„Der gleiche Münchhausen“ von Grigory Gorin, Zusammenfassung
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Das Drehbuch dieses Films aus dem Jahr 1979 stellt den bekannten Mythos der berühmten literarischen Figur auf den Kopf. Der Autor porträtiert Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen als einen brutal ehrlichen, tragikomischen Philosophen. Die Fantasien des Barons werden vor den Augen des Publikums buchstäblich Realität. Dieses meisterhafte Stilmittel entlarvt augenblicklich die Heuchelei und Feigheit der damaligen Gesellschaft. Das Werk sprüht vor treffenden satirischen Dialogen und verspottet ätzend die menschliche Sehnsucht nach bequemer Mittelmäßigkeit.
Der Text diente als Grundlage für den zweiteiligen Kult-Fernsehfilm des sowjetischen Regisseurs Mark Sacharow. Der Film aus dem Jahr 1979 mit Oleg Jankowski in der Hauptrolle war ein großer Publikumserfolg. 1980 gewann er den renommierten Preis für die Beste Regie beim Internationalen Fernsehfestival in Prag.
Das erstaunliche Leben eines Barons
Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen lebt mit seiner geliebten Martha und seinem treuen Diener Thomas auf einem Gut bei Hannover. Der Gutsherr erzählt seinen Gästen regelmäßig unglaubliche Geschichten. Jäger lachen offen über die Anekdote vom Kirschkern, mit dem der Held angeblich einen Hirsch erlegt hat. Plötzlich taucht ein prächtiger Hirsch mit einem blühenden Kirschbaum auf dem Kopf aus dem Wald auf. Das Leben auf dem Gut ist voller Wunder. Wunder des Alltags: Der Gutsherr brät geschickt Enten direkt durch den Kamin und unterhält sich ungezwungen mit großen Denkern vergangener Zeiten.
Münchhausen wünscht sich sehnlichst, Martha zu heiraten, doch der örtliche Pfarrer weigert sich, die Trauung durchzuführen, da der Baron noch mit Jacobine von Dutten verheiratet ist. Seine Frau ist vor langer Zeit von ihm geflohen und lebt nun mit ihrem Geliebten Heinrich Ramkopf zusammen. Pfarrer Franz Muss trifft auf dem Gut ein. Münchhausen bittet ihn eindringlich, bei der Hochzeit zu helfen. Der Baron zeigt seinem Gast einen alten Papyrus mit einer authentischen Unterschrift von Sophokles. Der wütende Priester verlässt fluchtartig das Haus.
Marta ist ihrer ständigen Konflikte mit der Gesellschaft überdrüssig. Sie fleht Karl an, ein normales Leben zu führen. Der Baron lehnt dies kategorisch ab. Er ist fest davon überzeugt, dass der eintönige Alltag ihre Liebe unweigerlich zerstören wird.
Der Prozess und der 32. Mai
Jacobina, Ramkopf und der Sohn des Barons, Theophilus, versuchen verzweifelt, Münchhausen zu enteignen. Sie gehen zu Herzog Georg und beklagen den Wahnsinn ihres Verwandten. Der Anwalt verliest feierlich Karls Tagesablauf, der regelmäßig einen Krieg gegen England vorsieht. Der wütende Herzog ruft die Mobilmachung aus und befiehlt die Verhaftung des Rebellen. Doch während bewaffnete Truppen die Taverne umstellen, spielt der Baron seelenruhig Geige. Bald erkennt England die amerikanische Unabhängigkeit an, der Krieg wird abgebrochen, und der Herzog ist gezwungen, den Sieger freizulassen.
Der Herzog unterzeichnet die lang erwartete Scheidungserklärung. Eine lärmende Zuschauermenge versammelt sich im hannoverschen Gericht. Während der Baron und Jacobina die Scheidungspapiere lesen und die Zeremonie beinahe vollendet scheint, bemerkt Ramkopf plötzlich das Datum auf Münchhausens Dokument – den 32. Mai 1776. Der Baron erklärt dem Gericht begeistert ein komplexes astronomisches Phänomen: Die Erdrotation habe im Laufe der Jahre unberücksichtigte Sekunden angesammelt und so einen zusätzlichen Frühlingstag geschaffen. Der empörte Richter widerruft daraufhin umgehend die Scheidung.
Der Bürgermeister überredet Karl, seine wissenschaftliche Entdeckung dem persönlichen Glück zuliebe aufzugeben. Martha verlässt ihren Geliebten, unfähig, einen weiteren öffentlichen Skandal zu ertragen. Der Herzog und der Pfarrer fordern von Münchhausen unter Androhung von einer schriftlichen Erklärung, in der er all seinen Fantasien widerruft. In tiefer Verzweiflung verbrennt der Baron die Manuskripte im lodernden Kamin. Kurz darauf hallt ein einzelner Schuss durch das stille Haus.
