„Talente und Bewunderer“ von Alexander Ostrovsky, Zusammenfassung
Diese 1881 entstandene Komödie schildert die harte Realität des Provinztheaters, wo bittere Armut die Schauspieler zwingt, ihr Gewissen für das bloße Überleben zu opfern. Eine junge Schauspielerin steht vor der Wahl zwischen ehrlicher Armut mit ihrem Geliebten und dem komfortablen Leben als Geliebte eines reichen Gutsbesitzers. Der Text ist völlig frei von Illusionen über das Wesen künstlerischen Erfolgs. Die Abhängigkeit des Talents vom Geld des Publikums wird mit größter Offenheit und Ehrlichkeit dargestellt.
Das Werk wurde mehrfach für Film und Fernsehen adaptiert und vielfach gefeiert. Die bekannteste Version erschien 1973 – der gleichnamige Film von Isidor Annensky vereinte eine Riege sowjetischer Filmstars und fing die eindringliche Atmosphäre des Originals getreu ein.
Neginas Wohnung und die Intrigen der Gäste
Die Provinz-Schauspielerin Alexandra Nikolajewna Negina lebt mit ihrer Mutter Domna Pantelejewna in einer ärmlichen Wohnung. Die Frauen leiden unter ständiger Armut und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs und geringen Kinoeinnahmen durch. Domna Pantelejewna bespricht ihre Schulden mit dem ehemaligen Impresario Martyn Prokofitsch Narokow. Dieser gebildete Mann hatte zuvor sein beträchtliches Vermögen seiner grenzenlosen Kunstliebe gewidmet. Nun ist er gezwungen, als einfacher Regieassistent seines ehemaligen Drehbuchautors Gawrila Migajew zu arbeiten. Narokow verehrt Negina aufrichtig, schreibt ihre Rollen auf schönem Papier mit rosa Schleifen neu und spricht oft von einem imaginären Dolch in seiner Brust. Er ist empört über ihre Absicht, den armen Studenten Pjotr Jegoritsch Melusow zu heiraten.
Bald darauf treffen Prinz Irakli Dulebov, ein Adliger, und Grigory Bakin, ein Provinzbeamter, im Haus ein. Prinz Dulebov bietet Negina unverblümt an, seine Geliebte zu werden. Der alte Mann verspricht ihr hochmütig, sie im Gegenzug für ihre Gunst in eine geräumige, luxuriöse Wohnung zu bringen. Das Mädchen weint bitterlich über diese Beleidigung und bittet den Prinzen inständig, sofort zu gehen. Wütend über ihre Weigerung droht Dulebov, ihren bevorstehenden Benefizauftritt völlig zu sabotieren.
Wenig später erscheinen die erfahrenere Schauspielerin Nina Smelskaja und der unermesslich reiche Gutsbesitzer Iwan Semjonowitsch Welikatow. Welikatow verhält sich äußerst bescheiden und zuvorkommend. Er schenkt Negina und Smelskaja kostbare Stoffe für neue Kleider. Der Gutsbesitzer lädt die beiden Frauen zu einem Ausritt auf Vollblütern und einem gemeinsamen Abendessen mit der gesamten Theatergruppe ein. Negina willigt trotz der heftigen Einwände ihres Verlobten Melusow ein. Der Student versucht, der Schauspielerin Grammatik und die Prinzipien eines ehrlichen Lebens beizubringen und verlangt regelmäßig ein mündliches Geständnis von seiner Braut. Doch die junge Frau ist moralisch am Ende ihrer Schulden und der bevorstehenden Benefizvorstellung.
Theatralischer Konflikt und unerwartete Rettung
Die Handlung verlagert sich in einen Stadtgarten nahe eines alten Holztheaters. Der Leiter der Theatergruppe, Gavrilo Petrowitsch Migajew, beugt sich bereitwillig Dulebows Rachefeldzug. Der Impresario setzt Neginas Benefizvorstellung auf den äußerst ungünstigen letzten Tag der Weltausstellung, entzieht ihr vor der Abschlusszeremonie ihre Hauptrollen und weigert sich kategorisch, ihren Vertrag zu verlängern. Verzweifelt erkennt Negina den drohenden Zusammenbruch ihrer Theaterkarriere. Der Fürst triumphiert offen und prahlt mit seiner enormen Macht über die rebellische Schauspielerin.
Der betrunkene Tragödienschauspieler Erast Gromilov irrt durch die Gartenwege. Ständig sucht er den jungen Kaufmann Vasya, um seine Getränke bezahlen zu lassen, und flucht lautstark mit äthiopischer Stimme über Migaev. Smelskaya flüstert Negina zu, wie schwer es sei, sich zwischen dem rachsüchtigen alten Fürsten und dem reichen Velikatov zu entscheiden. Meluzov liefert sich vor Publikum einen offenen Wortwechsel mit Migaev und appelliert an dessen Gewissen. Der Impresario ignoriert zynisch die moralischen Argumente seines Gegners. Gavrilo Petrowitsch ist es gewohnt, ausschließlich die Launen wohlhabender Gönner im Parkett zu befriedigen.
