Eine pragmatische Betrachtung des Japanischen und Koreanischen
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Die Pragmatik untersucht, wie Sprecher sprachliche Merkmale in konkreten Situationen verwenden, und nicht nur deren formale Bedeutung. Dies zeigt sich besonders deutlich im Japanischen und Koreanischen: Die Wahl von Endungen, Partikeln, Vokabeln und sogar der Stimmakustik signalisiert ständig die Beziehung zwischen den Gesprächsteilnehmern, die Angemessenheit der Äußerung und den Grad des Engagements der Gesprächspartner.
Beide Sprachen werden häufig als hochkomplexe Systeme von Höflichkeitsformen und Sprachniveaus beschrieben. Studien zeigen, dass grammatikalische Höflichkeitsmarker nicht nur mit dem sozialen Status, sondern auch mit dem Diskursstil, den Intentionen des Sprechers und den Erwartungen des Zuhörers verknüpft sind. Darüber hinaus geht die Ähnlichkeit der allgemeinen Kategorien (respektvoll/neutral/vertraut) mit unterschiedlichen Graden an Normrigidität und verschiedenen Strategien zum Wechsel zwischen den Stilen im Japanischen und Koreanischen einher.
Systeme der Höflichkeit und Sprachniveaus
Die japanische Sprache unterscheidet traditionell mehrere Höflichkeitsstufen, die in der modernen Linguistik mit den Begriffen „ sonkeigo“ (respektvoll), „ kenjōgo“ (bescheiden, zurückhaltend) und „ teineigo“ (standardmäßig höflich) beschrieben werden. Diese Stufen werden durch spezifische Verbformen, Affixe, Pronomen und bestimmte syntaktische Konstruktionen ausgedrückt. Beispielsweise spiegeln die Verbpaare „iku / irassharu / mairu“ unterschiedliche Haltungen gegenüber dem Subjekt der Handlung wider: von neutral bis hin zu betont respektvoll gegenüber dem Adressaten oder einer dritten Person.
Das koreanische Sprachsystem ist auf der Ebene der sogenannten Sprachstufen formalisierter. Es werden sieben Stufen beschrieben, die sich durch die Verbendungen und den Grad der Formalität unterscheiden – von sehr formell bis vertraulich und informell. Fast jede Äußerung im Koreanischen endet mit einer Markierung, die gleichzeitig die Art der Äußerung (Erzählung, Frage oder Aufforderung) und den Höflichkeitsstil gegenüber dem Adressaten kodiert.
Vergleichende Studien zeigen, dass japanische Sprecher häufig auf explizit markierte Höflichkeitsformen verzichten und sogenannte „unmarkierte Äußerungen“ verwenden, in denen die übliche formale Markierung weggelassen wird. Im Koreanischen hingegen sind die Wahl des Sprachniveaus und dessen konsequente Beibehaltung im Gespräch eng mit dem Alter der Gesprächspartner, ihrem Status und der Formalität der Situation verknüpft. Dies führt zu Unterschieden darin, wie stark sich die soziale Hierarchie in der Grammatik eines Dialogs widerspiegelt.
Höflichkeit des Adressaten und strukturelle Positionen von Markierungen
Im Japanischen drückt Höflichkeit gegenüber dem Gesprächspartner häufig durch die Kombination der Affixe „-masu“ / „-desu“, bestimmter respektvoller Verben und passender Vokabeln aus. Ein Satz kann aber auch ohne spezielle Diskurspartikel enden. Der Grad der Formalität wird maßgeblich durch die Kombination der gesamten Prädikatmorphemkette und des Kontextes sowie durch die Wahl der Pronomen und Anredeformen bestimmt.
Im Koreanischen stehen Höflichkeitsmarker systematisch am Ende von Äußerungen und sind in die Paradigmen der sogenannten „Sprechstile“ eingebettet. Derselbe Satz kann mit den Endungen „-supnida“, „-eyo“ oder „-e/a“ gebildet werden, was zu unterschiedlichen Bedeutungen hinsichtlich Distanz und Respekt gegenüber dem Adressaten führt, während die lexikalische Zusammensetzung des Satzes nahezu gleich bleibt. Pragmatisch wichtige Entscheidungen werden also genau in der letzten Phase der morphologischen Bildung getroffen.
Vergleich japanischer und koreanischer Sprachpegelsysteme
Eine Studie über Dialoge zwischen Männern, die sich nicht kannten, sowohl japanischen als auch koreanischen Gesprächspartnern, zeigt, dass in japanischen Konversationen die Sprachebene nicht immer direkt die Altershierarchie widerspiegelt: Die Sprecher verwenden aktiv neutrale Äußerungen. Auf der Ebene des Diskurses sind jedoch Stilwechsel erkennbar, die Beziehungsdynamiken, Vertrautheit oder im Gegenteil Distanz signalisieren.
Bei koreanischen Dialogen desselben Typs wurde ein deutlicherer Zusammenhang zwischen Sprachniveau und Alters- sowie Statushierarchien beobachtet: Sprecher mit niedrigerem Status verwenden gegenüber Sprechern mit höherem Status häufiger und konsequenter höfliche Formen. Ein Niveauwechsel wird oft als bedeutsames pragmatisches Ereignis und nicht als Stilmittel wahrgenommen, wodurch das System zwar vorhersehbarer, aber auch hinsichtlich sozialer Erwartungen starrer wird.
Einige Studien beschreiben das Aufkommen von „halbhöflichen“ oder Übergangsstilen im Japanischen und Koreanischen, bei denen eine einzelne Äußerung Elemente respektvoller und neutraler Formulierungen vereint. Diese Hybridität spiegelt eine Umverteilung sozialer Normen wider: Formale Grenzen werden aufgeweicht, während subtile Distanzkodierungen bestehen bleiben.
Pragmatische Partikel und Satzenden
Eines der am intensivsten erforschten Gebiete der japanischen Pragmatik sind die Endpartikel „ne“, „yo“, „yone“, „ka“, „no“ und andere. Sie verändern zwar nicht den propositionalen Inhalt einer Äußerung, regeln aber die Beziehung zwischen Sprecher und Adressat sowie die Einbindung der Äußerung in den Dialogablauf. Die Partikel „ne“ wird mit der Bitte um Bestätigung oder der Äußerung von Zustimmung assoziiert; „yo“ betont die Bereitstellung neuer Informationen für den Adressaten oder drückt das Selbstvertrauen des Sprechers aus; ihre Kombination „yone“ kann gleichzeitig geteiltes Wissen bekräftigen und bestätigen.
