Russische Kleidung und ihre Verbindung zur Handwerkskunst
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In der russischen Tradition begann die Bekleidungsherstellung lange vor dem Zuschneiden der Stoffe und war untrennbar mit dem landwirtschaftlichen Kalender verbunden. Die wichtigsten Rohstoffe für bäuerliche Textilien waren Flachs und Hanf, deren Verarbeitung beträchtliche körperliche Anstrengung erforderte und den größten Teil des Jahres in Anspruch nahm. Flachs wurde vorwiegend in den nördlichen und zentralen Provinzen angebaut, wo das Klima die Bildung langer, starker Fasern begünstigte, während Hanf, der einen gröberen, hanfähnlichen Stoff ergab, in den südlichen Regionen verbreitet war.
Die Rohstoffaufbereitung umfasste einen mehrstufigen Prozess zur Trennung der Bastfasern vom holzigen Teil des Stängels – den Schäben. Nach der Ernte wurden die Stängel zwei bis drei Wochen lang auf Wiesen zum Tautropfen ausgebreitet oder in Gewässer eingelegt. Durch die Einwirkung von Feuchtigkeit und Mikroorganismen wurden die Pektinsubstanzen, die die Fasern zusammenhalten, abgebaut, was die mechanische Weiterverarbeitung ermöglichte. Die getrockneten Stängel wurden mit Holzpflöcken zerkleinert, anschließend geschwenkt, um verbliebene Schäben zu entfernen, und mit speziellen Kämmen und Bürsten gekämmt.
Das Ergebnis dieses Prozesses war Werg – reine Fasern, bereit zum Spinnen. Die Qualität des Wergs bestimmte den Verwendungszweck des späteren Stoffes: Der Werg (kurze, verfilzte Fasern) wurde zu grobem Garn für Säcke und Haushaltswaren verarbeitet, während die langen, gekämmten Fasern für feine Stoffe für Hemden und festliche Kleidung verwendet wurden. Das Spinnen, das im Winter stattfand, war eine monotone Arbeit, bei der der Spinner mithilfe von Spindel und Spinnrocken den Werg zu Garn verarbeitete. Die Gleichmäßigkeit und Feinheit des Garns galten als wichtigste Kriterien für handwerkliches Können und beeinflussten direkt den Wert des fertigen Stoffes.
Handwebtechnologien
Der Webstuhl, oder Krosny, war ein komplexes technisches Gerät, dessen Konstruktion die Eigenschaften des hergestellten Stoffes bestimmte. Die Breite des handgesponnenen Stoffs variierte typischerweise zwischen 35 und 40 Zentimetern und hing von der Armlänge der Weberin beim Schwingen des Weberschiffchens sowie der Breite des Webkamms ab, durch den die Kettfäden liefen. Diese technologische Beschränkung prägte den charakteristischen Schnitt russischer Kleidung, der auf dem Zusammennähen schmaler Stoffstreifen beruhte.
Bei den Bauern war die Leinwandbindung verbreitet, bei der sich Kett- und Schussfäden in einem Schachbrettmuster abwechselten. Für festliche Stoffe wurden jedoch komplexere Musterwebtechniken verwendet. Diese erforderten ein spezielles Webbrett, das sogenannte Weberbrett. Mit diesem wählte der Weber bestimmte Kettfäden aus und schuf so ein zusätzliches Fach, in das der farbige Schussfaden eingeführt wurde. Dadurch konnten geometrische Muster, meist rot, auf weißem oder grauem Grund entstehen.
Das Weben war ein noch arbeitsintensiverer Prozess, bei dem der Schussfaden nicht über die gesamte Stoffbreite, sondern nur in bestimmten Bereichen eingewebt wurde, wodurch mehrfarbige Muster entstanden. Diese Technik ermöglichte die Herstellung dichter, teppichartiger Stoffe, die auf Vorder- und Rückseite identisch waren. In den südlichen russischen Provinzen war der sogenannte Buntstoff – ein karierter oder gestreifter Stoff, der durch die Verwendung mehrfarbiger Fäden in Kette und Schuss entstand – weit verbreitet. Buntstoff diente als Hauptmaterial für Hemden, Sarafans und Schürzen und ersetzte teurere, im Handel erhältliche Stoffe.
