Holzschnitzerei:
eine uralte Kunst, die bis heute weiterlebt
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Holzschnitzerei ist die Bearbeitung von Holz mit Meißeln und Messern, um Reliefs, durchbrochene oder skulpturale Formen zu schaffen sowie Alltagsgegenstände zu verzieren. Im Haus fällt sie sofort ins Auge: an der Fassade, in Türrahmen, an Möbeln, an Gebrauchsgegenständen und überall dort, wo Holz in der Nähe von Händen und Augen ist.
Bedingungen und Grenzen des Handwerks
Die Schnitzkunst beruht auf zwei einfachen Arbeitsschritten: überschüssiges Holz entfernen und das gewünschte Volumen erhalten. Für den Künstler bedeutet dies, mit Flächen, Licht und Schatten zu arbeiten: Eine Kante erzeugt ein Licht, eine Vertiefung einen Schatten, und zusammen ergeben sie das Design ohne Farbe.
Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff „Schnitzerei“ oft alles, was Holz verziert. Tatsächlich sind verschiedene Techniken eng miteinander verwandt: Massivholzschnitzerei, Drechseln, Holzverbindungen, Intarsienarbeiten und Brandmalerei. Diese Techniken finden sich oft am selben Objekt wieder, die Anforderungen an Werkzeug und Material sind jedoch unterschiedlich.
Es gibt noch eine weitere Grenze – die zwischen Schnitzerei und Tischlerei. Der Tischler formt Volumen mit Holz, Äxten und Sägen und wählt Zapfen und Zapfenverbindungen. Der Schnitzer kommt später hinzu oder arbeitet parallel, sobald die Form bereits festgelegt ist und eine Oberfläche benötigt wird, die durch Relief „spricht“.
Holz als Material
Holz ist weich und zugleich widerspenstig. Es lässt sich leichter längs als quer zur Maserung schneiden und verrät fast immer, wo es splittern wird. Daher achtet der Schnitzer nicht nur auf das Maserungsmuster, sondern auch auf die Maserungsrichtung, Astlöcher und Dichteunterschiede.
Die Wahl der Holzart hängt in der Regel von der jeweiligen Aufgabe ab. Für flache Reliefs eignet sich Holz mit gleichmäßiger Maserung, da dies ein präzises Zuschneiden ermöglicht. Bei Außenteilen sind Feuchtigkeitsbeständigkeit und Beständigkeit gegen saisonale Verformung wichtiger, ebenso wie die Fähigkeit, Befestigungsmittel sicher zu halten und Risse beim Trocknen zu vermeiden.
Das Trocknen ist ein Bereich, in dem Fehler teuer zu stehen kommen. Ein rohes Stück lässt sich zwar leicht schneiden, doch dann verzieht sich das Relief, es reißt, verformt sich und durchsticht mitunter die feinen Stege des durchbrochenen Musters. Daher verwendeten sie im Alltag oft Materialien, die bereits herumlagen: Bretter von alten Gebäuden, trockene Baumstämme und Teile zerbrochener Möbel.
Die Oberflächenbeschaffenheit ist ein separates Thema. Ein Relief kann unter Öl oder Wachs „sauber“ bleiben, bemalt oder teilweise getönt werden. In jedem Fall beeinflusst die Oberflächenbehandlung die Lesbarkeit: Öl betont die Textur, Farbe glättet den Hintergrund, Patina verstärkt die Schatten, und Firnis schärft zwar mitunter Licht und Schatten, legt aber auch Kratzer offen.
Werkzeuge und Arbeitsplatz
Das Mindestset besteht aus drei Gruppen: Messern, Meißeln und einem Klöppel. Ein Messer erzeugt eine Linie und einen feinen Schnitt, ein Meißel entfernt Material und schafft eine ebene Fläche, und ein Klöppel hilft dort, wo die Hand ermüdet oder ein kontrollierter Schlag erforderlich ist.
Die Geometrie von Stechbeiteln ist wichtig: Gerade Stechbeitel eignen sich für ebene Flächen, halbkreisförmige für Vertiefungen, Winkelstechbeitel für Nuten und Keilstechbeitel für Arbeiten in Vertiefungen. Je kleiner der Radius, desto leichter lassen sich feine Reliefs erzeugen, aber desto höher ist auch die Gefahr von Ausbrüchen bei falscher Schnittrichtung.
Das Schärfen ist die halbe Miete, wird aber oft vereinfacht dargestellt. Ein Schnitzer achtet auf den Winkel, die Mikrofase und die Schnittfestigkeit in Hartholz. Ein zu scharfes Messer schneidet wie Seife, während ein zu stumpfes die Holzfasern ausreißt und Fusseln hinterlässt, die sich nur schwer entfernen lassen, ohne die Form zu verwischen.
Auch der Arbeitsplatz beeinflusst das Ergebnis. Das Werkstück muss so fixiert sein, dass der Schnitzer es nicht bei jeder Bewegung abfangen muss. In Werkstätten verwendet man Anschläge, Schraubstöcke, Klemmen und manchmal auch einen einfachen Sägebock mit einer Aussparung für das Werkstück. Je stabiler die Fixierung, desto sicherer der Schnitt und desto glatter die Kante.
Grundlegende Techniken und Arten des Schnitzens
Flachreliefs werden häufig im Alltag eingesetzt: Der Hintergrund ist flach, und das Motiv bleibt „über“ der Oberfläche. Diese Reliefart eignet sich gut für Türen, Spinnräder und Truhendeckel, da sie nicht an Kleidung hängen bleibt und bei Berührung nicht zerbricht.
Es gibt auch geometrische Schnitzereien, deren Muster aus einfachen Kerben, Facetten und Strahlen zusammengesetzt sind. Sie disziplinieren die Hand: Schon eine geringfügige Winkeländerung verändert den Lichteinfall, und das Muster verliert seinen Rhythmus. Sie schätzt die Wiederholung, lässt dem handgefertigten Werk aber Raum für subtile, lebendige Variationen.
Durchbrochene Schnitzereien, bei denen der Hintergrund durchschnitten wird, erzeugen einen anderen Effekt: Das Objekt beginnt mit Licht und Luft zu interagieren. Es ist empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und Stößen, eignet sich aber für Details, die Luft oder Licht durchlassen sollen und dennoch elegant wirken müssen.
