Eine Zusammenfassung von Elvira Baryakinas „Coffin with Music“
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Dieser im Jahr 2000 erschienene, ironische Kriminalroman spielt in Nischni Nowgorod und dreht sich um die Ermittlungen zum mysteriösen Mord am Direktor eines großen Zeitungsverbundes. Das Besondere an diesem Werk ist das unerwartete moralische Dilemma am Ende: Nachdem der Protagonist die gesamte Kette tragischer Ereignisse aufgedeckt hat, beschließt er bewusst, die Identität des wahren Täters zu verschweigen, um langjährige Freundschaften zu bewahren.
Der Beginn der Ermittlungen und eine grausige Entdeckung
Alexey Kobets, von seinen Kollegen nur Lyokha genannt, leitet die Rechtsabteilung eines Zeitungsverbundes. Er gilt als notorischer Frauenheld und kommt regelmäßig zu spät zur Arbeit. Ihm zur Seite stehen die beiden Jura-Studentinnen Nastya und Tanya. Lyokha beschließt, den Freitagabend in Gesellschaft der charmanten Sveta Ogurtsova zu verbringen. Kobets gibt ihr insgeheim den Spitznamen „Nymphe“ wegen ihrer zarten Schönheit.
Junge Leute fahren auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit aus der Stadt hinaus. Ihr romantischer Spaziergang findet ein jähes Ende, als das Paar auf einen leblosen Mann stößt. Sveta fällt vor Entsetzen sofort in Ohnmacht. Kobets versucht vergeblich, sie wiederzubeleben, indem er ihr ins Gesicht schlägt und an den Schultern rüttelt. Als er erkennt, dass sie dringend ärztliche Hilfe benötigt, lässt er seine Begleiterin zurück und rennt los, um Hilfe zu holen. Als Lyokha zum Fundort zurückkehrt, findet er eine erschreckende Leere vor. Nicht nur Sveta, sondern auch die Leiche, die sie gefunden hatten, ist spurlos verschwunden.
Opferidentifizierung und Unternehmensmanöver
Schon bald entdeckt die Stadtpolizei die vermisste Leiche. Die schreckliche Wahrheit kommt ans Licht: Der Ermordete war Sergei Ismailow. Er war Generaldirektor desselben Zeitungsverbundes, für den auch Ljocha arbeitete. Seine Leiche wurde aus dem Fluss Lewinka geborgen, wohin die Täter sie von einer hohen Brücke geworfen hatten. Eine medizinische Untersuchung ergab die genaue Todesursache: eine massive Hirnblutung, verursacht durch einen heftigen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf.
Der Tod des Direktors löst eine Reihe von Umstrukturierungen im Unternehmen aus. Sein Stellvertreter, Boris Igorewitsch, eilt herbei, um den vakanten Direktorenposten zu besetzen. Von Natur aus Anarchist, raucht er teure Zigarren direkt im Büro des verstorbenen Chefs, stellt alles auf den Kopf und setzt seine eigenen Regeln durch. Ljocha beginnt ernsthaft zu vermuten, dass Boris in Ismailows Mord verwickelt ist. Die Motive scheinen Kobets vollkommen klar: ein Kampf um die absolute Macht innerhalb des Konzerns, die Kontrolle über die Finanzströme und schlichte Eifersucht auf Frauen.
Die Liebe verläuft nicht immer geradlinig und es werden Allianzen geschmiedet
Die Situation im Büro wird durch die Ankunft einer neuen Mitarbeiterin, der auffallend attraktiven Jaroslawna, zusätzlich verkompliziert. Kobets setzt all seine Verführungskünste ein und versucht beharrlich, eine Romanze mit ihr anzufangen. Sie bleibt jedoch von seinen beruflichen Avancen völlig unbeeindruckt. Statt Ljocha bevorzugt sie eindeutig einen anderen Mann, Gennadi Igorewitsch Gruschkow. Sein gekränkter Stolz treibt Kobets dazu an, die Suche nach dem Mörder seines Chefs zu intensivieren, was ihn von seinen Liebesproblemen ablenkt und ihm gleichzeitig seinen intellektuellen Wert beweist.
