistet 110 kW (150 PS) und 275 Nm Drehmoment. Diese Werte gewährleisten sicheres Manövrieren bei niedrigen Geschwindigkeiten, während das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe die Kraft sanft und ruckfrei überträgt. Zusammen mit den 540°-Kameras wird so selbst schwieriges Einparken zum Kinderspiel.
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