Bildhauerische Schnitzereien zeichnen sich durch ihre besondere Kunstform aus. Proportionen, Formstabilität und die Festigkeit filigraner Bereiche sind entscheidend. In der Praxis wird diese Art von Arbeit oft durch ein vorbereitendes Tonmodell oder zumindest eine Schablonenzeichnung unterstützt; andernfalls besteht die Gefahr, zu viel zu machen und einen irreparablen Fehler zu verursachen.
Enzyklopädische Beschreibungen der Holzschnitzerei betonen deren Verwendung als dekoratives Gestaltungsmittel für Alltagsgegenstände – beispielsweise in Form von abgeschrägten Verzierungen an Haushaltsgegenständen sowie figürlichen Schnitzereien; insbesondere werden geschnitzte Details an Melkschemel, Holzlöffeln und Spinnrädern erwähnt. Diese Beispiele sind wichtig, da sie die Schnitzkunst mit der alltäglichen Arbeit verknüpfen und nicht nur mit Tempeln und Zeremonialmöbeln. (britannica)
Das Haus als „Träger“ der Schnitzerei
Wenn Holz der primäre Baustoff ist, schreit das Haus förmlich nach einer Oberflächengestaltung, da Bretter und Balken eine große Oberfläche bieten. Doch selbst in Steinstädten ist Holz allgegenwärtig: in Fensterläden, Türen, Treppen, Möbeln und Details der Innenausstattung. Schnitzereien finden sich dort, wo Menschen mit dem Haus in Berührung kommen – in der Nähe von Türen, am Eingang, am Fenster, an der Sitzbank.
Fassadenverzierungen haben praktische Gründe. Die Deckbretter verdecken die Fuge, dichten die Stirnfläche ab und schützen den Spalt vor Wasser und Wind. Das verzierte Muster ist nicht nur ein dekoratives Element, sondern oft eine Form, die mit der darunterliegenden Schutzkonstruktion harmoniert: einer Tropfkante, einem Vorsprung, einer Abdeckung, einem Vordach oder einer Verkleidung.
Die zweite praktische Ebene betrifft Orientierung und Erkennbarkeit. Man betrachtet ein Haus von der Straßenseite aus. Der wiederkehrende Rhythmus der Türrahmen, der geschnitzten Konsolen und der Friese hilft dabei, das Gebäude zu erkennen, die einzelnen Innenhöfe voneinander zu unterscheiden und den Eingang zu finden.
Fenster, Rahmen, Fensterläden
Fenster in Holzhäusern stellen immer eine Problemzone dar: Sie sind dünn, weisen Spalten auf und unterliegen Temperaturschwankungen. Der Rahmen deckt den Montagespalt ab und hält die Zierleiste um die Öffnung. Die Gewinde des Rahmens sind oft so konstruiert, dass das Bauteil nicht geschwächt wird: Tiefe Nuten befinden sich an Stellen mit geringerer Belastung, und dünne Gewindegänge verhindern, dass das Gewinde durch das gesamte Element reißt.
Fensterläden erfüllen eine weitere Funktion – sie schützen das Glas und dienen als Wärmedämmung. Ihre Verzierungen sind in der Regel flacher: Der Flügel ist Regen und Sonne ausgesetzt, und zu starke Reliefs würden schneller verschleißen. Daher wählt der Schnitzer oft ein Design mit Facetten und Rillen anstelle von dünnen Querstegen.
Gesimse, Giebel, Konsolen
Die Dachtraufe und die Dachschalung sind Bereiche, in denen das Holz ständig Feuchtigkeit und Höhenunterschieden ausgesetzt ist. Dort liegen die Schnitzereien nah an der Konstruktion: Die Konsole hält den Dachüberstand, die Blende deckt die Enden ab und die Fensterbank schützt die Kante. Die Muster basieren oft auf sich wiederholenden kurzen Elementen, sodass bei einem notwendigen Teilaustausch das Muster wiederhergestellt werden kann, ohne die gesamte Reihe neu anfertigen zu müssen.
Ein Giebel bietet eine praktische „Leinwand“ für Verzierungen: Er ist hoch und weithin sichtbar. Doch er birgt auch Gefahren für feine Schnitzereien: Wind, Eisregen, Vögel. Daher werden im Außenbereich oft auf Brettern ausgeführte, aufgesetzte Schnitzereien verwendet, anstatt dünner Planken, bei denen der Sturz schon bei einem einzigen unglücklichen Schlag brechen kann.
Schnitzereien im Inneren des Hauses
Die geschnitzten Details im Inneren unterscheiden sich von denen im Außenbereich. Sie sind weniger anfällig für Wasser- und UV-Schäden, aber häufiger mechanischen Einflüssen ausgesetzt – etwa durch Hände, Kleidung und Möbel. Dies beeinflusst die Wahl der Holzart, die Relieftiefe und die Oberflächenbehandlung.
In Innenräumen finden sich Schnitzereien häufig an Objekten, die Räume miteinander verbinden: Türen, Türrahmen, Treppen und Trennwände. In solchen Bereichen sind sie sowohl dekorativ als auch informativ: Sie definieren die Grenze, verleihen dem Eingangsbereich Bedeutung und tragen dazu bei, zu verdeutlichen, ob es sich um einen repräsentativen oder eher funktionalen Bereich handelt.
Türen und Portale
Türfüllungen eignen sich ideal für Intarsien: Der Rahmen gibt die Geometrie vor, und die Intarsie bietet Raum für das Design. Schnitzereien auf Intarsien können tiefer ausgeführt werden als auf einer massiven Holzplatte, da der Rahmen einen Teil der Spannungen durch die jahreszeitlichen Bewegungen des Holzes auffängt.
Die Verzierungen an einem Türrahmen stehen oft in Zusammenhang mit dessen Gestaltung. Sie bestehen aus vielen überlappenden Elementen, die sich bei Renovierungen leichter austauschen lassen. Das ist praktisch: Abgenutzte Teile können entfernt und ersetzt werden, ohne die Wand aufreißen zu müssen.
Treppen und Baluster
Eine Treppe ist ein Objekt, bei dem das Holz ständig Stößen und Reibung ausgesetzt ist. Daher werden Schnitzereien oft an Stellen angebracht, die weniger häufig berührt werden: beispielsweise an den Pfosten, den Unterseiten der Baluster und den Wangen. Dort bleibt das Relief lange erhalten und wird nicht durch Berührung abgewaschen.