Ingenieurprinzipien des Schneidens
Das Design russischer Trachten basierte auf dem Prinzip des abfallfreien Zuschnitts, bedingt durch den hohen Arbeitsaufwand bei der Stoffherstellung. Jeder Zentimeter Stoff war kostbar, daher waren geschwungene Schnitte, die Verschnitt (Stoffreste) erzeugten, praktisch nicht vorhanden. Grundlage des Zuschnitts waren rechteckige Module, die zu einer dreidimensionalen Form zusammengefügt wurden.
Um Kleidung zu weiten und Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, wurden Zwickel und Einsätze – kleine quadratische oder rautenförmige Einlagen unter den Armen – verwendet. Der Zwickel entlastete nicht nur den Übergang zwischen Ärmel- und Seitennaht, sondern erfüllte auch einen hygienischen Zweck: Er war oft andersfarbig, beispielsweise rot, was symbolisch für den Schutz empfindlicher Bereiche stand. Damenblusen wiesen häufig Poliki auf – Schultereinsätze, die den Halsausschnitt erweiterten und dem Oberkörper mehr Volumen verliehen.
Auch die Sarafan-Ensembles folgten dem Prinzip des sparsamen Schnitts. Der schräge Sarafan, typisch für die nördlichen und zentralen Provinzen, wurde aus mehreren geraden Stoffbahnen an Vorder- und Rückenteil gefertigt, an die Längskeile angenäht wurden. So entstand eine imposante Silhouette, die sich nach unten hin verbreiterte, ohne dass ein einziges Stück Stoff verschwendet wurde. Diese Rationalität, die an geometrische Perfektion grenzte, brachte die bäuerliche Schneiderei der Architektur näher.
Dekorative Veredelung von Stoffen: Bedrucken und Färben
Neben Webmustern spielten bedruckte Textilien – eine Technik, bei der mithilfe geschnitzter Holzblöcke (Manieren) Muster auf Stoffe aufgebracht wurden – eine wichtige Rolle bei der Textilverzierung. Dieses Verfahren ermöglichte die Nachahmung teurer importierter Stoffe wie Brokat oder Samt und machte gemusterte Kleidung für die breite Bevölkerung erschwinglich. Es gab zwei Hauptverfahren für den Textildruck: den Öldruck und den Küpendruck.
Beim Öldruck wurde der Farbstoff direkt auf die erhabene Oberfläche des Druckbretts aufgetragen und auf den Stoff übertragen. Der Würfeldruck war ein komplexeres chemisches Verfahren, das auf der Verwendung eines Konservierungsmittels namens Vapa basierte. Das Vapa wurde auf eine weiße Leinwand aufgetragen, die anschließend in ein mit Indigofarbe gefülltes Gefäß (den Würfel) getaucht wurde. Die mit Vapa bedeckten Bereiche blieben ungefärbt und weiß, wodurch ein kontrastierendes Muster auf dem tiefblauen Hintergrund entstand. Meisterdrucker zogen oft durch die Dörfer, boten ihre Dienste an und besaßen eine Vielzahl von Druckbrettern mit verschiedenen Motiven.
Natürliche Farbstoffe aus Pflanzen, Baumrinde und Insekten wurden zum Färben von Stoffen verwendet. Aufgüsse aus Johanniskraut, Oregano, Eichenrinde und Erlenrinde ergaben eine breite Farbpalette von Gelb und Grün bis Braun und Schwarz. Die Farben wurden mit Beizmitteln wie Alaun oder Rost fixiert, was vom Färber umfassende Kenntnisse der Chemie und der Materialeigenschaften erforderte.
Die Kunst der Stickerei und Goldstickerei
Die Stickerei in der russischen Tracht war weit mehr als bloße Verzierung; sie entwickelte sich zu einem symbolischen System, das den sozialen Status, das Alter und den Familienstand des Trägers zum Ausdruck brachte. Das technische Repertoire der Stickerinnen umfasste Zählstiche (gemalte Stiche, Setzstiche, gezählte Satinstiche), die auf die Stoffstruktur angewendet wurden, sowie freie Stiche entlang einer vorgezeichneten Kontur.