Auf seiner Suche nach der Wahrheit verbündet sich Lekha mit seiner langjährigen Freundin Valeria Gronotop. Alle nennen sie einfach nur Top. Sie ist Chefredakteurin des skandalösen Jugendmagazins „New Me“. Top zeichnet sich durch ihre selbstbewusste Art, ihre trainierte Statur und ihre extrem zynische Lebenseinstellung aus. Sie hilft Lekha tatkräftig dabei, die komplexen Motive ihrer gemeinsamen Kollegen zu entschlüsseln.
Unterdessen erfährt Kobets vom Schicksal der vermissten Sveta Ogurtsova. Sie befindet sich im örtlichen Krankenhaus. Sie lebt, ist aber aufgrund eines schweren Schlags auf den Kopf und des erlittenen Schocks völlig unfähig, die Einzelheiten jener schicksalhaften Nacht zu schildern. Lyokha besucht Nimfa regelmäßig, da er eine enorme moralische Verantwortung für die Tragödie empfindet.
Die Rolle der Witwe und die kriminellen Nebenhandlungen
Die Ermittlungen des Protagonisten werden ständig durch alltägliche Hausarbeiten unterbrochen. Die Witwe des ermordeten Regisseurs, Olga Izmailova, zeigt ein unverkennbares weibliches Interesse an Lyokha. Sie hofft inständig, dass Kobets für ihren kleinen Sohn Nikita eine vollwertige Vaterfigur wird. Der Junge beginnt sogar, Lyokhas Mutter seine Großmutter zu nennen. Kobets versucht, sich so behutsam wie möglich von Olga zu distanzieren, da seine Gedanken bei der unnahbaren Yaroslavna kreisen.
Unterdessen ereignen sich innerhalb der Allianz weitere kriminelle Machenschaften. Ein korrupter Angestellter mit dem Spitznamen „Mayonnaise“ wird wegen der Zahlung eines hohen Bestechungsgeldes inhaftiert. Die bedrückende Atmosphäre des Chaos und der völligen Straflosigkeit bestärkt Lekha nur in ihrem brennenden Wunsch, die absolute Wahrheit ans Licht zu bringen.
Die offizielle Version der städtischen Untersuchung
Die Ereignisse spitzen sich während eines Treffens mit Ermittler Polonin rasch zu. Top präsentiert dem erfahrenen Polizisten eine unglaublich detaillierte und logisch einwandfreie Version des Verbrechens. Ihrer überzeugenden Schilderung zufolge ereignete sich die Tragödie auf dem ruhigen Gelände des Lagers Woroschilowez. Ein Bekannter von Top, ein schmächtiger junger Mann namens Alik Jamin, beschloss, Izmailow einen Streich zu spielen. Alik tanzte provokant mit einer Zigarre vor dem strengen Direktor und provozierte ihn damit sofort zu Aggression.
Ismailow war zutiefst gekränkt und begann, Alik in dem beengten Funkraum brutal zu würgen. In diesem dramatischen Moment kam Gennadi Gruschkow zufällig vorbei. Als er sah, wie sein enger Freund getötet wurde, griff Gruschkow nach einem schweren Gartenrechen, der am Boden lag, und schlug Ismailow mit ungeheurer Wucht auf den Kopf. Top ist überzeugt, dass Gruschkow den Allianzdirektor einzig und allein aus dem edlen Wunsch heraus tötete, Aliks Leben zu retten. Der Schlag erwies sich jedoch als fatal falsch eingeschätzt und führte zum sofortigen Tod.
Das Schicksal eines zufälligen Zeugen
Top erzählt dem gebannten Ermittler ruhig weiter ihre schockierende Geschichte. Laut ihrer bestätigten Aussage führte Gruschkow den schockierten Alik vorsichtig zum Auto, als Sweta Ogurtsowa versehentlich den Funkraum betrat. Beim Anblick des blutüberströmten, toten Ismailow verlor die zarte junge Frau sofort das Bewusstsein. Bei dem plötzlichen Sturz schlug sie mit dem Kopf hart gegen die scharfe Kante des schweren Funkbedienfelds.