Korpus- und Konversationsstudien zeigen, dass diese Partikel nicht nur eine „Haltungsfunktion“ erfüllen, sondern auch die Gesprächsreihenfolge strukturieren und dem Zuhörer signalisieren, ob es angebracht ist, in einem bestimmten Moment zu sprechen. Beispielsweise kann eine Aussage, die mit „ne“ und fallender Intonation endet, das Ende eines Redebeitrags ankündigen, gleichzeitig aber eher eine freundliche Bestätigung als einen aktiven Einwand ausdrücken.
Im Koreanischen haben Wortbildungs- und syntaktische Prozesse dazu geführt, dass Partikel wie „-yo“, „-nikka“, „-na“ und andere Endpositionen einnehmen und zu wichtigen Indikatoren für Äußerungstyp und Kommunikationsstil geworden sind. Die Partikel „-yo“ wird traditionell als Höflichkeitszeichen gegenüber dem Adressaten beschrieben, doch eine detailliertere Analyse zeigt ihren Zusammenhang mit diskursiven Parametern: den Grenzen des Sprechakts, der Manifestation von Höflichkeit und den Beschränkungen der Verschachtelung solcher Strukturen.
Die Endung „-nikka“ dient nicht nur als Kausalitätsmarker, sondern auch der Selbstdarstellung. Studien zeigen, dass sie das Gefühl der persönlichen Beteiligung an einer Situation verstärken und gleichzeitig zwischenmenschliche Beziehungen fördern kann. Kombinationen von Endpartikeln im Koreanischen bestimmen den Tonfall einer Aussage – von formell bis spielerisch – und werden von Muttersprachlern eindeutig als Status- und Stimmungsindikatoren interpretiert.
Intonation und Partikel als ein einziges pragmatisches System
Vergleichende Studien japanischer Partikel und koreanischer Endtöne zeigen, dass Funktionen, die im Japanischen auf Graphem und Intonation verteilt sind (z. B. „yo“ mit steigender oder fallender Melodie), im Koreanischen oft prosodisch geprägt sind und mit einem relativ festen Satz von Morphemen arbeiten. Für japanische Sprecher bildet die Kombination aus Partikel und Intonationskontur ein kohärentes pragmatisches Signal, während für koreanische Sprecher ein ähnliches Signal häufiger mit der Endungsart und dem Gesamtmuster der Phrase assoziiert wird.
Untersuchungen zu „yo“ in beiden Sprachen verdeutlichen den Unterschied: Im Japanischen signalisiert „yo“ primär die Relevanz einer Nachricht und betont deren Nutzen für den Adressaten, während es im Koreanischen neben Höflichkeit auch die Position des Sprechers und die Struktur der Äußerung als übergeordneten Sprechakt kennzeichnet. Dieser Unterschied zeigt, wie ähnliche Elemente unterschiedliche pragmatische Zwecke erfüllen können.
Feedback im Dialog: Japanisches Aizuchi und koreanische reaktive Reaktionen
Das japanische System der Rückmeldung im Gespräch heißt „Aizuchi“. Dabei handelt es sich um kurze verbale und nonverbale Signale („Hai“, „Ihi“, „Un“, „Sō desu ka“, Nicken), die Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Äußerungen des Gesprächspartners signalisieren. Sie bedeuten nicht immer Zustimmung, sondern bestätigen, dass der Zuhörer dem Gedankengang folgt und den Kontakt aufrechterhält.
Studien zur Häufigkeit und Verteilung von Aizuchi zeigen, dass japanische Sprecher diese Signale deutlich häufiger verwenden als beispielsweise englische. Einige dieser Signale dienen dazu, den Redefluss aufrechtzuerhalten, während andere einen sanften Wechsel des Redebeitrags und den Übergang zur eigenen Äußerung einleiten. Bestimmte Arten von Aizuchi (wie das Wiederholen von „hai hai“ oder „sō sō sō“) stehen in direktem Zusammenhang mit dem Übergeben des Redebeitrags oder dem Füllen von Pausen und verhindern, dass Schweigen als Kälte interpretiert wird.
Ein ähnliches, aber nicht identisches System reaktiver Signale, oft als „reaktive Token“ bezeichnet, wurde für das Koreanische beschrieben. Auch sie signalisieren die Aufmerksamkeit des Zuhörers, unterscheiden sich jedoch in ihrer Häufigkeit und Position innerhalb einer Äußerung. Vergleichende Analysen zeigen, dass koreanische Sprecher tendenziell weniger wiederholte kurze Antworten hintereinander verwenden als japanische Sprecher, dabei aber auf ein reichhaltiges prosodisches Repertoire zurückgreifen.
Aus pragmatischer Sicht dienen beide Systeme dazu, potenzielle Gefahren für das „Gesicht“ der Gesprächspartner abzumildern: Durch das kontinuierliche Einstreuen kleiner Signale im Gespräch wird die Wahrscheinlichkeit abrupter Unterbrechungen und Missverständnisse verringert. Für Sprachlernende ist es wichtig zu wissen, dass das Fehlen der erwarteten Aizuchi oder koreanischen Reaktionszeichen oft als Ungeschicklichkeit oder Unaufmerksamkeit wahrgenommen wird, obwohl solche Pausen in anderen Sprachen als normal gelten.
Pragmatik der Adressen und Indikation des sozialen Status
Im Japanischen werden andere Personen und Dritte üblicherweise mit Suffixen wie „-san“, „-sama“, „-kun“, „-chan“ usw. angesprochen. Die Wahl des Suffixes hängt vom Grad der Formalität, dem Alter, der Nähe und dem Status ab. In vielen Situationen werden Titel (Sensei, Shachō usw.) gegenüber persönlichen Namen bevorzugt, um institutionelle Beziehungen zu betonen und eine direkte Personalisierung zu vermeiden.
Die koreanische Sprache verfügt über ein hochentwickeltes System von Titeln und Anredeformen, das eng mit dem Sprachstil verknüpft ist. Personalpronomen der zweiten Person werden häufig durch Anredeformen ersetzt, die auf Berufsbezeichnungen oder Familienstand basieren („seonsaengnim“, „hyeong“, „nuna“ usw.), und die Wahl des Sprachniveaus muss mit diesen Anredeformen übereinstimmen. Studien zeigen, dass es bei der Beschreibung von Anredeformen im Koreanischen sinnvoll ist, diese im Zusammenhang mit dem Sprachniveau zu betrachten, anstatt sie getrennt voneinander zu untersuchen.