Bei Säulen ist die Erkennbarkeit aus der Ferne wichtig. Der Bildhauer wählt daher große Formen: Kannelierungen, geometrische Bänder und akzentuierte Verzierungen. Feine Schnitzereien in Handhöhe würden schnell verschmutzen und zu einer grauen Masse werden.
Trennwände, Gitter, Paneele
Durchbrochene Paneele dienen oft als Licht- und Luftfilter. In der japanischen Tradition dienten geschnitzte und eingelegte Holzeinsätze über Schiebetüren – Ranma genannt – historisch gesehen der Belüftung und Beleuchtung beim Trennen von Räumen. Ranma, das als Handwerk der Region Osaka beschrieben wird, soll im frühen 17. Jahrhundert entstanden sein und sich im 18. Jahrhundert als Kombination aus Funktion und Dekoration in Kaufmannshäusern verbreitet haben. (britannica)
Bei der Bearbeitung solcher Bauteile denkt der Handwerker wie ein Ingenieur. Es ist wichtig, Stürze zu errichten, die sowohl ihr Eigengewicht als auch die Vibrationen der Türen tragen können. Man sollte bedenken, dass ein dünner Sturz bei niedriger Luftfeuchtigkeit austrocknet und entlang der Maserung reißen kann.
Möbel und Gebrauchsgegenstände
Bei Möbeln und Gebrauchsgegenständen kommen die Verzierungen dem Körper am nächsten. Glatte Oberflächen und das Fehlen scharfer Kanten werden hier besonders geschätzt, da diese Gegenstände täglich benutzt werden. Das Relief ist typischerweise flacher, die Kanten weicher und das Design oft ergonomisch gestaltet.
Eine Truhe, ein Schrank, eine Bank, ein Spinnrad, ein Löffel, eine Schöpfkelle – jedes Objekt hat sein eigenes Muster. Bei einer Truhe dient die Schnitzerei oft als Trennlinie: Sie unterteilt die Vorderseite in Felder und hilft, die Fugen zwischen den Brettern zu kaschieren. Bei einem Löffel erschwert das starke Relief die Reinigung, daher erstreckt sich das Muster bis zum Griff.
Enzyklopädische Beschreibungen von Schnitzereien betonen den Zusammenhang von abgeschrägten Kanten mit Alltags- und Gebrauchsgegenständen und führen Beispiele wie Holzlöffel, Spinnräder und Melkschemel an. Dies ist ein hilfreicher Anhaltspunkt für die Analyse: Befindet sich ein Objekt in einer feuchten oder schmutzigen Umgebung, wird die ornamentale Form vereinfacht und dadurch widerstandsfähiger gegen Reinigung. (Britannica)
Küchen- und Haushaltsartikel
Küchenutensilien dienen primär der Hygiene und der Instandhaltung. In der dörflichen Praxis sind Verzierungen auf Schneidebrettern und Schöpfkellen oft minimalistisch: ein Meisterzeichen, eine einfache Griffmulde, ein geometrisches Band. Hier fungiert das Ornament eher als Symbol und praktisches Hilfsmittel denn als Ausdruck handwerklichen Könnens.
An der Wand befestigte Haushaltsgegenstände bieten mehr Gestaltungsfreiheit. Sie ermöglichen ein deutlicheres Relief, da sie seltener berührt werden. Doch auch hier achtet der Künstler auf Staub: Tiefe Vertiefungen sammeln Schmutz und erschweren die Reinigung.
Schlafzimmer und „weicher“ Bereich
Im Schlafzimmer finden sich Schnitzereien häufig an Kopfteilen, Beinen, Spiegelrahmen und Schmuckkästchen. Dort sind sie aus der Nähe sichtbar. Daher werden saubere Schnitte und harmonische Übergänge geschätzt; andernfalls fallen die Blicke auf unsaubere Kanten.
Die Oberfläche solcher Stücke wird oft glatter gearbeitet. Das ist kein Zufall. Bei schwachem Licht und aus nächster Nähe ist alles sichtbar: eine schräge Ecke, eine Meißelspur, der Holzfaseransatz. Deshalb schneidet der Handwerker entweder sorgfältig sauber oder verbirgt die Spuren gegebenenfalls unter der Oberfläche.
Schnitzereien in religiösen und öffentlichen Gebäuden
In der Sakralarchitektur wird Holz häufig mit Tischlerarbeiten und Innenausstattung in Verbindung gebracht. Dort ist die Schnitzerei fester Bestandteil der Konstruktion: Ikonostasen, Ikonenkästen, Lesepulte, dekorative Paneele. Bei solchen Bauwerken sind Technik, Beständigkeit gegen Kerzenrauch und Reparierbarkeit gleichermaßen wichtig.
Anhand der karpatischen Holzkirchen – sogenannten Tserkwas – in Polen und der Ukraine beschreibt die Beschreibung des Ortes deren Bauweise aus horizontal verlegten Baumstämmen im 16. bis 19. Jahrhundert sowie das Vorhandensein einer Ikonostase und polychromer Innenausstattung als Teil der historischen Dekoration. Hervorgehoben werden außerdem der dreiteilige Grundriss und die Kuppeldächer sowie traditionelle Zimmermannstechniken und die Verwendung von Holzschindeln an Dächern und Wänden.
Bei öffentlichen Gebäuden wird die Schnitzerei oft zum Statussymbol, schützt aber auch Bauteile, die durch Fußgängerverkehr beansprucht werden. Ein geschnitztes Geländer oder ein Pfosten kann aus dichterem Holz gefertigt sein und ist widerstandsfähiger gegen Abnutzung als eine glatte, weiche Platte, da die Reliefstruktur die Belastung gleichmäßiger auf die Vorsprünge verteilt.
Stadt und Dorf als unterschiedliche Bedingungen
Im Dorf spielt Holz traditionell eine zentrale Rolle: Die Menschen bauen mit Materialien aus dem Wald, reparieren Dinge selbst und verwenden Werkzeuge. Daher ist Schnitzerei dort oft „angewandt“ und hat eine klare Funktion: Sie dient dazu, eine Lücke zu schließen, ein Grundstück zu kennzeichnen oder einen bequemen Griff zu schaffen.
Die Stadt ist ein anderer Ort. Der Zugang zu Materialien ist anders, der Kunde ist oft vom Herstellungsprozess entfremdet, und der Schnitzer kann sich zu einem spezialisierten Handwerker entwickeln. Der Handel mit geschnitzten Teilen gewinnt an Bedeutung, ebenso wie standardisierte Muster und wiederholbare Profile. Doch die Handschrift bleibt erhalten, denn Holz ist immer ein Unikat.
