Metakognition
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Metakognition (vom griechischen μετά – „nach“, „über“ – und dem lateinischen cognitio – „Wissen“) bezeichnet eine Reihe kognitiver Prozesse, die darauf abzielen, die eigene kognitive Aktivität zu verstehen, zu analysieren und zu steuern. Vereinfacht gesagt, geht es darum, über das eigene Denken nachzudenken: die Fähigkeit, die eigenen Denk-, Erinnerungs- und Problemlösungsprozesse zu beobachten und diese anschließend anzupassen.
Das Konzept hielt in den 1970er Jahren Einzug in die Wissenschaft, obwohl seine Ursprünge bis in die antike Philosophie zurückreichen. Sokrates’ Maxime „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist metakognitiv: Sie erfasst die Reflexion des Individuums über die Grenzen seines eigenen Wissens. Seit der Etablierung der Psychologie als eigenständige Wissenschaft im späten 19. Jahrhundert wurden einzelne Aspekte der Metakognition unter verschiedenen Bezeichnungen untersucht – etwa „energetisches Denken“, „reflektierendes Bewusstsein“ oder „Selbstregulation“.
2 Struktur der Metakognition
3 Neurobiologische Grundlagen
4 Entwicklung in der Ontogenese
5 Metakognition in der Bildung
6 Metakognition in der klinischen Psychologie
7 Metakognition und verwandte Konzepte
8 Methoden der Studie
9 Anwendungsgebiete
10 Kritikpunkte und Diskussionspunkte
Historische Wurzeln
Die systematische Erforschung der Metakognition geht auf die Arbeiten des amerikanischen Psychologen John H. Flavell zurück. 1971 untersuchte er das Phänomen des Metagedächtnisses – das bewusste Gewahrsein der Prozesse des Erinnerns – und formulierte zwischen 1976 und 1979 ein umfassendes Konzept der Metakognition, das bis heute von grundlegender Bedeutung ist.
Flavell unterschied mehrere Ebenen: das Wissen um die eigenen kognitiven Prozesse, die tatsächliche Kontrolle über diese während einer Aufgabe und die subjektiven Erfahrungen, die mit kognitiver Aktivität einhergehen. Er betrachtete metakognitives Denken als bewusst, zielorientiert und zukunftsorientiert – im Gegensatz zu automatischen kognitiven Reaktionen.
Zur gleichen Zeit entwickelte der deutsche Forscher R. H. Kluwe seine eigene Klassifikation metakognitiver Handlungen. Aufbauend auf einer früheren Unterscheidung von Gilbert Ryle teilte er sie in deklarative – „gespeicherte Daten über das Denken“ – und prozedurale – „systematische Operationen zur Steuerung des Denkens“ – ein. Diese Unterscheidung etablierte sich in der nachfolgenden Forschung.
In den 1980er und 1990er Jahren erfuhr das Forschungsfeld eine rasante Entwicklung. Die Lerntheoretiker Ertmer und Newby (1996) sowie Schraw (1998) beschrieben Metakognition anhand zweier Hauptkomponenten: einer Wissenskomponente und einer Regulationskomponente. Ihr Modell etablierte sich als Standard für die erziehungswissenschaftliche und kognitive Forschung.
Struktur der Metakognition
Die meisten modernen Modelle unterscheiden zwei miteinander verbundene Blöcke.
Metakognitives Wissen
Metakognitives Wissen ist das, was eine Person über ihre eigenen und die kognitiven Prozesse anderer weiß oder zu wissen glaubt. Flavell unterteilte es in drei Kategorien.
Das erste ist Personenwissen: das Verständnis für sich selbst und andere als Subjekte der Kognition, für Unterschiede in den Fähigkeiten und Informationsverarbeitungsstilen. Das zweite ist Aufgabenwissen: das Verständnis, dass manche Aufgaben leichter sind als andere und dass Umfang und Komplexität des Lernmaterials das Einprägen beeinflussen. Das dritte ist Strategiewissen: das Bewusstsein dafür, welche Techniken helfen, ein bestimmtes Problem besser zu verstehen, sich daran zu erinnern oder es zu lösen.
Metakognitive Regulation
Regulation ist die praktische Seite der Metakognition, eine Reihe aktiver Operationen, die eine Person während kognitiver Aktivitäten anwendet. Forscher identifizieren drei Hauptoperationen: Planung, Überwachung und Bewertung.