Akustische Studien zeigen, dass sich im Anredebereich, insbesondere in der koreanischen Sprache, die charakteristischen Merkmale höflicher Intonation konzentrieren: geringere Lautstärke, Frequenzänderungen und ein ausgeprägtes Timbre. Im Japanischen sind solche akustischen „Hotspots“ gleichmäßiger verteilt, aber auch dort kann die Anrede die Wirkung eines respektvollen Stils verstärken, insbesondere bei Verwendung formeller Titel.
Kulturelle Konzepte und ihre Beziehung zur Pragmatik
Die Konzepte von „Honne/Tatemae“ und „Uchi/Soto“ werden regelmäßig herangezogen, um viele pragmatische Merkmale der japanischen Sprache zu erklären. „Honne“ beschreibt innere, aufrichtige Absichten und Gefühle, während „Tatemae“ sich auf gesellschaftlich erwartetes äußeres Verhalten und Äußerungen bezieht. Der Konflikt zwischen diesen Konzepten in literarischen Texten wird oft als Wahl zwischen persönlicher Haltung und gesellschaftlicher Pflicht dargestellt.
In der alltäglichen Kommunikation zeigt sich die Unterscheidung zwischen Honne und Tatemae in der Vermeidung direkter Ablehnungen. Stattdessen werden verschleierte Einschätzungen und mehrdeutige Formulierungen bevorzugt, die den Gruppenfrieden wahren. Beispielsweise drückt das höfliche „Sukoshi muzukashii desu“ oft eine aufrichtige Ablehnung aus, klingt aber formal weich und lässt verschiedene Interpretationen zu. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Pragmatik modaler Ausdrücke und abschwächender Konstruktionen.
Das Begriffspaar „uchi/soto“ (Eigengruppe/Fremdgruppe) beschreibt die Statusverteilung basierend auf der Zugehörigkeit zu einem sozialen Kreis – Familie, Unternehmen oder Gruppe. In der Sprache spiegelt sich dies in der Wahl der Pronomen, den Höflichkeitsstufen und sogar in der Verwendung höflicher Ausdrücke wider (je nach Situation wird der Status von „Insidern“ gegenüber „Außenstehenden“ erhöht oder umgekehrt). Solche Verschiebungen stellen oft Schwierigkeiten beim Übersetzen und Lehren dar, da es in anderen Sprachen keine direkten Entsprechungen gibt.
Die koreanische Pragmatik wird in der Forschung seit Langem mit der konfuzianischen Tradition in Verbindung gebracht, die den Respekt vor Älteren und die Hierarchie in Familie und Gesellschaft betont. Dies spiegelt sich in der Regulierung der Sprachniveaus wider: Ein jüngerer Gesprächspartner muss gegenüber Älteren fast immer die höfliche Anredeform verwenden, während eine niedrigere Anredeform akzeptabel ist. Zusammen mit dem Anredesystem entstehen so stabile Sprachrituale.
Ein Vergleich japanischer und koreanischer Daten zeigt, dass trotz eines allgemeinen Fokus auf Höflichkeit und harmonischer Interaktion spezifische kulturelle Einstellungen unterschiedliche Prioritäten setzen: Das japanische System legt größeren Wert auf die Unterscheidung zwischen „intern“ und „extern“, während das koreanische System den Fokus stärker auf vertikale Beziehungen und die Altershierarchie legt.
Sprechakte, Höflichkeit und pragmatische Strategien
Pragmatische Studien japanischer Entschuldigungen und Danksagungen zeigen, dass formale Höflichkeitsmarker (respektvolle Formen, zusätzliche Modalelemente) nicht immer der tatsächlichen Funktion der Äußerung im Kontext entsprechen. Beispielsweise können Konstruktionen mit „-te shimau“, „chotto“ und bestimmte einleitende Ausdrücke den „bedrohlichen“ Aspekt des Sprechakts je nach Situation entweder abschwächen oder verstärken.
Im Dienstleistungssektor, beispielsweise im Gastgewerbe, dreht sich die japanische Sprache häufig um Anweisungen (Bitten, Hinweise), die jedoch im üblichen Höflichkeitsregister (Teineigo) formuliert sind. Dies verringert das Risiko, die Äußerung als strikten Befehl zu verstehen. Korpusdaten belegen einen hohen Anteil an Anweisungen und Ausdrucksformen (Komplimente, Danksagungen, Entschuldigungen) bei konsequenter Verwendung höflicher Formulierungen als primären Schutzmechanismus für das soziale Image von Kunden und Mitarbeitern.
In der koreanischen Forschung zu Imperativen zeigt sich, dass der Unterschied zwischen scheinbar ähnlichen respektlosen Endungen nicht nur mit dem Grad der Unhöflichkeit, sondern auch mit der Art der Interaktion zusammenhängt. Die Formen „-e/a“ und „-ela/ala“ werden in unterschiedlichen Kontexten verwendet, wobei erstere in intimeren, familiären Kontexten und letztere in spezifischen institutionellen oder genrespezifischen Situationen zum Einsatz kommt. Dies deutet darauf hin, dass Sprachniveau und Endungen nicht nur hierarchische Beziehungen, sondern auch die Art der Handlung kodieren.
Indirekte und unvollständige Fragen im Koreanischen, gebildet mit den Partikeln „-na“, „-nka“ und anderen, können neben ihrer rein informativen Funktion auch als sanfte Anweisungen oder Ausdrücke des Zweifels dienen. Ähnlich verhält es sich im Japanischen: Die Partikel „ka“ wird sowohl für direkte Fragen als auch als Bestandteil unbestimmter Pronomen verwendet, wobei sich die pragmatische Bedeutung je nach Kontext ändert.
Prosodische und akustische Parameter höflicher Sprache
Moderne sprachvergleichende Studien zeigen, dass Höflichkeit im Japanischen und Koreanischen nicht nur morphologisch, sondern auch durch das Stimmverhalten – Tonhöhe, Lautstärke und Melodievariation – kodiert ist. Der japanische Höflichkeitsstil zeichnet sich durch eine ruhigere Stimmführung aus: Die Sprache wird leiser und gleichmäßiger, mit weniger Schwankungen in Tonhöhe und Intensität im Vergleich zu einer neutralen Sprechweise.
