Symbiotische Entwicklung:
Wie Rechenzentren in Heizungsräume für Wohngebiete umgewandelt werden
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Server schlafen nie. Rund um die Uhr verarbeiten sie Anfragen, trainieren neuronale Netze und speichern Daten – und erzeugen dabei unentwegt Wärme. Eine enorme Menge Wärme, die üblicherweise über Kühltürme und Ventilatoren an die Atmosphäre abgegeben wird. Gleichzeitig könnte diese Wärmemenge Tausende von Wohnungen beheizen.
An der Schnittstelle zweier scheinbar unabhängiger Branchen – der digitalen Infrastruktur und der Wohnungsbauentwicklung – hat sich ein Modell herausgebildet, das zunehmend als symbiotisches Bauen bezeichnet wird.
Woher kommt die Wärme im Server?
Jeder Server ist im Grunde ein elektrisches Heizgerät. Der dem Prozessor, der Grafikkarte oder dem Speichermedium zugeführte Strom wird letztendlich vollständig in Wärmeenergie umgewandelt. Ein großes Rechenzentrum mit einer Kapazität von mehreren zehn Megawatt erzeugt so viel Wärme wie ein kleines Fernheizkraftwerk.
Das Problem ist die Temperatur: Server-Kühlsysteme geben Wärme bei relativ niedrigen Temperaturen ab – typischerweise zwischen 25 und 45 °C. Standardmäßige Fernwärmenetze arbeiten mit Kühlmitteltemperaturen von 60–75 °C, manchmal auch höher. Diese Wärme direkt in die Rohrleitung einzuspeisen, ist ohne zusätzliche Ausrüstung unmöglich.
Hier kommen industrielle Wärmepumpen zum Einsatz. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie ein Haushaltskühlschrank, nur umgekehrt: Sie entziehen der Wärme Niedertemperatur und erhöhen deren Temperatur auf die gewünschten 65–90 °C. Moderne einstufige Wärmepumpen mit einer Wärmequelle von etwa 40 °C erreichen einen Wirkungsgrad (COP) von 4–5 Einheiten – das heißt, sie liefern vier bis fünf Kilowatt Heizleistung pro Kilowatt verbrauchter elektrischer Leistung.
Wie ein technischer Schaltkreis aufgebaut ist
Die grundlegende Konfiguration ist wie folgt: Das Rechenzentrum wird über Flüssigkeitskreisläufe oder Luft-Luft-Wärmetauscher gekühlt. Diese sammeln das erwärmte Kühlmittel und leiten es über einen Wärmetauscher in einen Zwischenkreislauf. Von dort wird die Wärme an eine Wärmepumpe abgegeben, die die Temperatur erhöht und Warmwasser für das Fernwärmenetz des Wohngebiets bereitstellt.
Es existiert eine alternative Architektur – das sogenannte Anergienetzwerk. Bei diesem Design speist das Rechenzentrum Kühlmittel mit niedriger Temperatur (20–35 °C) direkt in die gemeinsame Leitung ein, und jedes Gebäude ist mit einer eigenen dezentralen Wärmepumpe ausgestattet, die die Temperatur für Heizung und Warmwasserbereitung unabhängig auf 45–65 °C erhöht. Dieses Design reduziert Übertragungsverluste und vereinfacht den Lastausgleich im Netzwerk.
Im Sommer funktioniert das System umgekehrt: Überschüssige Wärme aus den Wohnungen wird über Wärmepumpen zurück in den Hauptkreislauf geleitet und vom Rechenzentrum zur eigenen Kühlung genutzt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf ohne externe Energiequellen.
Wo liegt die Geschäftslogik für den Entwickler?
Bauträger, die solche Projekte realisieren, erzielen gleichzeitig mehrere Wettbewerbsvorteile. Erstens ist ein Wohnkomplex mit eigener Heizung unabhängig von den Tarifentscheidungen zentraler Versorgungsunternehmen – ein Argument, das Wohnungskäufer sehr positiv bewerten.
Zweitens ist der CO₂-Fußabdruck eines solchen Quartiers deutlich geringer als der von Gebäuden mit Gasheizungen. Dies eröffnet den Zugang zu Projektfinanzierungen für grüne Projekte, ESG-Anleihen und staatlichen Subventionen, die in vielen Ländern die Kosten für die Installation der Heizungsinfrastruktur direkt decken.
Drittens – und das ist aus Sicht der Flächennutzungsplanung entscheidend – haben die Kommunen nun einen triftigen Grund, den Bau eines Rechenzentrums innerhalb der Stadtgrenzen oder in der Nähe von Wohngebieten zu genehmigen. Ohne einen solchen Grund ist es äußerst schwierig, eine Genehmigung für die Ansiedlung einer energieintensiven Anlage in der Nähe von Wohngebieten zu erhalten.
Partnerschafts- und Finanzierungsmodelle
Die Beziehung zwischen Rechenzentrumsbetreiber und Projektentwickler kann unterschiedlich gestaltet sein. In einem Modell stellt das IT-Unternehmen Wärme kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung und erhält im Gegenzug die Zertifizierung als „grünes“ Rechenzentrum sowie die Unterstützung der Stadtverwaltung. In einem anderen Modell wird die Wärme unter dem Marktpreis verkauft, und der Projektentwickler trägt alle Kosten für den Bau der Wärmetauscheranlage und der Pumpen.
