„Es gab keinen Penny, aber plötzlich eine Münze“ von Alexander Ostrovsky, Zusammenfassung
Alexander Ostrowskis Komödie entstand 1871 und wurde 1872 in den „Otechestvennye Zapiski“ (Aufzeichnungen über das Vaterland) veröffentlicht. Sie trug ursprünglich den Titel „Der Morgen ist weiser als der Abend“; dieser frühe Titel findet sich später in der letzten Zeile des Stücks wieder und verleiht dem Ende eine besondere Präzision. Die Handlung spielt am Rande Moskaus, wo alltägliche Armut und heimliches Horten nebeneinander existieren und der Humor schnell in Grausamkeit umschlägt.
Die Handlung dreht sich um das Haus des pensionierten Beamten Michei Micheitsch Krutitski. Er lebt dort mit seiner Frau Anna Tichonowna und seiner Nichte Nastja in bitterer Armut. Deren Ursache liegt jedoch nicht in Geldmangel, sondern in der krankhaften Geizigkeit ihres Herrn. Krutitski lässt seine Familie hungern, hält sie in der Kälte gefangen, zwingt sie, Lumpen zu tragen, und betrachtet jede Ausgabe beinahe als Verbrechen. Schon in den ersten Szenen wird deutlich, dass ihm Geld wichtiger ist als Frieden, Familie und menschliches Mitgefühl.
Neben diesem Haus wohnen Menschen anderer Gesellschaftsschichten, doch ihre Atmosphäre ist dieselbe: kaufmännisches Kalkül, Neugierde auf das Unglück anderer, die Angewohnheit, Menschen nach ihrem eigenen Profit zu beurteilen. Nebenan leben die Stadtbewohnerin Domna Jewsignjewna Migatschowa mit ihrem Sohn Jelesja und der Kaufmann Istukari Lupitsch Jepischkin mit seiner Frau Fetinja Mironowna und seiner Tochter Larisa. Diese Leute empfinden kein wirkliches Mitgefühl für Nastja: Sie beobachten ihre Demütigung fast wie ein Spektakel, unterhalten sich laut darüber und lenken das Gespräch sogleich auf praktische Angelegenheiten. Vor diesem Hintergrund sticht Nastja selbst hervor – ein stolzes, lebensfrohes Mädchen, noch nicht völlig gebrochen.
Auch Nastya ist Gegenstand einer Liebesgeschichte. Sie wird von Modest Grigorjewitsch Bakluschin geliebt, einem liebenswerten, aber leichtfertigen jungen Mann, der hoch verschuldet ist. Er ist in Nastya verliebt, doch seine Lage führt dazu, dass seine Liebe ständig mit der Geldfrage kollidiert. Bakluschin verheimlicht seine Armut nicht und gibt praktisch zu: Ohne Geld kann er nicht an Heirat denken, was bedeutet, dass seine Gefühle sofort unter den Druck der Kosten-Nutzen-Rechnung geraten.
Krutitsky, der eine weitere Person loswerden und gleichzeitig aus dem Unglück seiner Nichte Profit schlagen will, besorgt Nastya eine Bescheinigung der Gleichgültigkeit. Mit diesem Dokument sollen Anna Tichonowna und Nastya von Laden zu Laden betteln gehen. Die Szene der Spendensammlung ist streng inszeniert: Die Nachbarn weisen die Frauen detailliert an, wie sie das Papier halten, ihre Gesichter mit einem Tuch verhüllen, welchen Abstand sie halten und wie sie sich anderen präsentieren sollen. Nastya wird förmlich in Scham geführt, wie ein hilfloses Wesen, und die Menschen um sie herum betrachten sie mit einer Mischung aus Mitleid, Neugier und vulgärer, geschäftsmäßiger Effizienz.
Diese Demütigung bildet eine der ergreifendsten Episoden des Stücks. Beim Einkaufen gibt Jepischkin Frauen Geld, doch seine Wohltätigkeit mündet sofort in ein schändliches Interesse an der jungen Frau. Er gibt ihr zehn Rubel und macht deutlich, dass er mit Nastja „reden“ möchte – sprich: ihre Armut für seine eigenen Zwecke ausnutzen. Die Beleidigung ist doppelt: Nastja wird gekauft, bevor überhaupt eine Einigung erzielt wurde, und ihre Armut wird zum Verhandlungsmasse.
Nachdem Nastya das Geld erhalten hat, handelt sie nicht nach dem Prinzip des Überlebens, sondern nach dem Prinzip der Würde. Sie gibt einen Teil der Summe für Tee und Kleinigkeiten aus und versucht, Baklushin als Mensch wahrzunehmen und ihm zumindest für eine Weile die extreme Notlage zu verbergen. Diese kleine, häusliche Geste ist besonders berührend, weil sie kein Wohlbefinden erkennen lässt – sie ist der Versuch, an den letzten Resten eines normalen Lebens festzuhalten. Nastyas anschließendes Gespräch mit Baklushin ist noch ergreifender: Sie mögen einander, doch um sie herum hat sich bereits eine Atmosphäre entwickelt, in der Zuneigung ständig Pflicht, Mitgift und finanziellem Gewinn weicht.
Nach und nach enthüllt das Stück den zentralen Widerspruch im Hause Krutitsky. Der alte Mann ist nicht arm im herkömmlichen Sinne. Er spart seit Langem, verleiht Geld gegen Zinsen, nimmt Hypotheken auf und hortet manisch jeden Cent. Seine zerlumpten Kleider und der Hunger seiner Familie sind Teil dieser Hortungssucht: Er lebt schlechter als ein Bettler, obwohl er ein großes Vermögen besitzt. Er versteckt sein Geld, tastet danach, versteckt es wieder und fürchtet es mehr als sein eigenes Leben.