Ähnliche Ergebnisse wurden für Koreanisch erzielt: Höfliche Sprache zeichnet sich durch geringere Lautstärke und eine gleichmäßigere Melodie aus, jedoch zeigte sich im Vergleich zu japanischem Material eine deutlichere Verschiebung hin zu einer niedrigeren Grundfrequenz. Dies widerlegt die weit verbreitete Annahme, Höflichkeit sei automatisch mit hohen Stimmfrequenzen verbunden.
Eine separate Studie analysiert sogenannte „Hotspots“ höflicher Sprachmelodie: Bereiche der Äußerung, in denen die Unterschiede zwischen höflicher und neutraler Sprache besonders deutlich werden. Im Koreanischen findet sich die größte Konzentration charakteristischer Merkmale im Anredebereich und in den ihr am nächsten liegenden akzentuierten Phrasen. Im Japanischen ist die Verteilung weniger konzentriert, aber auch hier lässt sich eine lokale Verstärkung akustischer Marker bei wichtigen Sprechakten (Entschuldigungen, Danksagungen, Anreden) beobachten.
Diese Daten zeigen, dass sich die pragmatische Bedeutung von Höflichkeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig entfaltet, von Morphologie und Syntax bis hin zur Akustik, und dass Sprecher das Gesamtsignal erfassen, selbst wenn einzelne Komponenten mehrdeutige Hinweise liefern.
Pragmatik der Syntax und Verteilung der Satzglieder
Im Japanischen ermöglicht die durch Kasusmarkierung bedingte freie Stellung der Satzglieder das sogenannte „Scrambling“ – die Umordnung von Argumenten, ohne die zugrundeliegende grammatikalische Struktur zu verändern. Untersuchungen syntaktisch markierter Korpora zeigen, dass solche Umordnungen die Grammatikalität kaum beeinflussen, aber mit pragmatischen Motiven verbunden sind: Hervorhebung des Themas, Fokussierung und Aktualisierung neuer Informationen.
Eine separate Studie zu den Partikeln „wa“, „mo“ und „tte“ zeigt, dass diese Elemente nicht nur ein Thema oder einen Gegensatz markieren, sondern auch den weiteren Gesprächsverlauf „vorwegnehmen“: Ihr Auftreten ermöglicht es dem Adressaten, die Art der nächsten Handlung vorherzusagen, was wiederum die Redezeit und die Form der Antworten beeinflusst. Somit bestimmen die syntaktische Struktur des Satzes und das System der Postpositionspartikel gemeinsam die Pragmatik der Interaktion.
Obwohl auch im Koreanischen freie Satzstellung möglich ist, weisen Forschungsergebnisse auf strengere Beschränkungen hinsichtlich Satztyp und Sprachstil hin. Satzendmarker und Sprechniveau tragen die Hauptlast der pragmatischen Nuancen, während die Umordnung von Argumenten eine unterstützende Rolle spielt. Ein Vergleich zeigt, dass Japanisch häufiger syntaktische und informationsstrukturelle Mittel verwendet, während Koreanisch die Satzfinalmorphologie bevorzugt.
Im japanischen Sprachsystem gilt die Unterscheidung zwischen thematischen und fokalen Positionen als wichtig. Das Partikel „wa“ signalisiert einen bereits bestehenden Hintergrund, während das Fehlen von „wa“ oder die Verwendung anderer Partikel den Fokus anzeigt. Im Koreanischen werden ähnliche Unterscheidungen häufiger durch Wortstellung und Intonation kodiert, sodass kein separates Themenpartikel in gleichem Maße erforderlich ist.
Pragmatische Partikel und epistemische Bedeutungen
Das japanische Partikel „ka“ ist interessant, weil es mehrere Funktionen vereint: Es fungiert als Fragezeichen, als Bestandteil unbestimmter Pronomen und als Konjunktion in disjunktiven Konstruktionen. Eine formale Analyse zeigt, dass diese Polysemie durch einen einzigen Satz semantischer und pragmatischer Parameter beschrieben werden kann, wobei Diskrepanzen auf der Ebene der Einbettung des Satzes in den Diskurs entstehen.
Die Endpartikel „ne“ und „yo“ werden traditionell als Zeichen der Zustimmung und der Information interpretiert, neuere Arbeiten versuchen jedoch, sie im Hinblick auf ihren Bezug zum allgemeinen Wissensstand und die Relevanz der Äußerung zu beschreiben. Ein „yo“ mit steigender Intonation beispielsweise ist mit einer Botschaft verbunden, die dem Adressaten bei einer Wahl oder Entscheidung hilft, während dieselbe Äußerung ohne die Partikel weniger zielgerichtet klänge.
Im Koreanischen überschneidet sich das System der Partikel, die mit epistemischen und modalen Bedeutungen verbunden sind, weitgehend mit dem Höflichkeitssystem. Partikel, die Zweifel, Vermutungen und abgeschwächte Behauptungen markieren, werden oft mit bestimmten Sprechweisen kombiniert und bilden so stabile Formeln, bei denen die Veränderung eines Elements auch die Höflichkeitswahrnehmung verändert. Dies macht die Unterscheidung zwischen „rein epistemischen“ und „rein höflichen“ Markern relativ willkürlich.
Beispiele aus gesprochenen Korpora zeigen, dass Sprecher beider Sprachen aktiv mit Partikelkombinationen und Intonation spielen und so vielschichtige Signale von Selbstbewusstsein, Widerspruchsbereitschaft, Humor und Ironie erzeugen. Die Beschreibung solcher Phänomene erfordert die Berücksichtigung des pragmatischen Kontexts und nicht nur der Wörterbuchbedeutungen der Partikel.
Pragmatik der schriftlichen und elektronischen Kommunikation
Obwohl sich viele Studien auf die gesprochene Sprache konzentrieren, sind die pragmatischen Merkmale des Japanischen und Koreanischen auch in der Schriftsprache, einschließlich E-Mails und SMS, deutlich erkennbar. Die Analyse japanischer persönlicher Korrespondenz zeigt beispielsweise, dass Entschuldigungs- und Danksagungsausdrücke mit denselben Höflichkeitsparametern und Mimikstrategien wie in der gesprochenen Sprache formuliert werden, in der Schriftsprache jedoch die Verwendung von Formeln stärker ausgeprägt ist. Der Grad der Formalität wird durch die Variation der verwendeten Klischees und die Länge der Phrase angepasst.