Die Investitionen in ein Heizsystem variieren je nach Kapazität des Rechenzentrums und Entfernung zu Wohnhäusern. Berechnungen europäischer Planer zufolge kostet die Installation einer Wärmepumpe zur Temperaturerhöhung auf 75 °C rund 420.000 € mehr als ein herkömmliches Wärmepumpensystem. Angesichts steigender Energiepreise liegt die Amortisationszeit für eine solche Lösung je nach Klima und Tarifumfeld zwischen 7 und 12 Jahren.
Ein Megawatt der von Servern zurückgewonnenen Abwärme kann über tausend Wohnungen beheizen, vorausgesetzt, die Gebäude erfüllen moderne Wärmedämmstandards. Ein großes Rechenzentrum mit einer Kapazität von 50–100 MW kann potenziell den Bedarf eines ganzen Stadtviertels decken.
Regulatorischer Kontext
Die Europäische Union hat kürzlich eine Energieeffizienzrichtlinie verabschiedet, die Rechenzentrumsbetreiber verpflichtet, die Mengen der erzeugten und wiederverwendeten Wärme öffentlich offenzulegen. Dies hat regulatorischen Druck erzeugt, der eine Reihe von Unternehmen dazu veranlasst hat, thermische Energieprojekte umzusetzen, die jahrelang verzögert worden waren
Deutschland geht noch einen Schritt weiter: Dort werden Anforderungen entwickelt, die vorschreiben, dass neue Rechenzentren in Großstädten bereits in der Planungsphase die Möglichkeit zur Abführung überschüssiger Wärme in das städtische Stromnetz berücksichtigen müssen. Die Regulierungsbehörde integriert somit faktisch eine obligatorische „Wärmekomponente“ in die Genehmigungsauflagen für IT-Einrichtungen.
Technische Beschränkungen und wie man sie umgehen kann
Die größte Einschränkung liegt in der schwankenden Wärmeleistung. Die Serverlast variiert: Nachts ist der Datenverkehr geringer, während er in Spitzenzeiten höher ist. Dadurch ist der Wärmefluss instabil, während die Heizung in Wohnhäusern eine gleichmäßige Wärmezufuhr erfordert.
Die Lösung sind Pufferspeicher mit einem Fassungsvermögen von mehreren hundert bis mehreren tausend Kubikmetern Wasser. Diese speichern Wärme bei hoher Serverlast und geben sie bei sinkender Auslastung wieder ins Netz ab. Der Speicher gleicht tägliche Schwankungen aus und ermöglicht den Betrieb des Systems über weite Strecken des Jahres ohne zusätzliche Gas- oder Elektroheizung.
Die zweite Einschränkung ist die Entfernung. Der wirtschaftlich sinnvolle Bereich für den Transport von Niedertemperaturwärme durch isolierte Rohrleitungen liegt ohne nennenswerte Verluste bei etwa 500–1000 Metern. Dies bedeutet, dass Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe des Rechenzentrums erfolgen muss, was eine gemeinsame Planung beider Standorte vor der Grundstücksauswahl erforderlich macht.
Entwurf von Grund auf versus Integration in ein bestehendes Gebäude
Die effizientesten Projekte sind jene, bei denen Rechenzentrum und Wohnanlage gleichzeitig als einheitliches technisches System geplant werden. In diesem Fall legt der Projektentwickler von Anfang an die korrekten Rohrleitungsdurchmesser, Pumpstationsstandorte und Wärmepumpenparameter für die jeweilige Last fest.
Die Integration in ein bestehendes Fernwärmenetz ist technisch möglich, aber schwieriger. Ältere Fernwärmenetze sind für Hochtemperatur-Kältemittel (80–110 °C) ausgelegt, und die Nutzung von Serverwärme erfordert leistungsstärkere und teurere Wärmepumpen. Aus diesem Grund setzen einige europäische Projekte auf den Bau autonomer Niedertemperatur-Fernwärmenetze in neuen Wohngebieten, getrennt von der städtischen Infrastruktur.
Welche Auswirkungen hat dies auf die Logik der Landnutzung?
Traditionell trennt die städtische Zoneneinteilung Industrie- und Wohngebiete. Das Aufkommen von „leisen“ Rechenzentren ohne Schornsteine, Güterverkehr oder chemische Emissionen verändert allmählich die Ansätze der Stadtplanung: Solche Einrichtungen werden zunehmend als akzeptable Nachbarn für Wohngebiete wahrgenommen.
Einige europäische Städte weisen bereits spezielle Mischnutzungszonen aus, in denen IT-Infrastruktur und Wohnbebauung – vorbehaltlich einer Wärmeliefervereinbarung – nebeneinander bestehen können. Dadurch werden Flächen für Bauträger in dicht besiedelten Stadtgebieten zugänglich, die aufgrund der Nähe zu Versorgungseinrichtungen zuvor für Wohnbebauung unerreichbar waren.
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