Das städtische Umfeld birgt auch Risiken für den Brandschutz. In Wohngebieten mit überwiegend Holzbauten wirkt sich dies auf die Oberflächengestaltung aus: Verzierungen werden mitunter eingeschränkt oder auf den Innenbereich beschränkt. In Steingebäuden bleibt Holz im Inneren erhalten – bei Treppen, Möbeln und Türen.
Regionale Schulen und Empfänge
Die weltweite Verbreitung der Holzschnitzerei wird von sehr unterschiedlichen Faktoren geprägt: Klima, verfügbare Holzarten, Haustypen, Religion und Handel. Ähnliche Motive können unabhängig voneinander entstehen, da geometrische Formen leicht mit dem Meißel bearbeitet werden können und Wiederholungen leicht erkennbar sind.
Gleichzeitig gibt es Regionen, in denen Schnitzereien zu einem prägenden Bestandteil des Stadtbildes geworden sind. Dort finden sie sich an den Fassaden von Wohnhäusern, auf Balkonen, Türen und Gittern. Dies zeigt sich besonders deutlich in Gegenden, in denen Holz auch dann noch verwendet wurde, als Stein bereits üblich war, da Holz eine andere Art der Bildhauerei und ein anderes Bautempo ermöglichte.
Westindien und Fassadenschnitzerei
Die architektonische Holzschnitzkunst gilt im Bundesstaat Gujarat als bedeutende Tradition: Gujarat wird seit mindestens dem 15. Jahrhundert als wichtiges Zentrum der Schnitzkunst in Indien bezeichnet. Hervorzuheben ist auch die weitverbreitete Verwendung von Holz in Tempelpavillons und die reich verzierte Dekoration von Wohngebäuden – an Fassaden, Balkonen, Türen, Säulen, Konsolen und Sprossenfenstern. (britannica)
Ein praktisches Detail ist bei diesem Material wichtig: Die Schnitzereien an Fassade und Balkon bilden die Grenze zwischen Straße und Haus. Der Balkon spendet Schatten und Luft, während das Gitterwerk die Öffnung vor direkter Sicht und Sonneneinstrahlung schützt. Der Bildhauer schafft zudem ein Werk, das seine Geometrie auch unter Hitze und saisonaler Luftfeuchtigkeit bewahren muss.
Beschreibungen der Gujarati-Schnitzkunst erwähnen auch eine stilistische Mischung lokaler Traditionen mit Einflüssen der Mogulzeit sowie die weit verbreitete Praxis, Holz mit rotem Lack zu überziehen. Dies deutet darauf hin, dass die Schnitzerei mit einer Oberflächenbehandlung einherging, bei der Farbe und Glanz das Relief hervorhoben, anstatt es zu verdecken. (britannica)
Japan und Ranma als Interieur-Detail
In der japanischen Architektur werden geschnitzte Ranma-Paneele über Schiebetüren und -wänden angebracht. Der Osaka-Tradition zufolge dienten diese Paneele der Belüftung und Beleuchtung und waren gleichzeitig ein dekoratives Element. Dieselbe Beschreibung verweist auf ihren Ursprung im frühen 17. Jahrhundert und ihre darauffolgende Beliebtheit in Kaufmannshäusern des 18. Jahrhunderts.
Die technologische Beschreibung dokumentiert auch die Produktionslogik: die Verwendung von Zeder, Paulownie und Zypresse, natürliche Trocknung, Oberflächenbearbeitung und dreidimensionale Schnitzerei mit anschließender Politur mit Insektenwachs. Dies ist wichtig für Alltagsforscher, da es aufzeigt, wie das dekorative Detail in die handwerkliche Wertschöpfungskette integriert ist: Material, Trocknung, Gestaltung, Zuschnitt, Endbearbeitung. (britannica)
Madagaskar und die Schnitzkunst als gemeinschaftliches Markenzeichen
Enzyklopädische Informationen zur Holzschnitzerei führen Madagaskar als Beispiel an: Das Volk der Mahafaly ist bekannt für seine hochentwickelte Tradition geschnitzter Holzsäulen für Grabbauten, ebenso wie die bedeutende Holzbearbeitung bei den Zafimaniri. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Wissen der Zafimaniri über die Holzbearbeitung von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Hier ist die Schnitzkunst mit einer spezifischen Umgebung – Holz als primärem verfügbaren Material – und mit einer Fertigkeit verbunden, die durch gemeinschaftliche Praxis weitergegeben wird. (britannica)
Solche Beispiele lassen sich leicht und ohne Verklärung verwenden. In diesem Fall zeugt die Schnitzerei von handwerklichem Geschick: der Fähigkeit, das passende Holz auszuwählen, es zu trocknen, zu verbinden, zu schneiden und die Oberfläche zu schützen. Das Ergebnis ist im fertigen Produkt sichtbar, basiert aber auf handwerklicher Disziplin.
Fassaden in Europa: Skandinavien und die slawischen Länder
In Norwegen ist die Holzschnitzerei eng mit der Tischlertradition und der Ornamentik mit Pflanzenmotiven verbunden. Das 18. Jahrhundert gilt als das goldene Zeitalter der norwegischen Schnitzkunst. Beispiele hierfür sind Stücke mit Akanthusmotiven, deren erste Verwendung 1699 auf einem Altarbild eines niederländischen Meisters für den Osloer Dom zu sehen war. (ethniccraft.blogspot)
Akanthusblätter wurden in Norwegen zu einem festen Bestandteil der alltäglichen Ornamentik: Sie zierten Möbel, Türen und Kirchenportale. Die Akanthusschnitzerei lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen und gilt als „Rosenmalerei in Holz“, bei der jedes Detail aus Blättern, Ranken und Flechtwerken besteht. Das Schnitzen von Akanthusblättern erfordert präzise Kontrolle über Volumen und Tiefe, da das Blatt mit seinen wirbelnden und lichtdurchfluteten Linien lebendig wirken soll.