Koreanische E-Mails und schriftliche Nachrichten zeugen von einer systematischen Wahl des Sprachniveaus und der Anredeformen, selbst in Kontexten, in denen die technische Umgebung (Chat, Instant Messaging) eine gewisse Informalität zulässt. Höfliche Anreden und Ehrenbezeichnungen sind in Nachrichten zwischen Jüngeren und Älteren weiterhin üblich, und ihr Fehlen kann in solchen Kontexten als Verstoß gegen soziale Normen wahrgenommen werden.
In beiden Sprachen entwickeln sich grafische Mittel zur Vermittlung pragmatischer Informationen in elektronischen Formaten aktiv weiter: variable Vokallänge oder Symbolwiederholungen („ neee“, „ ㅋㅋㅋ“, etc.), die Verwendung spezieller Emoticons und Emojis sowie Änderungen der Groß- und Kleinschreibung. Diese grafischen Techniken ergänzen oder ersetzen mitunter teilweise traditionelle grammatikalische Höflichkeitszeichen, mindern aber nicht deren Bedeutung.
Ein vergleichender Überblick über wichtige pragmatische Kategorien
Durch die Systematisierung der Daten ist es möglich, mehrere pragmatische Bereiche zu identifizieren, in denen die japanische und die koreanische Sprache besonders auffällige Ähnlichkeiten und Unterschiede aufweisen.
Erstens besteht ein Zusammenhang zwischen Sprachniveau und sozialer Hierarchie. Beide Sprachen verfügen über ein reiches Repertoire an respektvollen und respektlosen Formulierungen, doch greifen moderne japanische Sprecher häufiger auf markerneutrale Äußerungen zurück und wechseln flexibel zwischen verschiedenen Stilen, während koreanische Sprecher im Durchschnitt das Sprachniveau konsequenter mit Alter und Status korrelieren.
Zweitens ist die Verteilung pragmatischer Funktionen auf die Bestandteile der Äußerung zu berücksichtigen. Im Japanischen werden Postpositionspartikel und freie Argumentstellung häufig genutzt, um Thema, Fokus und Haltung auszudrücken, während Finalpartikel vorwiegend interpersonelle Nuancen betonen. Im Koreanischen liegt ein Großteil der Bedeutung bei den Verbendungen und dem Sprachstil, während Postpositionsmarker und Wortstellung pragmatisch relativ unflexibel sind.
Drittens ist der akustische Aspekt der Höflichkeit von Bedeutung: Beide Systeme nutzen Lautstärkereduzierung und Melodieglättung, um respektvolle Ausdrücke zu vermitteln, doch die Verteilung dieser Parameter innerhalb der Äußerungsstruktur und ihr Verhältnis zu Anredeformen unterscheiden sich. Dies beeinflusst, wie Sprecher subtile Unterschiede in der Stimme interpretieren und welchen Beitrag diese Unterschiede zur Gesamtbewertung der Höflichkeit leisten.
Letztlich sind beide Sprachsysteme eng mit kulturellen Vorstellungen von Gruppe, Hierarchie und harmonischer Interaktion verbunden, verkörpern diese Vorstellungen jedoch auf unterschiedliche Weise. Die japanischen Konzepte von Honne/Tatemae und Uchi/Soto betonen die Unterscheidung zwischen innerem und äußerem Kreis sowie die Diskrepanz zwischen innerer Haltung und öffentlichem Verhalten, während die koreanische Tradition durch eine konsequente Wahl des Sprachniveaus stärkeren Wert auf hierarchische Beziehungen und den gebührenden Respekt vor Älteren legt.
Der Erwerb pragmatischer Normen durch Kinder
Die pragmatischen Systeme des Japanischen und Koreanischen beginnen sich bei Kindern lange vor dem Schulalter zu entwickeln, doch reifen die verschiedenen Komponenten zu unterschiedlichen Zeiten. Experimente mit japanischen Vorschulkindern zeigen, dass die Sensibilität für Verletzungen der Maximen der Relevanz und Wahrhaftigkeit früher auftritt als für subtilere Verletzungen der Quantität und Mehrdeutigkeit von Äußerungen. Anders ausgedrückt: Kinder reagieren früher auf offensichtliche Inkohärenz oder Falschheit als auf übermäßige Kürze oder Mehrdeutigkeit.
Auch im Bereich der Höflichkeit lassen sich altersbedingte Veränderungen feststellen. Studien zeigen, dass Sechsjährige unhöfliche Ausdrücke und Verstöße gegen Höflichkeitsregeln besser erkennen als Erwachsene, während Vierjährige solche Nuancen oft nicht wahrnehmen. Dies deckt sich mit Beobachtungen zum schrittweisen Erwerb von Sprachniveaus und Anredeformen: Anfangs verwenden Kinder diese situationsbedingt, indem sie Erwachsene imitieren, später beherrschen sie die systematische Verknüpfung von Formen mit den Rollen der Kommunikationspartner.
In der japanischen Kultur ist das Konzept der „Tachiba“ – die Position des Sprechers in einer bestimmten Situation – von besonderer Bedeutung. Studien zeigen, dass diese Wahrnehmung des eigenen Platzes in der Hierarchie und im Beziehungsnetzwerk die Wahl höflicher Ausdrucksformen maßgeblich beeinflusst und sich das Bewusstsein dafür im Schulalter allmählich entwickelt. Koreanische Daten, die diesen Aspekt zwar weniger detailliert beleuchten, deuten auf eine vergleichbare Rolle von Seniorität und Status in den frühen Spracherfahrungen von Kindern hin.
Mehrdeutigkeit und Höflichkeit im Japanischen und Koreanischen
Die japanische Sprache wird oft als ein System betrachtet, in dem Mehrdeutigkeit und Unklarheit im Ausdruck eng mit Höflichkeit verbunden sind. Forschungen speziell zum „Aimaisa“ beschreiben eine Reihe von Lexemen und Konstruktionen, die in Antworten auf Einladungen einen Raum der Unsicherheit zwischen Annahme und Ablehnung schaffen. Solche Ausdrücke vermeiden ein direktes „Nein“ und ermöglichen es beiden Parteien, ihr Gesicht zu wahren.