In diesem brenzligen Moment greift Velikatov mutig ein. Der Gutsbesitzer bietet öffentlich an, alle Eintrittskarten für Neginas Benefizkonzert für 500 Rubel aufzukaufen. Der junge Kaufmann Vasya versucht, ihn zu überbieten, gibt aber schnell nach. Velikatovs großzügige Geste bewahrt die junge Schauspielerin im Nu vor öffentlicher Schande. Das Mädchen dankt ihrem unerwarteten Retter überschwänglich. Dulebov und Bakin sind von den finanziellen Dimensionen der Ereignisse überwältigt. Meluzov beobachtet das Geschehen schweigend, unfähig, seine Braut finanziell zu unterstützen.
Der Triumph der Schauspielerin und die qualvolle Entscheidung
Die Aufführung ist ein voller Erfolg. Spät am Abend besucht Velikatov Negina. Er bringt eine große Summe Geld mit und schenkt Domna Pantelevna einen kostbaren Schal. Der Gutsbesitzer erzählt der alten Dame lebhaft von seinem prächtigen Anwesen, seinen dressierten weißen Truthähnen und den Schwänen, die auf dem See schwimmen. Domna Pantelevna ist überglücklich über ihren liebenswürdigen Besucher.
Negina kehrt erschöpft nach den Standing Ovations zurück. Der alte Narokov bringt ihr Blumen von Bewunderern und seine naiven, handgeschriebenen Liebesgedichte. Die Schauspielerin liest zwei Briefe, die sie hinterlassen hat. In einer kurzen Notiz lobt Meluzov die Wärme ihres Spiels und lädt sie zu einem geheimen Treffen im Garten ein. Velikatovs Brief enthält eine direkte Liebeserklärung. Der Gutsbesitzer lädt die Schauspielerin ein, auf sein Gut zu ziehen, die rechtmäßige Herrin des Palastes zu werden und dann auf der Bühne eines südlichen Theaters zu glänzen.
Alexandra Nikolajewna ist zutiefst verzweifelt. Nüchtern betrachtet sie die hoffnungslose Lage ihrer Familie. Unter Tränen weigert sie sich, die edle Heldin zu spielen und ewig in erniedrigender Armut zu leben. Ihre Seele sehnt sich verzweifelt nach Petja, doch ihre unbändige Leidenschaft für die Bühne überwiegt alles andere. Plötzlich platzen die fröhlichen Wasja und Gromilow in das Zimmer der Schauspielerin und zwingen die Frauen, Champagner zu trinken. Dann betritt Bakin dreist das Haus, um die Nacht dort zu verbringen und Negina absichtlich in eine unangenehme Lage zu bringen. Melusow kehrt aus dem Garten zurück und wirft den unverschämten Beamten barsch hinaus, wobei er droht, ihn aus dem Fenster zu werfen. Die Schauspielerin verbringt ihre letzte Abschiedsnacht mit ihrem Verlobten und zögert noch immer, ihm ihre endgültige Entscheidung zu offenbaren.
Abschied am Bahnhof
Am nächsten Tag versammelt sich die gesamte Theatergruppe im Wartesaal des Bahnhofs. Negina verlässt eilig und heimlich ihre Heimatstadt. Velikatov hat im Voraus mit dem Schaffner einen komfortablen Familienwaggon reserviert. Vor seinen Bekannten gibt der gerissene Gutsbesitzer vor, die Damen lediglich zum Zug zu begleiten. Mit diesem durchdachten Manöver entgeht er geschickt jeglichem Gerede von Bakin und Dulebov. Alle stoßen mit Wein auf ihre Abreise an. Domna Pantelejewna dirigiert die Bahnhofsangestellten beim Einladen ihres Gepäcks. Smelskaja durchschaut Velikatovs List mit dem Waggon sofort.
Narokow und Melusow eilen verzweifelt zum Bahnhof. Der exzentrische alte Mann Narokow verpfändet seine teure Uhr an den Kaufmann Wasja, um Wein zu kaufen. Er hält eine lange, rührende Rede auf Neginas unbestreitbares Talent. Noch am Bahnhof kniet Narokow nieder, rezitiert Gedichte und bricht in Tränen aus, während er der abreisenden Künstlerin die Hände küsst.
Als Negina einige Minuten allein mit Meluzov ist, beichtet sie ihm alles. Leise erklärt sie ihr Verhalten mit Schwäche und einer fanatischen Liebe zum Theater. Die Bühne ist ihr weitaus wichtiger als die hohen moralischen Ideale einer armen Studentin. Unter Tränen gibt sie ihrem Ex-Verlobten eine abgeschnittene Haarlocke und bittet ihn um finanzielle Unterstützung.
Die Lokomotive pfeift, und der Zug rast davon. Der verzweifelte Meluzow hört sich Bakins ätzende Sticheleien an, der ihm hämisch rät, sich aus Kummer zu erschießen. Der Student bewahrt seine Würde. Er hält eine leidenschaftliche Rede über die einfachen Freuden armer Arbeiter, die Wissenschaft und Zivilisation aufrichtig schätzen. Meluzow verspricht fest, seine Arbeit als Dorflehrer bis zum Ende fortzusetzen, unermüdlich die Menschen zu unterrichten und die wohlgenährten Seelenverderber unerbittlich zu bekämpfen.
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