Planung umfasst die Wahl einer Strategie und die Zuweisung von Ressourcen vor Arbeitsbeginn. Monitoring ist die kontinuierliche Überprüfung des eigenen Verständnisses und Fortschritts bei einer Aufgabe: Man erkennt, wo man den roten Faden verliert oder wo das Vertrauen in das eigene Wissen von der Realität abweicht. Evaluation schließt den Zyklus: Die Person analysiert das Ergebnis und die Qualität der angewandten Strategien.
Überwachung und Steuerung sind eng miteinander verknüpft: Die Genauigkeit der Überwachung bestimmt unmittelbar die Qualität der nachfolgenden Steuerung. Wenn ein Schüler seine Wissenslücken präzise erkennt, kann er seine Anstrengungen gezielt auf die Behebung dieser Schwächen konzentrieren; ist die Überwachung ungenau, ist die Steuerung unabhängig von der gewählten Strategie wirkungslos.
Metakognitive Erfahrung
Flavell hob insbesondere die metakognitive Erfahrung hervor – die subjektiven Erfahrungen, die kognitive Aktivitäten begleiten. Dazu gehören das Gefühl, „verstanden“ oder „missverstanden“ zu werden, das Gefühl, „das richtige Wort auf der Zunge zu haben“, und die unerwartete Erkenntnis eines Denkfehlers. In der Ontogenese entsteht diese Erfahrung vor dem systemischen metakognitiven Wissen und bildet dessen Grundlage.
Neurobiologische Grundlagen
Neurobiologische Forschungen der letzten Jahrzehnte haben metakognitive Prozesse mit spezifischen Hirnstrukturen in Verbindung gebracht. Der präfrontale Cortex (PFC), der für kritisches Denken, langfristige Planung, Zielsetzung und Emotionskontrolle verantwortlich ist, spielt dabei eine zentrale Rolle.
Präfrontale Bereiche
Neuroimaging-Daten deuten darauf hin, dass der mediale frontale Kortex (MFC) und der anteriore cinguläre Kortex (ACC) primär an der Online-Metawissenverarbeitung beteiligt sind – also der Überwachung von Informationen in Echtzeit. Der anteriore präfrontale Kortex (aPFC) und der laterale präfrontale Kortex (lPFC) werden bei Offline-Metawissenverarbeitung und Metakontrolle aktiviert – also bei Reflexionen, die über die aktuelle Aufgabe hinausgehen.
Der präfrontale Kortex ist mit zahlreichen anderen kortikalen, subkortikalen und Hirnstammstrukturen verbunden. Seine dorsale Region interagiert mit Bereichen der Aufmerksamkeit und kognitiven Kontrolle, während seine ventrale Region mit emotionalen Zentren interagiert. Dies erklärt anatomisch, warum Metakognition sowohl rationale Analyse als auch emotionale Selbstregulation umfasst.
Die Auswirkungen von Bewegung auf das Gehirn
Mehrere Studien haben gezeigt, dass metakognitive Fähigkeiten trainierbar sind und dass Training die Gehirnstruktur verändert. Baird et al. fanden heraus, dass zweiwöchiges Achtsamkeitsmeditationstraining die Genauigkeit metakognitiver Urteile im Bereich des Gedächtnisses verbesserte und bei erfahrenen Praktizierenden mit einer erhöhten Dichte grauer Substanz im anterioren präfrontalen Kortex korrelierte.
Eine andere Forschergruppe fand heraus, dass Feedback zu metakognitiven Urteilen in Wahrnehmungsentscheidungsaufgaben die metakognitive Genauigkeit verbesserte – nicht nur in der trainierten Aufgabe, sondern auch in einer unabhängigen Gedächtnisaufgabe. Dies deutet auf einen gewissen Grad an Domänengeneralität metakognitiver Fähigkeiten hin.
Entwicklung in der Ontogenese
Frühe Anzeichen
Die ersten Ansätze der Metakognition zeigen sich bei Kindern viel früher als allgemein angenommen. Schon im Vorschulalter weisen Kinder ein grundlegendes Bewusstsein dafür auf, was sie über einen bestimmten Sachverhalt wissen oder nicht wissen. Diese Reflexion ist jedoch noch äußerst unzuverlässig: Vorschulkinder überschätzen systematisch ihr Wissen und ihre Fähigkeiten.