Eine Korpusanalyse apologetischer Formulierungen zeigt, dass Elemente wie „chotto“, „-te shimau“ und Konditionalsätze auf „-tara“ die Bewertung eines Verhaltens hinsichtlich (Un-)Höflichkeit je nach Kontext verstärken oder abschwächen können. Beispielsweise mildert das Voranstellen von „chotto“ vor einer negativen Bewertung diese oft ab, wird aber in manchen Situationen als unzureichend klare oder gar mehrdeutige Entschuldigung wahrgenommen. Dies unterstreicht, dass diese Form nicht starr in eine einheitliche Höflichkeitsskala eingebettet ist.
Die Frage, warum japanische Muttersprachler so häufig auf verschleierte und verschlüsselte Ausdrücke zurückgreifen, wurde in zahlreichen Studien ausführlich erörtert. Forscher führen solche Strategien auf den Fokus auf interne Gruppenharmonie und die Scheu vor direkten Konflikten zurück. Die Autoren selbst betonen jedoch, dass diese Schlussfolgerungen auf begrenzten Korpora und Interpretationen beruhen und keine umfassende Beschreibung aller Register der japanischen Sprache bieten.
In der koreanischen Kommunikation wird Mehrdeutigkeit ebenfalls eingesetzt, um den Gesichtsverlust zu minimieren, allerdings mit etwas anderen formalen Mitteln. Modale Endungen und gezielte Wahlmöglichkeiten der Sprechweise kommen häufiger zum Einsatz; vage Lexeme und grammatikalische Konstruktionen werden mit deutlicher Höflichkeit kombiniert. Dieses „doppelte“ Signal kann gleichzeitig Respekt vermitteln und Raum für Interpretationen der inhaltlichen Bedeutung lassen.
Strategische Unsicherheit im digitalen Umfeld
In der digitalen Kommunikation ist ein deutlicher Anstieg strategischer Mehrdeutigkeit zu beobachten. Die Teilnehmenden verwenden bewusst vage Formulierungen, um Ablehnungen zu beschwichtigen, Zusagen zu verschieben oder direkter Kritik auszuweichen. Ähnliche Tendenzen wurden im japanischen und koreanischen Internet durch die Analyse typischer Formulierungen in Messenger-Apps und sozialen Plattformen festgestellt, obwohl detaillierte Vergleichsdaten noch begrenzt sind.
Ambivalenz ist ein fester Bestandteil von Höflichkeitsstrategien. Studien zeigen jedoch, dass übermäßige Unklarheit zu Missverständnissen und Frustration führen kann, insbesondere in interkulturellen Situationen. Dies wird besonders deutlich, wenn japanische oder koreanische Sprecher mit Gesprächspartnern interagieren, die direktere Aussagen gewohnt sind.
Stille, Pausen und der Rhythmus des Gesprächs
Stille und Pausen in der japanischen und koreanischen Kommunikation erfüllen komplexe Funktionen, die sich von denen vieler europäischer Sprachen unterscheiden. Studien zur interkulturellen Kommunikation belegen Fälle, in denen japanische Sprecher lange Pausen als Ausdruck von Nachdenken und Respekt nutzen, während Gesprächspartner aus anderen Kulturen dies als fehlende Reaktion oder implizite Ablehnung interpretieren.
Im Kontext des japanischen Aizuchi wird beschrieben, dass der Sprecher die Verwendung von Feedbacksignalen durch den Zuhörer häufig lenkt, indem er die Äußerung durch Pausen und eine abgeschwächte Stimme strukturiert. Eine Pause vor einer potenziellen Aizuchi-Position lädt zu einer kurzen Antwort ein, während das Fehlen einer solchen Pause das Recht auf Fortsetzung des Monologs ausschließt. Studien zum Fernunterricht im Japanischen bestätigen, dass die Beherrschung dieses Rhythmus für Sprachlernende schwierig ist.
In der koreanischen Umgangssprache spielen Pausen ebenfalls eine Rolle beim Sprecherwechsel, werden aber im Gegensatz zum Japanischen häufiger von zwei kurzen Pieptönen oder einem Melodiewechsel begleitet. Dadurch entsteht ein etwas anderes akustisches Muster im Dialog. In beiden Kulturen kann eine längere Pause an einer unpassenden Stelle als Unbeholfenheit oder mangelndes Interesse interpretiert werden, doch die Länge und die akzeptablen Positionen solcher Pausen unterscheiden sich.
Die Beherrschung der japanischen und koreanischen Pragmatik als Fremdsprache
Interlinguistische Pragmatikstudien zwischen Japanisch und Koreanisch zeigen, dass Sprachlernende selbst mit relativ hohen Grammatikkenntnissen oft Schwierigkeiten haben, angemessene Sprachniveaus, Höflichkeitsformen und Feedback zu wählen. Eine Studie mit javanischen Japanischlernenden ergab, dass viele nicht in der Lage sind, Sprachformen adäquat mit dem sozialen Kontext in Verbindung zu bringen, insbesondere wenn in ihrer Muttersprache keine ausgeprägte Tradition hierarchischer Sprachniveaus vorhanden ist.
Eine Studie mit indonesischen Japanischlernenden zeigte, dass ihnen das Konzept der „Tachiba“, also das Bewusstsein für die eigene Position in einer bestimmten Kommunikationssituation, oft nicht ausreichend beherrscht wird. Zwar verwenden die Lernenden die „Keigo“-Formen häufig grammatikalisch korrekt, wählen aber den Höflichkeitsgrad falsch und unterschätzen den Status des Gesprächspartners oder die Formalität der Situation. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass das bloße Auswendiglernen von Formen ohne kulturelle und soziale Interpretation nicht ausreicht.
Eine detaillierte Untersuchung des koreanischen Höflichkeitssystems im Zweitspracherwerb zeigt, dass selbst fortgeschrittene Lernende Endungen und Suffixe anders verwenden als Muttersprachler. Diese Diskrepanzen beruhen nicht nur auf Fehlern, sondern auch auf der Sprecheridentität: Manche vermeiden bewusst übermäßig hierarchische Formen, da sie diese als unvereinbar mit ihren eigenen Vorstellungen von zwischenmenschlicher Kommunikation empfinden. Dadurch entsteht eine eigene Ebene „fremder“ Pragmatik, die weder vollständig mit den Normen der Muttersprache noch mit den Standards koreanischer Muttersprachler übereinstimmt.