Die Goldstickerei genoss besondere Bedeutung, mit Torzhok, Gorodez und Arzamas als ihren Zentren. Da Metallfäden (Gold oder Silber) teuer und steif waren, wurden sie nicht durch den Stoff gezogen, sondern mit feinen Seidenstichen auf der Oberfläche befestigt – eine Technik, die als „Nähen in fixierter Position“ bekannt ist. Um ein Relief zu erzeugen, wurde eine Schicht aus Birkenrinde, Pappe oder dickem Faden unter den Goldfaden gelegt, wodurch das Muster Volumen und zusätzlichen Glanz durch das Lichtspiel auf der gewölbten Oberfläche erhielt. Goldstickereien dienten vor allem der Verzierung von Kopfbedeckungen (Kokoschniks, Kiki) und festlichen Duschegreys und machten diese so zu Schmuckstücken.
Perlenaufhängung und Perlmuttarbeiten
Neben Gold wurde die russische Tracht, insbesondere im Norden, reichlich mit Süßwasserperlen verziert. Die Perlenfischerei in den Flüssen Kareliens und der Provinz Archangelsk machte dieses Material selbst für wohlhabende Bauern relativ erschwinglich. Bei der Technik des „Auf-Weiß-Setzens“ wurde eine weiße Baumwoll- oder Leinenschnur (Beli) in einem bestimmten Muster ausgelegt, an die dann die Perlen genäht wurden. Dadurch lagen die Perlen flach auf und hafteten fest auf dem Untergrund.
In schlichteren Ausführungen wurden Perlen durch gehacktes Perlmutt oder Perlen ersetzt, die Technik blieb jedoch dieselbe. Die Perlennetze, die unter dem Kopfschmuck bis zur Stirn reichten, erforderten präzise Berechnungen und Geschick im Umgang mit kleinsten Elementen. Dichte und Klarheit der Perlenstickerei zeugten vom Reichtum der Familie und dem Können der Handwerkerin.
Leder- und Schuhherstellung
Die Lederverarbeitung und Schuhherstellung bildeten einen eigenen Zweig des Handwerks, eng verbunden mit der Bekleidungsherstellung. Die Lederverarbeitung erforderte ein aufwendiges Gerben mit Weiden- oder Eichenrinde sowie das Einfetten, um wasserabweisende Eigenschaften zu erzielen. Aus Leder wurden Stiefel, Schuhe und Kolben (einfache Schuhe aus einem einzigen Stück Leder) gefertigt.
In Regionen mit rauem Klima entwickelte sich die Kürschnerei – die Verarbeitung von Pelzen. Schaffellmäntel, die Grundlage der Wintergarderobe, wurden oft mit Applikationen aus andersfarbigem Fell oder Wollstickereien verziert. Die Konstruktion des Mantels war, wie bei textiler Kleidung, effizient: Alle Teile des Fells wurden genutzt, und die Nähte waren besonders robust, um der Beanspruchung durch Abnutzung standzuhalten.
Regionale Komplexe: Nord und Süd
Das weitläufige Siedlungsgebiet der russischen Bevölkerung führte zur Entwicklung zweier unterschiedlicher Kleidungsstile, sowohl in Bezug auf Schnitt als auch auf künstlerische Gestaltung: des nordrussischen Sarafan und des südrussischen Poneva. Die Grenze zwischen ihnen verlief in etwa entlang der Linie Oka – Moskau.
Nordrussischer Sarafan-Komplex
Im russischen Norden (den Gouvernements Archangelsk, Wologda und Olonez) und im Wolgagebiet bildete der Sarafan – ein hoch angesetzter Rock mit Trägern – die Grundlage der Frauentracht. Der älteste Sarafan-Typ, der schräg geschnittene Sarafan, wurde aus handgesponnener oder gefärbter Wolle gefertigt, während festliche Varianten aus Seide und Brokat bestanden. Seine Konstruktion mit mehreren Bahnen (manchmal bis zu zwölf oder mehr) erzeugte eine majestätische, statische Silhouette, die die Körperformen kaschierte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich der gerade Sarafan („Moskowez“ oder „rund“) durch, der aus fünf bis sieben geraden Bahnen bestand, die unter einer Bahn im Brustbereich zu einer feinen Falte gerafft waren.