Wygotski betrachtete die Entwicklung metakognitiver Funktionen im Kontext der Ausbildung höherer mentaler Funktionen: Ein Kind erlernt die Selbstregulation zunächst durch Interaktion mit einem Erwachsenen und überträgt sie erst dann auf die innere Ebene. Eine Verschiebung in der Struktur des Bewusstseins – eine Veränderung der Verbindungen zwischen den Funktionen, nicht der Funktionen selbst – bedingt qualitative Sprünge in der metakognitiven Entwicklung.
Mittelschulalter
Im Alter zwischen neun und zwölf Jahren entwickeln Kinder ein fundierteres und präziseres metakognitives Wissen. Sie beginnen zu verstehen, dass unterschiedliche Aufgaben unterschiedliche Strategien erfordern und können die Effektivität ihrer Lernstrategien beurteilen. King (1991) zeigte, dass Fünftklässler, die eine Checkliste zur Selbstregulation verwendeten, die Kontrollgruppe in Problemlösung, Formulierung strategischer Fragen und detaillierter Informationsverarbeitung übertrafen.
In der Adoleszenz entwickeln sich metakognitive Fähigkeiten komplexer: Es entstehen flexiblere Strategien, und das Bewusstsein für die eigenen kognitiven Verzerrungen wächst. Die Selbstkontrolle bleibt jedoch eine Schwachstelle – Jugendliche erleben oft die „Illusion des Wissens“, wenn passives Lesen eines Textes ein falsches Gefühl des Verstehens erzeugt.
Erwachsenenalter und Altern
Erwachsene verfügen über ein breiteres Spektrum an metakognitiven Strategien, was aber nicht automatisch bedeutet, dass diese auch zutreffend sind. Der 1999 beschriebene Dunning-Kruger-Effekt ist ein konkretes Beispiel für eine metakognitive Verzerrung: Menschen mit geringer Kompetenz in einem bestimmten Bereich überschätzen ihre Fähigkeiten, gerade weil ihnen die metakognitiven Ressourcen fehlen, um sich selbst realistisch einzuschätzen.
Im normalen Alterungsprozess bleiben einige metakognitive Funktionen erhalten, während andere – insbesondere die Genauigkeit der Selbstüberwachung – zusammen mit einem allgemeinen Rückgang des Arbeitsgedächtnisses und der exekutiven Funktionen abnehmen. Altersbedingte Veränderungen im präfrontalen Kortex (PFC) beeinflussen die Planungs- und Selbstüberwachungsfähigkeiten unmittelbar.
Metakognition in der Bildung
Die Wirksamkeit metakognitiver Strategien
Metakognition zählt zu den am besten untersuchten Prädiktoren für schulischen Erfolg. Eine Übersichtsarbeit von zehn Metaanalysen belegte einen durchgängig positiven Effekt metakognitiver Interventionen auf die schulischen Leistungen. Programme, die Planung, Überwachung und Reflexion vermittelten, zeigten einen unmittelbaren Effekt mit einem Hedges’ g von etwa 0,50; bei verzögerter Messung erhöhte sich der Effekt auf 0,63, was auf eine fortgesetzte Anwendung der Strategien nach dem Training hindeutet.
Im Bereich der Mathematik sind die Ergebnisse noch deutlicher. Eine Analyse von 23 empirischen Studien mit über 2.600 Schülern ergab eine Gesamteffektstärke von g = 1,611 für metakognitive Strategien im Mathematikunterricht. Die effektivsten Techniken waren lautes Denken, reflektierendes Journaling, Concept Mapping und die Know-Want-To-Know-Methode (KWL).
Metakognitionstraining
Die Forschung in den Erziehungswissenschaften und der kognitiven Neurowissenschaft verwendet derzeit unterschiedliche Methoden. Pädagogen stützen sich primär auf introspektive Fragebögen, während Neurowissenschaftler mit Verhaltensaufgaben arbeiten. Diese methodische Diskrepanz erschwert den direkten Vergleich von Ergebnissen und wirft Fragen zur ökologischen Validität von Labordaten auf.