Beherrschung von Aizuchi und reaktiven Hinweisen
Untersuchungen im Japanischunterricht zeigen, dass selbst fortgeschrittene Lernende Aizuchi seltener anwenden als Lehrkräfte und Muttersprachler. Lernende geben Feedback meist erst nach Abschluss einer grammatikalischen Struktur, während Muttersprachler ihre Aufmerksamkeit direkt mitten im Satz signalisieren. Dies führt zu Unterschieden im Gesprächsrhythmus und kann den Eindruck spärlicher Reaktionsfähigkeit erwecken.
Fernlernprojekte mit italienischen Studierenden und japanischen Muttersprachlern zeigen ebenfalls, dass die Beherrschung der Kombination von Aizuchi- und „Ma“-Pausen Zeit und gezieltes Üben erfordert. Im koreanischen Kontext treten ähnliche Schwierigkeiten mit der Häufigkeit und Vielfalt der Reaktionsausdrücke auf: Lernende verwenden entweder ein oder zwei Muster übermäßig oder lassen erwartete Reaktionen aus. All dies unterstreicht die Bedeutung des Unterrichts neben der Grammatik auch der rhythmischen und pragmatischen Merkmale der Sprache.
Die Pragmatik von Kritik, Ablehnung und Bitte
Direktive Sprechakte – Kritik, Ablehnung und Bitten – unterliegen besonders pragmatischen Normen. Eine Studie am japanischen Arbeitsplatz zeigt, dass direkte Kritik selten geäußert wird, insbesondere in Beziehungen auf gleicher Ebene und in der Kommunikation zwischen Kollegen. Indirekte Strategien sind häufiger anzutreffen: Vorschläge, Fragen und Empfehlungen, die nicht formal als Kritik gekennzeichnet sind, aber auf die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung hinweisen.
Bei japanischen Bitten („irai hyōgen“) schätzen Lernende die Dringlichkeit einer Bitte oft falsch ein: Sie wählen eine höfliche, aber übermäßig direkte Formulierung, obwohl die Gefahr besteht, den Gesprächspartner zu verletzen. Studien zeigen, dass die Wahrnehmung der „Belastung“ einer Bitte nicht immer zu einer milderen Formulierung führt; stattdessen variieren Lernende andere Elemente, etwa durch zusätzliche Erklärungen oder eine Abschwächung der Einleitung.
Vergleichende Studien zu Entschuldigungen und Danksagungen in japanischen E-Mails zeigen, dass feste Formeln wie „sumimasen“ die Bedeutungen von Entschuldigung, Dankbarkeit und Bitte vereinen und ihre pragmatische Wirkung vom Kontext und den begleitenden Ausdrücken abhängt. Ähnliche Überschneidungen finden sich auch im Koreanischen, wenn dieselbe Höflichkeitsformel mit unterschiedlichen Sprechakteuren kombiniert wird, beispielsweise in Begrüßungen, Verabschiedungen und Danksagungen.
Höfliche Suffixe und Respektobjekte im Koreanischen
Die koreanische Forschung widmet dem Suffix „-si-“ große Aufmerksamkeit, das traditionell als Marker subjektiven Respekts beschrieben wird. Neuere Studien zeigen jedoch, dass diese Erklärung die Situation zu stark vereinfacht: Das Suffix ist nicht immer auf das grammatische Subjekt gerichtet, sondern kann sich auch auf einen anderen Teilnehmer beziehen, der – basierend auf dem pragmatischen Parameter der Nähe – als der nächste gilt. Dieser Parameter beschreibt die relative Bedeutung des Referenten in einer bestimmten Situation.
Die Autoren schlagen vor, „-si-“ als Ergebnis des Zusammenspiels semantischer und pragmatischer Faktoren zu interpretieren, anstatt als rein syntaktische Übereinstimmung. In einigen Beispielen bestimmt der soziale Kontext, nicht die Satzstruktur, wer von der ehrerbietigen Wirkung des Suffixes betroffen ist. Diese Ergebnisse zeigen, dass selbst ein formal „morphologisches“ Merkmal eng mit der Einschätzung der Beziehungen zwischen Gesprächsteilnehmern verknüpft ist.
Neurokognitive Experimente mit koreanischen Muttersprachlern bestätigen, dass die Verarbeitung von Höflichkeitsformen gleichzeitig von grammatischen Erwartungen und sozialen Informationen abhängt. Verstöße gegen die Übereinstimmung zwischen Kontext und Wahl der Höflichkeitsform rufen spezifische Hirnaktivitätsmuster hervor, die sich von Reaktionen auf rein syntaktische Fehler unterscheiden. Dies bestätigt den engen Zusammenhang zwischen pragmatischen und grammatikalischen Prozessen.
Historische Anmerkungen zur grammatikalischen Beschreibung von Höflichkeit
Die ersten europäischen Beschreibungen des japanischen Höflichkeitssystems stammen aus Grammatiken und Wörterbüchern des 17. Jahrhunderts, die von Missionaren verfasst wurden. Eine der frühen Grammatiken verzeichnete bereits bestimmte Verbformen und Partikel, die als „ehrerbietig“ bezeichnet wurden, wobei die Autoren versuchten, diese mit lateinischen Kategorien in Verbindung zu bringen. Dies erforderte die Schaffung einer neuen Terminologie, da die in der europäischen Grammatiktradition üblichen Konzepte die beobachteten Phänomene nicht erklären konnten.
Historische Berichte betonen, dass bereits frühe Beobachter den Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen und der Wahl sprachlicher Formen erkannten, auch wenn ihre Interpretationen auf begrenzten Daten und den kulturellen Annahmen ihrer Zeit beruhten. Moderne Forschungen greifen auf deutlich größere Korpora und strengere Analysemethoden zurück, doch die Grenzen der Kategorie „Höflichkeit“ bleiben umstritten.
Pragmatik und Korpusstudien des Japanischen und Koreanischen
Die Entwicklung großer, annotierter Korpora hat bedeutende Fortschritte in der empirischen Beschreibung pragmatischer Phänomene ermöglicht. Für das Japanische wurden Korpora mit detaillierter syntaktischer Annotation erstellt, die es erlauben, Hypothesen zur Häufigkeit und Verteilung von Konstruktionen im Zusammenhang mit Argumentpermutationen und Informationsstruktur zu überprüfen. Diese Daten zeigen, welche Wortstellungen im realen Sprachgebrauch tatsächlich typisch sind, während andere selten vorkommen und nur in bestimmten Genres anzutreffen sind.