Der Sarafan wurde über einem langen Hemd getragen, dessen oberer Teil (die „Ärmel“ oder der „Kragen“) reich mit Stickereien oder Webereien verziert war, da er sichtbar blieb. Charakteristisch für die Kleidung des Nordens war die häufige Verwendung von Süßwasserperlen und Goldstickereien auf den Kopfbedeckungen, was den relativen Wohlstand der pomorischen Bauernschaft und die Handelsbeziehungen der Region widerspiegelte.
Südrussischer Poneva-Komplex
In den südlichen Provinzen (Rjasan, Tula, Orjol, Kursk, Woronesch und Belgorod) war eine archaischere Kleidung verbreitet, bestehend aus einem Hemd und einer Ponew (einem Wollrock). Die Ponew war ein Lendenschurz, der nur von verheirateten Frauen getragen wurde. Sie bestand aus drei (selten vier) karierten Wollbahnen, die teilweise oder vollständig zusammengenäht und mit einem Kordelzug zusammengebunden waren.
Das Karomuster der Poneva war kein Zufall: Karogröße, Garnfarbe und Streifenbreite dienten als eine Art Herkunftsnachweis für die Trägerin und kennzeichneten ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Dorf oder Bezirk. Die Poneva war mit Stickereien auf den Karos („Nabranie“) sowie Bändern, Borten und Pailletten verziert. Die Rückenteile waren oft besonders reich bestickt und bildeten ein durchgehendes, teppichartiges Muster. Ein wichtiges Element der südlichen Tracht war der Schürzenvorhang, der nicht nur den Rock, sondern auch die Brust bedeckte und oft Ärmel hatte – ein kunstvoll gestaltetes Kleidungsstück.
Technische Typologie von Kopfbedeckungen
Russische Frauenkopfbedeckungen zeichneten sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Designs aus, die sich in verschiedene Konstruktionstypen unterteilen lassen. Grundsätzlich wurde strikt zwischen Mädchenkopfbedeckungen, bei denen Scheitel und Zopf sichtbar blieben (Kronen, Stirnbänder), und Frauenkopfbedeckungen unterschieden, die das Haar vollständig bedeckten.
Kokoschnik
Die bekannteste Kopfbedeckung, der Kokoschnik, bestand aus einem starren Gestell aus verklebtem Segeltuch oder Karton (Kit’). Die Form des Kamms – dreieckig, Lunnitsa oder rund – variierte je nach Region. Kokoschniks mit einem einzigen Kamm konnten durch eine kunstvoll gestaltete Kappe nach vorn oder hinten geneigt werden. Die Oberfläche des Kamms war mit kostbarem Stoff bezogen und mit Goldfäden, Perlen oder Pailletten bestickt.
Elster und Kika
Eine ältere und komplexere Kopfbedeckung – die Kika mit Elster – war typisch für die südlichen Regionen. Sie bestand aus zahlreichen Elementen (bis zu 12–14 Teilen), die nacheinander getragen wurden. Die Basis bildete die Kichka – eine harte Kappe mit einem erhabenen Teil (ähnlich Hörnern, einem Spaten oder einem Huf), der der gesamten Kopfbedeckung ihre Form gab. Darüber wurde eine Soroka getragen – eine weiche Stoffbedeckung, oft aus Samt oder rot, mit einem reich bestickten Stirnschutz und langen „Flügeln“ am Hinterkopf. Ein Nackenschutz und ein Stirnschutz vervollständigten die Kopfbedeckung. Eine solche Kopfbedeckung konnte mehrere Kilogramm wiegen.