Mittelalterliche norwegische Stabkirchen – Fachwerkkirchen – sind besonders für ihre kunstvoll geschnitzten Portale mit ihren filigranen Linienverzierungen bekannt. Bei der Restaurierung des Portals der Kirche von Urnes verwendeten Handwerker mittelalterliche Werkzeuge und Methoden: Sie nutzten Holzkohle und Rasterlinien, schmiedeten ihre eigenen Eisenmeißel und wählten astfreies Kiefernholz aus der Region. Die Beschreibung hebt die Schnitztiefe von bis zu zehn Zentimetern und die Schwierigkeit der Arbeit in den engen Vertiefungen hervor, die präzise Werkzeuge und ständiges Nachschärfen erforderte. (sciencenorway)
Die russische Tradition der Fensterschnitzerei – Nalikadniki genannt – entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einer bedeutenden Form der Fassadengestaltung und verbreitete sich im 19. Jahrhundert. Die Zierleisten dienen als Rahmen und Schutz für den Fensterspalt, während die Schnitzereien sowohl der Dekoration als auch der Kennzeichnung des Hauses dienen. Es gibt verschiedene regionale Stile: In Sibirien und der Region Nischni Nowgorod ist die flache Schnitzerei, die an Flachreliefs erinnert, verbreitet, während in den Republiken Burjatien, Udmurtien und Tatarstan die durchbrochene Schnitzerei, bei der das Holz durchgesägt wird, um einen spitzenartigen Effekt zu erzielen, üblicher war. (themoscowtimes)
Im 19. und 20. Jahrhundert arbeiteten Fensterrahmenmacher oft in Teams und entlehnten Muster voneinander sowie von Alltagsgegenständen wie Stickereien, Teeetiketten und Seife. Die Verzierungen umfassen Blumen, Schnörkel, Sterne und an Amulette erinnernde Formen. Der Zusammenhang zwischen Schnitzerei und Symbolik wurde in den 1980er Jahren intensiv diskutiert, doch der Forscher I. Khafizov merkt an, dass bis dahin niemand behauptet hatte, die Muster hätten eine spezifische Bedeutung und das Design hänge von der Fantasie des Schnitzers ab. In der Praxis entspricht dies der Arbeitsweise: Der Handwerker sähe sich Muster aus, passte sie an Werkzeug und Brettgröße an und fügte mitunter eine persönliche Note hinzu. (themoscowtimes)
Alpenstil und Balkone
In den Alpenregionen – Schweiz, Österreich, Süddeutschland und Ostfrankreich – finden sich häufig Schnitzereien an Balkonen und Chaletfassaden. Traditionelle Chalets zeichnen sich durch die Verwendung von Naturholz, geschnitzten Balustern und Balkongeländern aus, die nicht nur dekorativ, sondern auch baulich tragend sind.
Die geschnitzten Details an den Balkonen spielen mit dem Schattenspiel: Stürze und vertikale Streben erzeugen Rhythmus, während kleine Zierelemente die Oberfläche beleben, ohne sie zu überladen. Wo im Winter Schnee und hohe Luftfeuchtigkeit herrschen, muss das Holz atmen und schnell trocknen. Daher werden tiefe „Taschen“, in denen sich Wasser sammeln kann, in der Verzierung vermieden.
Eine Beschreibung eines geschnitzten Alpenpaneels aus dem frühen 20. Jahrhundert nennt dessen Motiv: eine kleine Berghütte, einen Pfad, einen Zaun und Bäume, als Flachrelief in ein einziges Stück dunkel gebeiztes Holz geschnitzt. Solche Paneele wurden im Winter gefertigt, in Berggasthöfen verkauft oder als Souvenirs aufbewahrt. Dies verdeutlicht die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks: Die Schnitzerei diente als Einkommensergänzung in der Saison, in der die Hauptarbeit ruhte.
Ornament als Kennzeichnungssystem
Das Design basiert auf Wiederholung und Symmetrie. Wiederholung vereinfacht das Markieren und macht das Design vorhersehbar, selbst wenn der Künstler ohne Lineal schneidet. Symmetrie stützt das Auge: Ist eine Seite frei, bildet die andere eine spiegelbildliche Form. Ein Fehler wird genau dann bemerkbar, wenn Symmetrie oder Rhythmus gestört sind, denn das menschliche Auge erkennt jede Störung sofort.
Geometrische Muster sind hierfür besonders praktisch. Sie lassen sich mithilfe von Raster, Zirkel, Winkelmaß oder Lineal leicht anzeichnen. Dreiecke, Rauten, Rosetten, Sterne, Kreise, Sechsecke und Streifen sind allesamt Formen, die sich ohne Skizze schnitzen lassen, sofern der Künstler das Muster auswendig kennt. Diese Vorgehensweise ermöglicht schnelles Schnitzen und vermeidet die Notwendigkeit einer aufwendigen Musterübertragung.
Im Flachrelief und in geometrischen Schnitzereien werden häufig Module verwendet – kleine Fragmente, die einen langen Fries bilden oder eine Fläche ausfüllen. Dies ist praktisch für Reparaturen: Ist ein Brett beschädigt, kann es durch Wiederholung des Moduls ersetzt werden, und die Verbindungsstelle ist im Gesamtbild nicht sichtbar.
Das Muster ist auch von der Faserrichtung abhängig. Der Handwerker ist bestrebt, das Design so zu gestalten, dass möglichst wenige Schnitte quer zur Faserrichtung erfolgen, da sonst die Kante unsauber wird oder nachbearbeitet werden muss. In manchen Traditionen besteht das Muster aus Streifen entlang der Faserrichtung, während die Verbindungen quer zur Faserrichtung breit und stabil bleiben.
Zünfte, Lehre, Kompetenztransfer
Im mittelalterlichen Europa waren Schnitzer und Tischler oft in Zünften organisiert. Diese Zünfte vereinten Meister, Gesellen und Lehrlinge, regelten den Zugang zum Handwerk, schützten Geheimnisse und überwachten die Qualität. Für einen Holzschnitzer begann der Weg mit einer Lehre: Ein Junge wurde für mehrere Jahre einem Meister zugeteilt, wo er zunächst einfache Aufgaben verrichtete – Werkzeuge tragen, Späne entfernen und Messer schärfen.
Nach und nach begann der Lehrling unter Aufsicht einfache Werkstücke zuzuschneiden. Ihm wurden nicht nur die Techniken beigebracht, sondern auch das Verständnis für das Material: wie man ein Brett auswählt, wo sich die Äste befinden, wie die Maserung verläuft und wie man das Werkstück trocknet. Die raffiniertesten Techniken wurden erst dann enthüllt, wenn der Meister sicher war, dass der Lehrling seine individuelle Vorgehensweise nicht preisgeben würde.
