Eine Zusammenfassung von „Vision Catcher“ von Sergei Lukyanenko
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„Vision Catcher“ ist ein Roman von Sergey Lukyanenko, der 2021 im AST Verlag erschien. Die Arbeit daran dauerte über zehn Jahre. Die Handlung spielt im Traumland – einer Parallelwelt, in die jeder Schlafende gelangt, doch nur wenige sind sich ihrer Existenz bewusst und können darin handeln. Diese Individuen werden Traumwandler genannt; eine Stufe höher stehen die Traummacher – Demiurgen, die die Traumrealität nach ihrem Willen formen können. Eine Besonderheit des Romans ist, dass die Traummacher auf großen Schriftstellern der Vergangenheit basieren: H. P. Lovecraft, Ursula Le Guin, Hans Christian Andersen und anderen.
Die Außenbezirke und die Einführung in die Welt
Der Protagonist ist Grig (Grigoriy), ein erfahrener Traumwandler, der seinen Lebensunterhalt als Bote verdient: Gegen Bezahlung sucht er in den Träumen nach beliebigen Personen und liefert Pakete aus. Er besitzt eine seltene Gabe – die Fähigkeit, sein Aussehen bewusst zu verändern, sich in Tiere zu verwandeln oder sein Alter und Aussehen anzupassen. Der Roman beginnt mit einer Verfolgungsjagd in den Außenbezirken, einem düsteren Viertel des Traumlandes, das von archetypischen urbanen Alpträumen bewohnt wird. Der schwarze Troll Krech verfolgt Grig, weil dieser unwissentlich ein Paket mit Feuerskorpionen ausgeliefert hat. Ein zufälliger Traum hilft ihm bei der Flucht: Ein bekiffter Süchtiger sieht einen Regenbogen-Drachen, und Grig entkommt auf diesem Drachen seinen Verfolgern.
Auf seinem Heimweg trifft Grig im Café „Drei Sterne“ am Meer auf Anna, eine junge Frau, die zum ersten Mal bewusst das Traumland betritt. Er erklärt ihr die Regeln der Welt, doch sie erwacht und hört die Schreie ihrer Kinder. In seinem Heimatviertel am Sommersee besucht Grig seinen Nachbarn Cliff, einen älteren Mann im karierten Hemd, der mit seiner Frau Agnes zusammenlebt und ein beschauliches Leben führt, scheinbar unauffällig unter den Traumwandlern.
Kampf und Enthüllung
Die Idylle zerbricht: Robert der Traummacher, der grimmige Herrscher des Viertels des Ewigen Krieges, stürmt in den Hof, ein Schneesturm im Rücken. Er fordert von Cliff die Erfüllung einer alten Schuld in einem Streit und, da er keine Antwort erhält, sticht er mit einem Messer zu. Cliff wehrt sich, und biegsame Wurzeln schießen aus dem Boden und umklammern Roberts Beine. Grig greift ein, verwandelt sich in einen Eisbären und springt Robert den Traummacher an. Robert rammt dem Bären das Messer in die Stirn, Agnes springt vor und stößt eine Flasche mit Flüssigkeit über ihn – und Grig erwacht.
Als er in der realen Welt erwacht, schläft er erneut ein und findet sich in Cliffs Haus wieder. Wie sich herausstellt, ist sein Nachbar ebenfalls ein Traumschöpfer, nur dass er allein lebt. Der ältere Cliff schenkt sich ein Glas Bourbon ein und erklärt Grig die Bedrohung: Im Traumland existiert ein Artefakt, das die gesamte Traumwelt zerstören kann. Nur ein bestimmter Traumschöpfer kann es vernichten, und dafür muss ihm das Artefakt übergeben werden.
Auswahl einer Methode und Zusammenstellung eines Teams
Die Traumweber sind in der Taktik uneins. Robert und seine Anhänger wollen ein großes bewaffnetes Kontingent entsenden, Cliff hingegen ist dagegen: Die Kolonne würde sofort entdeckt werden, und andere Demiurgen, vom Artefakt verführt, würden in einen Dauerkampf verwickelt werden. Ein Kurier mit einem kleinen Team wird benötigt. Die Entscheidung liegt bei Grig.
Die Aufgabe: Fünf Partner finden. Der erste muss Kretsch sein – derselbe Troll, der ihn eben noch gejagt hatte. Cliff erklärt die Logik: Wenn Grig dem wütenden Troll Vernunft einreden kann, dann ist er genau der Richtige. Nach einer kurzen Flucht ins Viertel der Körperlichen Freuden (wohin Grig instinktiv flüchtete, um der Aufgabe zu entgehen), nimmt er sie schließlich an. Die Verhandlungen mit Kretsch verlaufen erfolgreich – der Troll ist zwar wütend, willigt aber ein.
Reise und Ödland
Das Team versammelt sich: Neben Grig und Kretsch schließen sich ihnen Lina, Maria, August-Robert und der mysteriöse Zweite an – ein stummer Mann, der in einem schneebedeckten Haus im toten Wald des Ödlands auftauchte, sein Gesicht kreideweiß und sein Körper von Einschusslöchern übersät. Der Weg führt durch die Unendliche Bibliothek, wo Grig Details über das Artefakt erfährt, und durch einen Friedhof vergessener Träume nicht existierender Menschen.
Auf dem Friedhof stellt sich heraus, dass mehrere Teammitglieder von Simulakren – exakten Doppelgängern – begleitet werden. Einer der Gefährten ist in einer brennenden Gruft gefangen. Als das Simulakrum namens Lee verbrennt, verflucht sein Ebenbild Lina in Trauer und Wut die gesamte Traumwelt und die Götter, die sie bewohnen. Daraufhin fallen feurige Tropfen vom klaren Himmel, und das Simulakrum Lina steht mit ausgestreckten Armen darunter, bis die Flammen sie verzehren. Das Team flieht und findet sich in einem toten Wald wieder: blass, wachsartig, wo jeder Ast bei der Berührung zu Staub zerfällt.
Folgen und Ende
Der zweite Teil des Romans untersucht die Folgen der Reise – Verlust, Verrat und eine Neubewertung der Beziehungen zwischen Lebenden und ihren Doppelgängern. Im dritten Teil überschlagen sich die Ereignisse: Es wird deutlich, dass die Bedrohung durch das Artefakt weitaus ernster ist als zunächst angenommen. Das Artefakt wird schließlich zerstört, und das Traumland erbebt, bleibt aber bestehen. Grig, der Prüfungen bestanden hat, die Realität und Illusion immer wieder infrage stellten, kehrt in sein vertrautes Leben als Traumwandler zurück – mit einem veränderten Verständnis davon, wer die Traumwandler sind und welchen Wert eine Welt hat, in der „jede Nacht jeder da ist“.
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