„Über den Abgrund“ von Ivan Okhlobystin, Zusammenfassung
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Ivan Okhlobystins autobiografisches Werk wurde 2008 veröffentlicht. Es ist eine offene Auseinandersetzung mit der existenziellen Todesangst, die den Protagonisten über die Jahre hinweg verfolgt und seine einzigartige Weltanschauung prägt.
Öffnung des Abgrunds
Im Alter von zehn Jahren erlebt ein Junge das größte Glück. Nach langem Zureden kauft ihm seine Mutter ein Orlyonok-Fahrrad. Der Junge repariert das Zweirad in der Nähe einer alten Scheune. Plötzlich überkommt ihn der schreckliche Gedanke an seinen bevorstehenden Tod. Ein wildes und zugleich wunderschönes Grauen überkommt ihn. Ein tiefer Abgrund verschlingt augenblicklich sein gesamtes Bewusstsein, und er erstickt an dem überwältigenden Schrecken.
Drei Tage lang reitet er mit hoher Geschwindigkeit durch Schluchten und über Hügel. Das Kind geht Risiken ein und stürzt, um seine Angst zu unterdrücken. Bald legt sich der Schrecken. Der Junge begreift nun die Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Das Gefühl des Abgrunds kehrt seither, auch im Erwachsenenalter, immer wieder in ihm zurück.
Kindheit und Herkunft
Der Autor erinnert sich an die bemerkenswerte Geschichte seiner Geburt. Er kam im Ferienhaus Polenovo zur Welt. Der Legende nach geschah dies während einer Vorführung einer Komödie von Stanley Kramer. Die Mutter des zukünftigen Schauspielers, die neunzehnjährige Studentin Alevtina Ivanovna, sah sich den Film im neunten Monat ihrer Schwangerschaft an. Plötzlich setzten die Wehen ein. Der Vater des Helden, der zweiundsechzigjährige Militärarzt Ivan Ivanovich, brachte das Kind auf dem knarrenden Steg der Oka zur Welt.
Seine Eltern trennten sich, als ihr Sohn fünf Jahre alt war. Die Scheidung verlief friedlich. Er zog zu seiner Großmutter und Urgroßmutter in ein Militärwohnheim im Dorf Worobjewo in der Region Kaluga. Seine frühen Erinnerungen sind geprägt von rudernden Steinfrauen, tiefen Schluchten und dem Summen von Hochspannungsleitungen. Er bezeichnet seine Kindheit als die glücklichste Zeit seines Lebens.
Der Weg zur Kunst
In der neunten Klasse sieht ein Schüler den Film „Ein gewöhnliches Wunder“. Er beschließt, ein wahrer Zauberer zu werden. Da er die Unmöglichkeit dieses Weges erkennt, wählt er den Beruf des Filmregisseurs. 1983 bewirbt sich der junge Bewerber am WGIK. Meister Marlen Chuzijew sucht Studenten für den Regiestudiengang.
Während einer Prüfungsphase fordert Direktor Igor Talankin einen jungen Mann auf, die strenge Prüfungskommission zu beeindrucken. Der junge Mann antwortet mit einem groben Fluch: „Sind Sie verrückt, Maestro? Ich bin hier, um etwas Neues über Kunst zu sagen, nicht um Sie zu beeindrucken!“ Der wütende Professor wirft den Bewerber aus dem Raum. Wenige Minuten später bringt ihn die Sekretärin zurück. Die Prüfungskommission lacht laut auf und lässt den jungen Mann zu. Im Laufe seines Studiums lernt er Fjodor Bondartschuk und Tigran Keosajan kennen.
Treffen im Kino
Der erwachsene Held trifft die Schauspielerin Oksana Arbuzova. Sie ist berühmt für ihre Hauptrolle in dem Film „Avaria – Die Polizistentochter“. Dem Mann ist sofort klar, dass sie die Mutter seiner sechs Kinder sein wird. Er macht ihr einen direkten Vorschlag: „Mademoiselle, wie wäre es mit einem romantischen Spaziergang?“
Das Mädchen bittet ihn lediglich, sie nach Hause zu fahren. Die beiden fahren die ganze Nacht durch Restaurants und die beleuchteten Straßen Moskaus. Früh am Morgen, am Frunzenskaja-Ufer, öffnet der Mann eine Flasche Champagner. Er macht der Schauspielerin einen Heiratsantrag. Das Mädchen, das er liebevoll Kysa nennt, sagt sofort Ja. Sie fahren zu ihm nach Hause. Schon bald heiratet das Paar und überwindet damit alle Bedenken von Oksanas Eltern. Zur Hochzeit trägt der Bräutigam einen Smoking, die Braut ein langes, elegantes Kleid.
Familie und die Rückkehr zum Handwerk
Eine junge Familie lebt etwa sieben Monate im sonnigen Taschkent. Die Protagonistin verspürt eine tiefe spirituelle Verbundenheit mit Asien. Das Paar hat Kinder, die von den Kindermädchen Irina und Dmitry betreut werden. Die Familie pflegt regen Kontakt zum örtlichen Klerus. Die Protagonistin spielt Schach mit dem Erzbischof und erhält von ihm Rat. Ihr viertes Kind, ein Sohn namens Vasya, wird im örtlichen Krankenhaus geboren.
Nach seiner Rückkehr nach Moskau gerät der kinderreiche Vater in finanzielle Not. Regisseur Pawel Lungin bietet ihm eine kleine Rolle in dem Film „Die Insel“ an. Der Schauspieler zögert lange, da er seinen Beruf als sündhaft empfindet. Ein befreundeter Priester rät ihm, direkt an den Patriarchen zu schreiben. Schon bald erhält er eine offizielle Antwort, die ihm erlaubt, für den Unterhalt seiner großen Familie zu arbeiten. Der Schauspieler nimmt die Rolle des Rasputin an und widmet sich wieder ganz dem Filmgeschäft.
Hüter der Höhle
Der Held bekennt seine aufrichtige und grenzenlose Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern. Er hält Oksana für eine Frau von unbezwingbarer Energie. Als Vater strebt er danach, ein verlässlicher Versorger zu sein. Sein aufrichtiger Wunsch ist es, seine Kinder glücklich und wohlhabend zu sehen.
Nachts kehrt jenes kindliche Gefühl eines urtümlichen Abgrunds aus den Tiefen seiner Seele in ihn zurück. Aus diesem unkontrollierbaren Chaos schöpft er kraftvolle Ideen für seine Drehbücher. Auf der Flucht vor dem überwältigenden Schrecken unternimmt der Mann lange Spaziergänge durch die nächtlichen Straßen. Sein Gehör und sein Sehvermögen sind dabei enorm geschärft. Seine einzige Rettung ist die schnelle Heimkehr. In der Dunkelheit des Zimmers sieht er das sanfte Rascheln der warmen Körper seiner schlafenden Frau und Kinder. Der Held nennt sein Zuhause liebevoll seine Höhle. In Gedanken hüllt er seine Familie in riesige, häutige Flügel, um ihren friedlichen Schlaf zu beschützen.
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