Nach der Lehrzeit folgte die Gesellenzeit. Ein Geselle konnte gegen Bezahlung arbeiten, galt aber noch nicht als vollwertiger Meister. In manchen Zünften begab sich der Geselle auf Wanderjahre, arbeitete für verschiedene Meister, sammelte Erfahrung und lernte unterschiedliche Techniken und Werkzeuge kennen. Diese Zeit half dem Schnitzer, sein Repertoire zu erweitern und seine Technik an die lokalen Hölzer und Aufträge anzupassen.
Das Endergebnis war die Schaffung eines „Meisterwerks“ – eines Werkes, das die Fähigkeit zu selbstständigem und hochqualitativem Arbeiten unter Beweis stellte. Das Meisterwerk wurde von allen Meistern der Zunft begutachtet, und erst nach dessen Zustimmung erhielt der Lehrling den Meistertitel. In manchen Fällen war eine finanzielle oder materielle Leistung erforderlich; für Söhne von Meistern wurden diese Anforderungen oft gelockert.
In Großbritannien schwächte sich nach der Auflösung der Klöster und während der Puritanerzeit die Tradition der Zimmererzunft ab, die Arbeit wurde seltener und die Zünfte verloren ihre frühere Bedeutung. Auf dem europäischen Festland zogen Wanderlehrlinge weiterhin durch verschiedene Länder, darunter auch Großbritannien, und arbeiteten an großen Bauprojekten. (carvingswithstories.blogspot)
Ökonomie des Handwerks
Holzschnitzerei bedeutete schon immer, Zeit und Material zu sparen. Je komplexer das Motiv, desto mehr Arbeitsstunden benötigte der Schnitzer. Daher kalkulierte er seinen Aufwand: Wo konnte er die Form vereinfachen, ohne die Wirkung zu beeinträchtigen? Wo genügte eine Rille anstelle eines vollständigen Reliefs? Wo sparte die Wiederholung Markierungen?
In den städtischen Werkstätten begann sich eine Spezialisierung herauszubilden. Ein Handwerker fertigte Möbelteile, ein anderer Fassadenelemente und ein dritter Löffel und Haushaltsgegenstände. Dies gewährleistete Schnelligkeit und gleichbleibende Qualität: Jemand, der monatelang dieselben Türrahmen bearbeitete, produzierte sie schneller und präziser als jemand, der alle Arbeiten übernahm.
Der Handel mit geschnitzten Teilen vereinfachte auch den Bauprozess. Man konnte fertige geschnitzte Konsolen, Architrave, Paneele oder Kapitelle kaufen und einen Innenraum oder eine Fassade zusammenstellen, ohne einen Schnitzer beauftragen zu müssen. Dies machte die Schnitzkunst zugänglicher, führte aber oft zur Duplizierung derselben Motive.
Schnitzereien als Nebeneinkommen waren in Dörfern, in denen die Feldarbeit im Winter ruhte, weit verbreitet. Die Handwerker fertigten Stücke für Wohnhäuser, Kirchen und Jahrmärkte an. Es handelte sich um eine Saisonarbeit, bei der Schnelligkeit entscheidend war, und die Entwürfe entstanden oft aus dem Gedächtnis oder anhand eines nahegelegenen Vorbilds.
In manchen Regionen wurden geschnitzte Stücke auf Jahrmärkten oder über Händler verkauft. Der Käufer wählte aus fertigen Mustern, und der Handwerker fertigte die Stücke nach dem Auftrag an. So entstanden Standardformen: Ein beliebtes Muster wurde von Dutzenden Schnitzern kopiert und wurde zur „Sprache“ der Region.
Restaurierung und Instandhaltung
Schnitzereien halten so lange wie das Holz selbst. Wasser, UV-Strahlung, Pilze, Insekten und mechanische Einwirkungen zerstören das Material. Daher sind Restaurierung und Pflege ein ständiger Bestandteil der Lebensdauer von Schnitzereien, insbesondere von solchen für den Außenbereich.
Bei der Restaurierung ist es wichtig, die Schäden genau zu identifizieren. Ist ein Endstück verrottet, kann ein neues eingesetzt werden. Ist ein Sturz gerissen, kann er geklebt, verstärkt oder gegebenenfalls das gesamte Element ausgetauscht werden. Ist die Farbschicht aufgequollen und abgeblättert, muss die alte Beschichtung entfernt, das Holz getrocknet, mit Schutzmitteln behandelt und eine neue Schicht aufgetragen werden.
Der Restaurator versucht, so viel wie möglich vom Original zu erhalten. In der Praxis ist dies jedoch nicht immer möglich. Ist ein Stück vollständig verrottet, muss eine Kopie angefertigt werden. Dies wirft die Frage auf: Soll man jede Unvollkommenheit des Originals nachbilden oder eine möglichst originalgetreue Version dessen schaffen, was der ursprüngliche Meister beabsichtigt hat? Verschiedene Restaurierungsrichtungen bieten unterschiedliche Antworten.
Die Pflege von Holzschnitzereien im Haus erfordert einfache Regeln: Das Holz sollte trocken gehalten werden, Möbel sollten nicht zu nah an der Wand stehen, regelmäßig auf Insektenschäden überprüft und Öl oder Wachs nachgetragen werden. Bei Holzarbeiten im Außenbereich ist der Schutz der Kanten und Stellen, an denen sich Wasser ansammeln kann, besonders wichtig, da das Holz dort zuerst verrottet.
Die Werkzeuge für die Restaurierung sind dieselben wie für die Schnitzerei, werden aber durch Bindemittel, Verstärkungsmittel und Farbpigmente ergänzt. Restauratoren arbeiten oft mit Material, dessen Fasern beschädigt oder aufgeweicht sind. Daher muss der Schnitt äußerst vorsichtig ausgeführt werden, um weitere Schäden am verbleibenden Material zu vermeiden.
Schnitzerei und modernes Leben
Holzschnitzereien sind aus dem Alltag nicht verschwunden, aber ihre Rolle hat sich gewandelt. In industriell gefertigten Häusern ist sie selten zu finden: Standardisierte Oberflächenbehandlungen sind günstiger und schneller. In Privathäusern, bei Renovierungen und individuell gestalteten Inneneinrichtungen hingegen erlebt die Schnitzerei eine Renaissance als Zeichen von Handwerkskunst und Verbundenheit mit traditionellem Kunsthandwerk.