Gürtelkunst: Symbolik und Technologie
In der russischen Tradition war der Gürtel ein obligatorischer Bestandteil der Kleidung für Männer und Frauen jeden Alters. Ohne Gürtel zu gehen, galt als sündhaft und unanständig („den Gürtel ablegen“). Die Techniken der Gürtelherstellung bildeten einen eigenen Zweig des Textilhandwerks.
Die einfachsten Gürtel wurden „zwischen den Fingern“ gewebt oder geflochten, doch gewebte Stücke waren am begehrtesten. Das Weben „auf Brettern“ (Kreisen) ermöglichte die Herstellung dichter, dicker Gürtel mit komplexen geometrischen Mustern. Die Bretter – kleine quadratische Platten mit Löchern in den Ecken – dienten sowohl als Fachbildungsmechanismus als auch als Spulen für die Kettfäden. Durch Drehen eines Stapels Bretter verzwirnte der Weber die Fäden und schuf so ein starkes Band.
Eine weitere Technik, das sogenannte Schilfweben (oder Fadenweben), verwendete eine starre Vorrichtung mit Schlitzen und Löchern. Durch Anheben und Absenken des Schilfs veränderte der Weber das Fach und führte den Schussfaden weiter. Mit dieser Technik konnten breitere Schärpen gewebt werden, die Männer über ihrer Oberbekleidung trugen. Die Muster auf den Schärpen enthielten oft Widmungsinschriften und Gebete und machten sie so zu Amuletten.
Herrenanzug: Funktionalität und Schlichtheit
Die Männerkleidung war im russisch besiedelten Gebiet einheitlicher als die Frauenkleidung und behielt den archaischen, tunikaartigen Schnitt bei. Das Grundkleidungsstück war ein Kosovorotka-Hemd mit einem Schlitz am Kragen links (seltener rechts oder mittig). Es bestand aus einem einzigen gefalteten Stoffstück, an das gerade Ärmel und Seiteneinsätze zur Saumweitung angenäht wurden. Das Hemd reichte üblicherweise bis zu den Knien und wurde locker getragen, mit einem schmalen Gürtel oder einer Kordel zusammengehalten.
Ein unverzichtbarer Bestandteil der Kleidung waren Hosen, die aus zwei Lagen Segeltuch oder buntem Stoff genäht waren und einen keilförmigen Einsatz (Stufe) zwischen den Beinen für mehr Bewegungsfreiheit besaßen. Im Winter trug man über den Segeltuchhosen Stoffhosen. Die Oberbekleidung der Männer – Kaftane, Zipuns und Armyaks – gab es in verschiedenen Schnitten (tailliert oder mantelartig) und aus unterschiedlichen Materialien (handgewebter Stoff, Filzwolle). Ein Hut diente als wichtiges Statussymbol: eine Filzmütze (Greshnevika) für die Wochentage oder ein Pelzhut (Treuchh) für Winter und Feiertage.
Der Wandel des Handwerks während der Industriellen Revolution
Im späten 19. Jahrhundert hielten industriell gefertigte Stoffe Einzug in das Leben der Bauern, was zum allmählichen Rückgang der Heimweberei und zu einem Wandel der Kleidungsästhetik führte. Preiswerte Kalikos mit farbenfrohen Drucken (Baranovsky-Kalikos) begannen, die aufwendig hergestellten Leinenstoffe zu ersetzen. Dies bedingte eine Veränderung im Schnitt: Die Breite der industriell gefertigten Stoffe ermöglichte es, die zahlreichen Nähte und Paspeln, die für handgewebte Stoffe typisch waren, zu vermeiden.
Neue Kleidungsstücke kamen auf, wie die „Parotschka“ – ein Rock und eine Bluse aus demselben Stoff, genäht im urbanen Stil. Handstickereien wurden allmählich durch vorgefertigte Bänder, Spitze und Borten ersetzt, und aufwendige Webtechniken wurden vereinfacht oder gerieten in Vergessenheit. Dennoch bemühten sich die Bäuerinnen auch bei industriell gefertigter Kleidung, traditionelle Schönheitsideale zu bewahren, indem sie Stoffe mit Mustern wählten, die an Volksornamente erinnerten, und an traditionellen Farbkombinationen festhielten.
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