„Die Fantasien und die Wahrheit des Da Vinci Code“ von Andrey Kuraev, Zusammenfassung
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Dies ist eine umfassende kritische Analyse von Dan Browns Roman „The Da Vinci Code“, verfasst 2006 von dem bekannten Publizisten und Diakon. Die fundierte und polemische Studie, die sich auf die Perspektiven der akademischen Religionswissenschaft, der Geschichte und der orthodoxen Theologie stützt, widerlegt konsequent die pseudowissenschaftlichen Konstrukte des amerikanischen Autors und legt deren faktische Widersprüche und ideologische Grundlagen offen.
Symbolische Absurditäten und sachliche Fehler
Die Analyse beginnt mit einer ironischen Betrachtung von Browns semiotischen Konstrukten. Der Autor verspottet die zentrale These des Romans, dass ein nach oben zeigendes Dreieck ein rein phallisches, männliches Symbol sei, während ein nach unten zeigendes Dreieck ein weibliches darstelle. Kuraev merkt an, dass das Hinzufügen eines Kreises zu diesen Dreiecken sie in gängige Toilettenpiktogramme verwandelt, wobei das „männliche“ Dreieck umgedreht und das „weibliche“ Dreieck auf seiner Basis steht.
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Zusammenfassung "Der Da Vinci Code".
Dan Brown schrieb Anfang der 2000er Jahre den Thriller The Da Vinci Code. Der Roman wurde erstmals 2003 veröffentlicht, und 2006 erschien eine Verfilmung von Columbia Pictures und Sony Pictures mit Tom Hanks und Audrey Tautou in den Hauptrollen.
Der Text ist gespickt mit Hinweisen auf Browns dilettantische Kenntnisse in grundlegenden Dingen. So versucht beispielsweise der Bischof im Roman, seinen hohen Rang durch das Tragen einer Mitra zu verbergen – einer liturgischen Kopfbedeckung, die ihn in Wirklichkeit in einer Menschenmenge unübersehbar machen würde. Ein weiteres Beispiel für Unwissenheit ist die Erwähnung des heiligen Buches „Pali“. Der Autor erklärt, dass Pali eine Sprache und kein Buch sei und dass der Kanon buddhistischer Texte Tipitaka heißt.
Der Kritiker merkt an, dass die Codes im Buch primitiv seien und vom Leser schneller entschlüsselt würden als von „Professor“ Langdon. Kuraev zufolge entlarve Brown sich zudem absichtlich selbst, indem er Fehler anhäufe, sodass der aufmerksame Leser bei der Überprüfung der Fakten die Lüge aufdecke und letztlich zum traditionellen Christentum zurückkehre. Nimmt man den Text jedoch ernst, wird die antichristliche Botschaft des Werkes deutlich.
Verzerrung des Bildes von Christus und der Evangeliumsgeschichte
Die zentrale These von „The Da Vinci Code“ ist, dass Jesus Christus mit Maria Magdalena verheiratet war, da es für einen jüdischen Mann jener Zeit angeblich unmöglich gewesen sei, Junggeselle zu sein. Kuraev widerlegt diese Behauptung mit Verweisen auf Josephus und die Qumran-Manuskripte, die von Essener-Gemeinden berichten, die den Zölibat praktizierten. Zölibat war zwar nicht die Norm, aber unter religiösen Juden bekannt und geachtet (beispielsweise beim Propheten Jeremia und den Nasiräern).
Die theologische Argumentation des Autors lässt sich auf die Sinnlosigkeit der Ehe für Christus reduzieren. Im Christentum ist der Erlöser Gott, der Mensch wurde, um die menschliche Natur von der Sünde zu heilen, nicht ein Mensch, der Göttlichkeit erlangte. Da der Sündenfall nicht durch Sex geschah, liegt die Erlösung außerhalb des Bereichs sexueller Beziehungen. Browns Konzept, so der Kritiker, ähnelt eher sektiererischen Lehren (zum Beispiel der Moon-Sekte), in denen „wahre Eltern“ durch physiologische Rituale sündige Vorfahren ersetzen.
Kunstkritik und das Heilige Weibliche
Kuraev analysiert Leonardos Beschreibungen seiner Gemälde detailliert. In der „Felsgrottenmadonna“ erkennt Brown eine bedrohliche Geste („räuberisch gekrümmte Krallen“), obwohl Marias Hand im Gemälde das Kind schützt. Zudem verwechselt der Romanautor die Figuren: Jesus steht im Gemälde unter Marias Schutz, während Johannes der Täufer unter dem wachsamen Auge eines Engels steht (in der Londoner Version des Gemäldes wird dies durch Attribute bestätigt).
In seiner Interpretation des „Letzten Abendmahls“ verwandelt Brown den Apostel Johannes in Maria Magdalena und deutet Petrus’ Geste, seinem Nachbarn die Hand auf die Schulter zu legen, als Drohung, ihm die Kehle durchzuschneiden. Kuraev nennt dies „Freudianische Scholastik“, in der der Autor überall phallische und vaginale Symbole sieht (die Gewölbe der Kathedrale als Gebärmutter, den Eingang als Klitoris) und Märchen wie „Aschenputtel“ und „Schneewittchen“ als Erzählungen weiblicher Unterdrückung deklariert.