Moderne Kunden wünschen sich oft einen „ethnischen“ oder „historischen“ Stil. Der Schnitzer muss entweder das Original originalgetreu reproduzieren oder das alte Motiv an einen neuen Kontext anpassen: andere Größe, anderes Holz, anderer Raum. Dies erfordert sowohl Kenntnisse der Tradition als auch die Fähigkeit, mit ihr zu brechen.
Die Mechanisierung verändert auch den Prozess. Eine Fräse kann ein sich wiederholendes Profil schneller schneiden als eine Hand. Ein Laser kann ein dünnes, durchbrochenes Blech in einer Stunde statt in mehreren Tagen durchtrennen. Doch die Maschine hat eine andere „Handschrift“: Die Linie ist zu gerade, die Übergänge sind mechanisch. Daher bleibt der manuelle Prozess wertvoll, auch wenn er langsamer und teurer ist.
In Ausbildungsprogrammen wird Schnitzen oft als ergänzender Kurs im Bereich Tischlerei oder Kunsthandwerk angeboten. Dies bewahrt die Tradition, ermöglicht aber selten eine vollwertige Karriere in einer Zunft: eine lange Lehrzeit, vielfältige Aufgaben und Kontakte zu anderen Handwerkern. Stattdessen erwerben die Schüler grundlegende Fertigkeiten und lernen dann selbstständig oder bei privaten Handwerkern.
Es gibt auch Bestrebungen, ältere Ausbildungsformen wiederzubeleben. Meisterkurse, Sommerschulen und Online-Kurse vermitteln zwar Techniken, ersetzen aber nicht die jahrelange Übung unter der Anleitung eines erfahrenen Schnitzers. Gleichzeitig ermöglichen sie es jenen, die zuvor keinen Zugang dazu hatten, dieses Handwerk zu erlernen.
Museen, Sammlungen, Dokumentation
Holzschnitzereien sind im Vergleich zu Stein- oder Metallschnitzereien zerbrechlich. Viele Beispiele gehen verloren, weil ein Haus abbrannte, ein Stück bei Renovierungsarbeiten weggeworfen wurde oder das Holz verrottete. Daher werden Dokumentation und Museumserhaltung immer wichtiger, um zumindest Informationen darüber zu bewahren, wie dieses Handwerk in verschiedenen Epochen aussah.
Es gibt Museen für Holzarchitektur, die ganze Häuser oder deren Fragmente beherbergen. Dort kann man die Schnitzereien im Kontext sehen: wie sie an der Fassade angebracht sind, wie sie sich in die Struktur einfügen und wie sie sich von Region zu Region unterscheiden. Das ist wichtiger als ein einzelnes Detail in einer Vitrine, denn Schnitzereien stehen immer in Wechselwirkung mit ihrer Umgebung.
Es gibt auch virtuelle Archive. Das Projekt „Virtuelles Museum für geschnitzte Fensterverzierungen“ beispielsweise sammelt Fotografien von Fenstern aus verschiedenen Städten in Russland, Belarus, Kasachstan, der Ukraine, Polen und anderen Ländern. Ziel ist es, die Vielfalt der Stile zu präsentieren und Details festzuhalten, bevor sie durch Abriss oder Wiederaufbau verloren gehen.
Die fotografische Dokumentation ist auch für die Handwerker nützlich. Ein Schnitzer kann ein Muster studieren, nachvollziehen, wie es konstruiert wurde, welche Werkzeuge verwendet wurden und wo der Meister Vereinfachungen vorgenommen hat. Dies ersetzt einen Teil der mündlichen Überlieferung, die früher in Zünften oder Familien stattfand.
Wissenschaftliche Beschreibungen von Schnitzereien konzentrieren sich oft auf den Stil, doch für den Handwerker sind die technischen Details wichtiger: Brettstärke, Schnitttiefe, Verbindungsart und Befestigungsmethode. Werden solche Daten in einer Museumsbeschreibung erfasst, stehen sie zukünftigen Generationen zur Verfügung und tragen zur Wiederbelebung verlorener Techniken bei.
Holzarten und ihre Eigenschaften beim Schnitzen
Die Holzwahl hängt vom Standort, dem Verwendungszweck und dem Budget ab. Lindenholz ist weich, lässt sich leicht bearbeiten und liefert einen sauberen Schnitt, speichert aber Feuchtigkeit schlecht und dunkelt im Freien schnell nach. Eiche ist hart, langlebig und fäulnisbeständig, erfordert jedoch scharfe Werkzeuge und körperliche Anstrengung. Birke ist dicht, gleichmäßig und eignet sich für feine Reliefarbeiten, reagiert aber empfindlich auf Trockenheit – sie verzieht sich und reißt.
Nadelhölzer wie Kiefer, Fichte und Zeder sind leicht erhältlich und preiswert. Sie lassen sich gut bearbeiten, doch das Harz kann mitunter lästig sein: Es bleibt am Messer kleben und verstopft die Poren. Harzhaltiges Holz ist jedoch fäulnisbeständig und wurde daher häufig für Außenteile verwendet. Lärche speichert Wasser noch besser, ist aber härter als Kiefer und erfordert stärkere Werkzeuge.
Exotische Hölzer wie Buchsbaum, Palisander und Ebenholz werden für feine Schnitzereien und Objekte verwendet, bei denen Dichte und Haltbarkeit wichtig sind. Da sie jedoch teuer und selten sind, findet man sie im Alltag kaum.
Für einen Schnitzer ist nicht nur die Holzart, sondern auch der Stammabschnitt wichtig. Kernholz ist dichter als Splintholz, weist aber oft Risse auf. Splintholz ist weicher, verrottet aber schneller. Der untere Teil des Stammes ist dichter als der obere. All dies beeinflusst die Eigenschaften des fertigen Werkstücks nach der Aufstellung.
Auch der Zeitpunkt der Baumfällung ist wichtig. Winterholz ist dichter als Sommerholz und neigt beim Trocknen weniger zu Rissen. Früher wurde dies berücksichtigt, doch in modernen Holzlieferketten ist eine solche Kontrolle selten.