Zurück am Tatort des brutalen Verbrechens, kam Gruschkow zu dem Schluss, dass auch Sweta unwiderruflich tot war. Er musste die beiden Leichen eilig verstecken. Der Hauptverdächtige beteuert, Gruschkow habe Ismailow und Ogurtsowa schnell in den Kofferraum seines Wagens verfrachtet. Unterwegs hätten die Komplizen den Regisseur von einer hohen Brücke in den eiskalten Fluss Lewinka geworfen und Sweta feige an einem anderen abgelegenen Ort zurückgelassen. Alik Jamin, totenbleich und vor Angst zitternd, bestätigt diese plausible Version.
Der wahre Sachverhalt
Ermittler Polonin nimmt Valeria Gronotops Version bereitwillig hin, ohne sich mit langwierigen, mühsamen Ermittlungen zu befassen. Der Fall wird offiziell abgeschlossen. Gennady Grushkov ist bereits begraben, sodass die gesamte Schuld bequem dem Verstorbenen zugeschoben wird, der sich körperlich nicht verteidigen kann. Alik erhält eine humane zweijährige Bewährungsstrafe und genießt seine lang ersehnte Freiheit. Lyokha Kobets bereitet sich voller Vorfreude auf seinen Umzug nach Moskau mit Yaroslavna vor, die seine aufrichtigen Gefühle endlich erwidert und einem gemeinsamen Leben zugestimmt hat. Sveta Ogurtsova erholt sich gut und wird glücklich aus dem Krankenhaus entlassen.
Im letzten Epilog begleicht Lyokha pflichtbewusst eine alte Schuld bei Top, indem er fleißig ihren schmutzigen Wagen in einer stickigen Garagenwerkstatt wäscht. Seine Freundin sitzt träge auf einer ausklappbaren Chaiselongue, blättert gemächlich in einer Hochglanzzeitschrift und macht sich sarkastisch über seine bevorstehende Abreise nach Jaroslawna lustig. Kobets putzt gewissenhaft den beengten Innenraum und erreicht widerwillig den vollgestopften Kofferraum. Während er den über Jahre angesammelten Müll aussortiert, entdeckt er plötzlich einen kleinen, glänzenden Gegenstand in einer dunklen Ecke.
Stille als höchstes Zeichen der Hingabe
Lyokha hebt den unerwarteten Fund vorsichtig auf und erkennt ihn sofort als kleinen Damenohrring mit einem leuchtend roten Stein. Sveta Ogurtsova hatte genau denselben Ohrring vor jener schrecklichen Freitagnacht getragen, doch im Krankenhauszimmer fehlte er verdächtigerweise an ihrem Ohrläppchen. Plötzlich fügen sich in dem klaren Kopf des Anwalts scheinbar zusammenhanglose, unbedeutende Details zu einem stimmigen Bild. Kobets erinnert sich genau an Tops Worte, wonach Grushkov angeblich zwei Leichen im Kofferraum seines überfüllten Wagens transportiert habe. Doch der Kofferraum von Grushkovs Luxuswagen ist so klein, kaum groß genug für eine kleine Hauskatze. Lyokha erinnert sich auch genau daran, wie der gerissene Top den verhängnisvollen Rechen mit den fremden Fingerabdrücken während ihrer Fahrt ins Lager diskret entsorgt hatte.
Lyokha trifft die Erkenntnis wie ein Schlag: Die wahre Mörderin war Valeria selbst. Sie hatte den Kampf zufällig beobachtet, reflexartig nach einem Rechen gegriffen und Izmailov kaltblütig niedergeschlagen, um ihren schwachen Schützling Alik, der sie immer wie eine zweite Mutter nannte, loyal zu verteidigen. Heimlich lud sie die beiden leblosen Körper in den geräumigen Kofferraum ihres Wagens und erfand später meisterhaft eine plausible Geschichte über Grushkovs Tod, um jeden Verdacht für immer von sich abzulenken. Kobets, zutiefst verwirrt, umklammert Nymphs Ohrring fest in seiner verschwitzten Faust. Nach sorgfältigem Abwägen der Vor- und Nachteile beschließt er entschlossen, seiner alten Freundin nichts zu erzählen. Der junge Anwalt lässt das glitzernde Beweisstück diskret durch ein rostiges Gitter direkt in den Abfluss fallen und begräbt dieses dunkle, blutige Geheimnis für immer, um ihre ungewöhnliche Freundschaft zu bewahren.
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