Leben nach dem Tod
Drei lange Jahre vergehen. Die hannoversche Oberschicht ehrt heuchlerisch das Andenken des verstorbenen Barons. Jacobina und Ramkopf verfassen fiktive Memoiren und verdrehen schamlos die Tatsachen, um Profit daraus zu schlagen. Der Bürgermeister bereitet pompös ein absurdes Stadtdenkmal zur Enthüllung vor. Die Skulptur zeigt Münchhausens Pferd, das in zerstückelter Form gierig Wasser trinkt. Jacobina erpresst den Pfarrer hinterhältig mit einer gefälschten, von Matthäus signierten Bibel. Der verängstigte Priester wird gezwungen, bei der Zeremonie eine Lobpredigt zu halten.
Thomas gerät zufällig in einen kleinen Blumenladen. Der treue Diener erkennt sofort seinen geliebten Herrn in dem alternden Kaufmann Müller. Die schockierende Wahrheit kommt ans Licht: Karl hat seinen Selbstmord meisterhaft vorgetäuscht. Er änderte seinen Namen, heiratete heimlich Martha, lebte zurückgezogen als Bürgerlicher und zog einen kleinen Sohn groß. Doch Martha konnte nicht mit dem ängstlichen und feigen Gärtner zusammenleben. Sie hinterließ eine Abschiedsnachricht auf einem großen Spiegel und floh. Daraufhin zerschlug Karl wutentbrannt die wertvollen sächsischen Vasen.
Der Baron besucht Jacobine heimlich. Er verlangt unmissverständlich ein Treffen am Denkmal. Um Mitternacht erklärt der Held seiner Ex-Frau Ramkopf und dem Bürgermeister unmissverständlich seine feste Absicht, wiederauferstehen zu wollen. Karl ist zutiefst angewidert von der bearbeiteten und farblosen Version seiner Biografie. Der Bürgermeister trifft eine äußerst harte Entscheidung: Er lässt seinen alten Freund als gefährlichen Betrüger verhaften.
Flug zum Mond
Ein neuer, aufsehenerregender Prozess beginnt. Ramkopf wirft dem Gärtner Müller vor, sich unrechtmäßig den Namen eines anderen angeeignet zu haben. Jacobina und Theophilus beteuern zynisch ihre völlige Verwandtschaft zum Angeklagten, der Bürgermeister weicht feige einer direkten Antwort aus, doch dann betritt Marta selbstbewusst den Gerichtssaal.
Eine Frau sucht in einem düsteren Gefängnis ein geheimes Treffen mit Karl. Sie bangt um sein fragiles Leben. Das Gericht hat grausamerweise eine Nachstellung angeordnet. Der Angeklagte soll auf einer scharfen Kanonenkugel zum Mond geschossen werden, doch Jacobina hatte Martha zuvor einen geheimen Plan anvertraut: Das Schießpulver in der Kanone soll völlig durchnässt sein. Der Baron soll, zur Belustigung der Umstehenden, einfach ungeschickt in den Schlamm fallen, doch sein Überleben ist garantiert. Martha beschließt, vor Gericht öffentlich zu lügen. In der Anhörung nennt sie ihren Geliebten einen einfachen Gärtner namens Müller und bittet den Herzog unter Tränen um eine schnelle Begnadigung.
Zutiefst erschüttert vom plötzlichen Verrat seiner Frau, willigt Münchhausen freiwillig in die tödliche Flucht ein, in dem aufrichtigen Wunsch, diese durch und durch verlogene Welt in Würde zu verlassen. Karl steht allein neben der gewaltigen Kanone, die Hände gefesselt. Mit rührenden Worten bittet er Martha, ihm seine aufrichtigsten Worte zu sagen. Im letzten, entscheidenden Augenblick bricht die Frau zusammen und schreit laut die schreckliche Wahrheit über das feuchte Schießpulver heraus. Der Baron jubelt ausgelassen. Der treue Thomas wirft seinem Herrn eilig ein Fass mit bewährtem, trockenem Schießpulver zu.
Die Zuschauer geraten in Panik. Nachdem der Herzog eine dringende Nachricht erhalten hat, identifiziert er den Angeklagten offiziell als Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen. Die Umstehenden ändern daraufhin augenblicklich ihr feiges Verhalten, und die heuchlerische Menge gratuliert dem Baron freudig zu seiner sicheren Rückkehr vom Mond.
Münchhausen weigert sich angewidert, an der langwierigen juristischen Farce teilzunehmen, und verkündet lautstark, er sei allein für seine glasklare Ehrlichkeit bekannt. Er nimmt eine brennende Lunte, bittet Thomas, bis sechs Uhr ein selbstgekochtes Abendessen zuzubereiten, und wirft einen durchdringenden Blick auf die erstarrte Menge, während er die berühmten Worte spricht: „Lächeln Sie, meine Herren, lächeln Sie!“ Zu den Klängen triumphierender, erhabener Musik steigt der Baron gemächlich eine endlose Strickleiter empor, geradewegs in den Himmel.
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