Der Einfluss des Klimas auf die Bildhauerei
Das Klima bestimmt Material, Technik und Form des Ornaments. In feuchten Klimazonen quillt Holz stärker auf und zieht sich stärker zusammen, daher lässt der Schnitzer Lücken, vermeidet dünne Stege im durchbrochenen Muster und verwendet haltbare Hölzer. In trockenen Klimazonen reißt Holz durch Austrocknung, daher ist das Ölen und Schützen der Kanten unerlässlich.
In kalten Klimazonen werden Schnitzereien oft im Hausinneren angebracht, da das Holz in der Kälte spröde wird und beim Auftauen Feuchtigkeit aufnimmt. Mit dem richtigen Schutz und dem passenden Holz können Schnitzereien im Außenbereich jedoch lange halten: Beispiele aus Skandinavien und Sibirien belegen dies.
In heißen Klimazonen zerstört die Sonne ungeschütztes Holz schnell: Es bleicht aus, reißt und trocknet aus. Daher werden Schnitzereien unter Schutzdächern verborgen, mit einer dicken Schicht Farbe oder Lack überzogen, und es werden Holzarten mit hohem Harz- und Tanningehalt ausgewählt.
Das maritime Klima ist aufgrund des Salzgehalts gefährlich: Er greift das Holz an und beschleunigt die Korrosion von Befestigungselementen. In Küstenregionen werden die Gewinde daher abnehmbar gestaltet, sodass sie entfernt, gewaschen, behandelt und wieder eingesetzt werden können.
Möbelschnitzerei: Design und Dekoration
Die Möbelschnitzerei erfordert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Dekoration und Stabilität. Ein geschnitztes Tischbein muss das Gewicht des Tisches tragen, und eine geschnitzte Stuhllehne darf unter Belastung nicht brechen. Daher achtet der Schnitzer nicht nur auf das Design, sondern auch darauf, wo genügend Material für die nötige Festigkeit vorhanden ist.
Eine Paneelkonstruktion ist eine klassische Methode, Schnitzereien in Möbel zu integrieren. Der Rahmen gibt die geometrische Form vor, während die Paneele die Fläche für die Verzierungen bilden. Tiefere Schnitzereien machen die Paneele zwar leichter, aber auch weniger stabil. Daher wird die Relieftiefe anhand der Brettstärke und der Belastung berechnet.
Eine weitere Technik ist das Aufbringen von Reliefs. Dabei wird das Ornament separat ausgeschnitten und anschließend auf eine glatte Oberfläche geklebt oder genagelt. Dies ist praktisch für Reparaturen: Eine beschädigte Schicht kann entfernt und ersetzt werden. Allerdings ist eine solche Schicht nicht so haltbar wie ein Relief aus einem massiven Stück, weshalb sie nur in Bereichen eingesetzt wird, die keinen starken Stößen ausgesetzt sind.
Die Verzierungen an Griffen, Armlehnen und Tischkanten sollten sich glatt anfühlen. Die Oberflächenbehandlung ist entscheidend: Schleifen, Polieren und gegebenenfalls Wachsen oder Ölen erzeugen eine seidige Oberfläche. Scharfe Kanten werden abgerundet, um Kratzer zu vermeiden.
Die Verbindung der Schnitzkunst mit anderen Handwerken
Reliefschnitzereien kommen selten allein vor. Oftmals werden sie zusammen mit Malerei eingesetzt: Zuerst wird das Relief geschnitzt, dann mit Farbe, Vergoldung oder Firnis überzogen. Dies ist eine gängige Technik bei Ikonostasen und Kirchenmöbeln: Vergoldete Schnitzereien auf dunklem oder farbigem Grund erzeugen eine starke visuelle Wirkung.
Das Schnitzen überschneidet sich mit dem Drechseln. Baluster, Beine und Pfosten werden oft zuerst gedrechselt und dann geschnitzt. Dies erfordert vom Handwerker, beide Techniken zu beherrschen oder sie parallel anzuwenden.
Schnitzereien werden mit Intarsien kombiniert. Bei Möbeln des 18. und 19. Jahrhunderts wurden geschnitzte Reliefs durch Intarsien aus anderen Hölzern, Knochen, Perlmutt und Metall ergänzt. Dies macht die Arbeit zwar komplexer, erzeugt aber eine reiche Textur.
Schnitzereien ergänzen Holzverbindungen. Zapfenverbindungen, Schwalbenschwanzverbindungen und Dübel sind allesamt Bauteile, die eine Konstruktion zusammenhalten. Der Schnitzer muss den Verlauf der Verbindung kennen, um sie nicht durch einen zu tiefen Schnitt zu schwächen.
Kopieren, Variation, Urheberschaft
In der traditionellen Schnitzkunst ist der Begriff der Urheberschaft vage. Der Handwerker nahm ein bekanntes Motiv und passte es seinen eigenen Vorstellungen und dem jeweiligen Auftrag an. Niemand verlangte „Originalität“ im modernen Sinne. Die Qualität der Ausführung, nicht die Neuartigkeit der Form, zählte.
Das Kopieren von Mustern war üblich. Ein Lehrling lernte, indem er die Arbeit des Meisters nachahmte. Ein Kunde brachte ein Bild mit oder zeigte den Türrahmen eines Nachbarn und bat um etwas Ähnliches. Der Meister fertigte etwas Ähnliches an, aber nicht identisch, da Material und Handarbeit immer etwas anders sind.
Variationen entstanden ganz natürlich. Der Meister vereinfachte ein komplexes Muster, um einen Abgabetermin einzuhalten. Oder er verkomplizierte ein einfaches, um sein Können zu demonstrieren. Oder er passte es an eine andere Brettgröße an. So entstanden lokale Varianten eines gemeinsamen Motivs.
Die Urheberschaft wurde nur bei herausragenden Bildhauern sichtbar, deren Werke sich durch ihre Technik oder Komposition auszeichneten. Sie wurden mit großen Aufträgen betraut, und ihre Namen wurden mitunter in Dokumenten festgehalten. Die meisten Bildhauer blieben jedoch anonym, und ihre Werke gingen im allgemeinen Strom des Handwerks unter.
Heute ändert sich die Situation. Bildhauer arbeiten oft als Künstler: Sie signieren ihre Werke, stellen sie aus und schützen ihre Urheberrechte. Das bringt ihnen Anerkennung und die Möglichkeit, höhere Preise zu erzielen, entfernt sich aber von der alten Logik, in der die Bildhauerei Teil einer kollektiven Sprache und nicht Ausdruck einer persönlichen Ausdrucksweise war.
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