Bestimmte Korpora konzentrieren sich auf die Untersuchung von Höflichkeit, Entschuldigungen und anderen Sprechakten und ermöglichen so die Identifizierung stabiler Kombinationen von Indizes (Morphemen, Partikeln, Lexemen), die mit (Un-)Höflichkeit assoziiert sind. Für das Koreanische werden ähnliche Ressourcen genutzt, um die Verteilung der Sprachniveaus in verschiedenen Genres – von Nachrichten bis hin zu Online-Foren – zu analysieren und zu untersuchen, wie die Häufigkeit von Höflichkeitsformen je nach Adressat variiert.
Mehrsprachige Höflichkeitskorpora wie TyDiP umfassen unter anderem Japanisch und Koreanisch und ermöglichen den Vergleich der automatischen Höflichkeitsklassifizierung anhand von Markern und Kontext. Die Ergebnisse zeigen, dass Modelle des maschinellen Lernens häufig auf formale Merkmale (Finalmarker, spezifische Lexeme) zurückgreifen, jedoch bei der Analyse von Strategien, die auf Mehrdeutigkeit und dem gelegentlichen Versagen expliziter Höflichkeitsindikatoren basieren, weniger gut abschneiden.
Pragmatik in Sprachtechnologien und -modellen
Mit der Entwicklung von Systemen zur Verarbeitung natürlicher Sprache haben Forscher begonnen zu untersuchen, wie Sprachmodelle Höflichkeitskategorien im Japanischen und Koreanischen verarbeiten. Analysen zeigen, dass solche Modelle Geschlechter- und soziale Stereotypen reproduzieren können, indem sie höfliche Ausdrucksweise mit bestimmten Rollen und Gruppen verknüpfen. Konkret weisen weibliche Charaktere in japanischen und koreanischen Korpora häufiger ein hohes Maß an Höflichkeit und bestimmte Sprachklischees auf, während männliche Charaktere variabler sind.
Sprachvergleichende Studien zeigen, dass sich automatische Höflichkeitsmetriken aus dem Englischen aufgrund unterschiedlicher Markersysteme und -strategien nicht immer problemlos auf Japanisch und Koreanisch übertragen lassen. Beispielsweise deutet das Fehlen einer expliziten Höflichkeitsendung im Koreanischen nicht zwangsläufig auf Informalität hin, wenn andere Merkmale (Wortschatz, Anrede) einen höflichen Stil erkennen lassen. Ebenso kann im Japanischen eine formal neutrale Äußerung in einem bestimmten Kontext durchaus als höflich wahrgenommen werden.
Diese Beobachtungen mahnen zur Vorsicht bei der automatisierten Bewertung von Höflichkeit und Unhöflichkeit in japanischen und koreanischen Sprachverarbeitungssystemen. Eine korrekte Interpretation erfordert eine Kombination formaler Merkmale unter Berücksichtigung des Diskurskontexts und des sozialen Hintergrunds, was für Algorithmen nach wie vor eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt.
Pragmatische Aspekte der interkulturellen Kommunikation
Interkulturelle Kommunikation zwischen Japanern und Koreanern offenbart sensible Konfliktfelder. Eine Studie japanischer Geschäftsverhandlungen in englischer Sprache zeigte, dass japanische Teilnehmer aktiv um Klärung bitten, um Missverständnisse zu vermeiden und Klarheit zu schaffen. Diese Bitten selbst weisen jedoch eine komplexe pragmatische Struktur auf. Sie dienen nicht nur der Klärung, sondern auch dem Ausdruck von Aufmerksamkeit und Respekt gegenüber dem Gegenüber.
Studien zur Fernkommunikation (Online-Kurse, Telekollaboration) betonen, dass die Merkmale von Aizuchi, Pausen und Sprechlautstärke den Gesamteindruck des Gesprächspartners und die Effektivität der Interaktion beeinflussen. Beispielsweise kann ein geringer Grad an Aizuchi bei einem ausländischen Teilnehmer von einem japanischen Gesprächspartner als Kälte wahrgenommen werden, obwohl ein solches Verhalten in der japanischen Kultur normal ist.
Für den Japanisch- und Koreanischunterricht als Fremdsprachen verdeutlichen diese Ergebnisse die Notwendigkeit systematischer Arbeit an der Pragmatik: durch das Modellieren realer Dialoge, die Analyse authentischer Aufnahmen und die explizite Auseinandersetzung mit Höflichkeitsstrategien, Ambiguität und Feedback. Soziopragmatische Fähigkeiten sind ebenso wichtig wie grammatikalische und entscheiden oft über eine erfolgreiche Kommunikation im Alltag.
Vielfalt der Ansätze zur Beschreibung von Höflichkeit
Linguistische Höflichkeit im Japanischen und Koreanischen wird aus verschiedenen theoretischen Perspektiven beschrieben. Einige Studien stützen sich auf die universalistischen Modelle von Brown und Levinson und interpretieren Strategien als Optionen zur Wahrung des Gesichts der Gesprächspartner. Andere Autoren schlagen vor, japanische und koreanische Höflichkeit als ein System der „Unterscheidung“ zu betrachten, in dem die Kenntnis von Normen und die Fähigkeit, diese einzuhalten, entscheidend sind, anstatt individueller Abwägungen von Nutzen und Verlust.
In der japanischen Tradition bezeichnet der Begriff „ kēi hyōgen“ Ausdrücke, die den Fokus primär auf gegenseitigen Respekt und weniger auf starre Hierarchien legen. In der koreanischen Literatur verschiebt sich der Schwerpunkt mitunter auf die Diskussion hierarchischer Aspekte des konfuzianischen Gesellschaftsmodells, obwohl moderne Städte eine Vielzahl von Strategien aufweisen, die nicht immer dem klassischen Modell entsprechen.
Aktuelle Studien betonen, dass keine einzelne Theorie die Vielfalt pragmatischer Praktiken japanischer und koreanischer Sprecher vollständig erfassen kann. Bei der Analyse spezifischer Phänomene – von der Verwendung der Partikel „ne“, „yo“ oder des Suffixes „-si-“ bis hin zur Verbreitung von Aizuchi – greifen Forscher auf kombinierte Ansätze zurück, die semantische, pragmalinguistische, soziolinguistische und korpusanalytische Methoden vereinen.
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