Eine Zusammenfassung von „Die Kupferbox“ von Dina Rubina
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Diese 2015 erschienene Kurzgeschichtensammlung greift auf den intimen Tonfall von Reiseliteratur zurück. Das Buch ist eine Galerie von Monologen zufälliger Mitreisender, die die komplexen Lebensgeschichten einzelner Personen erzählen. Die Autorin gestaltet die Erzählung als eine Reihe privater Geschichten, die in Zügen und Flugzeugen aufgeschnappt wurden und in denen persönliche Tragödien eng mit den historischen Realitäten des 20. Jahrhunderts verwoben sind.
Familiengeheimnisse und Erbstücke
Die Titelgeschichte eröffnet das Buch mit der Geschichte von Sonja, einer Schülerin aus einer Kleinstadt nahe Moskau. Nachdem sie sich in einen Schauspieler verliebt hatte, rannte sie mit einer Theatergruppe von zu Hause weg und blieb mit ihrem kleinen Sohn allein zurück. Während der Hungersnotjahre war Sonja gezwungen, das Kind zur Adoption freizugeben. Reiche Verwandte stellten eine grausame Bedingung: Sie durfte sich dem Jungen nie wieder nähern. Die Protagonistin konnte ihren Sohn nur einmal im Jahr aus der Ferne sehen. Eine kleine Kupferdose blieb als Erinnerung an diese Zeit.
In ihrer Geschichte über ein antikes Medaillon thematisiert die Autorin die Bewahrung von Erinnerungen durch antike Objekte. Antike Gegenstände bewahren Spuren der Lebensgeschichten von Menschen des letzten Jahrhunderts. Alltagsgegenstände werden zu den einzigen stummen Zeugen vergangener Ereignisse, die über Jahrzehnte von Hand zu Hand weitergegeben werden.
Die Geschichte der Goldfarbe entführt den Leser in eine riesige Münchner Bierhalle. Dort begegnet er zufällig einem temperamentvollen Stammgast, dessen Erscheinung die typischen Merkmale eines deutschen Bürgers verkörpert. Die Gespräche in der Kneipe offenbaren verborgene historische Traumata und kulturelle Stereotype, die noch lange nach dem Krieg in den Köpfen der Menschen fortwirken.
Erinnerungen an die Vergangenheit
Der Erzähler erinnert sich an das blühende Poltawa, den Duft von Flieder und alten Kastanienbäumen. Unter einem alten Walnussbaum im Hof steht ein wackeliger Tisch, an dem die Familie früher zusammenkam. Warme Kindheitserinnerungen wechseln sich ab mit Beschreibungen des Fluges der Maikäfer. Alltägliche Szenen friedlichen Lebens stehen im Kontrast zu den harten Prüfungen, die die ältere Generation erleidet.
Ein Requisiteur erzählt von seinen Erlebnissen während der Belagerung. Der Beruf des Puppen- und Bühnenbildners mag trivial erscheinen, doch genau dieser Beruf half dem Helden zu überleben. Hinter den lustigen Gesichtern und märchenhaften Masken verbergen sich schreckliche Erinnerungen an Hunger, Kälte und Verlust im belagerten Leningrad. Die Kunst diente als dünner Faden, der die erschöpften Menschen mit dem normalen Leben verband.
Der Bildhauer Jerzy Terlecki, ein polnischer Jude, floh 1939 vor den Nazis. Mit Hilfe eines sowjetischen Diplomaten konnte er die polnische Staatsbürgerschaft zurückerlangen. Das Leben des Künstlers war geprägt von Entbehrungen und dem Bemühen, sein künstlerisches Erbe zu bewahren. Seine Werke spiegeln die schwierigen Erfahrungen einer Generation wider, die gezwungen war, fernab ihrer Heimat Zuflucht zu suchen.
Stadtskizzen und Reisen
Die Topolev-Gasse im Moskauer Stadtteil Meschtschanski ist längst verschwunden. Einst standen hier niedrige Häuser mit Vorgärten, Dahlien und hohe Pappeln. Der Autor lässt die Atmosphäre dieses untergegangenen Stadtraums nostalgisch wiederaufleben, wo Generationen von Moskauern ein beschauliches Leben führten. Die Zerstörung der alten Straßen tilgt die physischen Spuren der Vergangenheit und lässt sie nur in den Erinnerungen langjähriger Bewohner fortleben.
Ein Mädchen flieht aus einem angesehenen Pionierlager in den Ausläufern des Chimgan-Gebirges nahe Gazalkent. Die institutionalisierte Umgebung und die strengen Regeln treiben das Kind zu diesem verzweifelten Schritt. Die Heimreise wird zur ersten ernsthaften Charakterprobe, zum Versuch, sich von den auferlegten Regeln zu befreien.
Die Handlung verlagert sich an den Stadtrand von Aschgabat, in ein trostloses Betongebäude, in dem ein Forschungsinstitut untergebracht ist. Die Fenster blicken auf Straßenbahnschienen, sodass die Möbel in den Räumen vom ständigen Rattern der Bahnen erzittern. In dieser bedrückenden Atmosphäre entfaltet sich die Tragödie eines einsamen Mannes, der in den Selbstmord getrieben wird. Die düstere Industrieumgebung unterstreicht die Hoffnungslosigkeit der Situation.
Tagungen im Ausland
In der israelischen Stadt Netanja beobachtet die Erzählerin die Schauspielerin Renata bei einem Auftritt. Durch ein Loch in der Sperrholzwand ihrer Garderobe späht sie und beurteilt das Können ihrer Kollegin. Hinter den Kulissen des Theaterlebens lauern beruflicher Neid, Erschöpfung und echte Bewunderung für Talent.
Jerusalem erscheint durch die Linse der Beobachtung von Katzenrudeln auf den Straßen. Moses ben Jakob sagte: „Vom irdischen Jerusalem zum himmlischen Jerusalem sind es nicht mehr als 18 Meilen.“ Die Stadt ist in zahlreiche Religionsgemeinschaften unterteilt, jede mit ihren eigenen strengen Regeln. Christliche, jüdische und armenische heilige Stätten existieren neben geschäftigen Märkten und engen Gassen. Uralte Texte der Tora und des Talmud werden in den alltäglichen Gesprächen der Einheimischen lebendig.
Eine Reise auf die griechische Insel Kreta beschließt die Erzählung. In Elafonisi schimmert das Wasser vor der Küste wie ein transparentes, sonniges Netz und verschwindet im blendenden Blau der Ägäis am Horizont. Auf der Terrasse einer Taverne speist die Erzählerin in Gesellschaft von streunenden Katzen und einem roten Hund. Beim Bezahlen findet sie in ihrer Geldbörse eine Fünfzig-Cent-Münze mit dem Wort „LEPTA“ in russischen Buchstaben. Dieses kleine Detail weckt eine tiefe Verbundenheit mit der Wiege der Menschheit im Mittelmeerraum.
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