Einige Lehrmethoden wurden jedoch umfassend empirisch belegt. Checklisten zur Überprüfung des Lernfortschritts, Selbsterklärungen, reziprokes Lehren und das Stellen von Fragen zum Text aktivieren metakognitive Prozesse und verbessern das Verständnis.
Metakognition und Wissensbereiche
Die Frage, ob Metakognition ein allgemeines Phänomen oder fachspezifisch ist, bleibt umstritten. Einige Befunde sprechen für einen Transfer: Das Training von Metakognition in einer Aufgabe verbessert die Leistung in anderen. Andere Studien weisen auf eine signifikante Fachabhängigkeit hin – das Wissen über Strategien in der Mathematik lässt sich nicht zwangsläufig auf Lesefähigkeiten übertragen.
Die meisten Theoretiker neigen zu einem Kompromiss: Allgemeine metakognitive Mechanismen existieren, doch ihre effektive Anwendung in einem spezifischen Bereich erfordert Kenntnisse der spezifischen Strategien dieses Bereichs. Anders ausgedrückt: „Denken lehren“ im Allgemeinen ist zwar möglich, aber nicht ausreichend.
Metakognition in der klinischen Psychologie
Metakognitive Therapie
In den 1990er und 2000er Jahren entwickelte der englische Psychologe Adrian Wells die metakognitive Therapie (MKT), einen eigenständigen Therapieansatz, der sich von der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) unterscheidet. Seinem Modell zufolge entsteht psychischer Stress weniger durch den Inhalt negativer Gedanken als vielmehr durch die Reaktion einer Person darauf: Sorgen, Grübeln und die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die vermeintliche Bedrohung.
Wells fasste diese Muster unter dem Begriff „kognitiv-aufmerksamkeitsbedingtes Syndrom“ (KAS) zusammen. Das Syndrom wird durch zwei Arten metakognitiver Überzeugungen aufrechterhalten: positive („Sorgen helfen mir, mich auf das Schlimmste vorzubereiten“) und negative („Ich kann meine Gedanken nicht kontrollieren“). Das KAS zielt darauf ab, diese Überzeugungen zu verändern, anstatt den spezifischen Inhalt ängstlicher Gedanken in Frage zu stellen.
Die klinischen Daten zur MCT sind sehr vielversprechend. Mehrere randomisierte Studien haben ihre Überlegenheit gegenüber der CBT in der Behandlung von Angststörungen und Depressionen belegt. In einer großen randomisierten Studie des PATHWAY-Programms reduzierte die Gruppen-MCT die Symptome von Angst und Depression bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant; dieser Effekt blieb auch nach 12 Monaten erhalten.
Metakognition bei psychischen Störungen
Metakognitive Beeinträchtigungen wurden bei einer Vielzahl psychischer Störungen festgestellt. Bei schwerer Psychopathologie – insbesondere bei Schizophrenie – führen eingeschränkte metakognitive Fähigkeiten zu einer „Fragmentierung“ der Erfahrung: Patienten haben Schwierigkeiten, ein integriertes Verständnis von sich selbst und anderen zu entwickeln.
Die Forschung zu Essstörungen hat einen paradoxen Effekt dokumentiert: Selbstreflexion bei Patientinnen und Patienten mit Anorexie und Bulimie kann in Verbindung mit geringem Selbstwertgefühl und depressiven Symptomen die Lebensqualität beeinträchtigen. Metakognitive Kompetenz – die Fähigkeit, Schwierigkeiten zu verstehen und eine angemessene Reaktion zu wählen – hat hingegen den gegenteiligen, schützenden Effekt.
Metakognitive Überzeugungen stehen auch im Zusammenhang mit Angststörungen, Zwangsstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Die zugrunde liegende Logik ist folgende: Dysfunktionale metakognitive Überzeugungen fördern destruktive Denkmuster und verhindern deren natürliche Auflösung.
Metakognition und verwandte Konzepte
Exekutive Funktionen
Metakognition wird oft mit exekutiven Funktionen verwechselt, einem Konzept, das ebenfalls mit kognitiver Regulation in Verbindung gebracht wird. Der Unterschied liegt darin: Exekutive Funktionen beschreiben die Mechanismen, die kognitive Prozesse steuern, während Metakognition die reflektierende, bewusste Dimension dieser Steuerung betont. In der Praxis überschneiden sie sich: Planung als exekutive Funktion und Planung als metakognitive Strategie werden oft über dieselben neuronalen Schaltkreise realisiert.
