„Aufrührerische Gemälde“ von Anatoli Warschawski, Zusammenfassung
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Dieses Buch ist eine historische Darstellung der großen Meister der Malerei, deren Werke Despotismus, Heuchelei und soziale Ungerechtigkeit kühn anprangerten. Es entstand 1963 und beschreibt zugleich berühmte Gemälde und die brutalen politischen Konflikte der jeweiligen Epochen.
Michelangelo und die Fresken des Vatikans
Michelangelo Buonarroti widmete Jahre harter Arbeit der Ausmalung der Sixtinischen Kapelle. Von 1508 bis 1512 arbeitete der Meister auf einem Holzgerüst direkt unter der Decke. Er ertrug standhaft starke körperliche Schmerzen, die heimtückischen Intrigen des Architekten Bramante und den Zorn von Papst Julius II. Jahrzehnte später litt der gealterte Künstler schwer unter dem Untergang der Florentiner Republik. Er versteckte sich vor dem rachsüchtigen Herrscher Alessandro de’ Medici im hohen Glockenturm der alten Kirche. Papst Clemens VII. und später Paul III. zwangen den rebellischen Künstler zur Rückkehr nach Rom.
Der Künstler wurde gezwungen, sich der Autorität von Papst Paul III. zu beugen und mit der Arbeit an dem Fresko „Das Jüngste Gericht“ zu beginnen. Er brachte die gesamte Tragödie seiner Zeit auf einer riesigen Wand zum Ausdruck. Später forderte Papst Paul IV. in rüder Weise, die nackten Figuren im Fresko „anzuziehen“. Der Künstler antwortete mit scharfer Ironie: „Soll er doch die Welt anständig aussehen lassen, mit Gemälden, die schnell fertig sind.“
Francisco Goya und die spanische Reaktion
Nach dem Abzug der napoleonischen Truppen kehrte Ferdinand VII. 1814 in Spanien an die Macht zurück. Der Monarch schaffte die liberale Verfassung umgehend ab und entfesselte eine Schreckensherrschaft über sein eigenes Volk. Die Inquisition setzte ihre Autorität mit aller Härte wieder durch. Die Anführer der Partisanenbewegung wurden unverzüglich hingerichtet. Francisco Goya sah mit Bitterkeit zu, wie das Blut ehrlicher Patrioten sinnlos vergossen wurde.
Der Künstler hielt in seinen Karikaturen brutale Szenen von Gewalt, Armut und der Verzweiflung der Bevölkerung fest. Polizisten führen verhaftete Frauen grob ab. Ein alter Geizhals hütet gierig sein Gold. Schreckliche Geister klammern sich an ihre gewohnten Privilegien. Goya verachtete den Hofadel zutiefst. Sein Pinsel enthüllte schonungslos die Kluft zwischen dem Leid der Armen und der wohlgenährten Ruhe des Königshofs.
Perov und der Prozess gegen die Geistlichen
Wassili Grigorjewitsch Perow stieß an der Kunstakademie immer wieder auf Zensur. 1861 schuf er die gewagten Gemälde „Predigt im Dorf“ und „Ländliche Osterprozession“. Letzteres zeigte einen betrunkenen Priester und Bauern, die durch Pfützen taumelten. Die Behörden entfernten das Gemälde eilig aus der Ausstellung und verboten seine Reproduktion strengstens. Dem Künstler drohten die Beamten mit einer langen Verbannung ins Solowezki-Kloster.
Jahre später malte Perow „Das Klostermahl“. Darin stellte er den Reichtum des Klerus vor dem Hintergrund der Armut des Volkes offen dar. Auf dem Gemälde speisen korpulente Mönche ausgiebig unter der Kircheninschrift „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“. Das offizielle Russland verabscheute den Künstler zutiefst, weil er den Unterdrückten half. Die Kaiserliche Eremitage erwarb nie eines seiner Werke. Erst nach der Revolution erhielten diese Gemälde einen Ehrenplatz in den Galerien.
Gustave Courbet gegen die Bourgeoisie
Der französische Maler Gustave Courbet war regelmäßig Schikanen der Zeitungen ausgesetzt. 1863 wurden seine neuen Werke auf einer Pariser Ausstellung erneut abgelehnt. Journalisten nannten den Künstler gehässig „das Monster aus Ornani“. Kaiser Napoleon III. schlug einmal wütend mit seinem Stock auf sein Gemälde „Badende“ ein. Er befahl, das Bild sofort aus der Ausstellung zu entfernen. Das bürgerliche Publikum war von den Gemälden des Meisters empört.