Dieser geheime Reichtum verleiht allen nachfolgenden Ereignissen einen beinahe kriminellen Beigeschmack. Krutitsky misstraut allen, sieht nur noch jene um sich herum, die es auf sein Vermögen abgesehen haben, und treibt sich in einen regelrechten Nervenzusammenbruch. Je mehr er spart, desto ärmlicher wirkt sein Haus und desto verzweifelter wird die Lage für Anna und Nastja. Anna Tichonowna, von der Armut erschöpft, kann nicht mehr klar denken und ist mitunter bereit, ihre Nichte zu einem verhängnisvollen Schritt zu drängen, nur um Hunger und Kälte zu entkommen.
Bei Einbruch der Dunkelheit spitzt sich die Lage zu. Krutitsky verliert sein Geld. Sofort schreit er, ausgeraubt worden zu sein, und beschuldigt alle um ihn herum des Diebstahls. Unterdessen stellt sich heraus, dass Jelesja beim Fegen der Straße das Geld gefunden hat und nun eilig vor Zeugen seinen Fund meldet, nicht ohne an seinen eigenen Anteil zu denken. Der Tumult lockt Polizeibeamten Ljutow und seine Wachen an, und die Szene artet in eine groteske Ermittlung aus, in der Gier, Angst und Bürokratie miteinander verstrickt sind.
Für Krutitsky ist dieser Schlag unerträglich. Der Verlust seines Kapitals raubt ihm die letzten Reste seines Verstandes. Seine Rede wird wirr, er schwankt zwischen Raubschreien, panischen Aufzählungen von Summen und dem quälenden Gefühl, jeder wolle sein Geld unter sich aufteilen. In diesem Moment wird ihm besonders deutlich, dass ihm sein angehäuftes Vermögen weder Macht noch Frieden noch Ansehen gebracht, sondern ihn nur in die Barbarei getrieben hat.
Im Morgengrauen scheint die Lage der Frauen hoffnungslos. Nastja steht vor einer Wahl, die ihr die Armut im Grunde schon abgenommen hat: Entweder sie erträgt weiterhin die Demütigungen oder sie ergibt sich dem reichen Kaufmann. Anna Tichonowna erleidet einen schmerzhaften moralischen Zusammenbruch, nachdem sie diesem Schicksal beinahe zugestimmt hatte und nun erkennt, dass sie ihre Nichte beinahe ruiniert hätte. Ostrowski zeigt hier kein abstraktes Laster, sondern die unmittelbaren Auswirkungen der Armut auf den menschlichen Willen: Hunger raubt dem Menschen Klarheit und treibt ihn zu schrecklichen Entscheidungen.
Die Auflösung kommt plötzlich und doch vorhersehbar. Krutizki begeht Selbstmord durch Erhängen in Jepischkins Garten. Nach seinem Tod wird das wahre Ausmaß seines angehäuften Vermögens enthüllt: über zweihunderttausend Rubel. Diejenigen, die Nastja gestern noch für ein bemitleidenswertes, armes Mädchen hielten, ändern ihre Meinung schlagartig, als sie sich als reiche Erbin entpuppt. Die dramatischste Wendung betrifft Bakluschin: Es stellt sich heraus, dass er Krutizki etwas schuldet, wodurch er nun auch Nastja etwas schuldet.
Die Schlussszenen bauen auf dieser Wendung des Schicksals auf. Nastja kann nun mit spöttischen Vorwürfen mit Bakluschin sprechen und spielt beinahe mit ihrer neu gewonnenen Macht. Er bittet sie um Erlaubnis, erneut um sie zu werben, und sie willigt ein. Die neidischen, unhöflichen und humorvollen Bemerkungen der Nachbarn hallen um sie herum wider, und Nastja selbst lacht über die Vorstellung, dass sie und Bakluschin das Geld wohl schnell verprassen werden. Dieser scherzhafte Satz ist direkt an den toten Krutizki gerichtet: Es ist besser, ein Vermögen im Leben zu verprassen, als es in Angst verrotten zu lassen und sich selbst an den Galgen zu bringen.
Anna Tichonowna hat das letzte Wort. Sie erinnert sich an das Sprichwort „Der Morgen ist klüger als der Abend“, mit dem sich arme Menschen in tiefster Dunkelheit trösten, und diesmal bewahrheitet es sich buchstäblich. Über Nacht ändert sich Nastjas Leben völlig, doch die Freude über das Ende kann das Erlebte nicht auslöschen: Bevor das Geld plötzlich kam, hatte dieses Haus ihr bereits den ganzen Schrecken von Geiz, Demütigung und Menschenhandel vor Augen geführt.
- Jubiläumsausstellung des Monumentalkünstlers Ivan Bondarenko "Mit Liebe zum Leben"
- Sehenswürdigkeiten Moskaus, die oft hinter den Kulissen bleiben
- „Genug Dummheit in jedem Weisen“ von Alexander Ostrovsky, Zusammenfassung
- Gewinner des Kinotavr-Kurzfilmprogramms bekannt gegeben
- Street Art Ausstellung "Reverse Side"
- „Der magische Glanz der Sonne“ von Anna Jane, Zusammenfassung
Adblock bitte ausschalten!
Sie können nicht kommentieren Warum?