Achtsamkeit
Achtsamkeitsübungen und Metakognition sind konzeptionell verwandt, aber nicht identisch. Achtsamkeit beinhaltet die wertfreie Wahrnehmung gegenwärtiger Erfahrungen, während Metakognition die Bewertung und Steuerung kognitiver Prozesse umfasst. Gleichzeitig verbessert die Achtsamkeitspraxis die metakognitiven Fähigkeiten: Sie schult die Aufmerksamkeit für die eigenen mentalen Zustände und reduziert die kognitive Fusion – die Gleichsetzung von Gedanken mit der Realität.
Theory of Mind
Die Theory of Mind – die Fähigkeit, anderen mentale Zustände zuzuschreiben – teilt sich ein neuronales Substrat (den medialen präfrontalen Kortex) und eine gemeinsame kognitive Grundlage mit der Metakognition. Metakognition konzentriert sich auf das eigene Denken, während sich die Theory of Mind auf das Denken anderer konzentriert. Beide Fähigkeiten entwickeln sich jedoch parallel und verstärken sich wahrscheinlich gegenseitig.
Selbstreguliertes Lernen
In der Pädagogischen Psychologie steht die Metakognition im Zentrum des von Zimmerman und anderen entwickelten Modells des selbstregulierten Lernens (SRL). SRL beschreibt, wie Lernende Ziele setzen, Strategien wählen, Fortschritte überwachen und ihr Verhalten anpassen. Die metakognitive Komponente dieses Modells – die bewusste Reflexion über den Lernprozess – unterscheidet einen wirklich selbstregulierten Lernenden von jemandem, der Anweisungen lediglich mechanisch befolgt.
Methoden der Studie
Verhaltensmethoden
Die wichtigsten verhaltensbezogenen Instrumente zur Messung von Metakognition sind Lernurteile (JOLs), Vertrauensbeurteilungen und retrospektive Einschätzungen der Richtigkeit von Antworten (Gefühl des Wissens). Ihre Genauigkeit – das Ausmaß, in dem das subjektive Vertrauen der tatsächlichen Richtigkeit entspricht – wird als metakognitive Genauigkeit oder metakognitive Sensitivität bezeichnet.
Für die pädagogische Forschung wurden introspektive Fragebögen entwickelt, darunter das Metacognitive Awareness Inventory (MAI) und das Learning and Study Strategies Inventory (LASSI). Sie erfassen, wie bewusst Lernende ihr Lernen planen, überwachen und bewerten. Eine Einschränkung dieser Fragebögen besteht darin, dass sie deklaratives Wissen über Metakognition erfassen, nicht aber tatsächliches metakognitives Verhalten.
Neurobildgebung
Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) hat die neuronalen Korrelate metakognitiver Prozesse aufgezeigt. Ein typisches Paradigma besteht aus einer Wahrnehmungsentscheidungsaufgabe mit anschließender Beurteilung des Vertrauens in die Entscheidung: Die Analyse der neuronalen Aktivierung während der Beurteilung deckt Bereiche auf, die spezifisch an der Metabewertung beteiligt sind, im Gegensatz zur Wahrnehmungsentscheidung selbst.
Neuroimaging- und Verhaltensdaten weichen teilweise noch voneinander ab, da sie auf unterschiedlichen Operationalisierungen von Metakognition beruhen. Neurokognitive Studien weisen eine hohe Messgenauigkeit, aber eine begrenzte ökologische Validität auf; erziehungswissenschaftliche Studien hingegen eine hohe Validität, aber eine geringere Präzision. Die Integration dieser Ansätze wird in aktuellen Übersichtsarbeiten als Priorität angesehen.
Anwendungsgebiete
Sport und berufliche Aktivitäten
Metakognitive Fähigkeiten werden in der Sportpsychologie im Kontext der Selbstregulation von Athleten untersucht. Hochleistungssportler zeigen eine ausgeprägte Fähigkeit, ihren eigenen Zustand zu überwachen und ihre Taktik während des Wettkampfs anzupassen – was Forscher auf ein präziseres metakognitives Wissen über ihre physischen und psychischen Ressourcen zurückführen.