Gnosis ohne Romantik
Besonderes Augenmerk gilt den Apokryphen, auf die sich Brown stützt (das Philippus-Evangelium, das Marien-Evangelium). Im Roman werden die Gnostiker als freudige Verehrer des „Heiligen Weiblichen“ und der Sexualität dargestellt. Kuraev beweist jedoch anhand gnostischer Originaltexte und Werken frühchristlicher Häresien (Epiphanius von Zypern) das Gegenteil: Die Gnostiker verabscheuten Materie, Fleisch und Fortpflanzung und hielten die Welt für das Werk eines bösen Dämons.
Der „Kuss“ in gnostischen Texten ist die Übermittlung von Gnosis (Erkenntnis), nicht das Vorspiel zum Geschlechtsverkehr. Die apokryphe Maria Magdalena ist eher eine mythologische Sophia (Weisheit) als eine irdische Frau.
Der Autor liefert schockierende Beschreibungen der Rituale bestimmter gnostischer Sekten (beispielsweise der Borboriten), die laut Epiphanius männlichen Samen und Menstruationsblut als „Kommunion“ verwendeten und rituell die Früchte des Ehebruchs verzehrten. Dies weicht radikal von der von Dan Brown dargestellten, eher konventionellen Version des esoterischen Christentums ab. Der Gnostizismus war ein elitärer „spiritueller Rassismus“, der die Menschen in die „spirituellen“ (von Natur aus Erlösten) und die „fleischlichen“ (hoffnungslosen) einteilte, was dem demokratischen Charakter des Evangeliums widerspricht.
Der Mythos von Konstantin und der Inquisition
Browns Behauptung, Kaiser Konstantin habe Christus im Jahr 325 zum Gott „ernannt“ und den Kanon der Evangelien festgelegt, wird durch historische Dokumente widerlegt. Der Rylands-Papyrus (ein Fragment des Johannesevangeliums) aus dem frühen zweiten Jahrhundert und die Werke der Kirchenväter des ersten bis dritten Jahrhunderts belegen, dass Christen Christus schon lange vor dem Konzil von Nicäa als Gott verehrten. Die Frage des Bücherkanons wurde auf dem Ersten Ökumenischen Konzil nicht einmal erörtert.
Die im Roman angegebenen Opferzahlen der Inquisition sind um drei Größenordnungen übertrieben: Statt fünf Millionen verbrannter Frauen belegen historische Daten mehrere Tausend Hinrichtungen über mehrere Jahrhunderte. Zudem war die Massenverfolgung von Hexen kein Phänomen des Mittelalters, sondern der Renaissance und der frühen Neuzeit, als magisches Bewusstsein das Christentum zu verdrängen begann.
Freimaurerspuren und Verschwörungstheorien
Kuraev stellt die Frage „Qui prodest?“ (Wem nützt es?). Er betrachtet die beispiellose Werbekampagne des Buches als Teil eines Informationskrieges gegen das traditionelle Christentum. Der Text untersucht Verbindungen zwischen Browns Ideen und der Freimaurerei-Ideologie.
Der Autor bietet einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Theosophie und der Freimaurerei und erwähnt dabei Helena Blavatsky und die Familie Roerich. Er liefert Informationen zu Blavatskys Freimaurerdiplomen und Nicholas Roerichs Verbindungen zu den Rosenkreuzern und amerikanischen Politikern (darunter Vizepräsident Wallace). Auch die Entstehungsgeschichte des Ein-Dollar-Scheins, der eine Pyramidenstumpfe zeigte – ein Symbol, das sowohl Roerich (sein Entwurf für das Lenin-Denkmal) als auch den Freimaurern nahestand – , wird geschildert.
Laut Kuraev dient „The Da Vinci Code“ dem Zweck, die Kirche zu marginalisieren, indem das historische Christentum durch einen bequemen „esoterischen“ Ersatz ersetzt wird, in dem Christus lediglich ein Lehrer der Moral ist und die Wahrheit in geheimen Logen verborgen bleibt.
Reaktionsstrategie
Im Schlussteil reflektiert der Autor die Reaktion der Christen. Verbote und Protestaktionen erzeugen lediglich Publicity. Eine wirksame Antwort darauf ist „orthodoxes Aikido“: das Interesse am Buch als Anlass zu nutzen, um die wahre Geschichte der Kirche und des Evangeliums zu diskutieren. Aufklärung und die ruhige Entlarvung von Mythen sind notwendig.
Einen Film anzusehen oder ein Buch zu lesen ist an sich keine Sünde; die Sünde (oder genauer gesagt, die Dummheit) besteht darin, diese Fantasien als Wahrheit anzunehmen. Kuraev betont, dass ein Glaube, der Fiktion fürchtet, schwach ist, doch die massenhafte Verbreitung von Lügen erfordert intellektuellen Widerstand.
Anwendungen
Der Haupttext wird von zwei Beilagen ergänzt. Die erste ist eine Rezension von Dmitry Puchkov (Goblin), der in seiner gewohnt derben Art die filmischen Klischees der Verfilmung verspottet und die Handlung als Unsinn für Geschichtsfremde abtut. Die zweite ist eine satirische Inhaltsangabe von „The Da Vinci Code Reloaded“, die die Handlungen von Brown und Matrix miteinander vermischt.
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