Der Grund für den Zorn der Behörden lag in der Wahl der Protagonisten. Courbet stellte mutig einfache Bauern in den Mittelpunkt seiner Gemälde. In „Begräbnis in Ornans“ zeigte er das harte Leben dieser Menschen ungeschönt. Der Künstler war stolz auf seine bäuerliche Herkunft. Er schöpfte Inspiration aus seinem Heimatdorf Flagey und blieb stets der harten Realität des Lebens treu.
Die Tragödie ungleicher Ehen
Russische Künstler reagierten scharf auf die fehlenden Frauenrechte im Adel. Nikolai Newrews Gemälde „Die Schülerin“ erzählt eindringlich die traurige Geschichte eines Waisenmädchens. Ein mächtiger Gutsbesitzer beschließt, sie mit einem alten Beamten zu verheiraten. Dies ist für ihn ein schneller Weg, einen Skandal um ihren eigenen Neffen zu vertuschen. Das Mädchen ist dazu verdammt, endlos zu weinen, nur um den Anstand im Haus eines anderen zu wahren.
Wassili Pukirew thematisierte ein ähnliches gesellschaftliches Problem in seinem Gemälde „Ungleiche Ehe“. Eine junge, wehrlose Braut wird gegen ihren Willen einem reichen alten Mann zur Frau gegeben. Solche Szenen aus dem wahren Leben entlarvten schonungslos den moralischen Verfall der Oberschicht. Die Künstler verteidigten aufrichtig die Entrechteten. Ihre Pinselstriche auf der Leinwand waren ein vernichtender Schlag gegen gesellschaftliche Missstände.
Repin und das Leben des Volkes
Ilja Jefimowitsch Repin kehrte in seine Heimatstadt Tschugujew zurück. Er wollte dort Inspiration für neue Skizzen finden. Die Stadt seiner Kindheit hatte sich kaum verändert: Die wohlhabenden Einheimischen bauten große Backsteinhäuser, während die Armen, die Brandopfer, demütig um Almosen bettelten. Angesichts dieser tiefen Kluft arbeitete der Künstler jahrelang an dem Gemälde „Religiöse Prozession in der Provinz Kursk“. Dieses komplexe und mühsame Werk nahm fünf lange Jahre in Anspruch.
Repin wollte alle Schichten der russischen Gesellschaft darstellen. Die Menschen sind durch einen gemeinsamen, langen Marsch vereint, aber durch soziale Ungleichheit bitter gespalten. Später malte der Künstler „Sie hatten ihn nicht erwartet“ und „Die Verweigerung des Geständnisses“. In diesen Szenen porträtierte der Meister mutige Revolutionäre. Sie sind kühn bereit, für die Freiheit des Volkes zu sterben, und bewahren bis zu ihrer Hinrichtung eine bemerkenswerte innere Stärke.
Surikow und der rebellische Bojar
Wassili Iwanowitsch Surikow schuf ein bemerkenswertes Historienbild mit dem Titel „Bojarynja Morosowa“. Das Gemälde zeigt eine Frau, schwer gefesselt, aber völlig ungebrochen. Sie hebt ihre dünne Hand hoch und bekreuzigt sich mit zwei Fingern, während sie in einem breiten Schlitten durch eine Moskauer Straße fährt. Die Menge um sie herum brodelt vor Emotionen: von boshaften Spottreden bis hin zu den aufrichtigen Tränen einer frommen Närrin.
In Morozovas historischem Porträt erkannte die Künstlerin deutliche Züge der Revolutionäre ihrer Zeit. Im März 1881 verwundeten mutige Mitglieder der Narodnaja Wolja (Volkswille) Zar Alexander II. tödlich. Kurz darauf wurden Sofia Perowskaja und ihre Mitstreiter durch das verschneite St. Petersburg zu ihrer Hinrichtung getragen. Die Künstlerin untersuchte die alten Mauern, um mit größter Präzision die unauflösliche Verbindung zwischen der fernen Vergangenheit und der harten Gegenwart darzustellen.
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