In verschiedenen Berufsfeldern – Medizin, Jura, Ingenieurwesen – beeinflusst die metakognitive Selbstüberwachung die Qualität der Entscheidungsfindung unmittelbar. Ärzte, die ihre Kompetenzgrenzen realistisch einschätzen, begehen seltener Diagnosefehler und suchen frühzeitig ärztliche Hilfe auf. Ein ähnlicher Zusammenhang wurde bei Fluglotsen und Chirurgen beobachtet.
Digitale Technologien und künstliche Intelligenz
Das Konzept der Metakognition findet auch jenseits der menschlichen Psychologie Anwendung. Im maschinellen Lernen bezeichnet der Begriff „Meta-Lernen“ Algorithmen, die ihre Lernstrategie auf Grundlage vorheriger Erfahrungen anpassen können – also „lernen, wie man lernt“. Obwohl die Analogie zur menschlichen Metakognition eher funktionaler als neurobiologischer Natur ist, erweist sie sich als fruchtbar für die Entwicklung flexiblerer intelligenter Systeme.
In der Bildungstechnologie haben sich adaptive Plattformen etabliert, die nicht nur die Richtigkeit der Antworten von Lernenden, sondern auch deren Selbstvertrauen erfassen und den Lernpfad entsprechend anpassen. Dieser Ansatz basiert auf dem metakognitiven Prinzip: Die Diskrepanz zwischen subjektivem Selbstvertrauen und tatsächlichem Wissen weist auf Bereiche hin, in denen zusätzlicher Förderbedarf besteht.
Kritikpunkte und Diskussionspunkte
Das Problem der Operationalisierung
Trotz jahrzehntelanger Forschung ist das Konzept der Metakognition nach wie vor schwer zu definieren. Verschiedene Autoren fassen grundlegend unterschiedliche Phänomene darunter zusammen, von bewusstem strategischem Denken bis hin zu implizitem Selbstvertrauen. Dies erschwert die Interpretation und den Vergleich von Daten aus verschiedenen Forschungseinrichtungen.
Eine weitere methodische Herausforderung ist das „Messparadoxon“: Der Versuch, Metakognition mithilfe von Fragebögen oder Interviews zu erfassen, löst selbst metakognitive Prozesse aus und kann das Messergebnis verfälschen. Laboraufgaben mit Konfidenzbeurteilungen sind zwar besser kontrollierbar, bilden aber die tatsächliche Komplexität der Metakognition im akademischen oder beruflichen Kontext nur unzureichend ab.
Domänenspezifität
Die Frage, ob Metakognition eine einheitliche Fähigkeit oder eine Reihe unabhängiger, domänenspezifischer Kompetenzen darstellt, ist weiterhin ungeklärt. Einige Daten deuten darauf hin, dass metakognitives Training domänenübergreifend anwendbar ist, während andere auf einen begrenzten Transfer hinweisen. Diese Debatte hat direkte praktische Konsequenzen für die Pädagogik: Sollte Metakognition domänenspezifisch sein, müsste sie für jedes Fach separat vermittelt werden.
Metakognition und Bewusstsein
Das Verhältnis zwischen Metakognition und Bewusstsein bleibt ein philosophisch komplexes Thema. Manche metakognitive Prozesse laufen implizit ab, ohne dass wir uns dessen bewusst sind – beispielsweise entstehen scheinbar spontan das Gefühl der Vertrautheit mit einem Reiz oder das Empfinden, dass uns ein Wort auf der Zunge liegt. Dies stellt die These infrage, dass Metakognition vollständig bewusst ist, und wirft die Frage nach ihrer Wechselwirkung mit unbewussten kognitiven Prozessen auf.
Kultureller Kontext
Die meisten Studien zur Metakognition wurden im westlichen akademischen Kontext durchgeführt. Kulturelle Normen beeinflussen jedoch maßgeblich, wie Menschen ihr Wissen bewerten und Unsicherheit ausdrücken. Beispielsweise werden öffentliche Zurschaustellungen von Selbstvertrauen in das eigene Wissen in einigen ostasiatischen Kulturen anders wahrgenommen als in westlichen Kulturen, was die Ergebnisse standardisierter Fragebögen verfälschen kann.
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